Home > Unterrichts- und Lehrertipps > Mündliche Prüfungen trainieren
Mündliche Prüfungen
Neben einer guten Vorbereitung ist das Trainieren von mündlichen Prüfungssituationen wichtig, um diese erfolgreich zu meistern, Quelle: Betzold

Mündliche Prüfungen trainieren

So meistern Sie und Ihre Schüler mündliche Prüfungen

Mündliche Prüfungen sind für viele Schüler das Schreckgespenst des Schulabschlusses.

Warum eigentlich? Auf schriftliche Klausuren muss genauso viel gelernt werden, sie dauern in der Regel länger und man muss auch noch darauf achten, die Antworten halbwegs leserlich zu schreiben und mit möglichst wenigen Rechtschreibfehlern zu versehen.

Die mündliche Prüfung – eine neue Situation

Für viele Schüler gibt es zwischen den beiden Prüfungsformen allerdings einen großen Unterschied: Während sie die schriftliche Form schon seit den ersten Klassen begleitet, begegnet ihnen die mündliche Prüfung beim Abschluss oft zum ersten Mal.

Zum üblichen „Bammel“ vor einer wichtigen Prüfung gesellt sich deshalb gerne noch die Angst vor der neuen, ungewohnten und schwer einzuschätzenden Situation. Und während etwas Anspannung und Nervosität vor einer Klausur normal und nicht weiter tragisch sind, blockiert Angst die Schüler.

Weil die mündliche Prüfung eben mehr als eine mündliche, statt schriftlich formulierte, Abfrage des Lernstoffes ist, muss sie geübt werden, um für die Schüler Teil des Schulalltags zu werden. Dazu bietet sich beispielsweise das Abfragen des Inhalts der vergangenen Unterrichtsstunde an.

Bevor es mit dem Üben losgeht, haben wir hier noch einige Tipps, die Sie an Ihre Schüler weitergeben können, bevor es ernst wird. Und da zu einer gelungenen Prüfung auch eine gute Prüferin bzw. ein guter Prüfer gehört, folgen im zweiten Teil Tipps, wie Sie Ihre Schüler auf dem Weg zu einem guten Prüfungsergebnis unterstützen können.

So gelingen mündliche Prüfungen

Tipps für Ihre Schüler

Egal, ob mündlich oder schriftlich, der Lernstoff muss natürlich sitzen, damit die Erfolgsaussichten rosig sind.

Um gut auf eine mündliche Prüfung vorbereitet zu sein, sollten Ihre Schüler zudem diese Herausforderungen meistern können:

  • Freies Sprechen:

    Unabhängig von der Art der mündlichen Prüfung ist die wichtigste Voraussetzung für ihr Gelingen, dass die Schüler es gewohnt sind, frei zu sprechen und die Antworten zusammenhängend und sinnvoll aufzubauen.

    Je häufiger Sie das freie Sprechen mit den Schüler im Unterricht (im Rahmen von Unterrichtsgesprächen, Diskussionen, Rollenspielen …) üben, desto besser wird es im Ernstfall „mündliche Prüfung“ klappen.

  • Denkpausen:

    Raten Sie Ihren Schülern zu kleinen Denkpausen. Damit das mit dem eben erwähnten sinnvollen Aufbau klappt, ist es nämlich vollkommen in Ordnung, die Antwort kurz in Gedanken zu strukturieren. Wer sofort drauflosplappert, verheddert sich leicht in den eigenen Ausführungen und ein Black Out droht.

  • Präsentationen:

    Mit Präsentationen, Referaten und Vorträgen vor der Klasse können Sie Ihre Schüler schon mal auf das Gefühl vorbereiten, alle Augen und Ohren auf sich gerichtet zu fühlen und im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu stehen.

    Gerade schüchternen Schülern fehlt es oft nur an Selbstbewusstsein, nicht an Wissen, um in der mündlichen Prüfung zu glänzen. Je häufiger sie sich diesen Situationen stellen und gut bewältigen können, umso mehr Sicherheit gewinnen sie.

    Mündliche Prüfungen

    Schüler, die es gewohnt sind, an der Tafel vor anderen zu sprechen, fallen auch mündliche Prüfungenleichter, Quelle: Betzold

  • Souverän antworten:

    Das ist leichter gesagt als getan. Aber Sie können Ihren Schülern ein paar Tipps mit auf den Weg geben: Laut, deutlich und nicht zu schnell reden, die Antworten nie als Fragen äußern und die Prüfer ansehen. Das wirkt nicht nur sympathisch, an den Minen der Prüfer kann oft abgelesen werden, ob man sich auf einem guten Weg oder dem Holzweg befindet.

  • Unklarheiten beseitigen:

    Ermutigen Sie Ihre Schüler zum Nachhaken, wenn sie etwas akustisch oder inhaltlich nicht verstanden haben.

  • Prüfungen simulieren:

    Gerade bei mündlichen Prüfungen hilft es, den Ernstfall zu simulieren. Ohne die Angst vor bösen Konsequenzen und Druck sehen die Schüler, wo ihre Stärken und Schwächen liegen. Gewöhnt an die Art der Aufgabenstellung und mit Erfolgserlebnissen im Rücken, gewinnen die Schüler Sicherheit und die eigentliche Prüfung verliert viel von ihrer Bedrohlichkeit.

Tipps für Sie

Als Lehrerinnen und Lehrer tragen Sie durch eine gute Vorbereitung der Schüler auf die Prüfungssituation zu deren Gelingen bei. Aber auch während der Prüfung können Sie Ihre Prüflinge unterstützen:

  • Vorbereitung:

    Eine Auswahl an Fragen der verschiedenen Schwierigkeitsgrade und passende Musterlösungen erleichtern Ihnen die Prüfung ungemein und tragen zur Objektivität bei.

  • Auf Wissen, nicht auf Lücke prüfen:

    Eine mündliche Prüfung sollte nicht zu einem Kreuzverhör werden, bei dem es die Schwachstellen des Prüflings herauszufinden gilt. Das Ziel ist es, die Leistung zu überprüfen – er soll zeigen dürfen, was er kann!

    Um zu sehen, wo der Schüler steht, bieten sich zu Beginn leichte Fragen an (Wissen reproduzieren, zeigen, dass es verstanden wurde, interpretieren), so dass der Schwierigkeitsgrad langsam gesteigert werden kann (Transferleistungen, Beurteilungen), bis der Schüler an  seine Leistungsgrenze stößt. Ist noch Zeit, kann dann wieder ein Schritt zurück zu einfacheren Aufgaben führen, um die Note abzuklären.

  • Gut formulieren:

    Versuchen Sie Ihre Fragen möglichst eindeutig und prägnant zu formulieren. Den Schülern muss klar werden, auf welche Punkte Sie hinauswollen.

    Sehr allgemeine, zu spezifische oder suggestive Fragen, genauso wie mehrteilige oder Zwischenfragen machen es den Schülern schwer. Manchmal hilft es Schülern, die nicht weiterkommen, wenn Sie die Frage nochmals in anderer Form stellen.

    Mündliche Prüfungen

    Der Erfolg einer mündlichen Prüfung wird auch durch den Prüfungsstil beeinflusst, Quelle: Betzold

  • Gesprächsführung:

    Selbst wenn nicht jedes Detail exakt passt oder der Schüler kurz abschweift: Hören Sie interessiert zu und unterbrechen Sie ihn nicht gleich zu Beginn der Prüfung. Die Schüler müssen die Möglichkeit haben, sich in die Prüfungssituation einzufinden.

    Schleichen sich größere Fehler in die Antwort ein, können Sie dem Schüler durch einen Hinweis die Chance geben, sich selbst zu korrigieren. Zu lange sollte die Fehlersuche allerdings nicht dauern. Genauso können Sie bei unvollständigen oder unpräzisen Antworten reagieren.

  • Stimmung:

    Gerade Abschlussprüfungen sind für die Schüler natürlich eine ernste und entscheidende Sache. Die Schüler sind deshalb in der Regel nervös genug. Ein freundlicher Ton, keine allzu ernste Mine und aufheiternde Bemerkungen helfen ungemein.

  • Objektivität:

    Als Prüfer wollen Sie natürlich objektiv bewerten. Es ist nur menschlich, dass das nicht immer gelingen kann. Diese Tendenzen können Sie sich vor den mündlichen Prüfungen nochmals bewusst machen:

    o sympathische Schüler, die durch ihre guten Leistungen bekannt sind, werden häufig besser bewertet, als bisher schwächere Schüler
    o und das, selbst wenn die Leistungen in anderen Fächern erzielt wurden (Halo-Effekt)
    o die ersten Prüflinge werden oft strenger bewertet, spätere eher milder
    o Schüler, die nach einer besonders schlechten Prüfung den Raum betreten, haben bessere Chancen auf eine gute Note, als Prüflinge, die nach einem sehr guten Schüler geprüft werden

  • Denkblockaden:

    Der Stress einer mündlichen Prüfung kann leicht zu einem kurzen Black Out führen. Machen Sie dem Schüler dann keinen Druck, wiederholen Sie die Frage am besten etwas verändert und vielleicht von einem Beispiel begleitet. Hilft das noch nicht, können Sie Stichworte oder Alternativen vorgeben. Sobald der Prüfling wieder in die Spur gelangt und ein Erfolgserlebnis erzielt, unterstützt ihn der folgende Punkt:

  • Ermutigung:

    Signalisieren Sie Ihrem Schüler, wenn er auf dem richtigen Weg ist. Das gibt Sicherheit und diese fördert wiederum bessere Leistungen zutage.

Viel Erfolg!

Über Bettina Kroker

Seit 2014 arbeite ich bei Betzold in Ellwangen als Online-Redakteurin. Im Betzold-Blog möchte ich Lehrerinnen und Lehrern den ein oder anderen Tipp weitergeben, der den Schulalltag erleichtert und Zeit spart. Da ich stets auf der Suche nach neuen, interessanten Blog-Themen bin, freue ich mich immer über Ihre Vorschläge: blog@betzold.de.

Deine Meinung

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.Erforderliche Felder sind markiert *

*