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Schüler am Computer

Digitalpakt – Was bedeutet das eigentlich für meine Schule?

FAQ Digitalpakt Schule

Endlich kann es losgehen: Die Pläne für den Digitalpakt – oder den DigitalPakt Schule, wie er ganz offiziell heißt – können mit der erfolgten Zustimmung des Bundesrats vom 15. März 2019 nach einigen Verzögerungen und Rückschlägen nun umgesetzt werden.

Aber was bedeutet das für die einzelnen Schulen? Wann und wo können Gelder beantragt werden? Und wofür dürfen sie eingesetzt werden? Diese und weitere Fragen möchten wir hier beantworten:

Was sind die Ziele des Digitalpakts?

In Sachen Digitalisierung hinken viele Schulen in Deutschland der Zeit hinterher.

Ein Symptom dafür ist z. B. der Bedarf an Lernhilfen zum Thema Digitalisierung, die komplett ohne den Einsatz digitaler Medien auskommen. Auf der didacta 2019 gab ein Westermann-Vertreter gegenüber Spiegel Online an: „Wir haben beispielsweise ein Arbeitsheft für Medienbildung, das ganz ohne digitale Medien funktioniert“.

Während Smartphone, Tablet und Computer längst Teil der Alltagswirklichkeit von Kindern und Jugendlichen sind und auch immer mehr Berufe nicht mehr ohne digitale Technik und Kenntnisse im Umgang mit deren Möglichkeiten denkbar sind, stehen in vielen Klassenzimmern noch Overheadprojektoren – von interaktiven Monitoren, Objektkameras und einem Klassensatz Tablets können viele Lehrerinnen und Lehrer nur träumen.

Objektkamera

Geräte wie Objektkameras sind in deutschen Klassenzimmern noch weit seltener als Tageslichtprojektoren. Quelle: Betzold

Oder sie sind vorhanden, es gibt aber kein ausreichend schnelles Internet oder jemanden, der sie instand hält oder den Lehrkräften vermittelt, wie sie gewinnbringend im Unterricht eingesetzt werden können.

Dieses Problem hat auch die Politik als solches ausgemacht. Die Schüler sollen im Umgang mit den digitalen Medien geschult werden und lernen, diese verantwortungsbewusst und selbstbestimmt zu nutzen, sodass sie gut auf ihre berufliche Zukunft vorbereitet werden. Um dieses Ziel zu erreichen, sollen mit den bereitgestellten Mitteln des Digitalpakts die nötigen „digitalen Infrastrukturen“ in den Schulen geschaffen werden.

Was wurde beschlossen?

In Deutschland ist Bildung bekanntlich Sache der Bundesländer. Um den Schulen die Mittel des Digitalpakts dennoch bereitstellen zu können und sicher zu gehen, dass sie durch die Länder auch für die Digitalisierung eingesetzt werden, war eine Grundgesetzänderung nötig.

Im Artikel 104c ist nun geregelt, dass der Bund allen Ländern, nicht mehr nur finanzschwachen Kommunen, Mittel bereitstellen darf. Das Geld soll die „Leistungsfähigkeit der kommunalen Infrastruktur“ stärken. Dieser Passus wurde gewählt, nachdem die ursprüngliche Version („zur Sicherstellung der Qualität und Leistungsfähigkeit des Bildungswesens“) auf den Widerstand der Länder stieß, die ihre Bildungshoheit in Gefahr sahen.

„Anlassbezogen“ darf der Bund prüfen, ob die Fördermittel dem vereinbarten Zweck zugeführt werden.

Bei den nun möglichen Projekten handelt es sich immer um Co-Finanzierungen von Bund und Ländern. Der Zuschuss der Länder kann jeweils einzeln verhandelt werden. Im Fall des Digitalpakts steuern die Länder jeweils 10% zu der Summe hinzu, die sie vom Bund erhalten.

Wann geht’s los?

Voraussichtlich können die ersten Mittel noch in diesem Jahr beantragt werden, so dass sich die Auswirkungen des Digitalpakts bereits nach den Sommerferien 2019 zeigen werden. Ab wann es genau losgeht, soll in den Förderrichtlinien, die jedes Bundesland herausgeben wird, festgelegt werden.

Wo können die Gelder beantragt werden?

Für die Beantragung der Fördermittel schaffen die Bundesländer eigene Anlaufstellen. Dort können die Konzepte zur Nutzung der digitalen Medien durch den jeweiligen Schulträger eingereicht werden.

Wie viel Geld sollen die Schulen erhalten?

Insgesamt sollen den Schulen durch den Bund über fünf Jahre 5 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt werden. Dazu kommt der zehnprozentige Anteil des jeweiligen Bundeslands.

Eine Übersicht über die Verteilung der Mittel aus dem Digitalpakt auf die Bundeländer hat die Süddeutsche Zeitung in einem Bericht bereitgestellt.

Mit den Eigenanteilen, die jedes Bundesland beisteuern muss, kommen ca. 5,5 Milliarden Euro zusammen. Würde das Geld zu gleichen Teilen verteilt und würden alle rund 40.000 Schulen in Deutschland einen Antrag stellen, könnte jede Schule etwa 137.500 Euro erhalten, was aber von der Schülerzahl abhängig sein wird.

Wofür darf das Geld ausgegeben werden?

Die Mittel aus dem Digitalpakt sollen der Verbesserung der digitalen Bildungsinfrastruktur zugutekommen. Gemeint sind damit die technische Ausstattung mit Geräten wie Interaktiven Tafeln, PCs und Zubehör, schnelle und kabellose Internetverbindungen oder z. B. auch Schul-Clouds, auf die schulübergreifend zugegriffen werden kann. Ist die digitale Infrastruktur an einer Schule gegeben, können auch Klassensätze mit mobilen Endgeräten, wie z. B. Tablets, angeschafft werden.

Schüler am 3D-Drucker

Schüler arbeiten mit einem 3D-Drucker.

In den Förderrichtlinien, die von den Kultusministerien erstellt werden, werden die genauen Anforderungen für eine Förderung mit Mitteln aus dem Digitalpakt geregelt.

Durch die Länder soll die Wartung, der Betrieb, die Lehrerausbildung, Fortbildungen sowie die pädagogischen Konzepte organisiert und finanziert werden.

Es soll aber auch möglich sein, mit Mitteln aus dem Digitalpakt Ausgaben wie Fortbildungen und Wartungspersonal zu bezahlen, wenn diese unmittelbar mit einem Bildungsinfrastrukturprojekt verbunden sind.

Wo liegen mögliche Schwachstellen der Vereinbarung?

Nach einhelliger Meinung von Bildungsexperten bewirkt die Ausstattung der Schulen mit digitaler Technik und Internet allein keine Verbesserung des Unterrichts.

Tablet

Der Einsatz von Tablet und Co. allein macht noch längst keinen guten Unterricht aus.

Damit der Digitalpakt etwas bewirken kann, müssen

  • ausreichend qualitativ hochwertige Aus- und Fortbildungen für Lehrerinnen und Lehrer gewährleistet,
  • gut durchdachte Konzepte für den Einsatz der digitalen Möglichkeiten erstellt und
  • die kontinuierliche Wartung der Geräte sichergestellt werden.

Wichtig wäre auch eine dauerhafte Förderung der Digitalisierung an Schulen: Der Digitalpakt kann dabei eine Anschubfinanzierung darstellen, mit der es aber nicht getan ist. Digitale Technik veraltet nach ein paar Jahren und muss neu angeschafft werden. Auch das Wissen, das während der Lehrerausbildung und Fortbildungen erworben wurde, muss kontinuierlich aufgefrischt werden, da es ständig neue Entwicklungen gibt.

Neben der viel zitierten Bildungsinfrastruktur benötigen Lehrerinnen und Lehrer auch Zugang zu geprüften und vertrauenswürdigen Inhalten. Im Moment müssen die digitalen Angebote, die im Internet umherschwirren, häufig von jeder Lehrkraft selbst auf ihre Tauglichkeit geprüft werden. Das macht ihren Einsatz sehr zeitaufwändig und ist neben den zahlreichen anderen Anforderungen an Lehrerinnen und Lehrer kaum zu leisten.

Ein Mix aus bewährten und digitalen Möglichkeiten der Wissensvermittlung, bei dem jede Variante so eingesetzt wird, dass sie ihre Vorteile gewinnbringend und nachhaltig für die Schülerinnen und Schüler ausspielen kann, wäre wünschenswert. Was der Digitalpakt hierbei bewirken kann und wie er von den Schulen angenommen wird, wird die Zukunft zeigen.

Weitere Hinweise finden Sie auf der Seite des Bundesministeriums für Bildung und Forschung.

Mit dem Digitalpakt Schule wird eine wichtige Bildungs-Baustelle angegangen. Mit dem akuten Lehrermangel und dem dramatischen Sanierungsstau an vielen Schulen warten weitere.

Über Bettina Kroker

Seit 2014 arbeite ich bei Betzold in Ellwangen als Online-Redakteurin. Im Betzold-Blog möchte ich Lehrerinnen und Lehrern den ein oder anderen Tipp weitergeben, der den Schulalltag erleichtert und Zeit spart. Da ich stets auf der Suche nach neuen, interessanten Blog-Themen bin, freue ich mich immer über Ihre Vorschläge: blog@betzold.de.

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