Lehrer schreibt in Schulplaner
Fehlstunden
Veröffentlichung: 19.01.2021

Fachfremd unterrichten: Tipps zur Vorbereitung

Fachfremd zu unterrichten kommt im Laufe einer Lehrerlaufbahn wohl auf jeden einmal zu. Der derzeitige Lehrermangel sorgt dafür, dass dies meist früher und häufiger geschieht. Hier beantworten wir einige drängende Fragen und geben Tipps, wie Sie diese Aufgabe angehen können.
Bettina Kroker
Bettina Kroker
Online-Redakteurin

Hinweis: Die Regelungen in den Schulgesetzen unterscheiden sich teilweise etwas voneinander. Deswegen sollten Sie immer auch die in Ihrem Bundesland geltenden Regelungen beachten. 

Häufig gestellte Fragen zum Thema „Fachfremd unterrichten“

Was bedeutet „fachfremd unterrichten“?

Fachfremd zu unterrichten bedeutet, dass eine Lehrkraft ein oder mehrere Fächer unterrichtet, die sie nicht studiert hat. In der Regel spricht man von fachfremdem Unterricht, wenn ein Lehrauftrag für diese Fächer erteilt wird, nicht jedoch bei kurzzeitigem Vertretungsunterricht.

Warum müssen Lehrer fachfremd unterrichten?

Der derzeitige Lehrermangel führt dazu, dass viele Stellen, v. a. in Mangelfächern, nicht besetzt werden können. Um den Bedarf abdecken zu können, erhalten Lehrkräfte trotz abweichender Fächerkombinationen auch einen Lehrauftrag für diese Fächer. In Grundschulen bewirkt auch das Klassenlehrerprinzip, dass ein Teil der Stunden fachfremd unterrichtet werden muss, da möglichst viele Fächer von einer Lehrperson abgedeckt werden sollen.

Wer entscheidet über die Erteilung von fachfremdem Unterricht?

Laut den Schulgesetzen ist die Schulleiterin bzw. der Schulleiter für die Erteilung der Lehraufträge verantwortlich. Sie bzw. er entscheidet also darüber, in welcher Stufe, Klasse und Fach Sie eingesetzt werden und damit ggf. auch, ob Sie fachfremd unterrichten müssen. Die Schulleitung sollte Ihre Eignung prüfen und sich bestenfalls vorab mit Ihnen abstimmen. Das ist aber leider nicht immer der Fall.

Bin ich an der Entscheidung beteiligt?

Das kommt auf Ihre Schulleitung an. In der Regel tritt diese in einem Gespräch an Sie heran, um zu eruieren, welche Fächer für Sie in Frage kämen. Es ist deshalb ratsam, sich schon nach dem Referendariat zu überlegen, welche Fächer Sie sich vorstellen können und welche nicht. Es gibt aber auch Berichte von Lehrkräften, bei denen seitens der Schulleitung keine Gesprächsbereitschaft bestand.

Muss ich fachfremd unterrichten?

Mit Ausnahme des Religions-, Sport- und Schwimmunterrichts können Sie zum Unterrichten in fast jedem Fach verpflichtet werden, wenn Sie das 2. Staatsexamen haben. Sie müssen den erteilten Lehrauftrag erfüllen. Wenn Sie Bedenken bzgl. Ihrer Eignung haben, können und sollten Sie diese der Schulleitung schriftlich mitteilen. Falls der Lehrauftrag nicht zurückgenommen wird, können Sie Ihre Bedenken an die der Schulleitung vorgesetzten Stelle melden und remonstrieren.

Lehrerin arbeitet mit Schülergruppe
© Christian Schwier / Fotolia.com

Fachfremd zu unterrichten ist für Lehrerinnen und Lehrer oft besser zu bewältigen, als man es sich im Vorfeld vorstellt. Durch Ihr Studium und die Erfahrung im Lehrerberuf haben Sie gelernt, sich schnell auf neue Themen vorzubereiten und einzuarbeiten. Viele Methoden können fächerübergreifend angewendet werden. 

Natürlich gibt es Fächer, in denen dies nur bis zu einem gewissen Grad möglich ist, wie Fremdsprachen, Mathe und Naturwissenschaften in der Oberstufe oder auch Musik, wenn hier jede Neigung fehlt. 

Sprechen Sie mit Ihrer Schulleitung über die Fächer, für die Sie sich als gänzlich ungeeignet ansehen. Es liegt auch in deren Interesse, dass Sie sich nicht übernehmen und weiterhin gerne unterrichten. Wenn Sie sich unverhältnismäßig lange auf die fachfremden Stunden vorbereiten müssen, gerät Ihr Zeitmanagement außer Kontrolle. Stress und Unzufriedenheit können auf längere Sicht zu krankheitsbedingten Ausfällen führen, was die Schulleitung sicher vermeiden möchte.

Tipps zur Vorbereitung auf fachfremden Unterricht

Fortbildungen

Wer schon frühzeitig weiß, dass er in einem bestimmten Fach fachfremd unterrichten muss, kann sich nach einer passenden Fortbildung umsehen. Da die Stundenpläne häufig aber eher kurzfristig bekannt gegeben werden, ist das wahrscheinlich nicht für jeden vorab eine Option – evtl. aber begleitend zum Schuljahr.

Schüler arbeiten an Projekt
© contrastwerkstatt / Fotolia.com

Lehrbücher, Lehrerhandreichungen und digitale Lehrwerkmaterialien

Das Lehrbuch ist Ihr roter Faden. Mehr noch als in Ihren eigenen Fächern, wo Sie vielleicht schon Materialien und Ideen gesammelt haben, um den Unterricht abwechslungsreicher und spannender zu gestalten. 

Auf ihrem informativen YouTube-Kanal Teacher‘s Diary empfiehlt Lehrerin Marijke, sich unbedingt immer in das gesamte Unterrichtsthema einzuarbeiten, nicht nur in das jeweilige Unterkapitel. So erhält man einen guten Überblick, kann die Themen besser planen und ist auch für evtl. aufkommende Fragen gerüstet.

Die Handreichungen zu den Büchern sind für fachfremd unterrichtende Lehrerinnen und Lehrer eine wirklich gute Hilfestellung mit Tipps zur Vermittlung und Erläuterungen zu den Kompetenzen, die die Schüler erreichen sollen.

Zu vielen Lehrbüchern bieten die Verlage inzwischen auch digitale Ergänzungen (digitaler Unterrichtsassistent, Unterrichtsmanager) an. Hier finden Sie nicht nur Begleitmaterialien (z.B. Arbeitsblätter, Fördermaterial, multimediale Zusatzmaterialien), sondern auch Planungstools, die Ihnen helfen, Ihren Unterricht zeitsparend vorzubereiten. 

Bildungs- bzw. Lehrpläne

Die in Ihrem Bundesland geltenden Bildungs- bzw. Lehrpläne sind hilfreich, um parallel zu Buch und Handreichung zu prüfen, welche Kompetenzen zu den Unterrichtsthemen erreicht werden sollen. 

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Hospitieren

Falls die Möglichkeit besteht (und Sie die Zeit aufbringen können), ist es nie schlecht, mal wieder bei einer Kollegin/einem Kollegen in dem neuen Fach zu hospitieren. Sie können dabei z. B. Ideen für Stundeneinstiege oder andere Herangehensweisen an die Vermittlung neuer Themen kennenlernen. Evtl. lohnt es sich auch, wenn Sie bei speziellen Themen, die Ihnen schwerfallen, mal einen Blick in die Parallelklasse zu werfen.

Austausch mit Kolleginnen und Kollegen

Auch wenn keine Zeit für ganze Hospitationsstunden ist: Ein Austausch mit den Kolleginnen und Kollegen vom Fach ist auf jeden Fall ein Gewinn. Sie können auf Besonderheiten in der Vermittlung ihrem Fach hinweisen und wertvolle Tipps (und oft auch Unterrichtsmaterial) geben.

Vielleicht findet sich auch jemand, der einen Blick auf Ihre Klassenarbeiten werfen kann, um Ihnen seine Einschätzung zu geben, ob die Arbeit für das Fach in der Klasse den richtigen Schwierigkeitsgrad hat. 

Lehrer unterhalten sich
© contrastwerkstatt / Fotolia.com

Unterrichtsmaterialien auf Online-Plattformen

Plattformen wie meinUnterricht, Lehrermarktplatz, 4Teachers, Lehrer-online oder Schulportal.de bieten – teils kostenpflichtig – Unterrichtsmaterial zu verschiedenen Fächern an. Wenn mal keine Zeit ist, selbst etwas zu erstellen, man aber auch keine Lust hat, wieder nur aus dem Lehrbuch zu arbeiten, bieten diese Plattformen gute Alternativen an.

Niemand kann erwarten, dass Sie in dem neuen Fach sofort ein Profi sind – das würde ja bedeuten, dass das Studium der Fächer irrelevant wäre. Holen Sie sich Hilfe von in dem Fach erfahrenen Kolleginnen und Kollegen und seien Sie offen für Kritik und Ratschläge! Durch Ihr pädagogisches und didaktisches Wissen und Können haben Sie das Handwerkszeug, um das Beste aus dieser suboptimalen Situation des fachfremden Unterrichts zu machen! 

Und wenn doch mal eine Frage kommt, die Sie nicht beantworten können, sagen Sie am besten ehrlich, dass Sie das selbst erst nachschlagen müssen. 

Fachfremden unterrichten: Vor- und Nachteile 

Positive Aspekte des fachfremden Unterrichts:

    • mehr Abwechslung
    • neue Interessensgebiete können entdeckt werden
    • Kennenlernen weiterer didaktischer und methodischer Ansätze
    • mehr Austausch mit Kolleginnen/Kollegen anderer Fachrichtungen
    • Chance, sich neues Wissen anzueignen 

Negative Aspekte des fachfremden Unterrichts:

    • höherer Vorbereitungsaufwand
    • größerer Zeitaufwand beim Erstellen von Klassenarbeiten
    • fehlende fachliche Kenntnisse können zu Unsicherheiten führen
    • man unterrichtet weniger in den Fächern, für die man ausgebildet ist

Quellen:

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