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Spicken Teil 1: Die besten Tricks Ihrer Schüler

So machen Sie den Schummlern das Leben schwer

Eigentlich könnten Prüfungsstunden so entspannt ablaufen: Sie haben Ihre Arbeit getan und eine faire, aber anspruchsvolle Klassenarbeit entworfen. Nun ist es an den Schülern, die Aufgaben eigenständig zu lösen, während Sie die Zeit nutzen könnten, um zu korrigieren, Stunden vorzubereiten oder einfach einmal etwas abzuschalten.

Stattdessen wandern Sie durch die Gänge und sind aufmerksam wie ein Luchs, denn viele Schüler sind zumindest in einem Gebiet unangefochtene Experten: im Spicken.

Falls Sie während einer Klassenarbeit nur selten einen Blick auf die Schüler werfen, ist es Ihnen entweder nicht gar so wichtig, wie die Schüler zu ihren Lösungen kommen (und es ist nicht nötig, diesen Beitrag weiter zu lesen) oder Sie vertrauen Ihren Schülern (in diesem Fall müssen wir Ihr Vertrauen leider erschüttern).

Spickzettel mit Lerneffekt

Vielleicht sind Sie auch der Ansicht, dass Kinder und Jugendliche durch die Anfertigung von Spickern am effizientesten lernen und die Benutzung in der Arbeit deshalb ohnehin überflüssig wird:

Für einen guten Spickzettel müssen sich die Schüler auf das Wesentliche fokussieren, die Inhalte reduzieren, strukturieren und übertragen, wodurch der Stoff wiederholt wird. Das wahllose Kopieren von Texten, das sehr viele Schüler mit Hilfe von Wikipedia praktizieren, hat hingegen keinen Lerneffekt.

Mehr darüber erfahren Sie im Blog-Beitrag „Lerntechnik: Spickzettel als Prüfungsvorbereitung“.

Spicken Schüler

Diese Handhaltung macht das geschulte Lehrerauge misstrauisch, Quelle: © Depositphotos.com / erierika

So oder so: Wird der Spicker nicht nur geschrieben, sondern auch genutzt, ist dies ein Täuschungsversuch und spätestens dann trennen sich die Meinungen von Schülern und Lehrerkräften über die unerlaubten Hilfsmittel.

Inspirationsquelle Internet

Und wie versuchen Sie, Spicken während Klassenarbeiten zu verhindern? Sind Sie der Wanderer, der Technikaffine, der Luchs oder doch eher der gechillte Typ? Ihre Schüler könnten Ihnen sicher bei dieser Frage weiterhelfen, denn YouTube bietet zahlreiche Tutorials zum Thema „Spicken“, wie z.B. dieses: „How I cheated my teacher“. Das Video analysiert das Prüfungsverhalten von Lehrkräften, um die Spicktechniken bestmöglich anzupassen.

Im Netz sind spezielle Spick-Homepages, Anleitungen, Tipps und „Lehrfilme“ zu finden, in denen Schüler ihre besten Spicktipps, die Wahl des schummelfreundlichsten Sitzplatzes oder eben Lehrertypen verbreiten.

Und sie verbreiten sich gut: Die Videos haben teilweise mehrere 100 000 Klicks. Sie können also davon ausgehen, dass Schüler, die vorhaben, bei einer Arbeit zu täuschen, problemlos alle Spicktricks via Internet in Erfahrung bringen können.

Deshalb haben wir keine Skrupel, den Spieß umzudrehen und Sie und Ihre Kolleginnen und Kollegen in Sachen Spicken fortzubilden. Wir werden Ihnen in den folgenden Blog-Beiträgen unserer Spick-Serie zunächst die klassischen (analogen) Schummeltechniken vorstellen, um dann zu den Spickmöglichkeiten mit Technikeinsatz zu kommen.

Spicken

Rote Karte für Spicker.

Das sagen Wissenschaftler zum Thema Spicken

Tendenziell gilt: Je älter Ihre Schüler sind, umso wahrscheinlicher ist es, dass geschummelt wird.

Forschungsergebnisse der Psychologinnen Dr. Brigitte Latzko und Andrea Fischer von der Universität Leipzig zeigten, dass die Akzeptanz des Mogelns bei älteren Schüler viel weiter verbreitet ist, als bei jüngeren Schülern.

Gleichzeitig verringert sich mit zunehmendem Alter das schlechte Gewissen beim Spicken.

