Schüler bei Gruppenarbeit
Unterrichtsmethoden
Aktualisiert: 09.04.2026

Unterrichtsmethode Lerntheke: Vorteile, Material und Tipps zur Durchführung

An der Lerntheke können Ihre Schülerinnen und Schüler aus einem Aufgaben-Buffet frei wählen, was sie als Nächstes bearbeiten möchten. Gearbeitet wird im eigenen Tempo: Während die einen noch an einer Einstiegsaufgabe tüfteln, sind andere längst bei der nächsten Herausforderung angekommen. Wie Sie sie im Unterricht umsetzen, erfahren Sie hier.
Bettina Kroker
Bettina Kroker
Online-Redakteurin

Christian Schwier – stock.adobe.com

An der Lerntheke können Ihre Schülerinnen und Schüler aus einem Aufgaben-Buffet frei wählen, was sie als Nächstes bearbeiten möchten. Gearbeitet wird im eigenen Tempo: Während die einen noch an einer Einstiegsaufgabe tüfteln, sind andere längst bei der nächsten Herausforderung angekommen. Genau dieses Prinzip steckt hinter der Lerntheke: einer Methode, die Selbstständigkeit, Differenzierung und Motivation verbindet.

Wie Sie sie im Unterricht umsetzen, erfahren Sie hier.

Was ist eine Lerntheke?

Die Lerntheke ist eine Ausprägung des offenen Unterrichts und weist einige Gemeinsamkeiten mit dem Stationenlernen auf.

m Unterschied dazu bearbeiten die Schülerinnen und Schüler die Aufgaben jedoch in beliebiger Reihenfolge, da diese nicht aufeinander aufbauen. Sie haben dabei in der Regel eine größere Auswahl an Aufgaben. Unter diesen wählen sie selbst aus, welche sie bearbeiten möchten, wobei auch ein Teil als Pflichtaufgaben festgelegt werden kann.

Während das Lernen an Stationen häufig in Partner- oder Gruppenarbeit durchgeführt wird, arbeiten die Kinder an der Lerntheke meist einzeln an den Aufgaben.

Wo kann die Lerntheke zum Einsatz kommen?

Die Lerntheke kann im Prinzip in jedem Fach und jeder Phase eines Unterrichtsthemas zum Einsatz kommen. Sie eignet sich für die Grundschule sowie die Sek I, besonders auch für hetrerogene Lerngruppen.

Besonders bewährt hat sie sich, wenn Schülerinnen und Schüler Inhalte eigenständig anwenden, üben und festigen sollen, um zuvor festgelegte Kompetenzen zu entwickeln.

Beispiele:

  • Mathematik: Rechenstrategien üben, Sachaufgaben bearbeiten oder geometrische Grundbegriffe anwenden
  • Deutsch: Rechtschreibregeln trainieren, Lesestrategien festigen oder Textsorten erkennen und anwenden
  • Sachunterricht: Themeninhalte eigenständig erschließen, Experimente dokumentieren oder Wissen zu einem Thema anwenden
  • Fremdsprachen: Wortschatz trainieren, Satzstrukturen anwenden oder kleine Dialoge selbstständig bearbeiten

Vorteile der Lerntheke

    • Differenzierung:

      Die Lerntheke erlaubt es, Aufgaben mit verschiedenen Schwierigkeitsniveaus für die Schülerinnen und Schüler bereitzustellen. Kinder, die noch mehr Übung auf dem Basislevel benötigen, können hier weitere Aufgaben lösen, während stärkere Schülerinnen und Schüler schon zur nächsten Stufe springen. Das höchste Niveau kann Aufgaben enthalten, die besonders viel Eigenleistung erfordern. So vermeiden Sie, dass es den leistungsstärksten Kindern langweilig wird oder schwächere Schülerinnen und Schüler nicht mehr folgen können.
Kind beim Lernen
Verschiedene Schwierigkeitsniveaus können beim Arbeiten mit der Lerntheke festgelegt werden. Christian Schwier – stock.adobe.com
    • Motivation:

      Das Ablegen der fertigen Aufgabenkarten sowie die Notiz auf einem Laufzettel, dass sie nun auch zu den Expertinnen und Experten für die Aufgabe zählen, motivieren die Schülerinnen und Schüler bei der Arbeit mit der Lerntheke. Deswegen ist es sinnvoll, wenn die Erarbeitung der Aufgaben auf einer Karte in einem absehbaren zeitlichen Rahmen liegt, damit die Kinder pro Stunde mehrmals Karten ablegen und aufnehmen können. 
    • Helfersystem:

      Durch die Möglichkeit, auch in die Rolle des Lehrenden zu schlüpfen und die eigenen Kenntnisse an Mitschülerinnen und Mitschüler weiterzugeben, vertiefen und festigen die Kinder ihr eigenes Wissen. Dieses Helfersystem fördert zudem die Selbstständigkeit der Schüler und die Sozialkompetenz.
    • Rolle der Lehrkraft:

      Während der Lernthekenarbeit haben Sie Zeit, um auf Fragen einzelner Schülerinnen und Schüler in Ruhe einzugehen, die nicht von den anderen Kindern beantwortet werden können.
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Das Material

    • Aufgaben:

      Die Aufgaben werden auf Arbeitsblättern oder Karteikarten geschrieben bzw. gedruckt. Wichtig ist, sie zu nummerieren, damit die Schülerinnen und Schüler Erledigtes auf einem Laufzettel abhaken können.
      Um sie länger haltbar zu machen, können sie laminiert werden. Karten mit Pflichtaufgaben sollten mehrmals vorhanden sein, damit alle Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit haben, sie in dieser Zeit zu bearbeiten.
      Um die unterschiedlichen Schwierigkeitsniveaus für die Kinder sichtbar zu machen, können Sie die Karten farblich oder durch Symbole kennzeichnen.
    • Laufzettel:

      Hier führen Sie alle Aufgaben auf, damit die Schülerinnen und Schüler sie nach dem Lösen abhaken können.
    • Lösungen:

      Damit sich die Schülerinnen und Schüler selbst kontrollieren können, können Sie die Lösungen auf die Rückseite der Aufgabenkarten notieren oder Sie erstellen dafür separate Lösungskarten.
    • Lösungstipps:

      Neben Ihnen und den Mitschülerinnen und Mitschülern, die bei Schwierigkeiten als Helfer hinzugezogen werden können, können Sie auch Karten mit Tipps und Hinweisen bereitstellen, die den Schülerinnen und Schülern helfen, selbst auf die korrekte Lösung zu kommen.
    • Expertensystem:

      Damit die Schülerinnen und Schüler wissen, welche der anderen Kinder die Aufgabe schon gut lösen konnten und damit sozusagen die Expertinnen und Experten für diese Aufgabe sind, können Sie Büroklammern bereitstellen, mit denen die Profis ihren Namen an die Aufgabe heften. Oder Sie zeichnen eine Tabelle an die Tafel oder auf ein Plakat, damit sich die Expertinnen und Experten dort eintragen können.
    • Signalkarte „Hilfe benötigt“

      Damit die Schülerinnen und Schüler auf sich aufmerksam machen können, wenn sie Ihre Hilfe benötigen, können Sie einen Stillarbeitsflip in Ampelfarben austeilen. Wird die grüne Karte aufgeblättert, heißt das „alles in Ordnung“, mit der gelben Karte wird ein weniger dringendes Problem angezeigt und rot steht für „SOS, ich komme nicht mehr weiter!“.
    • Selbsteinschätzung:

      Mithilfe eines Selbsteinschätzungsbogens können die Schülerinnen und Schüler bewerten, welche Kompetenzen sie während der Arbeit mit der Lerntheke in welcher Ausprägung erworben haben und notieren, welche Aufgaben sie wie gelöst haben. Die Erarbeitung eines solchen Bogens hat für Sie den Vorteil, dass Sie sich im Vorfeld für sich festlegen, welche Ziele Ihre Schülerinnen und Schüler durch die Arbeit mit der Lerntheke erreichen sollen. Haben mehrere Schülerinnen und Schüler an ähnlichen Stellen Schwierigkeiten, können Sie diese Teilbereiche im Anschluss an die Lerntheke nochmals mit der gesamten Klasse durchgehen.

Durchführung einer Lernthekenarbeit

Bevor es losgeht, sollten Sie die Schülerinnen und Schüler über den Ablauf der Lerntheke informieren – besonders, wenn die Klasse damit noch keine oder wenig Erfahrungen gemacht hat.
Schüler bei Gruppenarbeit
Wenn die Kinder wissen, was sie an der Lerntheke erwartet, kann es losgehen :)
    • Gibt es Pflichtaufgaben, die von allen gelöst werden müssen?
    • Wie viel Zeit steht den Schülerinnen und Schülern zur Verfügung? Eine Lerntheke kann abhängig von der Zielsetzung beispielsweise eine Doppelstunde dauern oder sogar mehrere Wochen.
      Mit einer Countdown-Uhr bzw. einen Time Timer haben die Schülerinnen und Schüler die verbleibende Zeit immer gut im Blick.
    • Damit es nicht zu laut wird und Chaos an der Theke entsteht, können Sie v. a. den Gang zu den Materialien, das Aussuchen der Aufgaben und den Weg zurück an den Platz vorher üben.
    • Klären Sie die Schülerinnen und Schüler über die verschiedenen Schwierigkeitsstufen auf und wie diese zu erkennen sind.
    • Wo sind die Lösungen der Aufgaben zu finden?
    • Warum bringt es nichts, zu schummeln? Die Schülerinnen und Schüler müssen verstehen, dass sie durch das Abschreiben der Lösungen nur sich selbst schaden. Es ist wichtig, dass es keinen Zeitdruck bei der Bearbeitung der Aufgaben gibt, da Schülerinnen und Schüler sonst eher zu schnell auf die Lösungen schauen.
    • An wen können sich die Schülerinnen und Schüler wenden, wenn sie mit einer Aufgabe nicht weiterkommen (Lehrkraft, Helfersystem, Karten mit Lösungstipps).
    • Was ist beim Ausfüllen des Selbsteinschätzungsbogens zu beachten?


Als „Theke“, auf der Sie die Aufgaben und Materialien auslegen, können Tische, das Pult oder eine Fensterbank dienen. Steht alles bereit, ist das „Buffet“ eröffnet und die Schülerinnen und Schüler können sich an den Aufgaben bedienen.

Ist es währenddessen doch mal zu laut oder chaotisch, geben Sie den Kindern eine Rückmeldung.

Nach Beendigung der Lerntheke werten Sie die Selbsteinschätzungsbögen aus, um zu sehen, wo die Schülerinnen und Schüler noch Schwierigkeiten haben. Diese Punkte können Sie danach nochmals gemeinsam mit der Klasse üben.

Herausforderungen und Stolpersteine

So flexibel und motivierend die Lerntheke auch ist, in der Praxis kann es anfangs zu Herausforderungen kommen. Die Vorbereitung der Materialien erfordert zunächst Zeit und eine gute Struktur.

Außerdem kann es beim freien Auswählen und Wechseln der Aufgaben zu Unruhe im Klassenraum kommen, wenn klare Regeln fehlen. Auch eine zu offene Gestaltung kann manche Schülerinnen und Schüler überfordern.

Deshalb sind transparente Abläufe, feste Regeln und eine klare Organisation entscheidend, damit die Lerntheke ihren vollen Mehrwert entfalten kann.

Mögliche Regeln für die Arbeit an der Lerntheke

  • Ich arbeite ruhig und störe meine Mitschülerinnen und Mitschüler nicht.
  • Ich wähle nur Aufgaben aus, die ich auch wirklich bearbeiten möchte und kann.
  • Pflichtaufgaben werden von allen erledigt.
  • Ich hole mir Materialien selbstständig und lege sie ordentlich zurück.
  • Wenn ich Hilfe brauche, nutze ich zuerst das Helfersystem oder die Lösungstipps.
  • Ich kontrolliere meine Ergebnisse eigenständig, bevor ich eine Aufgabe als erledigt abhake.
  • Wer fertig ist, hilft als Experte. Aber nur bei Aufgaben, die bereits verstanden wurden.

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Bettina Kroker
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Seit 2014 arbeite ich bei Betzold in Ellwangen als Online-Redakteurin. Im Betzold-Blog möchte ich Lehrerinnen und Lehrern den ein oder anderen Tipp weitergeben, der den Schulalltag erleichtert und Zeit spart. Da ich stets auf der Suche nach neuen, interessanten Blog-Themen bin, freue ich mich immer über Ihre Anregungen: