Lehrkräfte in Deutschland erleben täglich, wie selbstverständlich Schülerinnen und Schüler digitale Medien zur Informationsbeschaffung nutzen. Häufig erhalten Schülerinnen und Schüler Informationen über soziale Netzwerke, kurze Videos oder Messengerdienste.
Was dabei jedoch oft fehlt, ist die Fähigkeit, Informationen kritisch einzuordnen, ihre Herkunft zu prüfen und zwischen verlässlichen Inhalten, Meinungen und gezielter Desinformation zu unterscheiden.
Aktuelle Studien zeigen, dass rund 40 % bis über 50 % der Schülerinnen und Schüler in Deutschland Schwierigkeiten haben, digitale Informationen kritisch zu bewerten und Fake News zuverlässig zu erkennen. (Quelle: Eickelmann et al. (2024): ICILS 2023 – Computer und informationsbezogene Kompetenzen von Schülerinnen und Schülern in Deutschland. / OECD, Technische Universität München (2025): PISA Neuauswertung zur digitalen Informationskompetenz Jugendlicher in Deutschland).
Gleichzeitig wünschen sich über 80 % der befragten Jugendlichen mehr Unterstützung durch die Schule, um digitale Inhalte bewusster und reflektierter nutzen zu können. (Quelle: Vodafone Stiftung Deutschland (2025): Zwischen Bildschirmzeit und Selbstregulation – Soziale Medien im Alltag von Jugendlichen).
Für Lehrkräfte wird damit deutlich, dass die Förderung von Informationskompetenz im Unterricht längst kein Zusatzthema mehr ist. Sie bildet vielmehr eine zentrale Voraussetzung, um Schülerinnen und Schüler im deutschen Bildungssystem zu einem sicheren, selbstbestimmten und verantwortungsvollen Umgang mit Informationen zu befähigen.
Begriffsklärung Informationskompetenz
Informationskompetenz (international als „Information Literacy“ bezeichnet) beschreibt die Fähigkeit, digitale Informationen zielgerichtet zu finden, kritisch zu bewerten und verantwortungsvoll zu nutzen. Entscheidend ist dabei nicht der reine Zugriff auf Informationen, sondern ihre reflektierte Einordnung. Schülerinnen und Schüler müssen heutzutage erkennen, welche Inhalte verlässlich sind, wie Informationen entstehen und welche Interessen dahinterstehen könnten.
Aktuelle internationale Vergleichsstudien zeigen jedoch, dass genau diese Kompetenzen vielen Jugendlichen noch fehlen. Die ICILS-Studie 2023 belegt, dass ein erheblicher Teil der Achtklässlerinnen und Achtklässler in Deutschland lediglich über grundlegende computer und informationsbezogene Kompetenzen verfügt – insbesondere bei der Bewertung der Glaubwürdigkeit digitaler Quellen bestehen deutliche Defizite (Quelle: Eickelmann et al. (2024): ICILS 2023 – Computer und informationsbezogene Kompetenzen von Schülerinnen und Schülern in Deutschland).
Ähnliche Ergebnisse zeigt die PISA-Neuauswertung 2025: Zwar finden die meisten 15-Jährigen Informationen im Internet ohne Schwierigkeiten, doch weniger als die Hälfte traut sich zu, deren Qualität zuverlässig einzuschätzen oder verschiedene Quellen systematisch zu vergleichen (Quelle: OECD/Technische Universität München (2025): PISA-Neuauswertung zur digitalen Informationskompetenz von 15-jährigen Schülerinnen und Schülern in Deutschland).
Informationskompetenz wird damit zu einer zentralen Bildungsaufgabe. Sie befähigt Schülerinnen und Schüler, sich sicher und reflektiert in digitalen Informationsräumen zu bewegen. Zugleich unterstützt sie dabei, Desinformation zu erkennen, fundierte Entscheidungen zu treffen und selbstständiges Lernen sowie gesellschaftliche Teilhabe im digitalen Zeitalter zu ermöglichen.
Bestandteile von Informationskompetenz sind:
- den eigenen Informationsbedarf erkennen
- Informationen gezielt suchen und finden
- Quellen kritisch bewerten (Glaubwürdigkeit, Aktualität, Intention)
- Informationen verarbeiten und einordnen
- Inhalte ethisch und verantwortungsbewusst weitergeben