Für die Wissenschaftlerinnen stehen diese Ergebnisse zum einen mit dem steigenden Leistungsdruck in höheren Klassenstufen in Verbindung, einen Teil der Verantwortung sehen sie aber auch bei den Lehrkräften selbst: Viele ältere Schüler würden spüren, dass Schummeln von einigen Lehrer akzeptiert wird, solange man sich nicht erwischen lässt. Die Forscherinnen fordern ein konsequenteres Auftreten gegen die Schummelei.

Eine Folge dieser Erkenntnis könnte eine Diskussion innerhalb des Kollegiums sein: Wie stehen Sie und Ihre Kolleginnen und Kollegen zum Thema Mogeln, was wird als Täuschungsversuch geahndet und mit welchen Folgen müssen die Schüler rechnen?

Klare, einheitliche Regeln helfen Ihnen und machen den Schülern die zwingenden Konsequenzen ihres Handelns deutlich.

Obwohl wirklich jeder Lehrende häufig damit konfrontiert wird, spielt das Verhalten bei Täuschungsversuchen von Schülern während der Lehrerausbildung kaum eine Rolle. Dabei wäre eine Aufklärung durchaus sinnvoll.

Gerade beim aktuell besten Spickmedium, dem Smartphone, besteht bei vielen Lehrkräften eine rechtliche Unsicherheit, ob sie die Geräte während Klassenarbeiten einsammeln dürfen. Hier ist die Schulleitung gefordert, eine schulinterne Regelung zu erarbeiten und den Lehrkräften Handlungssicherheit zu gewährleisten.

10 Tipps: So erschweren Sie den Schülern das Spicken

Spicken und Schummeln können Sie kaum komplett verhindern. Diese zehn bewährten Methoden machen den Moglern das Leben aber etwas schwerer:

  1. Klare Linie:

    Klären Sie Ihre Schüler über die unausweichlichen, strengen Konsequenzen von Täuschungsversuchen auf. Schüler, die ohnehin noch mit der eigenen Courage kämpfen, lassen den Spicker so eher in der Tasche.

  2. Sichtschutz:

    Hier kann ganz traditionell, aber oft nur bedingt effektiv, die Schultasche zum Einsatz kommen. Besser sind spezielle mobile Trennwände für Schultische. Den „Anti-Schummel-Helm“, eine Sichtschutz-Variante aus Thailand, halten wir jedoch für etwas übertrieben ;-)

    Spicken

    Ein Sichtschutz erschwert das Abschreiben vom Tischnachbarn, Quelle: Betzold

  3. Reduzierung auf das Nötigste:

    Auf dem Tisch sollte nur das liegen, was unbedingt für die Arbeit gebraucht wird.
    Mäppchen, Taschenrechner, Lineal  und Verpackungen bieten prima Versteckmöglichkeiten für Spicker.

  4. Papierwechsel:

    Die unauffälligsten Spickzettel sind als Konzeptpapier getarnt.

    Zuvorkommende Angebote von Schülern, das eigene Papier zu nutzen, sollten Sie deshalb dann und wann ausschlagen und selbst Konzeptpapier austeilen. Übrigens bietet auch schuleigenes Klassenarbeitspapier keinen sicheren Mogelschutz. Findige Schüler nehmen sich beizeiten gern etwas davon mit nach Hause, um es bei späteren Prüfungen einzusetzen.

  5. Aufmerksamkeit:

    Sie können die Klasse nicht permanent komplett im Blick haben, doch sie sollten versuchen, den Anschein zu erwecken, als könnten sie es. Flanieren Sie immer wieder durch die Gänge. Oder setzen Sie einen Schüler aus der letzten Reihe an Ihr Pult, während Sie seinen Platz einnehmen.

  6. Kontrollieren:

    Werfen Sie vor der Arbeit einen Blick auf und unter die Tische, schauen Sie unter die Mäppchen, auf die Lineale und Radiergummis oder in die Taschenrechner. Haben Sie dabei aber das richtige Maß im Blick: Zu viel Kontrolle kann unter Umständen die Stimmung zwischen Ihnen und den Schülern verschlechtern.

  7. Gruppenarbeit:

    Um sicherzugehen, dass Tischnachbarn nicht abschreiben, können Sie zwei unterschiedliche Arbeiten austeilen und diese mit Gruppe A und B kennzeichnen. Weniger Arbeit macht es, bei identischen Aufgaben nur die Reihenfolge zu ändern – klappt bei den meisten Klassen aber nur einmal ;-)

    Spicken und schummeln in der Schule bei Klassearbeiten.

    Gruppenarbeit ist an Schulen gern gesehen. Eine Ausnahme sind Klassenarbeiten: Hier sollte der Blick auf dem eigenen Blatt bleiben. Quelle: Betzold

  8. Der richtige Zeitpunkt:

    Eine 2014 veröffentlichte amerikanische Studie (The Morning Morality Effect. The Influence of Time of Day on Unethical Behavior) will belegt haben, dass Menschen morgens ehrlicher seien. Wenn Sie die Gunst der (frühen) Stunde nutzen möchten, sollten Sie Klassenarbeiten in den ersten Stunden schreiben lassen ;-)

  9. Die effektivste Methode:

    Kaum etwas verhindert Schummeln so gut wie Fragestellungen, die nicht in einem Satz zu beantworten sind. Wenn  Transferleistungen erbracht, Quellenarbeit geleistet oder Essayfragen beantwortet werden müssen, sind Leistungen gefragt, die nicht auf einem Spicker unterzubringen sind.

  10. Achtung, nicht erlaubt: Handyblocker und Handypeiler:

    Die Geräte können künstliche Funklöcher erzeugen bzw. Handys und Smartphones lokalisieren. Der Einsatz beider Techniken ist in Deutschland jedoch nicht erlaubt! Wie die Süddeutsche Zeitung im April 2013 berichtete, scheinen manche Schulen die Geräte aber dennoch zu nutzen.

Ihre Schüler werden Ihnen wohl immer einen Schritt voraus sein. Spätestens mit der Entwicklung von Hightech-Kontaktlinsen, die Bilder direkt aufs Auge projizieren, müssen neue Lösungen für das Spickproblem gefunden werden. Bis dahin können Sie die heutigen Schummeltechniken in den beiden weiteren Beiträgen zu diesem Thema besser kennenlernen.

Zur Einstimmung haben wir hier für Sie einen Link zu unserem Lieblingsspickvideo „Die Kunst des Spickens“. Viel Spaß :)

Und hier geht’s zum zweiten Teil, in dem wir Ihnen die gängigsten Spicker vorstellen:

Spicken Teil 2: Die Klassiker: Spickzettel und Co.

Über Bettina Kroker

Seit 2014 arbeite ich bei Betzold in Ellwangen als Online-Redakteurin. Im Betzold-Blog möchte ich Lehrerinnen und Lehrern den ein oder anderen Tipp weitergeben, der den Schulalltag erleichtert und Zeit spart. Da ich stets auf der Suche nach neuen, interessanten Blog-Themen bin, freue ich mich immer über Ihre Vorschläge: blog@betzold.de.

6 Kommentar

  1. Euer Betzold Blog-Team

    Um die Kreativität der Schüler brauchen wir uns wohl keine Sorgen zu machen ;-)

  2. Die mobilen Trennwände bieten sich super als Aufbewahrungsort für Spicker an, da diese gleichzeitig einen guten Sichtschutz vor neugierigen Lehreraugen bieten, wie ich von vertrauensseligen Schülern erfahren durfte
    …auch die Umetikettierung von Trinkflaschen habe ich schon live erlebt

    …am interessantesten war die einmalige Erfahrung, dass ein Spicker-Blatt in A4-Format unter dem Test-Blatt lag und dann konzentriert versucht wurde, durch das Papier hindurch die Antworten abzulesen

    … zum Glück unterrichte ich hauptsächlich Fächer, die bei Arbeiten ohnehin längere aufsatzartige Antworten erwarten können und zudem bin ich eher der Flanier-Typ …und gelegentlich gibt es zur Abwechslung halt A- und B-Arbeiten ;)

  3. Euer Betzold Blog-Team

    Prima Idee!
    Über solche „legalen“ Spickzettel haben wir vor einiger Zeit auch mal berichtet: https://www.betzold.de/blog/lerntechnik-10-tipps-fuer-gute-spickzettel/

  4. Warum das Spicken nicht erlauben? Meine SuS dürfen in der Stunde vor der KA Spickzettel schreiben. Diese sammel ich ein und teile sie in den letzten Minuten der Arbeit wieder aus. So konzentrieren sich die Kinder im Vorfeld auf das Wesentliche und haben einen Anker.

    Funktioniert super.
    (Klasse 6)

  5. Super Beitrag, deine Tipps haben mir gestern auch sehr geholfen, danke dafür!!!!

    Normalerweise hatte ich meine Spiker-Ideen von hier:
    mytutor.at/article.php?p=bydlygcw1myznaaiqw8s3hkvbvqskholilev3ncc9keywxipaak3ptoz9rdv3qint0yqts9ron9a2dktbkfluiurwkqvjobbjebk
    aber es tut gut auch mal andere Möglichkeiten zu schummeln auszuprobieren!

    Freue mich schon auf weiter Tipps von dieser Seite!

    Liebe Grüße Josie :-*

  6. …das waren noch Zeiten… ;-)

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