Wie sehen wir uns als Lehrkraft?
Als Lernbegleiterin, versuchte ich, die Schülerinnen und Schüler zu ermutigen, die Antworten selber herauszufinden, zu erforschen, selber nachzudenken und nicht mich zuerst zu fragen. Das führte manchmal zu Unverständnis seitens der Schülerinnen und Schüler, die eine schnelle Antwort erwarteten, wie bei anderen Lehrkräften, die gerne schnell Antworten gaben. Diese unterschiedliche Betrachtungs- und Vorgehensweise war für alle manchmal etwas anstrengend.
Jetzt werden manche Lehrerinnen und Lehrer zunehmend damit konfrontiert, dass es Themen gibt, bei denen sie vielleicht nicht mehr als allwissende Experten angesehen werden. Das ist besonders der Fall, wenn es darum geht, die Schülerinnen und Schüler in neuen Technologien zu unterrichten. Es ist gut möglich, dass sie schon mehr wissen, als wir selbst. Wie geht man als Lehrkraft damit um?
Wollen oder müssen wir diesen Wandel mitmachen?
Zuerst müssen wir uns vielleicht eine grundlegende Frage stellen: Müssen oder wollen wir uns diesen Wandel überhaupt antun? Könnten wir nicht einfach wie vorher weitermachen? Ist dieser Rollentausch unausweichlich?
Wahrscheinlich ist die Antwort: ‚Ja, dieser Rollentausch ist unausweichlich‘. Die Kinder werden sich viel früher und intensiver mit neuen Technologien auseinandersetzen als wir. Diese sogenannten Digital Natives (Personen, die mit Technik großgeworden sind, anstatt sie als Erwachsene kennenzulernen) haben einen anderen Ausgangspunkt. Das bedeutet aber nicht gleich, dass sie mehr als wir wissen und unsere Tätigkeit überflüssig wird. Nur haben wir wahrscheinlich andere Aufgaben. Unsere Rolle wird die des Wissensbegleiters, Unterstützers oder Finders von passenden Aufgaben sein, um die optimalen Lernziele zu ermöglichen.
Veränderung als Möglichkeit uns weiterzuentwickeln oder Störfaktor?
Lernen ist harte Arbeit. Es benötigt Zeit und ist manchmal sehr frustrierend. Als Lehrkraft vergisst man dies leicht, da man es gewohnt ist, die Dinge als Experte zu betrachten und nicht als Lernender. Wir wollen vorankommen und uns nicht mit Emotionen wie Frust, Überforderung oder Ungeduld auseinandersetzen. Wir wollen Resultate und Lernziele erreichen. Wir möchten nicht bloßgestellt werden, vor allem nicht von den eigenen Schülerinnen und Schüler. Dieser Weg vom Experten zum Lernenden fällt uns nicht immer leicht.