Dabei haben einige Minuten Bewegung im Unterricht messbare Effekte auf das Klassenklima und auf das Lernen. Klassen, in denen regelmäßig Bewegung integriert wird, schneiden besser in der Konzentration ab und auch bei schulischen Themen. Diese Kinder gehen außerdem freudiger zur Schule und sind eher bereit, sich anzustrengen.
Praxisideen aus dem Lerntherapeuten-Netzwerk für mehr Bewegung im Schulalltag
Mit verschiedenen Übungen, Tipps und Anregungen des Lerntherapeuten-Netzwerkes, anlässlich des bundesweiten Aktionstages Legasthenie und Dyskalkulie, möchten wir aufzeigen, wie Lernen und Bewegung ganz einfach kombiniert werden können, um auch Bewegungsmuffel aus der Komfortzone zu locken und das Selbstbewusstsein zu stärken.
Das Lerntherapeutennetzwerk ist ein Zusammenschluss von Lerntherapeutinnen und -therapeuten aus Deutschland und Österreich, die mit Schülerinnen und Schülern mit Lernschwierigkeiten arbeiten. Einige von uns unterstützen auch direkt an den Schulen.
Uns ist bewusst, dass nicht jeder Tipp in jeder Situation umsetzbar ist, da die Rahmenbedingungen, Ressourcen und das Alter der Schülerinnen und Schüler eine entscheidende Rolle spielen.
Unser Angebot: Wir geben Impulse und Anregungen, wählen Sie einfach das aus, was zu Ihrer Situation passt.
Auch Entspannung ist wichtig – von Sabine Landua, Lerntherapeutin aus Sassenburg
Bewegung muss nicht immer etwas Hektisches sein. Genauso wichtig ist es, kleine Entspannungsphasen in den Alltag zu holen - besonders, wenn Kinder viel sitzen und der Schulstress groß ist. Bei Sabine finden Sie 5 kurze Übungen der progressiven Muskelentspannung, die bei Kindern gut ankommen, weil sie Namen wie „Die Zitrone", „Die Katze" oder „Der Kaugummi" tragen. Sie dauern nur wenige Minuten und lassen sich mühelos in den Schulalltag oder in das Lernen zu Hause integrieren.
Übungen für Bewegungsmuffel – von Susanne Seyfried, Lerntherapeutin aus Villingen-Schwenningen
Es ist manchmal gar nicht so leicht, Schülerinnen und Schüler, die keine Lust auf Bewegung haben, zu motivieren. Dabei können Bewegungen auch ganz kleine Fingerübungen sein, die sich gut zur Auflockerung in den Unterricht integrieren lassen. Ein Beispiel: Die linke Hand zeigt ein L, die rechte ein O, dann wird gleichzeitig gewechselt. Klingt einfach, fordert aber ganz schön heraus und trainiert nebenbei die Koordination, ohne dass es sich nach Sport anfühlt. Welche Bewegung welches Kind wirklich braucht, und was mir dazu die Bewegungswissenschaftlerin Marieke Klein im Interview verraten hat, erfahren Sie im Blogbeitrag von Susanne „Bewegtes Lernen in der Lerntherapie”.
Locker durch den Alltag – von Melanie Neßlböck, Pädagogin und Kinesiologin aus Altenfelden (Österreich)
Melanie hat für ihre Praxis eine ganze Kartenserie mit Lockerungsübungen entwickelt, zum Ausdrucken, sodass man sie sich ganz praktisch mit in den Unterricht nehmen kann. Manche Übungen sind kleine Bewegungspausen, wie das abwechselnde Hochziehen und Sinkenlassen der Schultern, andere wie das Massieren der Ohren, bis sie angenehm warm werden, wirken eher beruhigend. Die komplette Kartenserie finden Sie bei Melanie.
„Meine Top-Five für mehr Lernen in Bewegung – von Bettina Häntsch, Lerntherapeutin aus Dresden
Bettina stellt kreative Ideen vor, mit denen sich Rechenaufgaben, Lernwörter oder auch Vokabeln ganz nebenbei in Bewegung üben lassen. Ihre Schneeballschlacht mit beschrifteten Zetteln ist garantiert jahreszeitenunabhängig, und beim Känguru-Lernen darf nach jeder richtig gelösten Aufgabe ein Sprung Richtung Ziellinie gemacht werden. Alle fünf Ideen für mehr Lernen in Bewegung finden Sie bei Bettina.
Phonologische Bewusstheit in Bewegung – von Christiane Kitching, Lerntherapeutin aus Rösrath
Christiane zeigt, wie sich die phonologische Bewusstheit ganz nebenbei in Bewegung trainieren lässt, für die Lerntherapie genauso wie für die Schule. Bei den Mäuseschritten darf ein Kind für jede gesprochene Silbe einen Schritt Richtung Ziellinie machen, beim Anlaute angeln liegt es bäuchlings auf einer Tellerschaukel und angelt sich die passenden Bildkarten aus dem imaginären Meer. Alle drei Ideen finden Sie bei Christiane.
Fidget toys – Spielzeug oder Hilfsmittel? – von Nicole Gerbatsch, Lerntherapeutin aus Brühl
Nicole zeigt, wie die Verwendung von Fidget toys helfen kann, innere Unruhe abzubauen, Stress zu regulieren oder sich in belastenden Situationen besser zu konzentrieren. Durch eine sensorische oder motorische Beschäftigung kann es leichter fallen, Aufmerksamkeit zu bündeln und Spannungszustände zu reduzieren. Mehr Infos finden Sie bei Nicole im Blogbeitrag "Fidget toys – Spielzeug oder Hilfsmittel?".
Bewegung ist also weit mehr als ein netter Ausgleich zum Unterricht: ob beim Schneeballwerfen mit Rechenaufgaben, beim Silbenhüpfen oder bei einer kurzen Fingerübung zwischendurch, sie kann echte Lernprozesse anstoßen und, gerade Schülerinnen und Schülern mit Lernschwierigkeiten unterstützen. Dabei muss nicht jede Idee sofort und überall umgesetzt werden, oft reicht schon ein kleiner, regelmäßiger Impuls im Schulalltag.
Einige Lerntherapeuten aus unserem Netzwerk arbeiten übrigens auch direkt an Schulen, unter anderem im Rahmen des Startchancen-Programms, und unterstützen dort gerne bei der Umsetzung. Werfen Sie doch gleich einen Blick auf unsere Seite für Lehrkräfte dort finden Sie noch mehr Tipps gebündelt auf einen Blick, die Sammlung wird laufend ergänzt und erweitert.