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Automatische Korrektur von Klassenarbeiten

Automatische Korrektur von Klassenarbeiten

Klassenarbeiten am Computer erstellen, schreiben lassen und korrigieren – klappt das?

Auf die Frage, welches der größte Zeitfresser im Lehrerberuf ist, antworten die meisten Lehrerinnen und Lehrer wohl ohne groß zu überlegen: „Korrigieren!“.
Auch wenn man perfekt organisiert ist und sämtliche Zeitspar-Register zieht (Tipps dazu im Blog-Beitrag „Prokrastinieren Sie noch oder korrigieren Sie schon?“), bleibt es doch dabei: Korrigieren braucht seine Zeit. 

Korrektur auf Knopfdruck

Das Problem kennen auch Uni-Dozenten, die mit der Klausurkorrektur oft hunderter Studenten komplett überlastet sind. Einige sind deshalb bereits auf Klausuren umgestiegen, die durch Computer-Programme korrigiert werden.

Das klappt allerdings nur bei geschlossenen Fragestellungen, wie z. B. Multiple-Choice-Fragen oder Fragen, die mit einem Wort oder einer Zahl beantwortet werden können. Diese Vorstellung dürfte bei vielen Lehrerinnen und Lehrern sofort die verschiedensten Bedenken gegen eine Korrektur auf Knopfdruck wecken: Sind solche Tests nicht viel zu einfach? Wie sollen die Schüler dabei ihre Kreativität zeigen? Was ist mit Transferaufgaben?

Inzwischen gibt es einige Lehrerinnen und Lehrer, die sich trotz anfänglicher Vorbehalte an diese Art Klassenarbeiten zu erstellen und auszuwerten gewagt haben. Eine davon ist Tanja M., Lehrerin an einem bayerischen Gymnasium. Sie teilt hier freundlicherweise ihre Erfahrungen mit uns :)

Im Anschluss an den Erfahrungsbericht haben wir nochmal die Vor- und Nachteile der automatischen Klausurkorrektur zusammengefasst.

Ein Erfahrungsbericht:

„Ich unterrichte seit 17 Jahren Englisch, Sozialkunde und Geschichte am Gymnasium und erlebe immer wieder sehr korrekturintensive Phasen. Vor einiger Zeit lagen zwei Kurzarbeiten in Sozialkunde so knapp vor dem Notenschluss, dass mehrere stressige Korrekturtage am Stück unvermeidlich erschienen – wäre da nicht der Mathelehrer meiner Tochter gewesen.
Der ließ Klassenarbeiten in Mathe schon seit einiger Zeit am PC durchführen und hatte dadurch so gut wie keinen Korrekturaufwand. Wäre das auch in einem Fach wie Sozialkunde möglich? Angesichts meiner Zeitnot war ich bereit, mich auf das Experiment einzulassen.

Nun muss ich zugeben, dass ich bis dahin kein großer Fan von Tests mit geschlossenen Antwortformaten war, zumal meine Tochter bei diesen Arbeiten nicht unbedingt besser abgeschnitten hatte als sonst. Andererseits wusste ich von besagtem Mathelehrer, dass es auch Schüler gibt, die sich mit diesem Format leichter tun.

Ich bestellte einen Probezugang für die Testplattform Test7, die ich bereits von den Mathearbeiten meiner Tochter her kannte. Mir wurde schnell klar, dass es kein Spaziergang werden würde, geeignete Multiple-Choice-Aufgaben für meinen Prüfungsstoff „Außenpolitik“ zu entwickeln. Tatsächlich kostete es mich einige Stunden, bis ich meine zehn Multiple-Choice-Fragen zusammen hatte. Ich ergänzte sie noch durch drei offene Fragen, bei denen die Schüler wie gewohnt frei drauflosschreiben konnten, schon weil es mich selbst beruhigte, neben dem sonst völlig neuen Format auch übliche Frageformate einzusetzen. Während die Multiple-Choice-Fragen automatisch ausgewertet wurden, mussten die Texte der Schüler von mir selbst korrigiert werden.

Auf die mühevolle Testvorbereitung folgte der angenehme Part. Die Bearbeitung der Tests am PC fiel den Schülern erwartungsgemäß technisch nicht schwer. Ich ließ, wie auch sonst, Trennwände zwischen die PCs stellen, um das Spicken zu erschweren, aber auch die Erstellung von zweierlei Gruppen wäre unproblematisch gewesen.

Automatische Korrektur von Klassenarbeiten

Bereits während des Tests konnte ich an meinem Rechner mitverfolgen, wie gut oder schlecht die einzelnen Multiple-Choice-Fragen beantwortet wurden. Bei Fragen, deren Lösungsquote überraschend gering war, konnte man durch kleine Hinweise an alle Schüler noch etwas Hilfestellung bieten.

Nach der Testdurchführung musste ich noch die Antworten für die drei offenen Fragen bepunkten. Das ging leichter als erwartet, da ich pro Frage bequem von einem Testbogen zum nächsten klicken konnte und die Antworten sehr gut aufgeräumt in immer demselben Kasten erschienen. Durchlesen, passende Punktzahl ankreuzen, evtl. kurze Erläuterung dazuschreiben – nächste Arbeit usw.

Am Ende war ich erstaunt, dass es von den Ergebnissen her keine großen Abweichungen gegenüber meinen bisherigen Arbeiten in beiden Kursen gab. Die sonst leistungsstarken Schüler hatten im Großen und Ganzen auch bei diesem Testformat überdurchschnittlich gut abgeschnitten, ebenso verhielt es sich mit den leistungsschwachen Schülern. Vereinzelt gab es allerdings auch Verlierer und Gewinner dieser Testform – was ich aufgrund der Erfahrung mit meiner Tochter nicht anders erwartet hatte. Dies empfinde ich jedoch als durchaus legitim, wenn man Test7 als das nimmt, was es ist: Eine Testform, die andere Kompetenzen der Schüler/-innen testet, als sie dies von den üblichen Formen von Schulaufgaben oder Extemporalen gewohnt sind.

Mein Fazit:

Testen mit Multiple-Choice bedeutet für den Lehrer und manchen Schüler eine enorme Umstellung. Beim Lehrer verlagert sich der Arbeitsaufwand – zumindest anfänglich – ganz klar von der Korrektur hin zur Vorbereitung. Allerdings ist es manchmal eine interessante Abwechslung, sich gute Multiple-Choice-Fragen auszudenken, statt mit dem Rotstift in Schülerarbeiten herumzufuhrwerken.

Vor allem aber erwarte ich mir mit zunehmender Erfahrung und Wiederverwendung/leichter Abwandlung alter Fragen auf lange Sicht eine deutliche Zeiteinsparung. Ich werde das Testen mit geschlossenen Antwortformaten als Nächstes auch in meinen beiden anderen Fächern Geschichte und Englisch ausprobieren. Gerade für kleine Leistungsnachweise halte ich dies durchaus für geeignet.

Ich hoffe, mit meinem Artikel ein wenig Interesse am Thema Multiple-Choice-Test geweckt zu haben und gebe gerne zu, ihn nicht ganz uneigennützig verfasst zu haben: Je mehr Kollegen/Kolleginnen sich auf dieses Format einlassen und geeignete Fragen konstruieren, desto leichter wird es für alle Beteiligten, da die meisten Testplattformen den Austausch von Tests und Fragen unter Lehrern ermöglichen.“

Vor- und Nachteile der automatischen Korrektur von Klassenarbeiten

Zusammenfassend haben wir hier nochmal unsere Sicht auf die Vor- und Nachteile dieser Form Klassenarbeiten zu schreiben und auszuwerten gesammelt:

Vorteile:

  • Zeitersparnis beim Korrigieren der Klassenarbeiten
  • Geschlossene Fragestellungen ermöglichen vergleichbare, objektive und folglich auch gerechtere Ergebnisse
  • Bessere Lesbarkeit: Schülerhandschriften müssen nicht mehr entschlüsselt werden ;-)
  • Die Schüler erfahren schnell, wie sie abgeschnitten haben

Nachteile:

  • Zumindest anfangs mehr Zeitaufwand beim Erstellen der Klassenarbeiten: Die Fragen müssen gut konzipiert sein, damit die Arbeiten nicht zu leicht werden.
  • Damit trotz des geschlossenen Frageformats Transferleistungen und problemlösendes Denken getestet werden können, müssen Fragen und Antwortmöglichkeiten sehr gut durchdacht sein. Tipps zur Formulierung geschlossener Fragestellungen finden Sie z. B. im Dokument „Erstellen und Bewerten von Multiple-Choice-Aufgaben“ der eLearning Service Abteilung (elsa) der Leibniz Universität Hannover.
  • Es gibt nur richtig oder falsch: Die Wege zur Lösung bleiben auf einem Schmierpapier oder im Kopf des jeweiligen Schülers vor der Lehrkraft verborgen. So können für den Lösungsweg und richtige Zwischenschritte keine Punkte vergeben werden. Nur das Ergebnis wird bewertet. Eine Lösung für dieses Problem könnte die Aufteilung einer Aufgabe in mehrere Teilschritte sein – so kann auch der Lösungsweg nachvollzogen werden.
  • Die nötige Technik kann Probleme bereiten. Es ist empfehlenswert, die Arbeit auch noch als Kopiervorlage dabei zu haben, falls irgendetwas nicht funktioniert.

Wir finden den Ansatz auf jeden Fall spannend, und wenn es möglich ist, geschlossene und offene Fragestellungen zu mischen, sind auch umfassendere Antworten möglich. Wichtig ist es, sich die Datenschutzrichtlinien des jeweiligen Anbieters gut durchzulesen, da hier mit personenbezogenen Daten gearbeitet wird. Wenn die Schule über eine stabile Internetverbindung und ausreichend Computer bzw. Tablets verfügt, ist es sicher auch für die Schüler ganz interessant, diese für sie noch ungewohnte Art, Klassenarbeiten zu schreiben, mal auszuprobieren :)

 

 

Über Bettina Kroker

Seit 2014 arbeite ich bei Betzold in Ellwangen als Online-Redakteurin. Im Betzold-Blog möchte ich Lehrerinnen und Lehrern den ein oder anderen Tipp weitergeben, der den Schulalltag erleichtert und Zeit spart. Da ich stets auf der Suche nach neuen, interessanten Blog-Themen bin, freue ich mich immer über Ihre Vorschläge: blog@betzold.de.

2 Kommentar

  1. Danke für die Erwähnung des Datenschutzes! Die schriftliche Einverständnis der Eltern bzw. die der volljähriger Schülerinnen und Schüler ist hierbei erforderlich. Eine Weitergabe der Daten an Dritte (mit Ausnahme der gesetzlichen Auskunftspflichten)sollte in der Datenschutzerklärung des jeweiligen Dienstes ausgeschlossen sein. In der Regel dürfte es auch notwendig sein, dass die Schule eine Auftragsdatenveareitungsvereinbaung mit dem Dienst abschließt.

  2. Vielen Dank für den interessanten Beitrag. Ich überlege auch, wie ich MC-Fragen für die Korrektur von Arbeiten entlastend einsetzen kann. Der Weg über die MC-Fragen wäre sicher weniger hinderlich, wenn man mit der Zeit Strategien für diese Fragenart entwickelt und sich auch mit Kollegen austauschen kann.

    Der Datenschutz spielt sicher eine Rolle und ist nicht bei privaten Anbietern an eine Einverständnis durch die Schüler*in oder die Eltern gebunden.

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