Auch im Lernverhalten der Kinder können Sie Auffälligkeiten feststellen:
- Gelerntes wird schnell wieder vergessen
- Hoher Zeitaufwand für Mathematikhausaufgaben
- Bei mehrteiligen Aufgaben wird die Zielsetzung aus den Augen verloren
- Auswendiglernen statt Verstehen
- Häufig helfen die Eltern bei den Hausaufgaben in Mathematik und geraten aufgrund der angespannten Situation leicht in Streit mit ihren Kindern
Wer hilft bei der Diagnose „Rechenschwäche“?
Wenn Sie eine Rechenschwäche bei einem Ihrer Schüler vermuten, können Sie den Eltern raten, sich an die schulpsychologischen Beratungsstellen oder den Kinderarzt zu wenden. Über diese Stellen können Sie Kontakte zu speziellen Rechenschwäche-Einrichtungen oder ausgebildeten Lerntherapeuten herstellen, um eine Diagnose zu stellen.
Leider ballen sich die Einrichtungen zur Therapie von Rechenschwäche in den größeren Städten. Im ländlichen Bereich müssen auch heute noch weite Wege zu guten Lerntherapeuten in Kauf genommen werden.
Zudem entstehen hohe Kosten für die Eltern: Da das Kind in der Regel einzeln unterrichtet wird, können für die Therapie mehrere hundert Euro pro Monat anfallen.
Info
Bei einer Lerntherapie handelt es sich um eine Eingliederungshilfe (§ 35a SozGB VIII). Die Eltern können eine Kostenübernahme durch das Jugendamt beantragen. Leider wird diese oftmals nicht bewilligt.
Mögliche Folgen von Dyskalkulie
Oft wirken sich die Probleme in Mathematik auf das allgemeine Verhalten des Kindes aus: Bedingt durch die ständigen Misserfolge entwickeln sie häufig Angst vor dem Fach Mathematik oder der Schule insgesamt. Sie verlieren auch in anderen Fächern die Lust am Üben, wodurch die Leistungen weiter sinken.
Mit der Zeit leidet auch das Selbstbewusstsein unter dieser Situation. Während einige Kinder eher verunsichert und bedrückt sind oder sogar depressive Verstimmungen auftreten, reagieren andere aggressiv oder überspielen die Probleme mit überdrehtem Verhalten oder Clownereien.
Angst und Überforderung können auch psychosomatische Störungen verursachen (Kopfschmerzen, Bauchweh, Schlafstörungen …). Erhalten betroffene Schüler keine Unterstützung, kann die Rechenschwäche langfristig ernsthafte psychische Folgen haben und sich durch verpasste oder schlechte Schulabschlüsse negativ auf eine spätere berufliche Laufbahn auswirken.
Warum entwickeln manche Kinder eine Rechenschwäche?
Die Frage nach dem „warum“ kann die Forschung noch immer nur hypothetisch beantworten. Eindeutige Ursachen konnten bisher nicht benannt werden.
Wissenschaftler gehen aber davon aus, dass eine Kombination mehrerer Faktoren mit Wechselwirkungen zueinander zum Auftreten einer Rechenschwäche führen kann:
Genetische Faktoren
Studien zeigen ein verstärktes Auftreten von Dyskalkulie unter Verwandten. Allerdings gelang bisher kein Nachweis für eine Vererbung. Möglicherweise muss man auch in Betracht ziehen, dass rechenschwache Eltern ihren Kindern ungewollt eine negative Haltung gegenüber der Mathematik vermitteln.
Neuropsychologische Faktoren
Sehr stark vereinfacht gesagt, sehen einige Forscher Anzeichen dafür, dass bei rechenschwachen Kindern das Zusammenspiel der verschiedenen Regionen des Gehirns nicht reibungslos funktioniert. Zum Verständnis von Zahlen, Mengen oder für die Anwendung der Grundrechenarten ist dies aber unabdingbar. Doch auch hier existieren bisher keine wissenschaftlichen Belege für einen Zusammenhang mit Dyskalkulie.
Entwicklungspsychologische Faktoren
Dem Entwicklungspsychologen Jean Piaget folgend wird angenommen, dass Aufbau und Verinnerlichung von Zahlbegriff und mathematische Operationen in vier Phasen abläuft (Handlung mit konkretem Material, Bildliche Darstellung, Symbolische Darstellung, Automatisierung im Symbolbereich). Wird eine Phase nicht verstanden, können darauf folgende nicht erreicht werden. Sind Kinder entwicklungsbedingt beim Lernen neuer mathematischer Operationen nicht in der Lage, den Stoff schnell genug zu verinnerlichen, geraten sie in Rückstand und entwickeln Defizite, die zu einer Rechenschwäche führen können.
Familiäre/sprachliche Faktoren
Probleme in der familiären Beziehung können genauso hinderlich sein wie sprachliche Defizite. Mathematische Ausdrücke sind knapp und präzise. Für ihr Verständnis muss ihre Bedeutung im mathematischen Zusammenhang klar sein.
Schulische Faktoren
Ein veränderter Unterrichtsstil und neue Methoden durch den Wechsel von Lehrkräften können sich negativ auf rechenschwache Schüler auswirken. Auch ein schnelles Voranschreiten im Unterrichtsstoff ohne ausreichendes Eingehen auf das Zahlenverständnis kann sich negativ auswirken. Schwierig zu verstehen sind auch abstrakte Darstellungen bei zu wenigen praktischen Übungen.
Was tun, wenn das Problem erkannt ist?
Zeigt sich, dass ein Schüler eine Rechenschwäche hat, stellt sich die Frage nach geeigneten Hilfestellungen. Da sich die Ausprägung der Rechenschwäche von Kind zu Kind unterscheidet, muss auch die Förderung auf die spezifischen Schwierigkeiten abgestimmt werden – Rechenschwäche erfordert deshalb eine individuelle Förderung.
Diese kann in Form einer außerschulischen Lerntherapie erfolgen. Meist handelt es sich dabei um eine Einzel- oder Partnertherapie mit zwei Kindern.