Prompting in der Schule
Digitale Bildung
KI
Veröffentlichung: 03.10.2024

Prompting und generative KI in der Schule: Ein Leitfaden für effektive Prompts im Unterricht

Die Integration von Künstlicher Intelligenz (KI) in den Schulalltag eröffnet neue Möglichkeiten für das Lehren und Lernen. Besonders das sogenannte „Prompting“ – das Erstellen präziser Eingaben zur Steuerung generativer KI – ist wichtig für den kompetenten Umgang mit KI. Doch wie können Prompts gezielt im Unterricht genutzt werden?
Lynn Brincks
Lynn Brincks
Trainerin Digitale Bildung

Wie KI die Informationssuche verändert

Künstliche Intelligenz (KI) ist inzwischen in der Lage, menschliche Sprache zu imitieren und so ein dialogähnliches Gespräch zu führen. Dies geschieht, indem Nutzende dem System während des Dialogs Anweisungen geben. Diese Eingabeaufforderungen nennt man Prompts.  

Bei einer herkömmlichen Suche müssen passende Inhalte aus Vorschlägen für Webseiten selbst ausgewählt werden. Generative KI übernimmt diesen Schritt und „generiert“ bzw. präsentiert die Informationen so, dass die Nutzerin oder der Nutzer sie (im besten Fall) im gewünschten Format erhält und nicht selbst suchen muss.

Natürlich sind die Ergebnisse nur so gut wie die Prompts der einzelnen Nutzenden und die Daten im jeweiligen System. 

Von der Frage zur Antwort: Der Einfluss präziser Prompts

Der Schlüssel zu einer erfolgreichen Kommunikation ist die Fähigkeit, Fragen zu stellen und Antworten zu formulieren. Je präziser man sich ausdrücken kann, desto wahrscheinlicher ist es, dass man die gewünschte Information erhält. Ist die Fragestellung weit gefasst, erhält man eher allgemeinere Antworten. Sind die Informationen konkret, wird auch die Antwort präzise. 

So ist es auch beim Prompting: Sind die Eingaben ungenau, bleiben die Antworten allgemein und sind weniger zufriedenstellend. Sind die Eingabeaufforderungen jedoch zielgerichtet und präzise, werden auch die erhaltenen Antworten passgenauer ausfallen.

Hier liegt eine mögliche Anwendungsidee für die Sprachförderung (und übrigens auch für die Kompetenzen kritisches Denken und Debugging oder Medienkompetenz, je nachdem welches Modell und welchen Fachbereich man unterrichtet.)

Leitfaden für effektive Prompts

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie die Schülerinnen und Schüler die gewünschten Informationen von der generativen KI erhalten. Eine ist die Anwendung des folgenden Modells. Dabei müssen die Eingaben in das System nicht unbedingt in dieser Reihenfolge erfolgen. 

  • Rolle: Welche Rolle sollte das System annehmen und wie soll es sich verhalten? 
    Als Lehrkraft? Als Schüler oder Schülerin? Als 10-Jähriger?
    Dies hilft dabei, den Tonfall und die Perspektive der Antwort zu steuern. Eine klare Rollenangabe verbessert die Relevanz der Antwort.
  • Kontext: Welchen Hintergrund oder welche Informationen benötigt das System, um die Aufgabe besser zu verstehen?
    Es kann hilfreich sein, dem System zusätzlichen Kontext zu geben, damit es die Aufgabe besser versteht. Das könnte z. B. die Zielgruppe oder die spezifische Umgebung (Schule, Arbeitswelt) sein.
  • Aufgabe: Was soll das System konkret tun? Was ist das Ziel der Anfrage?
    Beispiele könnten sein: eine Zusammenfassung erstellen, eine Analyse durchführen, kreative Texte verfassen oder Multiple-Choice-Fragen generieren. Die Aufgabenstellung sollte klar und unmissverständlich sein, um das gewünschte Ergebnis zu erhalten.
  • Anforderungen: Welche spezifischen Eigenschaften soll das Ergebnis haben?
    Anforderungen legen fest, welche Kriterien das Endergebnis erfüllen muss. Sie definieren die Eigenschaften oder Qualitätsmerkmale des Ergebnisses, wie z. B. den Tonfall (formell, informell), die Länge oder die Sprachebene (einfach, komplex). Es handelt sich also um spezifische Bedingungen, die erfüllt werden müssen.
  • Anweisung: Wie soll das System die Aufgabe ausführen? 
    Anweisungen geben dem System genaue Hinweise, wie es die Aufgabe umsetzen soll. Sie beschreiben den Prozess und die Formatierung des Ergebnisses (Stichpunkte, Fließtext, Diagramm usw.). Es ist also mehr eine Anleitung für den Weg, den das System nehmen soll, um die Aufgabe zu lösen.

Hier ein Beispiel:

Eine Schülerin soll im Fach Englisch einen Aufsatz zum Thema „Hobbys“ schreiben. 

Rolle: Du bist eine 12-jährige Schülerin.

Kontext: Du lernst Englisch an einer Gemeinschaftsschule. 

Aufgabe: Erstelle eine Liste von 10 Verben, die häufig verwendet werden, um verschiedene Hobbys zu beschreiben.

Anforderungen: Die Verben sollten für eine 12-Jährige verständlich sein und sich auf typische Hobbys von 12-Jährigen beziehen.

Anweisung: Gib die Verben in Listenform mit Übersetzung und einem Anwendungsbeispiel (z.B. to play soccer) an.

Das Ergebnis kann dann so aussehen (erstellt mit Chat GPT):

Prompt für den Unterricht
Chat-GPT-Antwort

Mit dem Wissen um eine gute Fragestellung können die Schülerinnen und Schüler generative KI auch nutzen, um Inhalte in einfacher Sprache zu formulieren, Texte zu übersetzen oder Definitionen zu erstellen. 

Natürlich ist es auch wünschenswert, dass die Lernenden nicht nur präzise Fragen formulieren können, sondern auch die gelieferten Antworten verstehen und kritisch betrachten lernen, denn KI ist nicht fehlerfrei.

Praxisidee: Prompt-Übungen im Unterricht

Nach der Besprechung des oben vorgestellten Modells mit den 5 Schlüsselelementen für gute Prompts und Beispielen dafür können Sie diese Anwendungsidee anschließen:

  • Gruppenarbeit:
    Teilen Sie die Klasse in kleine Gruppen (4-5 Personen pro Gruppe) auf.
  • Aufgabenstellung:
    Jede Gruppe erhält ein Thema und eine Zielsetzung, zu dem sie einen Prompt unter Angabe von Rolle, Kontext, Aufgabe, Anforderungen und Anweisung erstellen sollen. Die Themen können Sie passend zum aktuellen Unterrichtsstoff wählen.
    Beispiel: Erstellt eine Liste von fünf unregelmäßigen Verben und gebt deren Formen sowie ein Beispiel für die Verwendung jedes Verbs in einem Satz an.
  • Besprechung:
    Anschließend werden die ausgearbeiteten Prompts und die Ergebnisse gemeinsam besprochen. Mögliche Fragen sind: „Welche Ergebnisse sind zufriedenstellend?“, „Gibt es spezifische Merkmale, woran man erkennen kann, dass die Prompts gut funktionieren?“ 
    Die erstellten Prompts können nun mit Hinweisen aus dem Plenum verbessert und erneut ins System eingegeben werden. Wie sehen die Ergebnisse jetzt aus? Haben sich die Antworten verbessert?
Tipp

Förderung von Sprach- und Medienkompetenz durch Prompt-Sammlungen

Um sowohl die Sprachkompetenz als auch die Medienkompetenz der Lernenden zu unterstützen, bietet es sich an, eine Sammlung von Prompts anzulegen. 

Hier können die Prompts, Merkmale und aufgefallene Tipps und Tricks zusammengefasst werden. Diese bilden eine wachsende Prompt-Sammlung für die Klasse, die sie bei Bedarf nutzen, verbessern und erweitern können. Durch die Arbeit an der Prompt-Sammlung wird ein tieferes Verständnis der KI-Tools möglich. Gleichzeitig wird die Sprachkompetenz gefördert, denn je präziser die Prompts formuliert sind, desto passender sind die Ergebnisse der KI.

Mögliche Vor- und Nachteile 

Vorteile für Schülerinnen und Schüler:

  • Interaktion mit und Kennenlernen von innovativen Technologien in einer sicheren Umgebung
  • Neutrale Lernmöglichkeit (keine Bewertung oder negative Beurteilung durch die Technologie)
  • Betreute und begleitete Berührungspunkte sowie Diskussionsmöglichkeiten
  • Besseres Verständnis der Stärken und Schwächen der Technologie
  • Konkrete Einsatzmöglichkeiten in unterschiedlichen Lernszenarien
  • Kompetenzaufbau (z. B. Quellenarbeit, präzises Formulieren, besseres Verständnis der Mensch-Maschine-Interaktion etc.)
  • Echtzeit-Feedback des Systems (zu Wortschatz, Grammatik und Satzbau)
  • Tool dient als persönliche Lernbegleitung 
  • Sprachenlernen durch Imitation (Verwendung und Rezeption von Chunks)

Mögliche Herausforderungen für Schülerinnen und Schüler:

  • Könnte dazu verleiten, die Hausaufgabe ausschließlich vom System erledigen zu lassen
  • Könnte die Fähigkeit, selbst zu recherchieren, untergraben
  • Für die Nutzung ist ein Endgerät und möglicherweise ein Nutzerkonto erforderlich.
  • Die Kompetenz, mit Quellenangaben zu arbeiten, könnte dadurch beeinträchtigt werden.
  • Lernende mit geringen Sprachkompetenzen könnten Schwierigkeiten haben, gute Suchergebnisse zu erzielen.

Herausforderungen der Bewertung von Aufgaben – Hinweise für Lehrerinnen und Lehrer

Die Möglichkeiten, die sich den Schülerinnen und Schülern durch den Einsatz von ChatGPT, Gemini und Co. ergeben, können sich auf die Aufgabenstellung und die Leistungsbewertung auswirken. Wenn die Wissensabfrage allein von generativer KI übernommen werden kann und es nicht ersichtlich ist, welches Wissen von den Lernenden und welches von der KI stammt, wird es für Fachkräfte schwierig, allein auf der Basis von Wissensabfragemethoden passende Bewertungen zu erstellen. 

Die Entwicklung könnte ähnlich verlaufen wie beim Einzug des Taschenrechners in den Mathematikunterricht. Damals fand ein Paradigmenwechsel statt: von der Wiedergabe korrekter Ergebnisse hin zur Beschreibung, wie man zu diesen Ergebnissen gekommen ist. Wahrscheinlich wird es auch im Umgang mit KI immer wichtiger werden, dass die Lernenden beschreiben können, woher sie die Informationen bekommen haben, indem sie z.B. ein Quellenverzeichnis erstellen. 

Es sollte nicht unterschätzt werden, dass die Technologie sowohl für die Lernenden als auch für die Lehrenden neu und möglicherweise ungewohnt ist. Das bedeutet, dass die Vorbereitung der Lerngruppe anfangs einige Zeit in Anspruch nehmen kann. Alle müssen Erfahrungen sammeln, um zu erkennen, wofür die Technologie eingesetzt werden kann, welche Aufgaben gut funktionieren und wo die Grenzen liegen. 

Lehrkräfte können gemeinsam mit der Klasse eine detaillierte Anwendungsliste mit erlaubten Nutzungsmöglichkeiten und Nutzungsregeln erstellen. 

Beispielregeln für die Nutzung von generativer KI in der Sekundarstufe

  • Verwende KI nur für unterstützende Aufgaben.
  • Gib immer an, wenn KI bei der Erstellung von Arbeiten verwendet wurde.
  • Überprüfe die Richtigkeit der KI-generierten Antworten.
  • Verwende keine persönlichen Daten oder vertraulichen Informationen in Interaktionen mit der KI.

Quellen

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