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Bewegung
Lernschwächen
Schülerförderung
Aktualisiert: 29.09.2026

Bewegung in der Schule – mehr Energie fürs Lernen

Bewegung und Lernen? Wie passt das zusammen? Und wie können wir Schülerinnen und Schülern mehr Freude an Bewegung vermitteln, die absolute Bewegungsmuffel sind? In der Schule steht der Fokus auf "Lernzuwachs" und Bewegungsangebote mögen manchmal als "netter Zeitvertreib" gesehen werden. Bewegung gehört jedoch zu den Grundbedürfnissen unseres Lebens und ist viel mehr als Sport.
Susanne Seyfried und Sabine Landua
Susanne Seyfried und Sabine Landua
Gastautorinnen

„Der Mensch kann ohne Sport leben, aber er kann nicht ohne Bewegung leben”

(Heinz Keller, Direktor BASPO, 2004)

Warum Bewegung im Schulalltag so wichtig ist

In den letzten Jahren zeichnet es sich ab, dass Bewegungsgelegenheiten von Kindern immer weniger werden oder in den virtuellen Raum verlagert werden. Möglichkeiten, Anspannung abzubauen, werden damit immer weniger. Diese staut sich auf und führt zu anhaltenden Spannungszuständen, die sich nicht selten in allen erdenklichen Stresssymptomen äußern.

Gerade Schülerinnen und Schüler mit Lernschwierigkeiten sind hier besonders belastet. Ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Spannung und Entspannung ist für unser Wohlbefinden daher sehr wichtig. Um mehr Bewegungsmöglichkeiten in Schule und Lernförderung zu integrieren, stellen wir hier verschiedene Ideen und Tipps vor. 

Bewegung unterstützt Konzentration, Aufmerksamkeit und Selbstwahrnehmung

Info

Aber warum ist Bewegung überhaupt so wichtig? Unser Gehirn braucht viel Sauerstoff beim Denken. Bewegung bringt den Kreislauf in Schwung, und mit dem Blut kommt mehr Sauerstoff im Gehirn an und ein optimal versorgtes Gehirn bietet die beste Voraussetzung für Lernen. Genau deshalb ist Bewegung für uns im Lerntherapeuten-Netzwerk fester Bestandteil der Lerntherapie und nicht die Belohnung danach.

Bewegung fördert die Aufmerksamkeit und die Konzentration und stellt daher eine wichtige Basis für das Lernen dar. So kann das Gelernte besser nachvollzogen und langfristig behalten werden. Besonders für Schülerinnen und Schüler mit Lernschwierigkeiten ist dies essenziell, da sie sich mit Themen beschäftigen sollen, die ihnen schwerfallen. Bewegungserlebnisse erlauben außerdem eine Sensibilisierung der Körperwahrnehmung und eine Verbesserung der Selbstwahrnehmung. Sie tragen damit langfristig zum Aufbau eines positiven Selbstkonzepts bei.

Kinder spielen mit dem Betzold Motorik-Set

Bewegung in Schule und Lernförderung integrieren

Aufgabe in der Lernförderung und in der Schule ist es, möglichst viele Bewegungs-, Anspannungs- und Entspannungserlebnisse zu ermöglichen, um Schülerinnen und Schülern all die genannten positiven Auswirkungen erfahren zu lassen. 

Im schulischen Unterricht oder auch in der Lerntherapie bieten sich verschiedene Möglichkeiten an, mehr Bewegung zu integrieren:

  • der Einsatz einer Bewegungsgeschichte,
  • Lockerungs- und Entspannungsübungen oder auch
  • eine Integration von Bewegung zu ganz spezifischen Themen wie das Training der phonologischen Bewusstheit oder der mathematischen Kompetenzen.
rechts: Frau laminiert, links Junge auf Pedalo

Dabei haben einige Minuten Bewegung im Unterricht messbare Effekte auf das Klassenklima und auf das Lernen. Klassen, in denen regelmäßig Bewegung integriert wird, schneiden besser in der Konzentration ab und auch bei schulischen Themen. Diese Kinder gehen außerdem freudiger zur Schule und sind eher bereit, sich anzustrengen.

Praxisideen aus dem Lerntherapeuten-Netzwerk für mehr Bewegung im Schulalltag 

Mit verschiedenen Übungen, Tipps und Anregungen des Lerntherapeuten-Netzwerkes, anlässlich des bundesweiten Aktionstages Legasthenie und Dyskalkulie, möchten wir aufzeigen, wie Lernen und Bewegung ganz einfach kombiniert werden können, um auch Bewegungsmuffel aus der Komfortzone zu locken und das Selbstbewusstsein zu stärken.  

Das Lerntherapeutennetzwerk ist ein Zusammenschluss von Lerntherapeutinnen und -therapeuten aus Deutschland und Österreich, die mit Schülerinnen und Schülern mit Lernschwierigkeiten arbeiten. Einige von uns unterstützen auch direkt an den Schulen.

Uns ist bewusst, dass nicht jeder Tipp in jeder Situation umsetzbar ist, da die Rahmenbedingungen, Ressourcen und das Alter der Schülerinnen und Schüler eine entscheidende Rolle spielen.
Unser Angebot: Wir geben Impulse und Anregungen, wählen Sie einfach das aus, was zu Ihrer Situation passt.

Auch Entspannung ist wichtig – von Sabine Landua, Lerntherapeutin aus Sassenburg

Bewegung muss nicht immer etwas Hektisches sein. Genauso wichtig ist es, kleine Entspannungsphasen in den Alltag zu holen - besonders, wenn Kinder viel sitzen und der Schulstress groß ist. Bei Sabine finden Sie 5 kurze Übungen der progressiven Muskelentspannung, die bei Kindern gut ankommen, weil sie Namen wie „Die Zitrone", „Die Katze" oder „Der Kaugummi" tragen. Sie dauern nur wenige Minuten und lassen sich mühelos in den Schulalltag oder in das Lernen zu Hause integrieren.

Übungen für Bewegungsmuffel – von Susanne Seyfried, Lerntherapeutin aus Villingen-Schwenningen

Es ist manchmal gar nicht so leicht, Schülerinnen und Schüler, die keine Lust auf Bewegung haben, zu motivieren. Dabei können Bewegungen auch ganz kleine Fingerübungen sein, die sich gut zur Auflockerung in den Unterricht integrieren lassen. Ein Beispiel: Die linke Hand zeigt ein L, die rechte ein O, dann wird gleichzeitig gewechselt. Klingt einfach, fordert aber ganz schön heraus und trainiert nebenbei die Koordination, ohne dass es sich nach Sport anfühlt. Welche Bewegung welches Kind wirklich braucht, und was mir dazu die Bewegungswissenschaftlerin Marieke Klein im Interview verraten hat, erfahren Sie im Blogbeitrag von Susanne „Bewegtes Lernen in der Lerntherapie”.

Locker durch den Alltag – von Melanie Neßlböck, Pädagogin und Kinesiologin aus Altenfelden (Österreich)

Melanie hat für ihre Praxis eine ganze Kartenserie mit Lockerungsübungen entwickelt, zum Ausdrucken, sodass man sie sich ganz praktisch mit in den Unterricht nehmen kann. Manche Übungen sind kleine Bewegungspausen, wie das abwechselnde Hochziehen und Sinkenlassen der Schultern, andere wie das Massieren der Ohren, bis sie angenehm warm werden, wirken eher beruhigend. Die komplette Kartenserie finden Sie bei Melanie.

„Meine Top-Five für mehr Lernen in Bewegung – von Bettina Häntsch, Lerntherapeutin aus Dresden

Bettina stellt kreative Ideen vor, mit denen sich Rechenaufgaben, Lernwörter oder auch Vokabeln ganz nebenbei in Bewegung üben lassen. Ihre Schneeballschlacht mit beschrifteten Zetteln ist garantiert jahreszeitenunabhängig, und beim Känguru-Lernen darf nach jeder richtig gelösten Aufgabe ein Sprung Richtung Ziellinie gemacht werden. Alle fünf Ideen für mehr Lernen in Bewegung finden Sie bei Bettina.

Phonologische Bewusstheit in Bewegung – von Christiane Kitching, Lerntherapeutin aus Rösrath

Christiane zeigt, wie sich die phonologische Bewusstheit ganz nebenbei in Bewegung trainieren lässt, für die Lerntherapie genauso wie für die Schule. Bei den Mäuseschritten darf ein Kind für jede gesprochene Silbe einen Schritt Richtung Ziellinie machen, beim Anlaute angeln liegt es bäuchlings auf einer Tellerschaukel und angelt sich die passenden Bildkarten aus dem imaginären Meer. Alle drei Ideen finden Sie bei Christiane.

Fidget toys – Spielzeug oder Hilfsmittel? – von Nicole Gerbatsch, Lerntherapeutin aus Brühl

Nicole zeigt, wie die Verwendung von Fidget toys helfen kann, innere Unruhe abzubauen, Stress zu regulieren oder sich in belastenden Situationen besser zu konzentrieren. Durch eine sensorische oder motorische Beschäftigung kann es leichter fallen, Aufmerksamkeit zu bündeln und Spannungszustände zu reduzieren. Mehr Infos finden Sie bei Nicole im Blogbeitrag "Fidget toys – Spielzeug oder Hilfsmittel?".

Bewegung ist also weit mehr als ein netter Ausgleich zum Unterricht: ob beim Schneeballwerfen mit Rechenaufgaben, beim Silbenhüpfen oder bei einer kurzen Fingerübung zwischendurch, sie kann echte Lernprozesse anstoßen und, gerade Schülerinnen und Schülern mit Lernschwierigkeiten unterstützen. Dabei muss nicht jede Idee sofort und überall umgesetzt werden, oft reicht schon ein kleiner, regelmäßiger Impuls im Schulalltag.

Einige Lerntherapeuten aus unserem Netzwerk arbeiten übrigens auch direkt an Schulen, unter anderem im Rahmen des Startchancen-Programms, und unterstützen dort gerne bei der Umsetzung. Werfen Sie doch gleich einen Blick auf unsere Seite für Lehrkräfte dort finden Sie noch mehr Tipps gebündelt auf einen Blick, die Sammlung wird laufend ergänzt und erweitert. 

Tipp

Bewegungspausen

Bewegungspausen haben viele Vorteile für den Unterricht und das Lernen der Kinder - und natürlich ist Bewegung auch gesund! Im Betzold-Blogbeitrag "Bewegungspausen: Ideen für Spiele und Übungen" stellen wir Ihnen Ideen für Bewegungsspiele und Übungen vor.

Quellen:

  • Götz, T. (2004), Emotionales Erleben und selbstreguliertes Lernen bei Schülern im Fach Mathematik, München, Utz Verlag
  • Interview mit Marieke Klein, Kreisel e.V.: Mehr Sprit fürs Lernen durch Bewegung –  im Gespräch mit Marieke Klein
    (www.lerntherapie-vs.de/integrative-lerntherapie/bewegtes-lernen/)
  • Macedonia, M. (2018), Beweg dich! Und dein Gehirn sagt danke. Wie wir schlauer werden, besser denken und uns vor Demenz schützen, 2. Auflage, Wien: Brandstätter
Info

Softbälle haben einen hohen Aufforderungscharakter und das Spiel mit Ihnen fördert Motorik und Koordination. Großes Plus: Körpertreffer tun nicht weh! Welche Softbälle für Ihren Bedarf am besten passen, erfahren Sie in der Betzold Beratung: Welche Softbälle für Kinder?

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Wer schreibt hier?

Susanne Seyfried ist integrative Lerntherapeutin (M.A.) in eigener Praxis und als Lerntherapeutin an Grund- und Berufsschulen tätig. Sie gibt Fortbildungen für Pädagogen und Lehrkräfte zur Förderung und Diagnostik bei Lese-Rechtschreib-Schwäche (Legasthenie) und Rechenschwäche (Dyskalkulie). Sie ist Gründerin des Lerntherapeuten-Netzwerkes, Podcasterin, Bloggerin und setzt sich für multiprofessionelle Teams an Schulen ein.

Sabine Landua ist integrative Lerntherapeutin (M.A.) und Lerncoach. In ihrer Praxis Wortsalat & Zahlenmix arbeitet sie mit Schülerinnen und Schülern bis ins Erwachsenenalter. Auch in ihrem Blog befasst sie sich mit den Themen Lerncoaching, Lesen, Rechtschreibung und Rechnen.