Lehrerin arbeitet mit Schülergruppe
Unterrichtsmethoden
Aktualisiert: 04.11.2025

Gruppenarbeit planen und durchführen

Neben Frontalunterricht, Plenum/Klassengespräch, Einzel- oder Stillarbeit und Partnerarbeit zählt Gruppenarbeit zu den Sozialformen des Unterrichts. Hier haben wir für Sie eine Checkliste mit den wichtigsten Punkten zur Planung, Durchführung, Besprechung/Präsentation und Reflexion zusammengestellt sowie Rollenkarten und Regeln für die Gruppenarbeit zum Ausdrucken.
Bettina Kroker
Bettina Kroker
Online-Redakteurin

© Christian Schwier / Fotolia.com

Meist bearbeiten die Schülerinnen und Schüler bei einer Gruppenarbeit parallel verschiedene Aufgabenstellungen zu einem gemeinsamen Thema. Dabei sind die Arbeitsanweisungen so formuliert, dass sie das Ziel erreichen, wenn sie miteinander kommunizieren und kooperieren.

Gruppenarbeit kann die Lernmotivation erhöhen und ermöglicht, dass die Schülerinnen und Schüler mit verschiedenen Sichtweisen auf ein Thema konfrontiert werden und mit diesen umzugehen lernen. Sie üben sich im Argumentieren, Diskutieren und Präsentieren.

Damit aus „Wir machen was zusammen“ kein Chaos entsteht, braucht es jedoch klare Strukturen: von der Planung über die Gruppeneinteilung, gemeinsame Regeln bis hin zu Rollenverteilungen und passenden Methoden.

Methoden für Gruppenarbeit

Für eine Gruppenarbeit steht Ihnen eine große Auswahl an unterschiedlichen Unterrichtsmethoden zur Verfügung. Je nach Lernziel, Zeitrahmen und Klassensituation können Sie zwischen eher strukturierenden und kreativen Methoden wählen.

Hier einige Beispiele für Gruppenarbeitsmethoden:

Strukturierende Methoden:

Diese Methoden geben den Schülerinnen und Schülern einen klaren Rahmen vor und sorgen dafür, dass alle aktiv beteiligt sind. Sie sind besonders geeignet, wenn Sie Wert auf eine systematische Erarbeitung von Inhalten legen.

  • Gruppenpuzzle (Jigsaw-Methode) - Kleingruppenarbeit
    Jede Gruppe bearbeitet einen Teilaspekt eines Themas. Anschließend treffen sich die Mitglieder der verschiedenen Gruppen, die denselben Teil bearbeitet haben (Expertengruppen), tauschen sich aus und bringen ihr Wissen zurück in ihre Ursprungsguppen. So wird jeder zum Experten für einen Teilbereich und trägt zum Gesamtergebnis bei.
  • Fishbowl - Großgruppe/Plenum
    Einige Schülerinnen und Schüler sitzen im „Innenkreis“ (Fishbowl) und diskutieren ein Thema, während die anderen im „Außenkreis“ zuhören und beobachten. Nach einer festgelegten Zeit oder bei bestimmten Gesprächsimpulsen wechseln die Rollen. Diese Methode sorgt für eine strukturierte Diskussion, fördert aktives Zuhören und ermöglicht es allen, verschiedene Perspektiven kennenzulernen.
  • Kugellager - Großgruppe/Plenum
    Die Schülerinnen und Schüler bilden zwei konzentrische Kreise: Der innere Kreis blickt nach außen, der äußere nach innen, sodass sich Paare gegenüberstehen. Jede Paarung diskutiert für eine festgelegte Zeit eine Frage oder Aufgabe. Nach Ablauf der Zeit rückt der äußere Kreis einen Platz weiter, und neue Gesprächspartner entstehen. Das Kugellager eignet sich gut, um viele kurze Austauschphasen zu ermöglichen, Ideen zu sammeln und alle aktiv einzubinden.
  • Think-Pair-Share - Kleingruppenarbeit & Großgruppe/Plenum
    Erst arbeitet jedes Gruppenmitglied kurz allein (Think), dann tauscht man sich in der Kleingruppe aus (Pair), bevor die Ergebnisse in der Großgruppe oder im Plenum vorgestellt werden (Share).
  • Placemat - Kleingruppenarbeit
    Alle Gruppenmitglieder schreiben ihre Ideen oder Antworten zunächst in eigene Felder eines großen Blatts (oder digital auf einer gemeinsamen Vorlage). In der Mitte werden dann die wichtigsten Punkte gesammelt. Vorteil: Jeder kommt zu Wort, bevor die gemeinsame Diskussion startet.

Kreative Methoden:

Diese Methoden eröffnen den Schülerinnen und Schülern mehr Freiraum für eigene Ideen und fördern kreatives, problemlösendes Denken. Sie eignen sich gut für Themen, bei denen es mehrere Lösungswege oder offene Fragestellungen gibt.

  • World Café - Kleingruppenarbeit
    Verschiedene „Thementische“ werden eingerichtet, an denen Gruppen ein Thema oder eine Fragestellung diskutieren. Nach einer bestimmten Zeit wechseln die Gruppen den Tisch und knüpfen an die Ergebnisse der vorherigen Gruppe an. Ideal für Brainstorming und Perspektivwechsel.
  • Rollenspiel - Kleingruppenarbeit oder Großgruppe/Plenum 
    Die Schülerinnen und Schüler schlüpfen in verschiedene Rollen (z. B. historische Personen, Figuren aus Literatur, Beteiligte an einem Konflikt) und spielen eine Situation aus. Das fördert Empathie und vertieft das Verständnis komplexer Themen.
  • Museumsgang (Gallery Walk) - Kleingruppenarbeit
    Gruppen erarbeiten einzelne Themen oder Fragestellungen auf Plakaten, die dann von allen „abgewandert“ und diskutiert werden.
  • Kreative Arbeitsaufträge- Kleingruppenarbeit
    Die Gruppe entscheidet selbst, wie sie die Ergebnisse präsentiert. Z. B. als Erklärvideo, Podcast, Mini-Ausstellung oder PowerPoint-Präsentation.

Planung einer Gruppenarbeit

Diese Checkliste hilft Ihnen, alle wichtigen Aspekte bei der Planung einer erfolgreichen Gruppenarbeit zu beachten – von der Aufgabenstellung bis zur Gruppeneinteilung und Zeitplanung.

Schüler tauschen sich aus
.shock – stock.adobe.com
  • Gruppenarbeit ist die passende Sozialform für die Aufgabenstellung
  • Eignet sich das Thema für einen aufgabengleichen oder -differenzierten Arbeitsauftrag?
  • Prüfen, ob die Schülerinnen und Schüler die erforderlichen Kenntnisse und Kompetenzen besitzen
  • Ziel der Gruppenarbeit klar definieren
  • Arbeitsauftrag verständlich und schriftlich formulieren
  • Aufgabenstellung: Der Schwierigkeitsgrad fordert, aber überfordert die Schülerinnen und Schüler nicht. Um der heterogenen Zusammensetzung der Klasse gerecht zu werden, müssen evtl. Aufgaben mit unterschiedlichem Schwierigkeitslevel gestellt oder Impulse vorbereitet werden, die den Kindern Hilfestellungen bieten.
  • Arbeitsmaterial zusammenstellen: ausformulierter Arbeitsauftrag, Arbeitsblätter, Recherchematerial, wie z. B. Informationstexte, Zeitschriften, Bücher, Internetzugang
  • Sinnvolle, zum Arbeitsauftrag passende, Gruppengröße festlegen: meist 3 – 6 Schülerinnen und Schüler bei Kleingruppenarbeit; je größer die Gruppe, desto mehr Zeit wird für die Abstimmung untereinander benötigt und einzelne Kinder können sich unbemerkt ausklinken
  • Gruppeneinteilung: Entscheidung, ob leistungsheterogene oder -homogene Gruppen gebildet werden sollen (Zufallsprinzip, Spiele zur Gruppeneinteilung, Schülerinnen und Schüler bilden selbst Gruppen, Gruppen aus Sitznachbarn, Lehrkraft teilt die Gruppenmitglieder ein)
  • Sitzordnung: bestehende Sitzordnung beibehalten, Gruppentische bilden, weitere Lernräume oder Schulflur
  • Zeitplanung: Teil der Schulstunde, gesamte Schulstunde, mehrere Schulstunden

Durchführung einer Gruppenarbeit

Schüler arbeiten an Projekt
© contrastwerkstatt / Fotolia.com
  • Regeln für den Ablauf von Gruppenarbeitsphasen mit der Klasse vereinbaren bzw. an diese erinnern
  • Erläuterung des Themas, des Arbeitsauftrags, der Zielsetzung und der Zeitplanung
  • Schülerinnen und Schüler informieren, in welcher Form die Ergebnisse gesichert und präsentiert werden sollen
  • Gruppeneinteilung vornehmen, Arbeitsplätze zuweisen, Arbeitsmaterialien austeilen
  • Wenn sinnvoll: Rollen an die Gruppenmitglieder verteilen (Teamleiter, Zeitwächter, Regelwächter, Schreiber, Präsentatoren …)
  • Wurde alles verstanden und ist allen Schülerinnen und Schülern klar, was sie zu tun haben?
  • Lehrerrolle während der Arbeitsphase: Lernbegleiter (beobachten, Hilfestellungen und Impulse geben, Fragen klären, Lärmpegel im Blick behalten); je älter die Schülerinnen und Schüler, desto selbstständiger sollten sie arbeiten
Hier haben wir für Sie Rollenkarten für die Gruppenarbeit in der Grundschule vorbereitet:
Info

Regeln für die Gruppenarbeit in der Grundschule

Klare Regeln sind das A und O für eine erfolgreiche Gruppenarbeit. Sie schaffen eine gemeinsame Grundlage, auf der alle Beteiligten wissen, wie sie sich verhalten sollen. 

  1. Ich höre zu und lasse die anderen ausreden.
  2. Ich mache mit.
  3. Wir helfen uns gegenseitig.
  4. Wir sind freundlich zueinander.
  5. Wenn es Probleme gibt, spreche ich darüber.
  6. Wir entscheiden gemeinsam.
  7. Ich spreche leise.
  8. Ich achte auf die Zeit.
  9. Wenn ich etwas nicht verstehe, frage ich nach.
  10. Ich sage meine Meinung ehrlich und freundlich.

Download: Gruppenarbeitsregeln

Sie können die einzelnen Regeln ausschneiden und so zusammenstellen, dass sie für Ihre Klasse passen. In den leeren Feldern können Sie weitere Regeln ergänzen.

Vorstellung der Ergebnisse

Auf die Bearbeitung der Aufgaben folgt die Präsentation der Ergebnisse, z. B. in Form eines Referats, einer Folien- oder Plakatpräsentation oder einer PowerPoint-Präsentation. Haben alle Schülerinnen und Schüler die gleichen Aufgaben bearbeitet, können die Gruppen verschiedene Teilaspekte vorstellen oder es erfolgt eine gemeinsame Besprechung und Erörterung der von den Gruppen erzielten Ergebnisse.

  • Alle Gruppen haben die Arbeit beendet und können die Präsentationen verfolgen
  • Zeitrahmen für die Präsentationen ist bekannt
  • Ein oder mehrere Gruppenmitglieder stellen die Ergebnisse der Arbeit ihrer Gruppe vor
  • Lehrkraft stellt Fragen, nimmt ggf. Ergänzungen vor, stellt sicher, dass eine Ergebnissicherung, z. B. in Form eines Tafelanschriebs oder Handouts, an die Mitschülerinnen und Mitschüler stattfindet
  • Zusammenfassung der Ergebnisse der Gruppenarbeit
  • Einordnung in den Gesamtzusammenhang des Unterrichtsthemas vornehmen
Durch das Präsentieren der Ergebnissen machen sich die Schülerinnen und Schüler damit vertraut vor der Klasse frei zu sprechen. Dies ist eine gute Übung für alle weiteren mündlichen Prüfungen, die im Laufe der Schulzeit auf sie warten werden.

Reflexion:

Um gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern zu prüfen, was bei der Gruppenarbeit gut, was weniger gut gelaufen ist und an welchen Stellen es vielleicht noch Verbesserungsmöglichkeiten gibt, die beim nächsten Mal umgesetzt werden können, ist eine anschließende Nachbereitungsphase, z. B. mithilfe eines Reflexionsbogens, sinnvoll. Interessant für eine solche Erhebung können u. a. folgende Fragen sein:

  • Konnte eure Gruppe den Arbeitsauftrag erfüllen?
  • Hattet ihr genügend Zeit für die Bearbeitung der Aufgaben?
  • Haben alle Gruppenmitglieder mitgearbeitet?
  • Hast du dich in der Gruppe wohlgefühlt?
  • Konntest du dich einbringen?
  • War es während der Gruppenarbeit zu laut?
  • Hast du etwas Neues gelernt?
  • Was hat dich gestört?
  • Was sollen wir beim nächsten Mal anders machen?
  • Was hat dir am besten gefallen?
Checkliste

In der Checkliste „Gruppenarbeit“ haben wir die Tipps zur Planung und Durchführung von Gruppenarbeitsphasen zusammengefasst – einfach ausdrucken und abhaken:

Checkliste Gruppenarbeit

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Wer schreibt hier?

Bettina Kroker
Online-Redakteurin
Seit 2014 arbeite ich bei Betzold in Ellwangen als Online-Redakteurin. Im Betzold-Blog möchte ich Lehrerinnen und Lehrern den ein oder anderen Tipp weitergeben, der den Schulalltag erleichtert und Zeit spart. Da ich stets auf der Suche nach neuen, interessanten Blog-Themen bin, freue ich mich immer über Ihre Anregungen: