Wie nun also konkret kognitiv aktivieren? Kognitive Konflikte schaffen!
Sind die Vorüberlegungen getätigt, kann der Unterricht in den Fokus genommen werden. Hierbei gilt besonders eines: Die Schülerinnen und Schüler zum Grübeln bringen, sie hinterfragen lassen und ihre Neugier wecken. Dies gelingt insbesondere durch den Aufbau kognitiver Konflikte.
Konkret lassen sich kognitive Konflikte wie folgt aufbauen:
a.) Arbeit mit Fehlern
„Ich habe gerechnet, dass 589 + 453 = 1032 ergibt!“
Die Lehrperson wählt hier ein typisches Fehlerbeispiel und möchte, dass die Schülerinnen und Schüler sie verbessern, den Fehler entdecken und ihr Hilfestellung geben. Hinzu kommt der motivationale Aspekt, dass Kinder lernen, dass auch Lehrkräfte Fehler machen.
b.) Erwartungsbruch
„Alles Schwere sinkt und alles Leichte schwimmt!“
Im Idealfall hat die Lehrperson hierbei das Vorwissen abgefragt und konnte genau dieses Präkonzept erkennen. Dieses greift sie nun auf und zeigt den Kindern, indem diese es anhand eines Experiments selbst ausprobieren, dass dem nicht so ist.
c.) Verfremdung
Die Lehrperson zeigt den Schülerinnen und Schülern ein Bild eines Pinguins, der friert. Daraufhin soll der Frage auf den Grund gegangen werden, ob Pinguine tatsächlich frieren können.
d.) Provokation
„Hör genau hin, dann weißt du, wie man es schreibt!“
Damit gibt die Lehrperson den Kindern einen Hinweis, der ihnen in der weiteren Bearbeitung jedoch nicht helfen wird. Denn bei ‚lecker‘ und ‚Bäcker‘ ist ein Unterschied kaum hörbar. So leitet die Lehrperson die Kinder gezielt zum Nutzen weiterer, sinnvollerer Methoden hin.
Gemeinsam über den Lernprozess reflektieren
Die kognitive Aktivierung ist mit der Arbeitsphase noch nicht beendet. Auch der Reflexion mit den Kindern sollte eine hohe Bedeutung zugeschrieben werden, da hier Meinungen, Lernwege, Herangehensweisen und Ideen aufeinandertreffen und die Schülerinnen und Schüler in besonderem Maße davon profitieren.
Gelingt es der Lehrperson an dieser Stelle, dass sich die Kinder bewusst darüber werden, was sie gelernt haben, welche Stolpersteine sie bewältigt haben und wie sie das Wissen auf andere Situationen anwenden, ist ein entscheidender Schritt für einen langfristigen und tieferen Lernerfolg getan.
Für die Praxis bietet sich vor allem das sogenannte Prompting, also das angeleitete Nachdenken durch Impulse, an. Durch Fragen wie „Was ist dir leicht gelungen?“, Wo hattest du Schwierigkeiten?“, Wie bist du mit diesen Schwierigkeiten umgegangen?“ und „Was hat dir geholfen?“ wird der Fokus speziell auf den Lernprozess gelegt.
Hierdurch wird nicht nur dem betroffenen Kind deutlich, welche Herangehensweisen sich bewährt haben, auch die Mitschülerinnen und Mitschüler lernen neue Wege kennen, die sie das nächste Mal austesten können. In der Praxis wird deutlich, dass diese Methode durch die Schülerinnen und Schüler sehr gerne angenommen wird. Die Kinder haben ein Bedürfnis nach Mitteilung darüber, was sie in der Lernzeit erlebt haben. Besonders erfreulich ist das oft zu beobachtende unterschiedliche Mitteilungsinteresse der Kinder.
Wie auch das Bild zeigt, entscheiden sich die Kinder für ganz verschiedene Beiträge in der Reflexion. Manche wollen sich nicht beteiligen, auch dies gilt es zu akzeptieren. Immer aber führt ein solch abwechslungsreiches Unterrichtsabschlussgespräch zu einem tiefgründigen und für alle Beteiligten lehrreichen Austausch.
Die praxisbewährte Methode der Impulsfragen zum Unterrichtsabschluss steht Ihnen inklusive Anregungen für den Einsatz als Download zur Verfügung: