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Fake News Schule

Medienkompetenz: Fake News erkennen

So machen Sie Ihre Schüler fit im Umgang mit „Fake News“

Spätestens seit dem US-Wahlkampf im vergangenen Jahr kommt man an einem Begriff nicht mehr vorbei: Fake News.

Was sind Fake News?

Bei diesen „falschen Nachrichten“ handelt es sich um Gerüchte und Falschmeldungen. Die gab es zwar schon weit länger, aber erst über Social Media-Kanäle wie Facebook, Twitter, YouTube oder Messenger-Dienste wie WhatsApp ist es jedem möglich, sie in die Welt zu setzen.

Fake News haben in der letzten Zeit so viele Schlagzeilen gemacht, dass der ein oder andere der Ansicht ist, es werde ein zu großer Wirbel darum gemacht. Der Trend, dass auf verschiedenen Kanälen und mit unterschiedlichen Mitteln Falschmeldungen verbreitet werden, ist aber schon länger festzustellen. Tausendfach wird dort auf stark polarisierende Meldungen reagiert, die verzerrt dargestellt, aus dem Kontext gerissen oder einfach nur frei erfunden sind. Ihre Verbreitung im Internet ist deshalb riesig.

Und es ist nicht zu erwarten, dass sich das wie so manch anderer Hype plötzlich wieder legen wird. Wer nicht naiv alles glauben oder andererseits jeder Meldung misstrauisch gegenüberstehen möchte, muss sich mit dem Thema Fake News auseinandersetzen.

Hauptgegenstand dieser Nachrichten sind Politik, wobei derzeit die Flüchtlingspolitik besonders im Fokus der Fake News steht, Promis und Panikmache wie falsche Terrorwarnungen. Die Urheber der Falschmeldungen lassen die Ängste vieler Menschen für sich arbeiten und bestärken sie in ihren Bedenken und Befürchtungen.

Warum werden Fake News in die Welt gesetzt?

Es scheinen hier v.a. zwei Beweggründe eine große Rolle zu spielen (die sich aber auch überschneiden können): Geld und die Beeinflussung der öffentlichen Meinung.

Die große Verbreitung der Falschmeldungen macht die Seiten für die Schaltung von Werbeanzeigen überaus interessant. Je schockierender und polarisierender die Nachricht, desto mehr Leute besuchen die Seiten. Durch die Werbung auf ihren Seiten verdienen die Urheber der falschen Nachrichten hohe Summen.

Besonders im Hinblick auf Wahlen (wie der des amerikanischen Präsidenten oder auch der Entscheidung über den Brexit) werden Falschmeldungen veröffentlicht, die v.a. schwankende Wähler beeinflussen und in eine bestimmte Richtung lenken sollen.

Und was haben „Social Bots“ damit zu tun?

Unter „Social Bots“ versteht man Computerprogramme, die in Sozialen Medien nach bestimmten Stichwörtern oder Hashtags suchen und dann automatisch vorab festgelegte Reaktionen und Antworten zu den Einträgen erstellen. Auf den ersten Blick wirken und agieren die „Social Bots“ wie tatsächlich existierende Nutzer. Sie haben ein Profil mit Namen, Followern bzw. Freunden und posten Mitteilungen.

Der Einsatz von „Social Bots“ verzerrt damit das tatsächliche Stimmungsbild in den Sozialen Medien zu bestimmten Themen. Es scheint so eine Mehrheit für oder gegen etwas zu sein, mit dem Ziel, die Meinung der Leser zu beeinflussen. Tatsächlich existiert diese Mehrheit in der Realität aber nicht. „Social Bots“ verstärken dadurch die Wirkung, die z. B. auch durch Fake News erzielt werden soll.

Warum ist es besonders wichtig,  Schüler fit im Umgang mit Fake News zu machen?

Schüler verbringen viel Zeit auf den unterschiedlichen Social Media-Kanälen und kommen dort unweigerlich in Kontakt mit gefälschten Nachrichten. Doch obwohl sie so häufig online sind, fehlt vielen die Medienkompetenz, um Informationen richtig einzuordnen und kritisch zu hinterfragen:

In einer aktuellen US-amerikanischen Studie, in der knapp 8000 Kinder und Jugendliche ab 10 Jahren teilnahmen, zeigte sich, dass 80% der 12- bis 13-jährigen Schüler werbliche Texte nicht von Nachrichten unterscheiden konnten. Der für die Studie verantwortliche Wissenschaftler Professor Sam Wineburg betonte in einem Interview mit „Die Zeit“, dass Schüler die Glaubwürdigkeit einer Nachricht stark an der Nennung von Daten und Statistiken sowie der optischen Aufmachung und der Fotos festmachen. Das ist nachvollziehbar, leitet aber schnell in die Irre.

Fake News Schule

Viele Schüler haben Schwierigkeiten objektive Quellen zu erkennen, © depositphotos.com / belchonock

Denn Daten und Statistiken sind schnell manipuliert, in einen anderen Kontext gesetzt oder geben nur einen Ausschnitt wieder, der gerade passt. Selbiges gilt für Fotos. Und wer die Optik einer Zeitungsnachricht vortäuschen will, findet im Netz schnell eine Seite, mit der man das Layout von Nachrichten imitieren kann.

Um die vielen Meldungen richtig bewerten zu können, brauchen Schüler Anleitung und Unterstützung.

Die folgenden Punkte helfen Schülern, Fake News zu erkennen.

10 Tipps mit denen Ihre Schüler Meldungen als Fake News enttarnen können

  1. Gesunde Skepsis pflegen:

    Wenn das Bauchgefühl Zweifel an einer Meldung anmeldet, darf ruhig auf den Bauch gehört werden. Besonders wenn eine Nachricht sehr polarisierend, überspitzt und emotional aufgeladen formuliert ist, ist Skepsis angesagt.  Das Gehörte oder Gelesene sollte dann unbedingt kritisch hinterfragt werden.

    Zum Beispiel mithilfe der folgenden Tipps:

  2. Quelle der Nachricht prüfen:

    Um glaubwürdiger zu erscheinen, tarnen sich Fake News häufig als Zeitungsmeldungen. Googelt man die Quelle, stellt sich dann schnell heraus, ob sie wirklich existiert.
    Manchmal unterscheiden sich die Namen nur in Kleinigkeiten, lauten vielleicht „Frankfurter Aktuelle Zeitung“ statt „Frankfurter Allgemeine Zeitung“. Ein professionell erscheinendes Layout ist ebenfalls kein sicheres Zeichen für seriöse Inhalte!

  3. Inhalt der Nachricht prüfen:

    In sozialen Netzwerken finden sich häufig auch Meldungen, die komplett losgelöst von einer Quelle verbreitet werden.

    In diesem Fall können die Schüler im Netz nach dem Inhalt suchen. Wird die Meldung nicht auch von vertrauenswürdigen Nachrichtenmagazinen und Zeitungen verbreitet, ist das ein Anhaltspunkt, dass es sich um keine echte Nachricht handelt.
    Auch die in der Nachricht genannten Namen oder Links können Aufschluss geben.
    Häufige Rechtschreib- und Zeichensetzungsfehler sind ein Anhaltspunkt für schlecht gemachte Falschmeldungen.
    Der Zusatz „Kein Fake!!!“ zählt übrigens nicht zu den Punkten, die den Inhalt einer Meldung glaubwürdig machen 😉

  4. Bilder prüfen:

    Auch eine Überprüfung der Bilder, die der Meldung zur Seite gestellt sind, kann Licht ins Dunkel bringen – besonders, wenn sie den Inhalt der Meldung belegen sollen.
    Dazu rufen die Schüler die Google Bildersuche auf und klicken auf das Symbol des Fotoapparats im Suchfeld. Hier können sie entweder die URL des Bildes eingeben oder das Bild selbst hochladen.

    Mithilfe der Google-Bildersuche können Ihre Schüler fragwürdige Bilder überprüfen.

    Wer Chrome als Browser nutzt, kann die umgekehrte Bildersuche „Mit Google nach Bild suchen“ durch einen Rechtsklick auf das Bild auswählen.
    Google zeigt dann Bilder, die dem gesuchten ähnlich sind. So kann überprüft werden, ob das Bild bereits einmal in einem anderen Zusammenhang gepostet wurde oder viel älter ist als die zu prüfende Nachricht.
    Mit der Bildersuche können die Schüler auch „Social Bots“ auf die Spur kommen, die sich durch Profilbilder anderer Menschen als reale Personen tarnen.

  5. Videos prüfen:

    Auch für Videos gibt es die Möglichkeit einer umgekehrten Suche: Mit dem YouTube Data Viewer von Amnesty International kann nach Eingabe der URL des YouTube-Videos getestet werden, ob es schon früher und in einem anderen Kontext veröffentlicht wurde. Gezeigt werden auch die Vorschaubilder, die dann ebenfalls mit der oben beschriebenen Bildersuche geprüft werden können.

  6. Impressum und Kontaktmöglichkeiten prüfen:

    Ist eine Internetseite als Quelle aufrufbar, sollten die Schüler das Impressum und die Kontaktmöglichkeiten checken. Sind diese Angaben unvollständig oder gar nicht zu finden, handelt es sich mit Sicherheit um keine seriöse Seite – denn diese würde sich nicht scheuen, Verantwortung für ihre Inhalte zu übernehmen.

  7. Inhalte der Homepage prüfen:

    Ein Blick auf weitere veröffentlichte Nachrichten auf der Homepage bzw. dem Twitter- oder Facebook-Account ist ebenfalls oft aufschlussreich. Gibt es die Seite vielleicht erst seit ein paar Tagen oder reiht sich hier eine Schock-Nachricht an die nächste, ist das ein Anhaltspunkt, der die Schüler skeptisch machen sollte.

    Oder: Die Schüler sind auf eine Satire-Seite wie dem Postillion gestoßen – der im Unterschied zu Fake News-Seiten keinen Hehl daraus macht, dass die Inhalte nicht der Wahrheit entsprechen. Diese Meldungen sollten sie zwar auch nicht ernst nehmen, anders als die Fake News sind die aber meist sehr lesenswert 😉

  8. Fake News Suchmaschinen und Infoportale nutzen:

    Der Verein Mimikama hat es sich zur Aufgabe gemacht, über Internetmissbrauch aufzuklären. Auf der Seite finden Sie auch eine „Fake News-Suchmaschine“: www.hoaxsearch.com.
    Bei Mimikama können die Schüler auch Fake News melden, denen sie auf die Spur gekommen sind.
    Auf Facebook betreut mimikama.at die Seite „Zuerst denken, dann klicken“, wo auf die häufigsten gerade kursierenden Falschmeldungen aufmerksam gemacht wird.
    Auch Facebook selbst will in Kürze eine Meldefunktion für Falschmeldungen aktivieren. Ergibt die Faktenprüfung, dass die Nachricht nicht der Realität entspricht, soll ein Warnhinweis bei der Meldung zu sehen sein und auch die Reichweite wird herabgesetzt.

    Auf der Seite Hoaxmap.org können die Schüler sogar prüfen, welche Gerüchte und Falschmeldungen in der eigenen Region die Runde machen. Gerade Meldungen, die per WhatsApp herumgeschickt werden, lassen sich als gefälscht entlarven.

  9. Fake News erstellen:

    Lassen Sie Ihre Schüler nach einer Einführung in die Tricks der Fake News-Urheber selbst falsche Nachrichten erfinden und ein möglichst überzeugendes Layout dazu erstellen. Diese praktische Übung hilft ungemein, um die Wirkungsweise von Fake News zu verstehen, und dabei, sie besser entlarven zu können.

  10. Erst nachdenken und prüfen, dann teilen oder liken!

Über Bettina Kroker

Seit 2014 arbeite ich bei Betzold in Ellwangen als Online-Redakteurin. Im Betzold-Blog möchte ich Lehrerinnen und Lehrern den ein oder anderen Tipp weitergeben, der den Schulalltag erleichtert und Zeit spart. Da ich stets auf der Suche nach neuen, interessanten Blog-Themen bin, freue ich mich immer über Ihre Vorschläge: blog@betzold.de.

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