Ein Erzieher spielt mit Kindern
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Schülerförderung
Aktualisiert: 21.07.2026

Hilfreiche Methoden, Materialien und Praxisideen der Montessori-Pädagogik für Ihren Unterricht

Erfahren Sie, wie die Montessori-Pädagogik selbstständiges Lernen, Konzentration und Problemlösefähigkeiten Ihrer Schülerinnen und Schüler fördert. Der Beitrag zeigt praxisnah Methoden und gibt konkrete Tipps zu Montessori-Materialien für den Unterricht.
Bettina Kroker
Bettina Kroker
Online-Redakteurin
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Maria Montessori und die Montessori-Pädagogik

Neben den öffentlichen Schulen gibt es in Deutschland Schulen mit freier Trägerschaft. Darunter fallen v. a. konfessionell geprägte Schulen und Schulen mit alternativen pädagogischen Konzepten wie die Montessori-Schulen. Einige Ansätze der Montessori-Pädagogik und die dort eingesetzten Materialien lassen sich jedoch auch gut im Unterricht an Regelschulen integrieren und bieten dort wertvolle Impulse für selbstständiges Lernen.
Das pädagogische Konzept der italienischen Ärztin Maria Montessori (1870-1952) entstand ursprünglich aus ihrer Arbeit mit geistig behinderten Kindern. Um deren Selbstständigkeit zu erhöhen, entwickelte Maria Montessori didaktische Lehrmittel. Als sie 1907 ein Kinderhaus in Rom für geistig gesunde Kinder aus sozial schwachen Familien leitete, verwendete sie diese Materialien auch dort mit großem Erfolg.

Ein Schlüsselerlebnis war für sie die Beobachtung eines dreijährigen Mädchens, das sich auch durch massive Ablenkungsmanöver nicht vom Spielen mit Einsatzzylinderblöcken abhalten ließ. Diese konzentrierte und aufmerksame Phase beschrieb sie später als „Polarisation der Aufmerksamkeit“.
Grundlage bildet das Prinzip, dass das Kind als „Baumeister seines Selbst“ angesehen wird.

Erziehung und Bildung erfolgt also weniger durch Nachahmung, als vielmehr durch das Sammeln eigener Erfahrungen. Bei diesem Prozess stehen dem Kind die Pädagoginnen und Pädagogen beobachtend zur Seite und fördern den Lernprozess durch gezieltes Hinlenken auf das Lernbedürfnis des Kindes.
Als oberster Leitsatz der Montessori-Pädagogik gilt die aus der Sicht des Kindes ausgesprochene Aufforderung: „Hilf mir, es selbst zu tun“.

Dies gilt auch und vor allem für Schwierigkeiten, die im Lernprozess auftreten. Die Kinder sollen lernen, die Hürden des Alltags zu bewältigen, ohne sie zu umgehen.

Wie funktioniert Unterricht nach Montessori im Klassenzimmer?

Viele Grundideen der Montessori-Pädagogik finden sich heute in unterschiedlichen Unterrichtskonzepten wieder. Dazu gehören insbesondere Formen des offenen Unterrichts, individualisierte Lernarrangements und eine stärkere Kompetenzorientierung.

Die Montessori-Pädagogik wurde ursprünglich für ein sehr konsequent vorbereitete Lernumgebung entwickelt – wie sie vor allem in Montessori-Schulen zu finden ist. Im Regelschulunterricht lassen sich daher nicht alle Elemente vollständig umsetzen.
Das bedeutet jedoch nicht, dass Montessori-Ansätze dort keinen Platz haben. Im Gegenteil: Viele Grundideen lassen sich gezielt als einzelne Bausteine in den Unterricht integrieren und entfalten dort bereits eine große Wirkung.
Entscheidend ist dabei nicht die vollständige Umsetzung des Systems, sondern die Frage: Welche Elemente unterstützen selbstständiges Lernen in meinem Unterricht konkret?

Montessori-Schulen setzten schon früh auf Freiarbeit, um den Schülerinnen und Schülern möglichst viel Freiraum für eigene Entdeckungen und Schlussfolgerungen zu eröffnen.

