Lehrerin zeigt Schülerin etwas im Heft
Unterrichtsmethoden
Aktualisiert: 06.08.2024

Lehrerinnen und Lehrer als Lernbegleiter: Eine neue Perspektive auf den Unterricht

Wissensvermittler oder Lernbegleiter? Der Beitrag regt dazu an, die eigene Rolle im Unterricht zu reflektieren und zeigt praxisnah, wie Sie schrittweise neue Wege gehen können. Lassen Sie sich inspirieren, Ihren Unterricht weiterzuentwickeln und Lernprozesse aktiver zu gestalten.
Bettina Kroker
Bettina Kroker
Online-Redakteurin

Halfpoint – stock.adobe.com 

Als ich als Fachlehrerin an einem Gymnasium zu arbeiten anfing, merkte ich ziemlich schnell, dass manche Lehrkräfte ihre Rolle etwas anders betrachteten als ich. Ich und auch ein Teil meines Kollegiums sahen uns eher als Lernbegleiterinnen und Lernbegleiter. Andere wiederum sahen sich eher als reine Wissensvermittlerinnen und Wissensvermittler.

Das klingt erst mal ziemlich banal, birgt aber einen grundlegenden Unterschied in der Art und Weise wie wir unseren Unterricht gestalteten.

Wie sehen wir uns als Lehrkraft?

Als Lernbegleiterin, versuchte ich, die Schülerinnen und Schüler zu ermutigen, die Antworten selber herauszufinden, zu erforschen, selber nachzudenken und nicht mich zuerst zu fragen. Das führte manchmal zu Unverständnis seitens der Schülerinnen und Schüler, die eine schnelle Antwort erwarteten, wie bei anderen Lehrkräften, die gerne schnell Antworten gaben. Diese unterschiedliche Betrachtungs- und Vorgehensweise war für alle manchmal etwas anstrengend.

Jetzt werden manche Lehrerinnen und Lehrer zunehmend damit konfrontiert, dass es Themen gibt, bei denen sie vielleicht nicht mehr als allwissende Experten angesehen werden. Das ist besonders der Fall, wenn es darum geht, die Schülerinnen und Schüler in neuen Technologien zu unterrichten. Es ist gut möglich, dass sie schon mehr wissen, als wir selbst. Wie geht man als Lehrkraft damit um?

Wollen oder müssen wir diesen Wandel mitmachen?

Zuerst müssen wir uns vielleicht eine grundlegende Frage stellen: Müssen oder wollen wir uns diesen Wandel überhaupt antun? Könnten wir nicht einfach wie vorher weitermachen? Ist dieser Rollentausch unausweichlich?

Wahrscheinlich ist die Antwort: ‚Ja, dieser Rollentausch ist unausweichlich‘. Die Kinder werden sich viel früher und intensiver mit neuen Technologien auseinandersetzen als wir. Diese sogenannten Digital Natives (Personen, die mit Technik großgeworden sind, anstatt sie als Erwachsene kennenzulernen) haben einen anderen Ausgangspunkt. Das bedeutet aber nicht gleich, dass sie mehr als wir wissen und unsere Tätigkeit überflüssig wird. Nur haben wir wahrscheinlich andere Aufgaben. Unsere Rolle wird die des Wissensbegleiters, Unterstützers oder Finders von passenden Aufgaben sein, um die optimalen Lernziele zu ermöglichen.

Veränderung als Möglichkeit uns weiterzuentwickeln oder Störfaktor?

Lernen ist harte Arbeit. Es benötigt Zeit und ist manchmal sehr frustrierend. Als Lehrkraft vergisst man dies leicht, da man es gewohnt ist, die Dinge als Experte zu betrachten und nicht als Lernender. Wir wollen vorankommen und uns nicht mit Emotionen wie Frust, Überforderung oder Ungeduld auseinandersetzen. Wir wollen Resultate und Lernziele erreichen. Wir möchten nicht bloßgestellt werden, vor allem nicht von den eigenen Schülerinnen und Schüler. Dieser Weg vom Experten zum Lernenden fällt uns nicht immer leicht.

Lehrerin erklärt Schülern etwas am PC
Lehrer schlüpfen beim digitalen Lernen immer mehr in die Rolle von Lernbegleitern. Christian Schwier – stock.adobe.com

Aber ist das nicht eine prima Gelegenheit, uns an die eigene Nase zu fassen und nochmals daran zu erinnern, wie es ist, Lernender zu sein? Wäre es nicht interessant zu sehen, wie die Schülerinnen und Schüler ihre eigenen Ideen verwirklichen und selbstständig lernen können? Vielleicht wäre es erfrischend, ein wenig Kontrolle und Verantwortung abzugeben, um die Schülerinnen und Schüler zur Höchstform zu beflügeln. 

Tipps: Von der reinen Wissensvermittlung hin zur Lernbegleitung

Hier sind ein paar Ideen, wie man diese Rolle als Lernbegleiterin/Lernbegleiter leichter in den Alltag integrieren könnte:

    1. Suchen Sie sich eine Übung aus, bei der Sie das Gefühl haben, voll dahinterzustehen. Es ist viel leichter, etwas Neues mit ungewissem Ausgang zu vermitteln, wenn man selbst von der Idee überzeugt ist oder zumindest Ziel und Zweck der Übung gut erklären kann.
    2. Nehmen Sie sich Zeit, mögliche Einleitungen vorher aufzuschreiben und falls nötig, zu üben. Überlegen Sie sich, welche möglichen Fragen von Schülerinnen und Schüler bezüglich dieser neuen Methoden zu erwarten sind. Wie werden Sie diese Fragen beantworten? Wie könnten sie auf die neue Methode reagieren? Wie reagieren Sie, falls die Schülerinnen und Schüler nicht bereit sind, etwas Neues auszuprobieren? Wie ermutigen Sie die Lernenden, mitzumachen und auszuprobieren, anstatt direkte Antworten von Ihnen zu erwarten? 
    3. Überlegen Sie sich, wie oft Sie diese neue Methode möglicherweise in Ihren Unterricht einbeziehen möchten. Jeden Tag? Einmal die Woche? Einmal im Monat? Erst mal abwarten, um zu sehen, wie sie bei den Schülern ankommt? Das könnte die Art und Weise beeinflussen, wie Sie diese Methode erklären.
    4. Planen Sie nicht zu viele Veränderungen gleichzeitig. Manchmal ist weniger mehr. Bereiten Sie sich auf eine Übung in der neuen Art und Weise vor. Überlegen Sie sich, was anders gemacht werden muss. Wie vermitteln Sie Ihr Vorhaben? Vielleicht sagen Sie sogar, dass Sie eine andere Übungsart ausprobieren möchten. Vielleicht ist das zu verfänglich für Sie und Sie möchten den Schülerinnen und Schüler nicht erläutern, warum Sie eine Übung anders machen. Das ist auch in Ordnung. Die Hauptsache ist, dass Sie sich dabei wohlfühlen.
    5. Überlegen Sie sich Begleitfragen im Voraus, falls die Übung ins Stocken kommt. Was können Sie sagen, um die Schülerinnen und Schüler wieder in die richtige Spur zu lenken?  Worüber sollten sie sich Gedanken machen, um die mögliche Antwort herauszufinden? Welche Hilfsmittel stehen Ihnen zur Verfügung? 
    6. Suchen Sie eine Klasse aus, die möglichst gut darauf reagieren wird. Überlegen Sie sich, welche Schülerinnen und Schüler in dieser Klasse sitzen. Wie sind sie? Sind sie respektvoll, ungeduldig, neugierig oder wissensbegierig? Wie könnten Sie diese Eigenschaften nutzen, um den Unterricht effektiv zu gestalten? Sollten Sie ein besonders kompetentes Kind aussuchen, um während dieser Übung als „Ratgeber“ zu agieren? Vielleicht könnten andere Schülerinnen und Schüler ebenfalls diese Rolle einnehmen?
    7. Und zum Schluss: Streben Sie nach Veränderungen, erwarten Sie aber nicht zu viel oder zu schnelle Veränderungen von sich. Vieles ist leicht gesagt, aber sehr viel schwieriger umzusetzen. Seien Sie nachsichtig mit sich selbst und Ihren Schülerinnen und Schüler. Schließlich ist das auch für sie eine Veränderung.

Falls Sie sich Unterstützung bei diesen und anderen Themen bzgl. des digitalen Wandels suchen, können Sie sich gerne unser Kursangebot im DIGIBIZ anschauen. Ich freue mich darauf, Sie in einer Schulung begrüßen zu können.

Tipp

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Seit 2014 arbeite ich bei Betzold in Ellwangen als Online-Redakteurin. Im Betzold-Blog möchte ich Lehrerinnen und Lehrern den ein oder anderen Tipp weitergeben, der den Schulalltag erleichtert und Zeit spart. Da ich stets auf der Suche nach neuen, interessanten Blog-Themen bin, freue ich mich immer über Ihre Anregungen: