Ziehen Sie klare Konsequenzen
Der erste Schritt ist natürlich, Schülerinnen und Schüler im Umgang mit Quellen fit zu machen und sie über die Bedeutung geistigen Eigentums zu informieren. Erst wenn diese erfolgt ist, sind Konsequenzen, wie Strafarbeiten, die Herabsetzung der Note oder die Bewertung mit „ungenügend“ angebracht.
Sanktionen bei Plagiaten können Lehrerinnen und Lehrer nur erlassen, wenn sie belegen können, dass ein Schüler/eine Schülerin kopiert hat. Notieren Sie deshalb unbedingt die ursprüngliche Quelle.
Sollten Sie plagiierte Stellen in Referaten oder Hausarbeiten entdecken, ist es aber wichtig, dass die angekündigte Sanktion auch erfolgt, denn:
1. Ein Plagiat ist ein Täuschungsversuch:
Abgeschrieben ist abgeschrieben – ob von den Mitschülerinnen und Mitschülern oder aus dem Internet. Deswegen ist es angebracht, einen zusammenkopierten Text, der benotet wird, auch wie einen Täuschungsversuch zu ahnden.
2. Wer kopiert, lernt nichts:
Je weniger Eigenleistung in einem Text steckt, umso weniger Wissen bleibt Schülerinnen und Schüler hängen.
3. Unrechtsbewusstsein schaffen:
Wer geistiges Eigentum einfach übernimmt, verstößt gegen das
Urheberrecht. Ein Plagiat ist deshalb keine Lappalie.
Dieser Eindruck entsteht bei den Schülerinnen und Schülern aber leicht, da es so einfach ist fremde Texte zu seinen eigenen zu machen. Deswegen sehen sie manche als Allgemeingut an. Dass dem nicht so ist, müssen sie erst lernen. Nach der
Vermittlung von Medienkompetenz und der Schulung im Umgang mit Quellen sind Konsequenzen, sollte trotz alledem kopiert werden, wichtig, um zu verdeutlichen, dass dieses Handeln unredlich ist.
4. Lieber jetzt eine Strafarbeit kassieren, als später den Doktortitel verlieren ;-)
Na klar, ein Referat ist keine Doktorarbeit. Dennoch ist es wichtig, dass die Jugendlichen bereits in ihrer Schulzeit verstehen, dass jede Textsequenz, die in die eigene Arbeit kopiert wird, als Zitat gekennzeichnet werden muss. Genauso selbstverständlich sollte es sein, auch die Quellen von umformulierten, aber eben fremden Hypothesen und Ansätzen zu nennen. Wenn die Bedeutung von geistigem Eigentum auch im Studium und Berufsleben nicht ernst genommen wird, können die Konsequenzen umso unangenehmer ausfallen. Das haben in den letzten Jahren gleich mehrere Politikerinnen und Politiker eindrücklich belegt …
Motive für Plagiate und Präventionsmöglichkeiten
1. Weil es so einfach ist:
Das Internet bietet Unmengen an Informationen zu jedem Thema. Es sind nur ein paar Mausklicks bzw. Tastenkombinationen nötig, um die passenden Passagen in die „eigene“ Datei zu kopieren.
Dieser Punkt lässt sich vielleicht auch unter dem Begriff „Arbeitsvermeidung“ zusammenfassen.
Prävention: Durch die Art der Aufgabenstellung können Lehrerinnen und Lehrer Schülerinnen und Schüler dazu „zwingen“, selbst aktiv zu werden: Im Netz finden sie v.a. sachliche Zusammenfassungen zu bestimmten Themen. Wenn Sie ihre Aufgabe so formulieren, dass sie diese Angaben nicht nur wiedergeben, sondern verarbeiten müssen (wenn sie z.B. eine bestimmte Position vertreten sollen), hilft Kopieren nicht mehr weiter.
2. Schlechtes Zeitmanagement:
In der Regel steht Schülerinnen und Schülern zur Vorbereitung eines Referats oder einer Hausarbeit ausreichend Zeit zur Verfügung. Nur nutzen viele diese Zeit nicht gut. Die Abgabefrist scheint so weit weg, dass der Arbeitsbeginn immer wieder hinausgeschoben wird. Und plötzlich läuft die Frist in zwei Tagen ab …
Prävention: Sie können Ihre Klasse durch eine Unterrichtseinheit zum Thema "Zeitmanagement" unterstützen. Einige Tipps gegen "Aufschieberitis" haben wir im Beitrag "10 Tipps gegen Prokrastination" zusammengefasst.
3. Mangelndes Unrechtsbewusstsein:
„Das machen doch alle“ ist eine beliebte Rechtfertigung für das Abschreiben bzw. Kopieren aus dem Internet. Viele Schüler (und leider nicht nur die) sehen deshalb in einem Plagiat kein nennenswertes Vergehen.
Prävention: Machen Sie den Schülerinnen und Schülern deutlich, dass es sich bei einem Plagiat, wie oben beschrieben, um einen Täuschungsversuch handelt, der entsprechend benotet wird. Eindrückliche Beispiele von Politikerinnen und Politikern die aufgrund von Plagiaten ihren Doktortitel verloren haben, können auch nicht schaden ...
4. Mangelnde Kompetenz:
Um korrekt mit Quellen umzugehen und in der Flut von Informationen gute, zitierfähige Quellen im Internet ausfindig zu machen, müssen Kinder und Jugendliche in der Schule mit dem nötigen Wissen ausgestattet werden.
Auch das Formulieren eigener Gedanken und kritisches Hinterfragen von Quellen will gelernt sein. Andere Schülerinnen und Schüler haben Probleme, gute Exzerpte anzufertigen. Wenn versäumt wird, stets auch die Quelle zu notieren und wörtliche Zitate als solche zu markieren, herrscht schnell Chaos.
Prävention: Eine gute Aufklärung ist unerlässlich. Nur, wenn die Kinder und Jugendlichen verstehen, was ein Plagiat ist, können sie es vermeiden. Dazu müssen sie u. a. lernen, wie sie mit Quellen umgehen müssen, wie und wann zitiert werden muss, dass es ein Plagiat bleibt, auch wenn sie die Wörter umsortieren und auch übernommene Hypothesen und Schlussfolgerungen gekennzeichnet und nicht als die eigenen ausgegeben werden dürfen.
5. Angst, zu versagen:
Auch ein mangelndes Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten kann Schülerinnen und Schüler dazu verleiten, lieber die Arbeit anderer zu kopieren, statt selbst zu denken.
Prävention: Wenn Sie vermuten, dass Versagensängste hinter den kopierten Leistungen stehen, kann es helfen, das direkte Gespräch mit der betroffenen Schülerin/dem betroffenen Schüler zu suchen und den Ursachen für die Ängste auf die Spur zu gehen.
Und zur Ehrenrettung der Schülerinnen und Schüler:
Manchmal befasst man sich auch so intensiv mit einem Text, dass Formulierungen tatsächlich unbewusst übernommen werden.
Quellen