Die Schülerinnen und Schüler können selbst entscheiden, womit sie sich beschäftigen möchten. Die Schule stellt dafür ein umfassendes Angebot an Arbeitsmitteln und Aufgaben aus den unterschiedlichsten Themengebieten zur Verfügung. So soll jedes Kind in seinem eigenen Tempo und selbstbestimmt lernen können.

Dabei verändert sich auch die Rolle der Lehrkraft: Sie ist nicht nur beobachtend und begleitend tätig, sondern übernimmt heute zunehmend die Funktion einer Lernbegleitung und eines Lernarchitekten. Lehrkräfte strukturieren offene Lernphasen, unterstützen bei der individuellen Lernplanung und geben gezielte Impulse. Gleichzeitig beobachten sie Lernprozesse genau und nutzen diese für eine differenzierte Diagnostik und Lernberatung.

Auch im Regelschulunterricht können Freiarbeitsphasen sinnvoll eingesetzt werden. Lehrkräfte können beispielsweise verschiedene Aufgaben, Materialien oder Vertiefungsangebote bereitstellen, aus denen die Schülerinnen und Schüler entsprechend ihres Lernstands oder ihrer Interessen auswählen. Sie können den Montessori-Gedanken aufgreifen, indem Sie Schülerinnen und Schülern zutrauen, Aufgaben möglichst selbstständig zu lösen, und sie dabei mit gezielten Impulsen statt vorgefertigten Lösungen unterstützen.
Alternativ zum Freiunterricht wird an vielen Montessori-Schulen auch Projektarbeit angeboten. 
Projektarbeit eignet sich auch im Regelschulunterricht, um Schülerinnen und Schülern mehr Verantwortung für ihren Lernprozess zu übertragen und eigene Fragestellungen bearbeiten zu lassen.

Während die Freiarbeit frei von Leistungsdruck sein soll, wird das Wissen der Schülerinnen und Schüler während des gebundenen Unterrichts auch mit Leistungskontrollen und Hausaufgaben überprüft. Allerdings verzichten Montessori-Schulen zumindest in den ersten vier Schuljahren – teilweise auch danach – auf die Vergabe von Noten und Zeugnissen. Stattdessen erhalten Schülerinnen und Schüler und Eltern in der Regel zweimal pro Jahr informative Beurteilungen.

Praxistipps: Montessori-Elemente konkret im Unterricht umsetzen

1. Freiarbeit nach Montessori

Klasse 1–2
  • einfache Wahlaufgaben (z. B. 5 Aufgaben zur Auswahl aus dem Zahlenraum bis 20)
  • Material mit Selbstkontrolle (z. B. Würfelaufgaben + Lösungsstreifen)
  • kurze Arbeitsphasen (10–15 Minuten)
Klasse 3–4
  • Aufgabenpässe mit Pflicht- und Wahlaufgaben
  • Forscherkarten („Finde verschiedene Wege zur Lösung“)
  • komplexere Selbstkontrollsysteme (Lösungsblätter, Kontrollkarten)

2. Stationenlernen im Montessori-Stil

Beim Stationenlernen kann es Pflicht- und Wahlstationengeben. Die Reihenfolge ist in der Regel frei wählbar.

Beispiel: Mathematik – „Einmaleins entdecken“
  • Station 1: Einmaleins legen mit Material (z. B. Perlen, Plättchen)
  • Station 2: Selbstkontrollkarten (Lösungen umdrehen)
  • Station 3: Fehler finden in fertigen Aufgaben
  • Station 4: Anwendung im Spiel (Rechenbingo)


3. Übungen des „täglichen Lebens“ in der Grundschule

Ein zentrales Element der Montessori-Pädagogik sind die sogenannten Übungen des täglichen Lebens. Dabei geht es ursprünglich um ganz praktische Tätigkeiten wie Schneiden, Gießen, Sortieren oder Ordnen. Im schulischen Kontext lassen sich diese Ideen sehr gut übertragen:

1. Ordnung und Struktur im Lernalltag
  • Arbeitsplätze selbstständig vorbereiten und aufräumen
  • Material nach festen Regeln sortieren
  • „Klassenaufgaben“ übernehmen (z. B. Tafeldienst, Materialdienst)
2. Mathematisches Denken im Alltag
  • Dinge im Klassenraum messen (Schränke, Bücher, Stifte)
  • Mengen vergleichen und schätzen (z. B. „Wie viele Hefte passen in diese Kiste?“)
  • einfache Einkaufs- oder Planungssituationen simulieren
3. Sprache und Kommunikation im Alltag
  • kurze Arbeitsanweisungen selbst formulieren
  • Lernschritte erklären („So habe ich es gelöst“)
  • kleine Präsentationen im Sitzkreis

Lehrmittel nach Montessori (Montessori-Material)

Ein wesentlicher Aspekt der Montessori-Pädagogik ist die „Polarisation der Aufmerksamkeit“ durch montessorigerechte Lehrmittel.

Aber welche Kriterien müssen die Materialien erfüllen, damit sie das pädagogische Konzept unterstützen? Hier ist zu bedenken, dass Kinder bis zum neunten Lebensjahr hauptsächlich sensomotorisch lernen.

Die Entwicklung von Montessori-Material berücksichtigt diese Erkenntnisse eines kindgerechten Lernens. Die Lehrmittel sind vorwiegend aus natürlichen Stoffen wie Holz gefertigt und sind in ansprechenden, satten Farben gehalten.

Anschauen und Anfassen statt Abstrahieren ist hier die Devise.

Puzzlekarten von Deutschland oder Europa vermitteln dem Kind z. B. sensomotorisch ein Gefühl für die einzelnen Länder durch Abtasten. Des Weiteren kommt Material für Mathematik sowie Sprach- und Sinnesmaterial zur Anwendung.

Entscheidend ist dabei weniger das einzelne Material selbst, sondern das dahinterliegende Prinzip: Kinder lernen durch eigenes Handeln, entdecken Zusammenhänge selbstständig und können ihre Ergebnisse eigenständig überprüfen.

Hier einige Beispiele für beliebte Montessori-Materialien:
Info

Das Montessori-Materialprinzip

Typische Merkmale von Montessori-Materialien lassen sich auch im modernen Unterricht wiederfinden:

  • Selbstkontrolle: Die Materialien sind so gestaltet, dass Fehler sichtbar werden und zum Lernen anregen. Lernende können ihre Ergebnisse eigenständig überprüfen (z. B. durch Lösungsseiten, Kontrollkarten oder digitale Rückmeldungen).
  • Handlungsorientierung: Lernen erfolgt durch aktives Tun statt nur durch Zuhören oder Lesen.
  • Mehrkanaliges Lernen: Inhalte werden über Sehen, Fühlen und Ausprobieren erschlossen.

Das Multiplikationsbrett:

Kleines Multiplikationsbrett
Mit dem Multiplikationsbrett können die Kinder Rechenaufgaben sehend verstehen, anstatt das Einmaleins nur auswendig zu lernen.
Der Multiplikator wird oben auf dem Brett durch ein rotes Holzplättchen markiert, der Multiplikand durch eine Zahlenkarte, die man links einschieben kann. Das Ergebnis wird durch die Perlen erfahrbar, die in kleine Vertiefungen auf dem Brett gelegt werden können.
Tipp

Lernmaterial und Anleitungen

In der Betzold Beratung haben wir für Sie Montessori-Lernmaterial zum Download und weitere praktische Infos zu passenden Produkten:

Buchstaben-Tastplatten:

Tastplatten mit Groß-und Kleinbuchstaben
Die Tastplatten mit Groß- und Kleinbuchstaben erlauben es den Kindern die Buchstaben nicht nur zu sehen, sondern sie sich auch mit offenen oder geschlossenen Augen zu „erfühlen“. Danach können sie die gefühlten Buchstaben z. B. in einer Sandwanne nachmalen.

Einsatzzylinder:

Lehrerhilfsmittel mit Einsatz-Zylindern
Auch die Einsatzzylinder, mit denen das kleine Mädchen, das Maria Montessori überhaupt erst auf ihre Idee von der „Polarisation der Aufmerksamkeit“ gebracht hat, finden als Montessori-Material nach wie vor Anwendung.
In vier Holzblöcken mit Bohrungen in verschiedenen Größen können passende Holzzylinder eingelegt werden. Den Kindern wird dadurch bewusst, dass der Umfang und die Höhe der Zylinder wichtig sind, ob ein Zylinder passt oder nicht. Sie verstehen, dass sie die Zylinder deshalb vergleichen und entsprechend ihrer Größe anordnen müssen, damit sie die Blöcke mit ihnen Befüllen können. Sie lernen die Begriffe hoch/niedrig, schwer/leicht, breit/schmal, groß/klein anzuwenden.

Häufig gestellte Fragen zur Montessori-Pädagogik

Was ist die Montessori-Pädagogik?

Die Montessori-Pädagogik ist eine Lehrmethode, die auf das Sammeln von eigenen Erfahrungen und aus dem daraus resultierenden selbstständigen Erlernen basiert. Frei nach dem Leitsatz „Hilf mir, es selbst zu tun!“ nehmen Pädagoginnen und Padagogen eine passive Rolle ein und greifen nur lenkend und hinweisend in die Entwicklung des Kindes ein.

Was macht Montessori aus?

Die Montessori-Pädagogik ist darauf ausgelegt, dass Kinder selbstbestimmt und im eigenem Tempo für sie interessante Themen erlernen können. Dafür stellt die Schule ein umfassendes Lernumfeld mit unterschiedlichsten Themengebieten zur Verfügung. Zusätzlich motivieren Lehrkräfte die einzelnen Kinder sich mit den Lehrinhalten auseinander zu setzen.

Welche Methoden beinhaltet die Montessori-Pädagogik?

Die Montessori-Pädagogik setzt vor allem auf Freiarbeit, projektbasiertes Lernen und offenem Unterricht. Dabei kommt speziell entwickeltes Montessori-Material zum Einsatz, welches das selbstständige Lernen der Kinder unterstützt. Zusätzlich wird auf Leistungsdruck verzichtet, damit jedes Kind seine eigenes Lerntempo verfolgen kann.

Für welche Kinder eignet sich die Montessori-Pädagogik?

Die Montessori-Pädagogik eignet sich besonders für Kinder, die selbstständig und in ihrem eigenen Tempo lernen können. Sie bietet aber auch Unterstützung für Kinder, die individuelle Begleitung benötigen, da Lerninhalte differenziert und an den Entwicklungsstand angepasst werden können.

Grenzen der Montessori-Pädagogik

Der Erfolg des Konzepts hängt stark von der konkreten Umsetzung ab. Die vorbereitete Lernumgebung, geeignete Materialien und die Rolle der Lehrkraft als Lernbegleitung erfordern eine sorgfältige Planung und pädagogische Erfahrung. Zudem kommen nicht alle Kinder gleichermaßen gut mit offenen Lernformen zurecht. Während einige Schülerinnen und Schüler die Freiheit und Selbstständigkeit als motivierend erleben, benötigen andere mehr Struktur, klare Vorgaben und engere Begleitung. Wie bei anderen pädagogischen Ansätzen gilt daher auch hier: Nicht die Methode allein entscheidet über den Lernerfolg, sondern die passende Kombination aus Konzept, Lernumgebung und individueller Förderung der Schülerinnen und Schüler.

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Wer schreibt hier?

Bettina Kroker
Online-Redakteurin
Seit 2014 arbeite ich bei Betzold in Ellwangen als Online-Redakteurin. Im Betzold-Blog möchte ich Lehrerinnen und Lehrern den ein oder anderen Tipp weitergeben, der den Schulalltag erleichtert und Zeit spart. Da ich stets auf der Suche nach neuen, interessanten Blog-Themen bin, freue ich mich immer über Ihre Anregungen: