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Sabbatjahr

Das Sabbatjahr für Lehrerinnen und Lehrer

Sabbatical: Auszeit von der Schule auf Zeit

Einmal ein Jahr Pause machen von der Schule.

Für Viele ist diese Vorstellung aus ganz unterschiedlichen Gründen sehr verlockend. Das Sabbatjahr (offiziell: Freistellungsjahr oder englisch: Sabbatical) ermöglicht es verbeamteten wie angestellten Lehrerinnen und Lehrern, den Wunsch nach einer Auszeit zu realisieren.

Gründe für ein Sabbatjahr

Für ein Sabbatical gibt es zahlreiche gute Gründe.
Viele nutzen die Möglichkeit und setzen gleich mehrere der folgenden Punkte für ein Sabbatjahr auf ihre Liste:

  • Gesundheitliche Gründe:

    Die vielfältigen Anforderungen neben dem eigentlichen Unterrichten (Inklusion, Integration, erzieherische Aufgaben …) mit denen Lehrkräfte heute konfrontiert werden, haben das Stresspotential des Berufs erheblich erhöht.

    Viele Lehrerinnen und Lehrer, die sich körperlich und geistig erschöpft und ausgebrannt fühlen, nutzen die Möglichkeit zur Auszeit, um Erkrankungen (wie z. B. Burnout, chronisches Erschöpfungssyndrom) vorzubeugen.

    Wichtig ist dabei, die Pause richtig zu nutzen, da sonst die Wahrscheinlichkeit groß ist, dass die Rückkehr in die Schule auch zu einer Rückkehr zu den alten Abläufen und Problemen wird.

    Damit sich die Lage nach der Rückkehr in den Beruf nicht weiter verschlimmert, ist es wichtig, Hilfe und Rat bei Spezialisten wie Ärzten und Therapeuten zu suchen. Ohne professionelle Unterstützung ist es schwer, sich wieder aus dieser Situation zu befreien.

    Darüber hinaus können auch Fortbildungen zu den Punkten, die besonders belastend sind (Zeitmanagement, Unterrichtsstörungen Umgang mit schwierigen Schülern …), sinnvoll sein sowie eine Veränderung des Lebensstils (wie ein Ausgleich durch Sport, Autogenes Training, Pflege von Freundschaften, Hobbys, gesunde Ernährung).

    Verspricht alles keine Verbesserung, bietet das Freistellungsjahr auch die Chance, sich die Frage zu stellen, ob der Lehrerberuf wirklich glücklich machen kann.

    Aber nicht immer ist ein Sabbatical für Lehrerinnen und Lehrer die Lösung für gesundheitliche Probleme:
    In einem Bericht auf News4Teachers rät Professor Dirk Windemuth (Institut für Arbeit und Gesundheit der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung) vom Sabbatjahr ab, wenn der eigentliche Grund dafür eine Flucht vor dem Unterrichten und der Schule sei. Personen, die an einer Depression leiden, könne die Auszeit sogar schaden.

  • Reisen:

    Für Reiselustige bietet ein Sabbatical die Chance, auch längere, ferienunabhängige Reisen zu unternehmen. Von neugewonnenen Sprachkenntnissen und den Eindrücken, Erfahrungen und Erlebnisse können Sie und Ihre Schüler sicher profitieren, wenn Sie wieder zurück im Unterricht sind.#

  • Soziales Engagement:

    Wenn Sie den Wunsch haben, sich intensiver und längerfristig für benachteiligte bzw. in Not geratene Menschen, Tiere oder die Umwelt einzusetzen, kann ein Sabbatjahr die dafür nötige freie Zeit bereitstellen.

    Infos zu Projekten finden Sie z. B. auf der Seite „Freiwilligenarbeit.de“.

  • Fort- und Weiterbildungen:

    Natürlich besteht die Möglichkeit, Fort- und Weiterbildungen parallel zum Beruf zu absolvieren. Wer sich aber intensiv, ohne Zeitdruck und v.a. stressfrei in einen Bereich einarbeiten möchte, kann das neben den Verpflichtungen als Lehrkraft nur schwer leisten.

  • Größere private Veränderungen:

    Hausbau, Familienplanung, den Partner ins Ausland begleiten – immer wieder gibt es private Veränderungen, die mehr Zeit beanspruchen, als es der Beruf erlaubt.

    Sabbatjahr

    Ein Sabbatjahr kann helfen, wenn z.B. private Angelegenheiten wie ein Hausbau oder die Familienplanung mehr Zeit fordern, © Depositphotos.com / photography33

  • Vorgezogener oder langsamer Übergang in den Ruhestand:

    Viele Lehrerinnen und Lehrer nutzen ein Sabbatjahr auch, um früher in den Ruhestand zu gehen.
    Dabei sollten Sie aber beachten, dass sich das Freistellungsjahr auf Ihre Pension als Beamtin bzw. Beamter bzw. Rente auswirken kann, da Sie so ein Jahr weniger arbeiten bzw. in die Rentenkassen einzahlen.

  • Berufswahl überdenken:

    Nicht für jeden stellt sich der Lehrerberuf als Traumjob heraus. Das Sabbatjahr ermöglicht es, einen Berufswechsel in Ruhe zu überdenken. Wie fühlen Sie sich mit etwas Abstand zum Schulalltag? Welche beruflichen Optionen haben Sie? Praktika und Weiterbildungen können Aufschluss geben, ob ein Wechsel das Richtige ist. Und falls nicht, steht der Weg zurück in die Schule offen. Im Blog-Beitrag „Alternativen zum Lehrerberuf“ finden Sie weitere Hinweise zu diesem Thema.

  • Akkus aufladen:

    Wer schon länger im Lehrerberuf ist, braucht manchmal eine Auszeit, um sich wieder mehr auf sich selbst zu besinnen, sich zu erholen und die Akkus wieder aufzuladen.

  • Mehr Zeit für Hobbys und eigene Projekte:

    Hobbys oder private Projekte, wie Musik, Sport, Kunst oder das Verfassen eines Buches, verlangen manchmal nach mehr Zeit und Aufmerksamkeit. Auch für solche besonderen Situationen im eigenen Leben schafft ein Sabbatjahr Raum.

3 Tipps für die Planung eines Sabbatjahrs für Lehrerinnen und Lehrer:

Bei der Planung eines Sabbatjahrs gibt es drei wichtige Punkte, die Sie auf jeden Fall bedenken und beachten sollten:

  1. Am Anfang sollte immer folgende Frage stehen: Warum will ich mir eine Auszeit von der Schule nehmen?
    Nur wenn Sie sich darüber im Klaren sind, können Sie feststellen, ob ein Sabbatjahr wirklich der passende Weg ist.
  2. Rechtzeitig mit der Planung beginnen!
    Einem Sabbatjahr geht eine in der Regel zwei- bis sechsjährige Ansparphase voraus. Mehr dazu gleich.
  3. Machen Sie sich einen Sabbatical-Plan: Notieren Sie sich, was Sie während des Jahrs machen möchten. Sonst besteht die Gefahr, dass Sie sich in der Auszeit verlieren.
    Sabbatjahr

    Machen Sie sich einen Plan, um keine Zeit zu verschwenden! © Fotolia.com / drubig-photo

Wie stellt sich die Organisation eines Sabbatjahrs für Lehrerinnen und Lehrer dar?

Bildung ist Ländersache. Deshalb unterscheiden sich auch die Rahmenbedingungen für verbeamtete Lehrkräfte, die ein Freistellungsjahr machen wollen, von Bundesland zu Bundesland.
Da sich die Regelungen ständig verändern können, ist es wichtig, sich vorab über die derzeit gültigen Bestimmungen in Ihrem Bundesland zu informieren.

Der Beitrag stellt keine Rechtsberatung dar. Wir prüfen die Inhalte unserer Beiträge immer mit größter Sorgfalt, dennoch können wir keine Gewähr für deren Aktualität, Vollständigkeit und inhaltliche Richtigkeit übernehmen.

Arbeiten Sie als angestellte Lehrkraft, ist es ebenfalls abhängig von den Regelungen in Ihrem Bundesland, ob der Ablauf eines Sabbatjahrs mit Ansparphase festgelegt ist oder ob Sie die Konditionen mit Ihrem Arbeitgeber direkt vereinbaren müssen.

Das Sabbatjahr steht voll- und teilzeitbeschäftigten Lehrkräften offen.

Schwierig wird es, wenn ein Mangel an Bewerbern für Ihre Schulart und Fächerkombination besteht. In diesen Situationen können sich die Schulleitung oder das Schulamt gegen ein Sabbatjahr aussprechen. Auf jeden Fall sollte eine Ablehnung begründet sein. In Nordrhein-Westfalen bedarf eine Ablehnung der Zustimmung des Personalrats, die erteilt wird, wenn der Auszeit dienstliche Belange entgegenstehen.

Die Ansparphase

Wie bereits erwähnt, ist die zeitige Planung und Anmeldung des Sabbatjahrs wichtig, da Sie sich das freie Jahr durch einen Verzicht auf einen Teil Ihres Einkommens bei voller Arbeitszeit ansparen. Je länger diese Ansparphase dauert, umso geringer sind die Abzüge beim Gehalt.

Üblicherweise kann zwischen verschiedenen Modellen gewählt werden, bei denen die Ansparphase zwischen zwei und sechs Jahren dauert.

Entscheiden Sie sich z. B. dafür, sechs Jahre auf die Auszeit zu sparen, erhalten Sie für sieben Jahre 6/7 Ihres Gehalts. Im siebten Jahr, dem Sabbatjahr, haben Sie dann keine Unterrichtsverpflichtungen.

Weitere Infos zum Freistellungsjahr für Lehrerinnen und Lehrer finden Sie z. B. auf „Sabbatjahr.org“.

Sabbatjahr

Bevor die Auszeit beginnen kann, gibt es einiges zu bedenken, © Fotolia.com / contrastwerkstatt

Vorab zu bedenken:

  • Auf Ihre laufenden Versicherungen nimmt das Sabbatjahr in der Regel keinen Einfluss, da das Arbeitsverhältnis weiterhin besteht. Wie oben bereits erwähnt, können sich durch die Auszeit aber durchaus Abzüge auf Ihre Pension bzw. Rente ergeben.
  • Wenn Sie die Schulleitung informieren, sollten Sie auch folgende Punkte ansprechen und sich schriftlich bestätigen lassen:
    – Können Sie nach dem Sabbatjahr wieder an Ihre Schule zurückkehren oder ist eine Versetzung wahrscheinlich?
    – Haben Sie währenddessen Anspruch auf Urlaub?
    – Wie werden Krankheitstage verrechnet?
  • Vermerkt werden sollten zudem das gewählte Ansparmodell, Lohnfortzahlungen während der Abwesenheit und die genaue Dauer des Sabbaticals.
  • Außerdem ist es ratsam, sich genau zu überlegen, ob das reduzierte Gehalt für die Lebensführung ausreicht. Ein Haushaltsbuch, das Sie vorab probeweise führen, kann darüber Aufschluss geben. Wenn Sie eine Reise planen, ist der Bedarf vermutlich noch um einiges höher.
  • Bei einer längeren Abwesenheit muss ggf. noch geklärt werden, wer sich um Ihre Wohnung bzw. Ihr Haus kümmert und Pflanzen und Haustiere pflegt.

Auf die Zeit der Vorbereitung folgt die eigentliche Freistellungsphase. Nun können Sie Ihre Planungen für Ihr Sabbatjahr realisieren und erhalten von Ihrem Arbeitgeber ein Gehalt in derselben Höhe wie in der Ansparzeit.

Nach dem Sabbatjahr: Zurück in die Schule

Damit die Rückkehr in den Lehrerberuf nicht zu abrupt abläuft und die ganze Erholung gleich wieder verpufft, ist es ratsam, einen fließenden Übergang zu planen.

Vielleicht nehmen Sie immer wieder an der einen oder anderen Konferenz teil, um Kontakt zur Schule, neuen Entwicklungen und den Kolleginnen und Kollegen zu halten. Oder Sie treffen sich mit Kolleginnen und Kollegen außerhalb der Schule zu einem lockeren Austausch.

Nutzen Sie die Zeit vor dem Wiedereinstieg, um sich über wichtige berufliche Entscheidungen klar zu werden: Wollen Sie gleich Vollzeit oder lieber mit reduzierter Stundenzahl weitermachen? Möchten Sie an Ihre alte Schule zurückkehren oder überhaupt wieder in den Schuldienst?

Und wenn Sie dann weitergebildet, erholter, gesünder und motivierter aus dem Sabbatjahr zurückkommen, zahlt sich die Auszeit nicht nur für Sie, sondern auch für Ihre Schüler aus 🙂

Über Bettina Kroker

Seit 2014 arbeite ich bei Betzold in Ellwangen als Online-Redakteurin. Im Betzold-Blog möchte ich Lehrerinnen und Lehrern den ein oder anderen Tipp weitergeben, der den Schulalltag erleichtert und Zeit spart. Da ich stets auf der Suche nach neuen, interessanten Blog-Themen bin, freue ich mich immer über Ihre Vorschläge: blog@betzold.de.

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