Unordnung stresst, kostet Konzentration, Nerven und Zeit
Sollte Ihnen eine der folgenden vier Situationen bekannt vorkommen, sind eventuell Änderungen am Ordnungssystem sinnvoll:
1. Optischer Stress
Schon der Anblick Ihres Schreibtisches, der durch das Arrangement aus verschiedensten Notizen, Post, Klassenarbeiten der 9b, einer halbvollen Teetasse und welken Blümchen einem schauderhaften Stillleben gleicht, treibt Ihnen Schweißperlen auf die Stirn.
Hinter jedem Blatt und in jedem Stapel verbergen sich unerledigte Aufgaben, die durch die Unordnung noch bedrohlicher wirken, als sie sind.
2. Mangelnde Konzentration
Und schon ist der Kopf voll und Sie wissen nicht, wo anfangen. Gerade haben Sie begonnen, das Geld für die Klassenfahrt zu zählen, da legen Sie den Umschlag schon wieder weg, weil Sie sehen, dass Sie erst die Hälfte der Vokabeltests korrigiert haben – und gestern haben Sie den Schülern versprochen, sie heute zurückzugeben …
3. Risse im Nervenkostüm
Vor der ersten Stunde wollen Sie dann noch schnell die Arbeitsblätter kopieren, können die richtige Kopiervorlage aber nicht finden. Außerdem scheint der Umschlag mit dem Geld für den Ausflug plötzlich spurlos verschwunden zu sein. Die noch halbvolle Teetasse von gestern verliert das Gleichgewicht und ihr Inhalt verteilt sich auf den Klassenarbeiten der 9b.
Gemeinsam mit der Tasse kippt die Stimmung für heute endgültig.
4. Zeitfresser
Ihre Suche nach verlegten Dingen (und das Trocknen der Klausuren) hat nicht nur Nerven, sondern auch viel Zeit gekostet – die wohl wichtigste Ressource im Schulalltag. Diese wird zudem durch das Hin- und Herbewegen von Papierstapeln und anderen Dingen, die man eben immer zwei – bis dreimal anfasst, ohne dass sie ihren richtigen Platz finden, weiter stetig abgebaut.
Natürlich hat jeder seine eigene Auffassung von Ordnung. Es gilt also, das richtige Maß zu finden, um sich wohl zu fühlen und gut arbeiten zu können.
Die Ursache: Der Lehrer als Jäger und Sammler
Unordnung kann auf jedem Schreibtisch entstehen. Bei Lehrerinnen und Lehrern kommt es auf dem Schreibtisch aber besonders leicht zum Burgenbau mit doppelter Verteidigungsmauer aus Blätter-, Ordner- und Bücherstapeln – und das nicht etwa, weil unter ihnen die Dichte unordentlicher Zeitgenossen höher ist, als in anderen Berufen!
Schuld ist die Sozialisation von Lehrkräften als Jäger und Sammler: Schon im Studium und danach im Referendariat wird jedem eingeimpft, wie wichtig eine große Materialsammlung für guten Unterricht und einer Zeitersparnis bei der Vorbereitung ist.
Und so sammelt man Aufschriebe, Arbeitsblätter, Unterrichtsentwürfe, Klausurvorlagen und mehr. Viele entwickeln sich darüber hinaus zu erfolgreichen Jägern nach kostenlosen Arbeitsmaterialien, vergünstigten Büchern oder nützlichen Ideen für den Unterricht; als Jagdrevier kommen dabei z.B. das Internet, Verlage oder Bildungsmessen in Frage. Die Beute dient dann natürlich der weiteren Bereicherung der Sammlung.