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Korrigieren: 10 Tipps für den Kampf gegen den Zeitfresser Klausurkorrektur

Prokrastinieren Sie noch oder korrigieren Sie schon?

„Na, schon Feierabend? So ein Halbtagsjob ist doch was Feines. Oder sind mal wieder Ferien. Was würde ich für 12 Wochen Urlaub tun!“

Kommentare wie diese stehen ganz oben auf der Hitliste „Wie lasse ich eine Lehrperson schnellstmöglich aus der Haut fahren?“.

Schaffen Sie es über solchen Äußerungen zu stehen, wenn Sie neben dem „bisschen“ Unterricht, der auch vorbereitet sein will, mit Eltern telefonieren, Schülerleistungen dokumentieren, Konferenzen und Fortbildungen besuchen, Namen lernen, Streit zwischen Schülern schlichten, Klassenfahrten organisieren oder den Papierstau im Kopierer beheben? Und dann sind da noch die unkorrigierten Klausuren, nach denen die Schüler schon zweimal gefragt haben …

Gerade die Jüngeren, die noch wenig Routine bei Unterrichtsvorbereitung und Korrekturen haben und nicht auf einen reichen Fundus angesammelter Materialien zurückgreifen können, haben Schwierigkeiten, die Ansprüche an die eigene Arbeit mit den zahlreichen Aufgaben zu vereinbaren ohne bis drei Uhr nachts am Schreibtisch zu sitzen. Sie sind mit damit aber nicht alleine, Selbstzweifel sind wirklich überflüssig.

Klausurkorrekturen sind dabei die unangefochtene Nummer eins unter den Zeitfressern im Lehrberuf. Wer sich im Studium dann noch für die korrekturintensivsten Fächer Deutsch und Fremdsprachen entschieden hat, steht nicht selten vor dem Problem, dass ein Tag zu wenig Stunden hat.

Korrigieren

Zeitfresser Nr. 1: Korrigieren, Quelle: Betzold

Zeit sparen beim Korrigieren

Wir möchten Sie nun aber sicher nicht zum Jammern verführen! Es bringt ja leider nichts, senkt die Stimmung (auch im Kollegium) und kostet Zeit, in der Sie schon ein paar Aufgaben korrigieren könnten.

Deshalb stellen wir Ihnen 10 Methoden vor, die Ihnen dabei helfen, sich  schneller wieder beliebteren Tätigkeiten zu widmen:

1. Erwartungshorizont:

Klar, die Anfertigung eines Erwartungshorizonts (am besten in der zur Verfügung stehenden Prüfungszeit) macht erstmal Arbeit. Einmal getan, schaffen Sie die Punktevergabe und Noteneinschätzung aber umso schneller. Die formulierten Erwartungen helfen Ihnen außerdem, gerecht zu korrigieren.

Denn: Manchmal fallen auch Ihnen in der zur Verfügung stehenden Zeit nur eine begrenzte Anzahl an Punkten zu einem Thema ein und die Erwartungshaltung den Schülern gegenüber wird realistischer.

2. Abwechslung:

Korrekturen werden gerne aufgeschoben, weil es eine doch eher zähe, aber zugleich geistig fordernde Arbeit ist.
Deshalb gilt: Je mehr Abwechslung Sie schaffen können, umso besser!
In diesem Fall haben Deutschlehrkräfte sogar einen Vorteil: Sie können eine Themenauswahl anbieten und haben so drei kleinere Klausurenstapel mit unterschiedlichen Themen, anstatt knapp 30 Arbeiten zum selben Thema lesen zu müssen.

Manchmal hilft es schon, den Arbeitsplatz zu wechseln (am besten auch mal auf den Balkon oder in den Garten ziehen), um die Eintönigkeit zu vertreiben. Oder Sie gehören zu den Menschen, denen Musik beim Erledigen von ungeliebten Arbeiten mehr hilft als ablenkt.

Korrigieren

Je mehr Abwechslung beim Korrigieren, desto besser! Quelle: Betzold

3. Belohnungen:

Als Pädagoginnen und Pädagogen wissen Sie: Erfolgserlebnisse und Belohnungen motivieren – auch Sie selbst!
Gönnen Sie sich etwas! Nach Abi-Klausuren darf’s schon etwas mehr sein, sonst lädt auch Schokolade, ein gutes Buch oder ein Spaziergang die Batterien wieder auf.

4. Das Beste zuerst (und zum Schluss):

Es ist ziemlich demotivierend, wenn schon unter der ersten Arbeit eine frustrierende Punktezahl steht.

Sie kennen doch Ihre Pappenheimer: Reservieren Sie für den Anfang und den Schluss Klausuren, bei denen Sie gute Ergebnisse erwarten.
So starten Sie gut gelaunt und beenden die Korrekturrunde positiv (und vielleicht überrascht Sie der ein oder andere Schüler auch auf der Strecke dazwischen).

5. Tschüss Perfektionismus (aber nicht: Hallo Schludrigkeit!):

Während des Studiums und vielleicht noch im Referendariat musste alles vollkommen sein. Jede Unterrichtsstunde war ein Feuerwerk und die Kommentare unter den Klausuren waren überaus geistreich. Damit ist jetzt Schluss!

Das klingt hart, aber Perfektionismus ist v.a. zu Beginn der Lehramtskarriere kaum zu leisten. Um nicht auf ein Burnout zuzusteuern, müssen Sie die Korrekturen professionell, aber etwas entspannter sehen. Und falls Ihnen einmal ein Fehler entgeht, wird es Ihnen der Schüler sicher nicht nachtragen …

6. Schnelle Entscheidungen:

Überlegen Sie nicht zu lange, ob Sie zwei oder drei Punkte für eine Aufgabe geben. Langes Sinnieren und Vergleiche kosten zu viel Zeit (s. 5. „Tschüss Perfektionismus“).
Am besten klappt es mit den schnellen Entscheidungen, wenn Sie aufgabenweise korrigieren. So ist gewährleistet, dass Sie einheitlich bewerten. Vertrauen Sie Ihrem Bauchgefühl, das Sie in Ihrer Schul- und Studienzeit, im Referendariat und während Ihrer bisherigen Lehrertätigkeit ständig geschult haben.

7. Nicht ablenken lassen:

Das ist leichter gesagt als getan!

Der größte Feind einer zügigen Korrektur ist die Prokrastination (oder langweiliger: das Aufschieben). Erste Erfahrungen mit dieser Technik sammeln wir meist schon mit Beginn der ersten Hausarbeit im Studium: Das Schreiben läuft etwas zäh und plötzlich schießen uns tausend Dinge durch den Kopf, die wir unbedingt erledigen sollten. Also holen wir uns einen Kaffee, dann ist da plötzlich ein Fussel auf dem Boden und wir müssen saugen, außerdem sollten die Bücher nun wirklich endlich mal nach Autoren sortiert werden, nun drückt die Blase und ach, jetzt wär ein Kaffee ‘ne feine Sache …

So wird das nötige Korrigieren immer weiter hinausgezögert und verschoben und das unausweichliche Zählen der verbleibenden Klausuren (auch so eine Prokrastiniationstechnik …) fällt deprimierend aus.

Statt jedem Impuls sofort nachzugehen oder die Bedürfnisse komplett zu unterdrücken (funktioniert eh nicht, irgendwann starrt man nur noch auf sein Blatt und denkt „Kaffee, Kaffee, Kaffee …“), sollten Sie die Gedanken aufschreiben, so erst mal loswerden und nach einer festgelegten Zeit im Paket erledigen. Vieles ist dann plötzlich gar nicht mehr so wichtig …

Übrigens: die Autorin dieses Textes ist nicht besser. Während ich nun auf den Punkt kommen sollte, suche ich bei YouTube nach witzigen Prokrastinations-Videos … Na ja, wenigstens war die Suche erfolgreich:

 

 

Am liebsten schieben wir Arbeiten auf, in denen wir nur wenig Sinn erkennen. Und wenn mal wieder klar wird, dass sich ein Schüler Ihre Anmerkungen zu seiner Arbeit nicht einmal angesehen hat, könnten Sie auch das Korrigieren leicht in die Kategorie der sinnlosen Tätigkeiten fallen lassen. Dr. Stefan Frädrich sieht den Kern des Problems deshalb in der eigenen Einstellung: Statt nur eine Note zu erzeugen, rät er sich, in Erinnerung zu rufen, dass eine Klausurkorrektur im Prinzip ein Coaching und damit eine direkte Kommunikation mit dem Schüler ist. Das gesamte Interview mit „Der Lehrerfreund“ finden Sie hier.

8. Sie brauchen eine tomatenförmige Eieruhr (okay, es funktioniert auch mit einer Countdown-App oder einer eierförmigen Eieruhr):

Sollte das oben beschriebene Verhalten auf Sie zutreffen und Sie beim Korrigieren jedem Eichhörnchen dankbar sind, das an ihrem Fenster vorbeiläuft, ist die „Pomodoro-Technik“ etwas für Sie! Den Namen erhielt die Methode übrigens von den klassischerweise verwendeten Eieruhren in Tomatenform.

Korrigieren, © Depositphotos.com/Swanlake1

Die Uhr zur „Pomodoro-Technik“. Es klappt aber auch mit jeder anderen Eieruhr. © Depositphotos.com/Swanlake1

So funktioniert’s:

  1. Erledigen Sie alles, was Sie in der Korrekturzeit unterbrechen könnte (auch den Toilettengang) und legen Sie sich das Arbeitsmaterial zurecht.
  2. Stellen Sie Ihre Eieruhr auf 20, 25 oder 30 Minuten (probieren Sie aus, was Ihnen am besten liegt).
  3. Mit Start der Eieruhr gilt: Es existiert keine andere Aufgabe als das Abarbeiten des Korrekturstapels – auch das Telefon wird ignoriert!
  4. Nach Ablauf eines Blocks machen Sie eine kleine Pause, dann geht es weiter.
  5. Nach etwa vier Blocks sollten Sie eine längere Pause einplanen oder die Arbeit am nächsten Tag fortsetzen.
    Sie werden überrascht sein, wie viel Zeit Sie sparen – und das nicht nur, weil das Zählen der übrigen Klausuren obsolet wird …

9. Motivation durch Trance:

Falls Sie sich noch immer nicht aufraffen können, haben wir noch einen ganz anderen Weg im Netz entdeckt: Hypnose-Trance!
Auf der Internetseite von lehrerfreund.de erfahren Sie, wie’s funktioniert.
Ihre Erfahrungen mit der Trance können Sie gern im Blog posten. Wir sind auf Ihre  Eindrücke gespannt 😉

10. Anfangen!

Über Bettina Kroker

Seit 2014 arbeite ich bei Betzold in Ellwangen als Online-Redakteurin. Im Betzold-Blog möchte ich Lehrerinnen und Lehrern den ein oder anderen Tipp weitergeben, der den Schulalltag erleichtert und Zeit spart. Da ich stets auf der Suche nach neuen, interessanten Blog-Themen bin, freue ich mich immer über Ihre Vorschläge: blog@betzold.de.

4 Kommentar

  1. Super Beitrag! Vielen DAnk für die wertvolle Information!

    LG,
    Helga aus akadem-ghostwriter.de/blog/

  2. Sehr interessant!

    Ich werde die „Pomodoro-Technik“ mal ausprobieren. Das ist mal ein konkreter Tipp. Ansonsten kann einem das Korrigieren ja leider keiner abnehmen und mit meinen geisteswissenschaftlichen Fächern bin ich sowieso gestraft, was das Korrigieren angeht.
    Für mich ist das Schlimmste, dass ich hohe Ansprüche an meine Korrekturen stelle: Ich möchte, dass jedem Schüler meine Benotung nachvollziehbar wird und dass ich so objektiv wie möglich bewerte. Und das ist zeit- und nervenraubend. Das treibt mich regelmäßig in den Wahnsinn…

  3. Das Frustrierendste an der aufwendigen Korrektur einer Klassenarbeit ist für mich, dass die Schüler sich am Ende ja meistens doch nur fürs Ergebnis interessieren. Nicht zuletzt deswegen beschäftige ich mich seit einiger Zeit mit Testplattformen (z.B. test7.de oder isttest.ch), die ein Testen mit automatischer Korrektur der Schülerantworten ermöglichen. Spart u n g l a u b l i ch Nerven!

    Es hat einige Überwindung gekostet, denn Multiple-Choice-Tests sind ja in Lehrerkreisen ziemlich verpönt. Nach Lektüre einiger wissenschaftlicher Abstracts war ich jedoch ermutigt, denn das Fazit war stets: Valide Leistungsmessung auch bei komplexen Unterrichtsinhalten möglich, sofern handwerklich gut gemacht. Das deckt sich mit meiner bisherigen praktischen Erfahrung: Man braucht einige Zeit und muss sich einige Anfängerfehler verzeihen, bis man die neue Technik drauf hat. Insofern hat man bei den ersten Test keine wirkliche Zeitersparnis. Subjektiv natürlich schon, weil die kreative Arbeit Spaß macht – während die Korrektur von Fehlern einfach nur anödet.

    Inzwischen bin ich soweit, einige Aufgaben wiederverwenden zu können (leicht abgewandelt) und damit natürlich deutlich im Zeitvorteil gegenüber traditionellen Prüfungen mit offenen Fragestellungen
    Am Ende der Prüfung drücke ich auf „Korrektur“ – schwups stehen die Ergebnisse fest. Noch kurz den Notenschlüssel evtl. nachjustieren und wenn es gut läuft sehen die Schüler ihre korrigierten Testbögen noch in derselben Stunde mitsamt Musterlösung auf ihrem Bildschirm.

    Die Tests, die ich so durchführe, unterscheiden sich in meinen Klassen vom Ergebnis und von der Verteilung her nicht wesentlich gegenüber den herkömmlichen Prüfungen. Einfach mal ausprobieren! Empfehlen kann ich dazu das Programm http://www.test7.de. Lasst euch von dem „Werbevideo“ – da geht es um einen Mathetest – nicht abschrecken, diese Testform eignet sich auch für viele andere Fächer!

  4. Super Beitrag! Sehr humorvoll geschrieben – tolle Tipps!!! Danke!!!!

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