Unordentlicher Schreibtisch
Selbstorganisation
Aktualisiert: 02.12.2021

Ordnung am Schreibtisch

Hand aufs Herz: Ist Ihr Schreibtisch ein Sinnbild für das Sprichwort „Ordnung ist das halbe Leben“ oder doch eher eine bildliche Darstellung von „Ein Genie beherrscht das Chaos“? Wenn Sie zu Letzterem tendieren, sich aber nicht ganz sicher sind, ob Ihre Herrschaft über das Chaos auch unter Zeitdruck Bestand hat, haben wir hier Tipps für die Chaosbeseitigung zusammengetragen.
Bettina Kroker
Bettina Kroker
Online-Redakteurin
© londondeposit/Depositphotos.com

Unordnung stresst, kostet Konzentration, Nerven und Zeit

Sollte Ihnen eine der folgenden vier Situationen bekannt vorkommen, sind eventuell Änderungen am Ordnungssystem sinnvoll:

1. Optischer Stress

Schon der Anblick Ihres Schreibtisches, der durch das Arrangement aus verschiedensten Notizen, Post, Klassenarbeiten der 9b, einer halbvollen Teetasse und welken Blümchen einem schauderhaften Stillleben gleicht, treibt Ihnen Schweißperlen auf die Stirn.
Hinter jedem Blatt und in jedem Stapel verbergen sich unerledigte Aufgaben, die durch die Unordnung noch bedrohlicher wirken, als sie sind.

2. Mangelnde Konzentration

Und schon ist der Kopf voll und Sie wissen nicht, wo anfangen. Gerade haben Sie begonnen, das Geld für die Klassenfahrt zu zählen, da legen Sie den Umschlag schon wieder weg, weil Sie sehen, dass Sie erst die Hälfte der Vokabeltests korrigiert haben – und gestern haben Sie den Schülern versprochen, sie heute zurückzugeben …

3. Risse im Nervenkostüm

Vor der ersten Stunde wollen Sie dann noch schnell die Arbeitsblätter kopieren, können die richtige Kopiervorlage aber nicht finden. Außerdem scheint der Umschlag mit dem Geld für den Ausflug plötzlich spurlos verschwunden zu sein. Die noch halbvolle Teetasse von gestern verliert das Gleichgewicht und ihr Inhalt verteilt sich auf den Klassenarbeiten der 9b.
Gemeinsam mit der Tasse kippt die Stimmung für heute endgültig.

4. Zeitfresser

Ihre Suche nach verlegten Dingen (und das Trocknen der Klausuren) hat nicht nur Nerven, sondern auch viel Zeit gekostet – die wohl wichtigste Ressource im Schulalltag. Diese wird zudem durch das Hin- und Herbewegen von Papierstapeln und anderen Dingen, die man eben immer zwei – bis dreimal anfasst, ohne dass sie ihren richtigen Platz finden, weiter stetig abgebaut.

Natürlich hat jeder seine eigene Auffassung von Ordnung. Es gilt also, das richtige Maß zu finden, um sich wohl zu fühlen und gut arbeiten zu können.

Die Ursache: Der Lehrer als Jäger und Sammler

Unordnung kann auf jedem Schreibtisch entstehen. Bei Lehrerinnen und Lehrern kommt es auf dem Schreibtisch aber besonders leicht zum Burgenbau mit doppelter Verteidigungsmauer aus Blätter-, Ordner- und Bücherstapeln – und das nicht etwa, weil unter ihnen die Dichte unordentlicher Zeitgenossen höher ist, als in anderen Berufen!

Schuld ist die Sozialisation von Lehrkräften als Jäger und Sammler: Schon im Studium und danach im Referendariat wird jedem eingeimpft, wie wichtig eine große Materialsammlung für guten Unterricht und einer Zeitersparnis bei der Vorbereitung ist.

Und so sammelt man Aufschriebe, Arbeitsblätter, Unterrichtsentwürfe, Klausurvorlagen und mehr. Viele entwickeln sich darüber hinaus zu erfolgreichen Jägern nach kostenlosen Arbeitsmaterialien, vergünstigten Büchern oder nützlichen Ideen für den Unterricht; als Jagdrevier kommen dabei z.B. das Internet, Verlage oder Bildungsmessen in Frage. Die Beute dient dann natürlich der weiteren Bereicherung der Sammlung.

Produkte am Betzold-Messestand der Didacta
Messen sind das ideale Jagdrevier für Unterrichtsmaterialien und -ideen :) , Quelle: Betzold

Eine zweite Ursache ist in der hohen Fluktuation (besonders am Arbeitsplatz im Lehrerzimmer) zu finden: Ständig landen Büchersendungen, Entschuldigungsschreiben, Aufrufe zu Schüler-Wettbewerben, Werbesendungen, unkorrigierte und korrigierte Klausuren, Schüler-Plakate, Notizen oder Mitteilungen auf dem Schreibtisch. Dazu kommen Kaffeetassen, Pausensnacks, Stifte und sonstiger Kleinkram.

Der Grund liegt auf der Hand: Ein Lehrerzimmer fungiert zugleich als Großraumbüro, Pausenraum und Konferenzraum, wobei meistens nicht einmal genug Platz und Stauraum für eine Bestimmung vorhanden ist. Im Arbeitszimmer daheim stapeln sich dann neben den nötigen elektronischen Geräten noch Ordner, Lehrbücher in den unmöglichsten Formaten, uneingeordnete Blätter, Kistchen und Schachteln mit Unterrichtsmaterialien, noch mehr Klausuren und private Unterlagen.

Weitere Ordnungssysteme im Betzold Online-Shop

Tipps für Ordnung am Schreibtisch

Und bei jedem neuen Blatt die alten Fragen: Wohin damit? Wie ordnen? Wie wiederfinden?

1. Entstauben und Aufräumen

Der erste Schritt ist einfach – alles muss vom Schreibtisch runter und aus den Schubladen raus, damit Staub und Tassenränder verschwinden können. Zurück wandert erstmal nur die ebenfalls abgestaubte Grundausstattung, also Dinge, die Sie täglich brauchen, wie z.B. Schreibtischlampe, Stiftebehälter mit funktionierenden (!) Stiften, Laptop/PC, Locher, Tacker.

2. Ablage P

„Die Seele jeder Ordnung ist ein großer Papierkorb“. Mit dieser Ansicht lag Kurt Tucholsky sicher richtig und jeder Schreibtischbesitzer sollte seinem Credo folgen!

voller Papierkorb
Wichtiger Helfer beim Projekt „ordentlicher Schreibtisch“: Ablage P, Quelle: Betzold

3. Loslassen

Alles, was jetzt nicht wieder auf Ihrem Schreibtisch steht, wird sortiert: Je ein Stapel mit Unterlagen, die Sie

    • unbedingt noch benötigen,
    • die Sie vielleicht benötigen und
    • auf die Sie verzichten können.

Der letzte Stapel verschwindet umgehend in „Ablage P“.

Das gilt auch für andere ehemalige Schreibtischbewohner: Die Pflanze, die mehr gelbe, als grüne Blätter aufweisen kann und kaum noch schreibende Stifte kommen weg. Aufheiterndes (siehe unten) darf bleiben. Die Dinge, die Sie weder täglich bzw. gar nicht mehr brauchen und auch kein Motivationspotential besitzen, wandern nach dem Prinzip „Je öfter in Gebrauch, desto näher am Arbeitsplatz“ in Schubladen und Regale.

Zurück zum „Vielleicht“-Stapel: Was müssen Sie wirklich behalten? Sind Sie sich nicht sicher, schauen Sie ihn in einer Woche oder einem Monat nochmals durch. Aufschriebe aus dem Studium, die sich seit Jahren in einem Karton selbst kompostieren oder Dokumente, die Sie zudem digital gespeichert haben (+ Backup!), sollten Sie trotz des vielleicht sentimental-nostalgischen Werts aussortieren.

Alles, was bleiben soll, wird nach Möglichkeit eingeordnet oder passend abgelegt:

4. Ablagefächer

Gerade weil auf Lehrer-Schreibtischen so reger Papier-Durchgangsverkehr herrscht, ist ein sinnvolles Ablagesystem wichtig. Sie brauchen ein Fach für eingehende Dokumente (zumindest das ist in der Schule in der Regel bereits vorhanden), für Unerledigtes und für Dokumente, die Sie nach einiger Zeit wieder benötigen.

Vielleicht möchten Sie noch weitere Unterteilungen der Ablagen schaffen – was für Ihre individuelle Situation sinnvoll ist, wird sich mit der Zeit zeigen.

Wichtig: Bringen Sie gut sichtbare Beschriftungen an! So vermeiden Sie, dass Ihre Kolleginnen und Kollegen dringende Mitteilungen an Sie versehentlich in das Erledigt-Fach legen.

5. Ordner

Hier hat wohl jeder sein eigenes System. Je nach Fach und individuellen Vorlieben ist eine Ordnung nach Klassen, Schlagwörtern, Fächern und Themen sinnvoll.

Egal, für was Sie sich entschieden haben, eine Kennzeichnung der Fächer- und Verwaltungsordner durch verschiedenfarbige Rückenetiketten oder Farbpunkte bringt schnell Übersichtlichkeit in den Ordnerwald.

mehrere Ordner
Unterschiedliche Farben bringen Ordnung in den Ordnerwald, Quelle: Betzold

Wenn Sie das Lochen und Einsortieren bzw. das Hineinpfriemeln der Blätter in Prospekthüllen über haben, gibt es ja auch noch Hängeregister. Der Nachteil ist, dass lange nicht so viel untergebracht werden kann und zu volle Mappen schnell chaotisch werden. In beiden Fällen gilt aber: Kurze und prägnante Titel wählen und je nach Platz auch die – übersichtlich durch Trennblätter gekennzeichnet – Unterkategorien angeben.

Beim schnellen Rücksortieren helfen Klebereiter. Meistens kommen mit der Zeit zu den verschiedenen Themen sowohl digitale Dokumente wie auch Materialien in Papierform zusammen. Hier ist es sinnvoll, für die digitalen Ordner und die Papierordner eine übereinstimmende Ordnerstruktur anzulegen.

6. Materialboxen

Abhängig von Fach, Schulart und dem eignen Unterrichtsstil sammelt sich aber nicht nur Flachware aus Papier und Folie an. Haben Sie viel Kleinteiliges, können Kleinteilmagazine oder Sortierkästen, wie man sie z.B. zur Lagerung von Schrauben benutzt, wunderbar zum Aufräumen von Kleinzeugs zweckentfremdet werden.

Really-Useful-Box
Ein Regal mit kleinen Boxen sorgt für eine übersichtliche Aufbewahrung von allerlei Kleinkram, Quelle: Betzold

Für größere Materialsammlungen bieten sich transparente Aufbewahrungsboxen an. Sortiert wird am besten mit farbigen Klebepunkten für die Fächer parallel zur Ordnerstruktur. Die Anschaffung eines Labeldruckers rundet dieses Ordnungssystem nicht nur für Perfektionisten ab.

7. Stichwortsuche

Wen das fotografische Gedächtnis dann und wann im Stich lässt, sollte über eine digitale Erinnerungshilfe in Form einer Excel-Tabelle mit Schlagworten und entsprechenden Zielorten (welcher Ordner/welche Unterkategorie) nachdenken. Sicher, das macht viel Arbeit, aber es spart für den Rest Ihrer Lehrerlaufbahn noch viel mehr Zeit (die sonst mit Suchen oder Ärgern verbracht wird, wenn man feststellt, dass so viele passende Materialien im Ordner zu einer anderen Unterrichtsreihe stecken).

8. Aufheiterndes

Für kleine Stimmungsaufheller in Form von Blumen und anderem Grünzeug, Fotos, Bildern oder netten Geschenken muss (in Maßen) Platz sein! Der Schreibtisch muss nicht clean und nüchtern, sondern strukturiert sein.

9. Ordnung genießen und bewahren

Jetzt sollten Sie es sich unbedingt gönnen, den aufgeräumten Zustand Ihres Schreibtisches zu genießen und Stolz auf Ihr Werk zu sein! Wer ab jetzt jeden Abend oder nach jeder erledigten Aufgabe aufräumt, hat kaum Arbeit mit dem Ordnung halten auf dem Schreibtisch.

Einziger Nachteil: So ein aufgeräumter Schreibtisch erschwert es extrem, sich von ungeliebten Aufgaben wie dem Korrigieren abzulenken (noch mehr Tipps für dieses Problem haben wir im Beitrag „Korrigieren Sie noch oder prokrastinieren Sie schon?“ gesammelt) ;-)

Sobald Sie merken, dass Sie in Situationen, in denen Sie für Unterlagen und Materialien einen Platz suchen, immer häufiger den dafür vorgesehenen Platz finden und immer seltener etwas anderes dafür auf den Boden, einen anderen Stapel oder auf die Fensterbank legen, sind Sie auf einem guten Weg :)

Und hier haben wir für Sie die besten Organisationstipps von Lehrerinnen und Lehrern gesammelt:

Lehrer schreiben in Schulplaner
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Schulalltag organisieren leicht gemacht :)

Einen professionellen Ordnungs- und Aufräumservice für Lehrkräfte finden Sie bei Lehrer|Schüler – Die Bildungsdienstleister.

Das auf die Bedürfnisse von Lehrkräften spezialisierte Beratungsunternehmen unterstützt im Rahmen seines Praxingscoachings Lehrer dabei, herauszufinden, wie sie online und offline Ordnung und Struktur in ihr Unterrichtsmaterial bringen können – auf dem Schreibtisch, im gesamten Lehrerarbeitszimmer und vor allem auch digital. Die Beratung ist telefonisch oder per Skype möglich; auf Wunsch kommt ein Berater auch gerne zu Ihnen vor Ort. Neben der akuten Hilfe bei Unordnung und Unübersichtlichkeit werden Lehrern auch Tipps für dauerhaft mehr Ordnung und Struktur gegeben. 

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Wer schreibt hier?

Bettina Kroker
Online-Redakteurin
Seit 2014 arbeite ich bei Betzold in Ellwangen als Online-Redakteurin. Im Betzold-Blog möchte ich Lehrerinnen und Lehrern den ein oder anderen Tipp weitergeben, der den Schulalltag erleichtert und Zeit spart. Da ich stets auf der Suche nach neuen, interessanten Blog-Themen bin, freue ich mich immer über Ihre Anregungen: