Lehrerin hält sich den Kopf
Fortbildung
Selbstorganisation
Veröffentlichung: 23.02.2021

Unzufriedenheit mit dem Lehrerberuf: Ist Lehrerin/Lehrer zu sein noch das Richtige für mich?

Der Lehrerberuf ist nicht für jeden ein Job auf Lebenszeit. Aber ist nicht jeder mal unzufrieden mit seiner Arbeit? War die Berufswahl ein Fehler? Wie finde ich heraus, ob ich weitermachen oder hinschmeißen soll? Oder benötige ich einfach eine Pause oder Bedenkzeit? Und ist das im Lehrerberuf möglich? Hier erhalten Sie Tipps und Entscheidungshilfen für diese Fragen.
Bettina Kroker
Bettina Kroker
Online-Redakteurin
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Auf Ursachensuche - Warum der Lehrerberuf nicht für jeden ein Job auf Lebenszeit ist

Gerade der Lehrerberuf ist prädestiniert für Fehlentscheidungen:

Das Berufsbild steht anders als bei vielen Studienfächern von Beginn an fest und eine Sicherheit versprechende Verbeamtung ist in den meisten Bundesländern die Regel.

Auch die Möglichkeit, sich die Arbeitszeit für die Unterrichtsvorbereitung oder Korrekturen flexibel einteilen zu können, wird von vielen als Vorteil gewertet.

Und nicht zuletzt kennt jeder aus seiner Schulzeit vermeintlich die Anforderungen dieses Berufs und kann sich mit seinen Interessen dank der breiten Fächerauswahl wiederfinden. Diese Vorteile können leicht leise Zweifel an der Berufswahl verschwinden lassen - vorerst.

Bis zum 1. Staatsexamen studieren viele ohne Probleme; die Begeisterung für die gewählten Fächer und der didaktischen Theorie ist ja vorhanden.

Doch dann beginnt das Referendariat:  Obwohl die Lehrerausbildung inzwischen in kaum einem Bundesland noch komplett praxisfrei abläuft, lernen noch immer viele Lehramtsstudenten den wirklichen Schulalltag mit den ersten eigenverantwortlich gehaltenen Stunden und den großen und kleinen Alltagsproblemen erst in dieser druckintensiven Zeit kennen. Etwa jeder Fünfte wird Opfer des sogenannten „Praxisschocks“.

Kreisdiagramm Praxisschock

Ist der Lehrerberuf das Richtige für mich?

Überlegen Sie gerade, ein Lehramtsstudium zu beginnen, sind sich aber noch nicht sicher, ob es das Richtige für Sie ist? Diese Angebote und Tests können Ihnen weiterhelfen:

    • Hilfe bei der Entscheidung bietet die Informationsplattform „Career Counselling for Teachers“. Dort können Sie in sogenannten Selbsterkundungs-Verfahren durchführen. Dabei handelt es sich um professionelle Tests, die Ihnen bei der Entscheidung wichtige Hilfestellungen geben können. 
    • Auch das Beratungstool SeLF des Münchener Zentrums für Lehrerbildung der Ludwig-Maximilians-Universität München bietet die Möglichkeit einer Eignungsreflexion mit Filmimpulsen.
    • Udo Rauin, Britta Kohler und Geog E. Becker haben in dem Beitrag „Drum prüfe, wer sich ewig bindet“ (erschienen in: Pädagogik, 1994, Heft 11, S. 34-39) einen Berufseinstiegstest für das Lehramtsstudium erstellt. Der Test ist auf der Seite der Fachrichtung Bildungswissenschaften der Universität des Saarlandes abrufbar. 

Wenn Zweifel zum ständigen Begleiter werden: durchhalten oder hinschmeißen?

23% der bereits im Beruf stehenden Lehrerinnen und Lehrer haben nach Angaben der Studie „Lehre(r) in Zeiten der Bildungspanik“ (2012) der Vodafone-Stiftung bereits einmal ernsthaft über die Aufgabe des Lehrerberufs nachgedacht. Nicht befragt wurden allerdings diejenigen, deren Bedenken schon vor dem Eintritt in den Schuldienst so groß waren, dass sie sich nach beruflichen Alternativen zum Lehrerberuf umgesehen haben.

Gehören Sie zu der Gruppe von angehenden Lehrerinnen und Lehrern oder Referendarinnen und Referendaren, die zweifelt, ob sie mit dem Lehramtsstudium auf die falsche Karte gesetzt hat, hilft nur eines:

Nicht durchdrehen und sich der Frage stellen, ob der hohe Leistungsdruck und die unzähligen neuen Situationen mit denen Sie konfrontiert werden, das eigentliche Problem sind, oder ob die Anforderungen des Lehrerberufs für Sie grundsätzlich kein erfülltes Berufsleben ermöglichen.

Wenn die Zweifel situationsbedingt und vorübergehender Natur sind:

Ist ersteres der Fall, heißt es dranbleiben, Hilfe und Rat von Kolleginnen und Kollegen suchen und, wenn Sie sich noch im Referendariat befinden, die speziellen Schwierigkeiten mit Ihren Mentorinnen und Mentoren oder der Seminarleitung besprechen. Mit jedem Schuljahr wird die Zahl der Unterrichtsmaterialien, auf die Sie zurückgreifen können, wachsen und Sie gewinnen Erfahrungen, die Ihnen z.B. bei Unterrichtsstörungen, der Organisation des Schulalltags oder im Umgang mit Schülereltern helfen.

Wenn Sie sich über einen eventuellen Abbruch des Referendariats oder den Berufswechsel noch nicht sicher sind oder Auskunft über Alternativen suchen, können Sie z.B. bei den Bildungsgewerkschaften, dem Personalrat oder den schulpsychologischen Beratungsstellen um eine Beratung bitten.

Überlegen Sie auch, ob Ihre Schwierigkeiten evtl. mit der Schule, an der Sie unterrichten, zusammenhängen könnten (nicht lösbare Probleme im Kollegium oder mit der Schulleitung, zu viel fachfremder Unterricht. In diesem Fall besteht die Möglichkeit eines Wechsels  – auch während des Referendariats können Sie einen Antrag auf eine Änderung von Schule und evtl. dem Seminar stellen.

Supervision und Beratung

Erzieher und Elternteil im Gespräch an einem Tisch
Ein individuelles Coaching hilft, die eigenen Optionen auszuleuchten.

Sich von professionellen Beraterinnen und Beratern coachen zu lassen, ist im pädagogischen Bereich weit weniger verbreitet, als in anderen Berufen. Doch besonders, wenn es um so weitreichende Entscheidungen, wie den Wechsel des Berufs geht, kann es helfen, die eigenen Fragen und Probleme unter geschulter Anleitung zu reflektieren und Antworten zu finden. 

Auf der Seite der Deutschen Gesellschaft für Supervision und Coaching e.V. (DGSv) können Sie nach Supervisorinnen und Supervisoren in Ihrer Umgebung suchen.

Wenn Sie grundsätzlich an der Entscheidung für den Lehrerberuf zweifeln: 

Kommen Sie aber zu dem Schluss, dass Sie einfach keine Freude am Unterrichten von Kindern und Jugendlichen haben, nicht ausreichend motiviert und herausgefordert sind, ist es an der Zeit, Ihre beruflichen Möglichkeiten zu sondieren.

Die Erkenntnis, dass der Lehrerberuf nicht unbedingt eine Tätigkeit auf Lebenszeit sein muss, betrifft übrigens nicht nur frisch angehende Lehrerinnen und Lehrer: Besonders die Aussicht auf nur geringe Aufstiegsmöglichkeiten kann für arrivierte Lehrpersonen überaus frustrierend sein und einen Berufswechsel sinnvoll machen.

Schwanken Sie noch, sollten Sie folgende Regelung unbedingt bedenken: In einigen Bundesländern existiert eine Frist, die festlegt, wie viel Zeit zwischen dem 1. Staatsexamen und dem Antritt des Referendariats liegen darf. Lassen Sie diese verstreichen, ist ein erneuter Leistungsnachweis erforderlich. In Baden-Württemberg ist das beispielsweise ab dem fünften Jahr nach dem (bestandenen) ersten Staatsexamen der Fall.

Wer sich nun aber auf die Suche nach Alternativen zum Lehrerjob machen möchte, sollte einen Blick in unseren Beitrag zu diesem Thema werfen:

Lehrerin umgeben von Fragezeichen
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Auszeit auf Zeit: Das Sabbatjahr

Alles von gleich auf jetzt hinter sich zu lassen und den Sprung ins Ungewisse zu wagen, ist aber nicht für jeden das Richtige. Für Lehrerinnen und Lehrer, die bereits im Beruf arbeiten, gibt es eine Möglichkeit einen längerfristig geplanten Wechsel zu überdenken: Das Sabbatjahr.

Es bietet die Chance, Abstand zum Schulalltag zu gewinnen, alternative berufliche Optionen zu testen und mehr Klarheit durch Weiterbildungen und Praktika zu gewinnen. Sollte sich im Laufe der Auszeit dann zeigen, dass die Lust am Unterrichten in der Schule doch noch da ist – man vielleicht nur den Kopf wieder frei bekommen musste – steht der Weg zurück offen.

Die Rahmenbedingungen zum Sabbatjahr für verbeamtete Lehrkräfte unterscheiden sich je nach Bundesland, da Bildung Sache der Länder ist. Angestellte Lehrerinnen und Lehrer müssen die Konditionen der Auszeit mit dem Arbeitgeber meist individuell vereinbaren.

In der Regel ist es möglich, sich das „Sabbatical“ durch den Verzicht auf einen Teil des Gehalts anzusparen. Wer z.B. im fünften „Spar-Jahr“ frei möchte, erhält für fünf Jahre nur 4/5 des vollen Gehalts – hat im fünften Jahr allerdings keine Unterrichtsverpflichtung. Üblich ist eine Vorlaufzeit von einem bis sechs Jahren. Da die unterrichtsfreie Zeit meist am Ende der Ansparzeit steht, ist eine langfristige Planung nötig.

Weitere Infos zum Sabbatjahr finden Sie z.B. in unserem Blog-Beitrag „Sabbatical – Auszeit von der Schule auf Zeit“:

Tasse mit Aufschrift Pause
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Seit 2014 arbeite ich bei Betzold in Ellwangen als Online-Redakteurin. Im Betzold-Blog möchte ich Lehrerinnen und Lehrern den ein oder anderen Tipp weitergeben, der den Schulalltag erleichtert und Zeit spart. Da ich stets auf der Suche nach neuen, interessanten Blog-Themen bin, freue ich mich immer über Ihre Anregungen: