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Lerntheke

Unterrichtsmethode: Lerntheke

Tipps für die Arbeit mit der Lerntheke im Unterricht

Was ist eine Lerntheke?

Die Lerntheke ist eine Ausprägung des offenen Unterrichts und weist einige Gemeinsamkeiten mit dem Stationenlernen auf.

Anders als dort üblich, dürfen die Schüler die Lernthekenaufgaben in beliebiger Reihenfolge bearbeiten, da sie nicht aufeinander aufbauen. Sie haben dabei in der Regel eine größere Auswahl an Aufgaben. Unter diesen wählen sie selbst aus, welche sie bearbeiten möchten, wobei auch ein Teil als Pflichtaufgaben festgelegt werden kann.

Während das Lernen an Stationen häufig in Partner- oder Gruppenarbeit durchgeführt wird, arbeiten die Kinder an der Lerntheke meist einzeln an den Aufgaben.

Wo kann die Lerntheke zum Einsatz kommen?

Die Lerntheke kann im Prinzip in jedem Fach und jeder Phase eines Unterrichtsthemas zum Einsatz kommen. Besonders häufig findet sie Anwendung, wenn Schüler Inhalte eines Themas in selbstständiger Arbeit anwenden, üben und festigen sollen, um vorher definierte Kompetenzen zu entwickeln.

Vorteile der Lerntheke

  •  Differenzierung:

    Die Lerntheke erlaubt es, Aufgaben mit verschiedenen Schwierigkeitsniveaus für die Schüler bereitzustellen. Schüler, die noch mehr Übung auf dem Basislevel benötigen, können hier weitere Aufgaben lösen, während stärkere Schüler schon zur nächsten Stufe springen. Das höchste Niveau kann Aufgaben enthalten, die besonders viel Eigenleistung erfordern. So vermeiden Sie, dass es den leistungsstärksten Schülern langweilig wird oder schwächere Schüler nicht mehr folgen können.

    Lerntheke

    Verschiedene Schwierigkeitsniveaus können beim Arbeiten mit der Lerntheke festgelegt werden.

  • Motivation:

    Das Ablegen der fertigen Aufgabenkarten sowie die Notiz, dass sie nun auch zu den Experten für die Aufgabe zählen, motivieren die Schüler bei der Arbeit mit der Lerntheke. Deswegen ist es sinnvoll, wenn die Erarbeitung der Aufgaben auf einer Karte in einem absehbaren zeitlichen Rahmen liegt, damit die Schüler pro Stunde mehrmals Karten ablegen und aufnehmen können.

  • Helfersystem:

    Durch die Möglichkeit, auch in die Rolle des Lehrenden zu schlüpfen und die eigenen Kenntnisse an Mitschüler weiterzugeben, vertiefen und festigen die Schüler ihr eigenes Wissen. Dieses Helfersystem fördert zudem die Selbstständigkeit der Schüler und die Sozialkompetenz.

  • Lehrerrolle:

    Während der Lernthekenarbeit haben Sie Zeit, um auf Fragen einzelner Schüler in Ruhe einzugehen, die nicht von den Mitschülern beantwortet werden können.

Das Material

  • Aufgaben:

    Die Aufgaben werden auf Arbeitsblättern oder Karteikarten geschrieben bzw. gedruckt. Wichtig ist, sie zu nummerieren, damit die Schüler Erledigtes auf einem Laufzettel abhaken können.
    Um sie länger haltbar zu machen, können sie laminiert werden. Karten mit Pflichtaufgaben sollten mehrmals vorhanden sein, damit alle Schüler die Möglichkeit haben, sie in dieser Zeit zu bearbeiten.
    Um die unterschiedlichen Schwierigkeitsniveaus für die Schüler sichtbar zu machen, können Sie die Karten farblich oder durch Symbole kennzeichnen.

  • Laufzettel:

    Hier führen Sie alle Aufgaben auf, damit die Schüler sie nach dem Lösen abhaken können.

  • Lösungen:

    Damit sich die Schüler selbst kontrollieren können, können Sie die Lösungen auf die Rückseite der Aufgabenkarten notieren oder Sie erstellen dafür separate Lösungskarten.

  • Lösungstipps:

    Neben Ihnen und den Mitschülern, die bei Schwierigkeiten als Helfer hinzugezogen werden können, können Sie auch Karten mit Tipps und Hinweisen bereitstellen, die den Schülern helfen, selbst auf die korrekte Lösung zu kommen.

  • Expertensystem:

    Damit die Schüler wissen, welche Mitschüler die Aufgabe schon gut lösen konnten und damit sozusagen die Experten für diese Aufgabe sind, können Sie Büroklammern bereitstellen, mit denen die Experten ihren Namen an die Aufgabe heften. Oder Sie zeichnen eine Tabelle an die Tafel oder auf ein Plakat, damit sich die Experten dort eintragen können.

  • Signalkarte „Hilfe benötigt“

    Damit die Schüler auf sich aufmerksam machen können, wenn sie Ihre Hilfe benötigen, können Sie Signalkarten in Ampelfarben austeilen. Liegt die grüne Karte auf dem Tisch, heißt das „alles in Ordnung“, mit der gelben Karte wird ein weniger dringendes Problem angezeigt und rot steht für „SOS, ich komme nicht mehr weiter!“.

  • Selbsteinschätzung:

    Mithilfe eines Selbsteinschätzungsbogens können die Schüler bewerten, welche Kompetenzen sie während der Arbeit mit der Lerntheke in welcher Ausprägung erworben haben und notieren, welche Aufgaben sie wie gelöst haben. Die Erarbeitung eines solchen Bogens hat für Sie den Vorteil, dass Sie sich im Vorfeld für sich festlegen, welche Ziele Ihre Schüler durch die Arbeit mit der Lerntheke erreichen sollen. Haben mehrere Schüler an ähnlichen Stellen Schwierigkeiten, können Sie diese Teilbereiche im Anschluss an die Lerntheke nochmals mit der gesamten Klasse durchgehen.

Durchführung einer Lernthekenarbeit

Bevor es losgeht, sollten Sie die Schüler über den Ablauf der Lerntheke informieren – besonders, wenn die Klasse damit noch keine oder wenig Erfahrungen gemacht hat.

Lerntheke

Wenn die Kinder wissen, was sie an der Lerntheke erwartet, kann es losgehen 🙂

  • Gibt es Pflichtaufgaben, die von allen gelöst werden müssen?
  • Wie viel Zeit steht den Schülern zur Verfügung? Eine Lerntheke kann abhängig von der Zielsetzung beispielsweise eine Doppelstunde dauern oder sogar mehrere Wochen.
    Mit einer Countdown-Uhr bzw. einen Time Timer haben die Schüler die verbleibende Zeit immer gut im Blick.
  • Damit es nicht zu laut wird und Chaos an der Theke entsteht, können Sie v. a. den Gang zu den Materialien, das Aussuchen der Aufgaben und den Weg zurück an den Platz vorher üben.
  • Klären Sie die Schüler über die verschiedenen Schwierigkeitsstufen auf und wie diese zu erkennen sind.
  • Wo sind die Lösungen der Aufgaben zu finden?
  • Warum bringt es nichts, zu schummeln? Die Schüler müssen verstehen, dass sie durch das Abschreiben der Lösungen nur sich selbst schaden. Es ist wichtig, dass es keinen Zeitdruck bei der Bearbeitung der Aufgaben gibt, da Schüler sonst eher zu schnell auf die Lösungen schauen.
  • An wen können sich die Schüler wenden, wenn sie mit einer Aufgabe nicht weiterkommen (Lehrkraft, Helfersystem, Karten mit Lösungstipps).
  • Was ist beim Ausfüllen des Selbsteinschätzungsbogens zu beachten?

Als „Theke“, auf der Sie die Aufgaben und Materialien auslegen, können Tische, das Lehrerpult oder eine Fensterbank dienen. Steht alles bereit, ist das „Buffet“ eröffnet und die Schüler können sich an den Aufgaben bedienen.

Ist es währenddessen doch mal zu laut oder chaotisch, geben Sie den Schülern eine Rückmeldung.

Nach Beendigung der Lerntheke werten Sie die Selbsteinschätzungsbögen aus, um zu sehen, wo die Schüler noch Schwierigkeiten haben. Diese Punkte können Sie danach nochmals gemeinsam mit der Klasse üben.

Über Bettina Kroker

Seit 2014 arbeite ich bei Betzold in Ellwangen als Online-Redakteurin. Im Betzold-Blog möchte ich Lehrerinnen und Lehrern den ein oder anderen Tipp weitergeben, der den Schulalltag erleichtert und Zeit spart. Da ich stets auf der Suche nach neuen, interessanten Blog-Themen bin, freue ich mich immer über Ihre Vorschläge: blog@betzold.de.

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