Mit dem Wissen um eine gute Fragestellung können die Schülerinnen und Schüler generative KI auch nutzen, um Inhalte in einfacher Sprache zu formulieren, Texte zu übersetzen oder Definitionen zu erstellen.
Natürlich ist es auch wünschenswert, dass die Lernenden nicht nur präzise Fragen formulieren können, sondern auch die gelieferten Antworten verstehen und kritisch betrachten lernen, denn KI ist nicht fehlerfrei.
Praxisidee: Prompt-Übungen im Unterricht
Nach der Besprechung des oben vorgestellten Modells mit den 5 Schlüsselelementen für gute Prompts und Beispielen dafür können Sie diese Anwendungsidee anschließen:
- Gruppenarbeit:
Teilen Sie die Klasse in kleine Gruppen (4-5 Personen pro Gruppe) auf.
- Aufgabenstellung:
Jede Gruppe erhält ein Thema und eine Zielsetzung, zu dem sie einen Prompt unter Angabe von Rolle, Kontext, Aufgabe, Anforderungen und Anweisung erstellen sollen. Die Themen können Sie passend zum aktuellen Unterrichtsstoff wählen.
Beispiel: Erstellt eine Liste von fünf unregelmäßigen Verben und gebt deren Formen sowie ein Beispiel für die Verwendung jedes Verbs in einem Satz an.
- Besprechung:
Anschließend werden die ausgearbeiteten Prompts und die Ergebnisse gemeinsam besprochen. Mögliche Fragen sind: „Welche Ergebnisse sind zufriedenstellend?“, „Gibt es spezifische Merkmale, woran man erkennen kann, dass die Prompts gut funktionieren?“
Die erstellten Prompts können nun mit Hinweisen aus dem Plenum verbessert und erneut ins System eingegeben werden. Wie sehen die Ergebnisse jetzt aus? Haben sich die Antworten verbessert?
Tipp
Förderung von Sprach- und Medienkompetenz durch Prompt-Sammlungen
Um sowohl die Sprachkompetenz als auch die Medienkompetenz der Lernenden zu unterstützen, bietet es sich an, eine Sammlung von Prompts anzulegen.
Hier können die Prompts, Merkmale und aufgefallene Tipps und Tricks zusammengefasst werden. Diese bilden eine wachsende Prompt-Sammlung für die Klasse, die sie bei Bedarf nutzen, verbessern und erweitern können. Durch die Arbeit an der Prompt-Sammlung wird ein tieferes Verständnis der KI-Tools möglich. Gleichzeitig wird die Sprachkompetenz gefördert, denn je präziser die Prompts formuliert sind, desto passender sind die Ergebnisse der KI.
Mögliche Vor- und Nachteile
Vorteile für Schülerinnen und Schüler:
- Interaktion mit und Kennenlernen von innovativen Technologien in einer sicheren Umgebung
- Neutrale Lernmöglichkeit (keine Bewertung oder negative Beurteilung durch die Technologie)
- Betreute und begleitete Berührungspunkte sowie Diskussionsmöglichkeiten
- Besseres Verständnis der Stärken und Schwächen der Technologie
- Konkrete Einsatzmöglichkeiten in unterschiedlichen Lernszenarien
- Kompetenzaufbau (z. B. Quellenarbeit, präzises Formulieren, besseres Verständnis der Mensch-Maschine-Interaktion etc.)
- Echtzeit-Feedback des Systems (zu Wortschatz, Grammatik und Satzbau)
- Tool dient als persönliche Lernbegleitung
- Sprachenlernen durch Imitation (Verwendung und Rezeption von Chunks)
Mögliche Herausforderungen für Schülerinnen und Schüler:
- Könnte dazu verleiten, die Hausaufgabe ausschließlich vom System erledigen zu lassen
- Könnte die Fähigkeit, selbst zu recherchieren, untergraben
- Für die Nutzung ist ein Endgerät und möglicherweise ein Nutzerkonto erforderlich.
- Die Kompetenz, mit Quellenangaben zu arbeiten, könnte dadurch beeinträchtigt werden.
- Lernende mit geringen Sprachkompetenzen könnten Schwierigkeiten haben, gute Suchergebnisse zu erzielen.
Herausforderungen der Bewertung von Aufgaben – Hinweise für Lehrerinnen und Lehrer
Die Möglichkeiten, die sich den Schülerinnen und Schülern durch den Einsatz von ChatGPT, Gemini und Co. ergeben, können sich auf die Aufgabenstellung und die Leistungsbewertung auswirken. Wenn die Wissensabfrage allein von generativer KI übernommen werden kann und es nicht ersichtlich ist, welches Wissen von den Lernenden und welches von der KI stammt, wird es für Fachkräfte schwierig, allein auf der Basis von Wissensabfragemethoden passende Bewertungen zu erstellen.
Die Entwicklung könnte ähnlich verlaufen wie beim Einzug des Taschenrechners in den Mathematikunterricht. Damals fand ein Paradigmenwechsel statt: von der Wiedergabe korrekter Ergebnisse hin zur Beschreibung, wie man zu diesen Ergebnissen gekommen ist. Wahrscheinlich wird es auch im Umgang mit KI immer wichtiger werden, dass die Lernenden beschreiben können, woher sie die Informationen bekommen haben, indem sie z.B. ein Quellenverzeichnis erstellen.
Es sollte nicht unterschätzt werden, dass die Technologie sowohl für die Lernenden als auch für die Lehrenden neu und möglicherweise ungewohnt ist. Das bedeutet, dass die Vorbereitung der Lerngruppe anfangs einige Zeit in Anspruch nehmen kann. Alle müssen Erfahrungen sammeln, um zu erkennen, wofür die Technologie eingesetzt werden kann, welche Aufgaben gut funktionieren und wo die Grenzen liegen.
Lehrkräfte können gemeinsam mit der Klasse eine detaillierte Anwendungsliste mit erlaubten Nutzungsmöglichkeiten und Nutzungsregeln erstellen.
Beispielregeln für die Nutzung von generativer KI in der Sekundarstufe
- Verwende KI nur für unterstützende Aufgaben.
- Gib immer an, wenn KI bei der Erstellung von Arbeiten verwendet wurde.
- Überprüfe die Richtigkeit der KI-generierten Antworten.
- Verwende keine persönlichen Daten oder vertraulichen Informationen in Interaktionen mit der KI.
Quellen