Home > Schulalltag > Frühstart in die Sommerferien
Schüler schwänzen Schule

Frühstart in die Sommerferien

Schule schwänzen für einen günstigen Urlaub

Vielleicht kommt Ihnen das bekannt vor: Direkt nach, aber noch viel häufiger vor den Sommerferien beobachten viele Lehrerinnen und Lehrer ein mysteriöses Phänomen:

Plötzliche Erkrankungen, Geburtstage (oder Beerdigungen) 90-jähriger Großmütter und Hochzeiten naher Verwandter häufen sich und führen zu einem spürbaren Schülerschwund in der Klasse. Andere fehlen einfach unentschuldigt.

Günstiger und zügiger in den Urlaub

Günstigere Flüge und Unterkünfte, die Vermeidung des ferienbedingten Staus oder schlicht eine Urlaubsverlängerung stecken nicht selten hinter den vorgeschobenen Gründen. Denn ein um 300 Euro billigerer Urlaub zählt leider nicht zu den anerkannten Gründen für eine Beurlaubung.

Gerade vor den Sommerferien sehen viele Eltern die Schulpflicht nicht ganz so eng. Die Zeugnisse sind gemacht, der Unterrichtsstoff ist weitestgehend behandelt, Schüler wie ihre Lehrkräfte sehnen die Ferien herbei – kurz gesagt: die Luft ist doch raus.

Muss man die Schulpflicht vor den Sommerferien also wirklich so streng auslegen?

Gute Gründe für die Schulpflicht vor den Sommerferien

Für einen strengen Umgang mit den Ferienfrühstartern sprechen v.a. zwei Gründe:

  1. Wenn nur wenige die Ferien verlängern, mag das auf den ersten Blick nicht so tragisch sein. Aber zum einen ist es ungerecht gegenüber denen, die sich an die Regeln halten und zum anderen besteht die Gefahr, dass immer mehr früher in den Urlaub starten.
  2. Dass die Luft in den letzten Tagen vor den Ferien raus ist, mag sich auf die Noten und das Lernen nach dem Bildungsplan beziehen. Aber dafür ist für anderes, was sonst vielleicht eher zu kurz kommt, wunderbar viel Zeit!Kleinere Projekte, gemeinsame Klassenaktivitäten wie ein Ausflug oder ein Klassenfrühstück, alternative Lernmethoden und Spiele können in einer Atmosphäre ohne Zeit- und Notendruck den Zusammenhalt in der Klasse sowie die Beziehung zu den Lehrkräften stärken und neue Perspektiven eröffnen. Viele Tipps für die Zeit kurz vor Ferienbeginn finden Sie im Beitrag „Der letzte Tag vor den Ferien: Was tun, wenn vor den Sommerferien eigentlich nichts mehr zu tun ist?“.
    Schule schwänzen vor den Sommerferien

    Vor den Ferien ist die ideale Zeit für tolle Projekte, zu denen man sonst nie kommt © Fotolia.com / contrastwerkstatt

Reaktionen auf die Ferienverlängerungen

Die Zahl von Fällen, in denen Eltern die Ferienzeit ihrer schulpflichtigen Kinder durch falsche Krankmeldungen, Beurlaubungen mit vorgeschobenen Gründen und unentschuldigtes Fehlen verlängern, wuchs in den letzten Jahren.

Besonders verdächtig ist es, wenn zunächst eine Beurlaubung abgelehnt wurde und der Schüler in der betreffenden Zeit von einer plötzlich aufgetretenen Krankheit heimgesucht wird. Die Schule hat in einem solchen Fall die Möglichkeit, ein ärztliches Attest zu verlangen. Wird dieses nicht vorgelegt, kann die Schule Konsequenzen ergreifen.

Immer mehr Schulen ahnden diese Verstöße gegen die Schulpflicht inzwischen strenger. In manchen Fällen erfolgt zunächst ein ernstes Gespräch mit der Schulleitung, eine Verwarnung oder ein Eintrag ins Zeugnis.

Schon beim ersten Vergehen können jedoch auch Schul- bzw. Ordnungsamt oder die Polizei (die rund um die Ferienzeit auch an Flughäfen kontrollieren kann) ins Spiel kommen und dann kann es – v.a. bei wiederholten Fällen – durchaus teuer werden. Die Verletzung der Schulpflicht gilt als Ordnungswidrigkeit und ist mit einem Bußgeld belegt. Über Polizeikontrollen an Flughäfen, die vor den Pfingstferien 2018 gezielt nach Schulschwänzern ausschau hielten, berichtete z.B. Spiegel Online am 21. Mai 2018.

Dessen Höhe richtet sich nach den im jeweiligen Bundesland gültigen Festlegungen im Schulgesetz und ist meist von der Anzahl der verpassten Tage abhängig. In Nordrhein-Westphalen wird beispielsweise eine Zahlung von bis zu 1000 Euro fällig, wie RP Online am 6. April 2017 berichtete.

Als Klassenlehrerinnen und -lehrer sind Sie in der Regel diejenigen, an die Beurlaubungsgesuche und Krankmeldungen herangetragen werden. Ob Sie diese kurz vor und nach den Sommerferien strenger prüfen und Atteste verlangen, liegt, sollte nichts anderes von höherer Stelle angeordnet worden sein, in Ihrem Ermessen.

Was Sie auf jeden Fall tun können, ist dem Argument „Da passiert doch ohnehin nichts mehr“ etwas entgegenzusetzen:

Ideen, wie Sie die Zeit vor den Ferien sinnvoll nutzen können, hält der Blog-Beitrag „Was tun, wenn vor den Sommerferien eigentlich nichts mehr zu tun ist?“ bereit 🙂

Der letzte Tag vor den Ferien

Über Bettina Kroker

Seit 2014 arbeite ich bei Betzold in Ellwangen als Online-Redakteurin. Im Betzold-Blog möchte ich Lehrerinnen und Lehrern den ein oder anderen Tipp weitergeben, der den Schulalltag erleichtert und Zeit spart. Da ich stets auf der Suche nach neuen, interessanten Blog-Themen bin, freue ich mich immer über Ihre Vorschläge: blog@betzold.de.

Deine Meinung

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.Erforderliche Felder sind markiert *

*