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Lehrprobe Referendariat

Referendariat: Die Lehrprobe

Tipps für eine erfolgreiche Lehrprobe

Das Referendariat hat viel Potential zur Zerreißprobe für die Nerven zu werden. Viele empfinden dabei besonders die durchgehende Beobachtungs- und Bewertungssituation als schwierig.

Die Lehrproben setzen in dieser Zeit kleine Stress-Höhepunkte, die wir nicht herunterspielen wollen, aber durch ein paar Tipps hoffentlich etwas erleichtern können.

Rahmenbedingungen der Lehrprobe

  • Bekanntgabe des Lehrproben-Settings:

    In der Lehrprobenzeit erfahren Sie ungefähr zwei Wochen vorab Termin, Dauer und die Klasse, in der Ihre Lehrprobe stattfindet. Es wird eine Klasse ausgewählt, in der Sie bereits Unterricht gehalten oder hospitiert haben.
    Es ist übrigens möglich, im Vorfeld Wünsche zu äußern, in welcher Klassenstufe Sie die Lehrprobe gerne absolvieren möchten. Eine Garantie, dass es klappt gibt, gibt es allerdings nicht.
    Das Thema der Stunde ergibt sich in der Regel aus dem vorlaufenden und durch den Stoffverteilungsplan angedachten Unterrichtsstoff.

  • Schriftlicher Unterrichtsentwurf:

    Die Unterrichtsvorbereitung schließt bei der Lehrprobe auch einen schriftlichen Unterrichtsentwurf ein, den Sie den Mitgliedern der Prüfungskommission vor der Lehrprobe zur Verfügung stellen. Durch den Entwurf haben die Prüfer einen Überblick über Ihre didaktischen und pädagogischen Überlegungen, den geplanten Stundenaufbau und -verlauf, die Ziele, die Sie mit Ihren Schülern erarbeiten möchten und welche Unterrichtsmethoden, Sozialformen, Materialien und Medien Sie einsetzen möchten.

    Ein wichtiger Teil des schriftlichen Unterrichtsentwurfs ist die Sachanalyse. Eine ausführliche und sehr gelungene Beschreibung, was hierbei zu beachten ist, finden Sie im Blog von Bob Blume.

    Auf diesen Seiten finden Sie Beispiele für schriftliche Unterrichtsentwürfe, die etwas Orientierung geben können:
    Lehrproben.de: Lehrproben für die Grundschule
    Lehrprobenbörse der GEW Berlin: Tauschbörse für Unterrichtsentwürfe
  • Prüfungsausschuss:

    Wenn es dann soweit ist, gesellen sich zu den Schülern die Mitglieder der Prüfungskommission. Darunter ist meist ein Mitglied der Schulleitung, eine Seminarlehrerin/ein Seminarlehrer, Ihre Mentorin/Ihr Mentor und evtl. die Fachlehrerin/der Fachlehrer.

  • Benotung:

    Im Anschluss an die Stunde setzen Sie sich mit der Prüfungskommission zusammen und haben die Möglichkeit, zu Ihrem Unterricht Stellung zu nehmen und zu reflektieren (was lief gut, was nicht und warum, warum mussten Sie vom geplanten Ablauf abweichen). Nach einer Beratung der Prüfer erfahren Sie Ihre Note und die Begründung für die Bewertung.
    Die Noten, die Sie in den Lehrproben erhalten, fließen mit in das Zweite Staatsexamen ein.

  • Große Erwartungen:

    Bei Gesprächen über die Lehrprobe fällt häufig die Bezeichnung „Showstunde“ (inklusive didaktischem, pädagogischem und methodischem Brillantfeuerwerk). Im Schulalltag sind Lehrprobenstunden tatsächlich kaum umzusetzen. Diese Diskrepanz zur Realität in der Schule wird häufig kritisch gesehen.
    Egal, was Sie von dieser Form der Prüfung halten, gilt es nun, das Beste aus der gegebenen Situation zu machen: Ihr Ziel ist es, den Prüfern die beste Stunde zu zeigen, die Sie mit der gegebenen Vorbereitungszeit und der Klasse umsetzen können. Zeigen Sie alles, was Sie in Ihrer Ausbildung gelernt haben. Dass das später mit weit weniger Vorbereitungszeit und vielen weiteren Verpflichtungen nicht in dieser Form umzusetzen ist, ist jedem klar.

    Lehrpobe

    Zeigen Sie den Prüfern die beste Stunde, die Sie mit all Ihren Fähigkeiten halten können.

Tipps für die Lehrprobe

Diese 3 Punkte sind die Stützpfeiler einer gelungenen Lehrprobe:

  1. Inhalte fachlich korrekt vermitteln
  2. Beleg der didaktischen und pädagogischen Kompetenz durch eine gute Unterrichtsplanung, -durchführung und Reflexion des Unterrichts
  3. passender Einsatz von unterschiedlichen Sozialformen/Unterrichtstechniken/Materialien/Medien

Damit Sie bei der Umsetzung dieses Fundaments Ihrer Prüfung möglichst wenig aus dem Konzept bringt, hier einige Tipps:

    1. Rechtzeitig mit der Planung beginnen:

      Zugegeben, das ist kein wirklicher Geheimtipp, aber nichtsdestotrotz wahr: Die Ausarbeitung des schriftlichen Unterrichtsentwurfs kostet Zeit.
      Ist er aber erstmal fertig und gut gelungen, ist bereits ein Schritt auf dem Weg zu einer guten Bewertung getan – und Sie ersparen sich quälende Tage mit dem schlechten Gefühl, noch nichts gemacht zu haben.
      So bleibt auch noch Zeit, den Entwurf von Mitreferendarinnen oder -referendaren oder jemandem aus dem Kollegium gegenlesen zu lassen und evtl. kleine Fehler auszubügeln.
      Neben dem schriftlichen Unterrichtsentwurf können Sie die Zeit nutzen, um Ihren Tafelanschrieb zu üben und zu überlegen, an welchen Stellen die Schüler Schwierigkeiten haben könnten und wie Sie darauf reagieren.
      Achten Sie dabei darauf, einen Zeitpuffer einzuplanen, falls etwas nicht so gut klappt und eine Idee, wie Sie die Zeit füllen können, wenn die Schüler in Bestform sind.

    2. Keine Panik:

      Berichte über Intransparenz, Willkür bei der Benotung, Seminarlehrerinnen und -lehrer, die sich selbst seit Jahren fernab von Schulrealität befinden und unrealistische Ansprüche haben oder schlechter bewerten, wenn Referendarinnen und Referendare nicht deren Haltung übernehmen, sind weit verbreitet.
      Dazu kommen häufig Panikmacher in den eigenen Reihen, die einen mit Erzählungen, was sie alles schon vorbereitet haben oder was noch verlangt wird, komplett verrückt machen können. Da ist es schwierig, nicht auch selbst in Panik zu verfallen. Diese Leute und sämtliche negativen, verrücktmachenden Berichte sollten Sie in der Prüfungszeit unbedingt meiden. Versuchen Sie stattdessen, bei sich und Ihrer eigenen Vorbereitung zu bleiben.

      Kaffee im Lehrerzimmer

      Lassen Sie sich nicht von anderen verrückt machen!

    3. Klasse vorbereiten:

      Informieren Sie Ihre Lehrproben-Klasse, wann Ihre Prüfung stattfindet und dass sie in dieser Stunde schon etwas vor dem Pausengong im Klassenzimmer sein sollten, damit sie pünktlich starten können.
      Damit auch kleinere Aufgaben wie das Austeilen von Arbeitsblättern zügig vonstattengehen, können Sie vorab schon zuverlässige Schüler dafür einteilen.
      Wenn Sie noch nicht so häufig in der Klasse waren und die Namen noch nicht ganz sitzen, ist es vollkommen legitim, die Schüler Namenskärtchen aufstellen zu lassen.

    4. Eigene Vorbereitung:

      Da der Kopf am Lehrprobentag sicher mit tausend Dingen gefüllt ist, am besten schon am Vorabend eine Uhr (wichtig, um die genaue Zeitplanung auch immer im Blick zu haben) und das Outfit zurechtlegen. Und versuchen Sie im Bett nicht allzu viel zu grübeln, ändern können Sie nun ohnehin nicht mehr viel, weshalb Ihnen Schlaf für den folgenden Tag am meisten hilft.

    5. Prüfer umsorgen:

      In der Regel hat es sich an den Schulen schon eingespielt, wie die Prüfer aus dem Seminar in der Schule in Empfang genommen werden. Fragen Sie aber sicherheitshalber noch einmal nach, ob die Mitglieder, die die Prüfungskommission schulseitig komplettieren, die Seminarlehrer willkommen heißen oder ob Sie noch aktiv werden müssen. Fast üblich ist auch die Versorgung mit Getränken und Keksen, um eine positive Grundstimmung zu schaffen 😉

    6. Zeitpuffer einplanen:

      Seien Sie rechtzeitig da, falls noch Kämpfe mit dem Drucker ausgetragen werden müssen, um ihm die Arbeitsblätter abzutrotzen oder Ersatzgeräte zu organisieren, wenn z. B. der Beamer Sie im Stich lässt.

    7. Raum vorbereiten:

      Checken Sie rechtzeitig, ob der Raum, in dem Ihre Lehrprobe stattfindet, in vorzeigbarem Zustand ist. Das heißt:

      • Müll sollte sich überwiegend im Mülleimer befinden,
      • die Stühle und Tische stehen auf den gewohnten Plätzen (und kein Kollege hat in der vorherigen Stunde ein neues Sitzordnungsexperiment gestartet),
      • die Tafel ist sauber und trocken,
      • Kreide/Tafelschreiber und Schwamm liegen bereit,
      • technische Geräte prüfen,
      • Unterrichtsmaterial aufbauen/zurechtlegen,
      • Schild mit der Aufschrift „Lehrprobe, bitte nicht stören“ an die Tür hängen.
    8. Prüfer ausblenden:

      Die Bemühung, während der Lehrprobe ständig die Mimik der Prüferinnen und Prüfer zu deuten, macht nur nervös und bringt Sie aus dem Konzept. Versuchen Sie, sich auf Ihre Schüler zu konzentrieren und die Gäste in der letzten Bank möglichst auszublenden.

    9. Alle Schüler einbeziehen:

      In jeder Klasse gibt es Schüler, die sich mehr einbringen als andere. Auch wenn Ihnen Ihre Schüler in der Lehrprobe sicher unterstützend zur Seite stehen möchten, gibt es immer schüchterne oder schwächere Schüler, die sich nicht zu Wort melden. Achten Sie darauf, auch diese Schüler durch auf sie abgestimmte Fragen und Aufgaben einzubinden.

    10. Machen Sie sich nicht schlecht:

      In der an die Lehrprobe anschließenden Reflexion und Bewertung der Stunde neigen viele Referendarinnen und Referendare dazu, die eigene Leistung überkritisch zu bewerten und sich selbst schlecht zu reden. Damit Sie es nach der nervenaufreibenden Lehrprobe schaffen, die Stunde sachlich und kompetent zu reflektieren, sollten Sie sich bereits vorab darauf vorbereiten und sich eine Struktur zurechtlegen. Was dabei zu berücksichtigen ist, erfahren Sie z. B. im Bericht „Die Nachbesprechung mit der Seminarlehrkraft“ bei ForRefs.

Referendariat: Auf dem Weg zum Wunschort

Über Bettina Kroker

Seit 2014 arbeite ich bei Betzold in Ellwangen als Online-Redakteurin. Im Betzold-Blog möchte ich Lehrerinnen und Lehrern den ein oder anderen Tipp weitergeben, der den Schulalltag erleichtert und Zeit spart. Da ich stets auf der Suche nach neuen, interessanten Blog-Themen bin, freue ich mich immer über Ihre Vorschläge: blog@betzold.de.

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