Was tun, wenn das Problem erkannt ist?
Wird bei einem Kind eine Rechenschwäche vermutet oder festgestellt, stellt sich die Frage nach geeigneten Hilfestellungen. Da sich die Ausprägung der Rechenschwäche von Kind zu Kind unterscheidet, muss auch die Förderung auf die spezifischen Schwierigkeiten abgestimmt werden – Rechenschwäche erfordert deshalb eine individuelle Förderung.
Diese kann in Form einer außerschulischen Lerntherapie erfolgen. Diese setzt am aktuellen Lernstand des Kindes und an seinen individuellen Fehlermustern an.
Die Denkstrategien der rechenschwachen Kinder zur Lösung mathematischer Aufgaben werden einer Prüfung unterzogen, mit dem Ziel, dass das Kind verstehen kann, warum sie zu falschen Ergebnissen führen. Grundlegende mathematische Vorstellungen müssen neu aufgebaut, weiterentwickelt und gefestigt werden. Dem Kind wird dabei verständlich gemacht, dass eine Rechenschwäche nichts mit Dummheit oder Faulheit zu tun hat!
Die Förderung erfolgt meist in kleinen Schritten. Erfolgserlebnisse helfen dabei, das Selbstvertrauen der Kinder wieder aufzubauen und ihnen mehr Sicherheit im Umgang mit Mathematik zu geben. Dabei gilt: Je früher Schwierigkeiten erkannt und passende Maßnahmen eingeleitet werden, desto besser.
Im Idealfall stehen Lerntherapeutinnen und Lerntherapeuten im Austausch mit den Mathematiklehrkräften und den Eltern. Eine gute Zusammenarbeit ist für den Therapieerfolg maßgeblich. Dies fördert auf Lehrer- und Elternseite Verständnis für die Schwierigkeiten der Kinder. Für die Lerntherapeuten ist der Informationsaustausch wiederum hilfreich, um die Therapie besser auf das Kind abstimmen zu können.
Wichtig ist, keinen Druck durch die Erwartungshaltung an gute Schulnoten auszuüben, sondern stattdessen die Stärken betonen und so für den nötigen Rückhalt sorgen.
Deshalb gilt: Feiern Sie auch kleine Erfolge!
Übungsmaterialien
Neben der Lerntherapie können Kinder mit Rechenschwierigkeiten (am besten in Absprache mit den betreuenden Lerntherapeutinnen und Lerntherapeuten) in der Schule und zu Hause mit geeigneten Materialien unterstützt werden. Richtig eingesetzt, bieten sie eine Hilfe, Zahlen und mathematische Operationen zu verstehen und zu verinnerlichen.
Sie sollen helfen, die mathematischen Handlungen zu visualisieren, also gewissermaßen in Bilder zu übersetzen. Das Üben sollte stressfrei und in nicht zu langen Einheiten ablaufen – die Erfolgserlebnisse sind auch hier ausschlaggebend.
Die Lernmittel sind aber keine Wundermittel: Ihre Funktion erschließt sich nicht von selbst! Die Kinder benötigen Hilfe, die Strukturen zu erfassen, damit sie sie tatsächlich als Veranschaulichung verstehen können. Bei der Arbeit mit den verschiedenen Materialien sollte deshalb immer wieder hinterfragt werden, welche Denkstrukturen das Kind anwendet.
Wenn es die neuen Hilfsmittel wieder zum Abzählen nutzt, bringt dies keine Fortschritte. Besonders gut geeignet sind deshalb Materialien, die zählende Strategien nicht fördern.
Info
Material zur Förderung bei Dyskalkulie
In der Betzold Beratung erhalten Sie eine übersichtliche Zusammenstellung passender Übungsmaterialien:
zur Beratung
Für rechenschwache Kinder sind Zahlen häufig abstrakt und voneinander unabhängig – ähnlich wie Hausnummern. Sie verstehen nicht, dass Zahlen in der Mathematik voneinander abhängen und in Beziehung zueinander stehen.
Geeignetes Anschauungsmaterial kann verdeutlichen, welche Mengen hinter den Zahlen stehen und den Kindern helfen, sich zunehmend vom zählenden Rechnen zu lösen. Besonders gut eignet sich Material, das die Fünfer- und Zehnergliederung, mit der viele rechenschwache Kinder Probleme haben, sichtbar macht:
Wendeplättchen und Rechenleisten:
Wendeplättchen eignen sich besonders in Kombination mit Rechenleisten. Diese geben den Plättchen eine Struktur – meist sind es Fünfer- der Zehnerrechenleisten – damit Kinder Mengenstrukturen erkennen können, statt jede Menge einzeln abzuzählen. Von Vorteil ist außerdem, dass die Punktform sich gut zur Übertragung in zeichnerische Darstellungen eignet. Oft gleichen die Abbildungen in den Mathematik-Lehrbüchern bereits den Plättchen.