Ob das eine so gute Idee ist, finden wir fraglich.
Dabei muss niemand all diese Eigenschaften von Anfang an perfekt mitbringen. Vieles entwickelt sich während des Studiums, des Referendariats und im Berufsalltag weiter.
Auch wenn sich die Eltern das wünschen und der Beamtenstatus Sicherheit bietet, sollte die Frage, ob der Lehrerberuf wirklich das Richtige ist, unbedingt durchdacht beantwortet werden!
Die Studie zeigt einige Faktoren, die bei der Entscheidung für den Lehrerberuf eine Rolle spielen. Es gibt aber viele weitere gute Gründe für den Lehrerberuf:
1. Mit Kindern und Jugendlichen arbeiten
Wer gerne mit Kindern und Jugendlichen arbeitet, findet im Lehrerberuf eine Aufgabe, bei der diese Begegnungen zum Alltag gehören. Lehrkräfte erleben Schülerinnen und Schüler über einen längeren Zeitraum und begleiten sie nicht nur beim Lernen, sondern auch bei ihrer persönlichen Entwicklung.
2. Wissen vermitteln und Begeisterung wecken
Mathematik, Deutsch, Naturwissenschaften, Sport oder Kunst: Lehrkräfte können ihr eigenes Fachwissen weitergeben und Schülerinnen und Schüler für Themen begeistern. Besonders schön kann es sein, wenn ein Kind plötzlich etwas versteht, das ihm zuvor Schwierigkeiten bereitet hat.
3. Kinder und Jugendliche in ihrer Entwicklung begleiten
Lehrerinnen und Lehrer vermitteln nicht nur Fachwissen. Sie unterstützen Kinder und Jugendliche dabei, selbstständig zu werden, Verantwortung zu übernehmen und ihre eigenen Stärken zu entdecken. Damit leisten sie einen wichtigen Beitrag zur persönlichen Entwicklung ihrer Schülerinnen und Schüler.
4. Einen sinnstiftenden Beruf ausüben
Für viele Menschen ist es wichtig, mit ihrer Arbeit etwas zu bewirken. Der Lehrerberuf bietet zahlreiche Möglichkeiten, den Bildungsweg junger Menschen mitzugestalten und damit auch einen Beitrag zur Gesellschaft zu leisten.
5. Den Arbeitsalltag selbst mitgestalten
Lehrkräfte haben Gestaltungsspielräume: Sie können Unterricht planen, Methoden auswählen, eigene Ideen einbringen und Lernangebote an ihre Klasse anpassen. Wer gerne selbstständig arbeitet und kreative Lösungen entwickelt, kann diese Freiheit als Vorteil erleben.
6. Ein abwechslungsreicher Beruf
Kein Schultag ist exakt wie der andere. Unterschiedliche Klassen, Fächer, Lerngruppen und Situationen sorgen für Abwechslung. Neben dem Unterricht gehören beispielsweise Elterngespräche, Konferenzen, Ausflüge, Projekte und die Vorbereitung von Unterricht zum Berufsalltag.
7. Beruf und Familie miteinander vereinbaren
Die Möglichkeit, Beruf und Familie miteinander zu verbinden, kann ein weiterer Grund für den Lehrerberuf sein. Auch die Schulferien und die vergleichsweise planbaren Unterrichtszeiten werden häufig als Vorteil genannt. Gleichzeitig sollte dabei berücksichtigt werden, dass Vor- und Nachbereitung, Korrekturen und weitere Aufgaben ebenfalls Arbeitszeit erfordern.
Was spricht gegen den Lehrerberuf?
Natürlich gibt es auch Gründe, die für viele gegen den Lehrerberuf sprechen. Bei der Berufswahl lohnt sich deshalb ein realistischer Blick auf beide Seiten. Der Beruf kann sehr erfüllend sein, bringt aber auch einige Herausforderungen mit sich.
- Hohe Verantwortung bei begrenzten Ressourcen: Lehrkräfte tragen viel Verantwortung für Bildung und Entwicklung ihrer Schülerinnen und Schüler. Gleichzeitig stehen dafür nicht immer ausreichend Zeit, Personal oder Unterstützung zur Verfügung. Es ist anspruchsvoll bzw. nicht immer möglich, heterogenen Lerngruppen mit unterschiedlichen Lernvoraussetzungen, Bedürfnissen und Förderbedarfen gerecht zu werden.
- Zeitaufwand außerhalb des Unterrichts: Zum Lehrerberuf gehört deutlich mehr als die Zeit, die Lehrkräfte tatsächlich vor einer Klasse verbringen. Unterricht muss vorbereitet und nachbereitet, Arbeiten müssen korrigiert und Gespräche, Konferenzen und weitere Aufgaben organisiert werden.
- Herausforderndes Verhalten und Konflikte: Der Umgang mit Konflikten, Unterrichtsstörungen oder herausforderndem Verhalten kann viel Energie und Geduld erfordern.
- Emotionale Belastung: Die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen kann emotional fordernd sein. Lehrkräfte erleben auch schwierige Situationen und müssen gleichzeitig professionell handeln. Umso wichtiger sind ein guter Umgang mit den eigenen Ressourcen und Möglichkeiten zur Entlastung.
- Steigende Anforderungen und Veränderungen: Digitalisierung, Inklusion, Ganztag, neue pädagogische Konzepte und gesellschaftliche Veränderungen bringen immer wieder neue Anforderungen mit sich.
- Verbeamtung - Sicherheit mit gewissen Einschränkungen: Ein Beamtenverhältnis bietet viele Vorteile, bringt aber auch besondere Verpflichtungen mit sich. Dazu gehören beispielsweise das Streikverbot, die Treue- und Gehorsamspflicht gegenüber dem Dienstherrn sowie eine geringere Flexibilität bei einem späteren beruflichen Wechsel, der Folgen für die Altersvorsorge haben kann.
Diese Punkte sind allerdings nicht automatisch Argumente gegen den Lehrerberuf. Vielmehr sollten sie Teil einer realistischen Vorstellung vom Berufsalltag sein.
Warum Lehrer werden? Es kommt auf die persönlichen Gründe an
Es gibt nicht den einen Grund, Lehrer oder Lehrerin zu werden. Für manche steht die Freude an der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen im Mittelpunkt, andere schätzen die fachlichen und kreativen Gestaltungsmöglichkeiten, die Sicherheit oder die Vereinbarkeit von Beruf und Familie.
Entscheidend ist deshalb nicht nur die Frage „Warum Lehrer werden?“, sondern auch: „Warum möchte ich persönlich Lehrer oder Lehrerin werden?“
Wer Freude am Unterrichten hat, gerne mit Menschen arbeitet, Verantwortung übernimmt und bereit ist, sich kontinuierlich weiterzuentwickeln, findet im Lehrerberuf einen abwechslungsreichen Beruf. Gleichzeitig sollten die Herausforderungen des Berufs realistisch eingeschätzt werden.