Vorlesen in Kindergarten und Kita – Förderung des habituellen Lesers
Das Bildungs- und Entwicklungsfeld Sprache ist Bestandteil eines jeden Orientierungsplans für Kindertageseinrichtungen. Neben der Förderung von sozialer und motorischer Entwicklung hat die Entwicklung von sprachlichen Kompetenzen natürlich ebenfalls ihren Platz im Alltag der Kinder in Kindergärten und Kitas. Sprache, egal ob geschrieben oder gesprochen erklärt die Welt, gibt Emotionen Ausdruck und schafft durch den Dialog eine Verbindung zwischen Menschen.
Wann vorlesen?
Feste Rituale ordnen den Tagesablauf und erleichtern es den Kindern, sich auf die Vorlesezeit einzulassen. Der Zeitpunkt der Vorlesezeit sollte gut in den Tagesablauf integriert sein und eine der Ruhephasen im täglichen Ablauf bilden.
Wo vorlesen?
Eine gemütliche und ruhige Atmosphäre während des Vorlesens ermöglicht den Kindern, das Eintauchen in die Geschichte und den Erwerb weiterführender sprachlicher Kompetenzen. Kindgerecht eingerichtete Leseecken in Gruppenraum oder Bibliothek bieten sich hierzu an.
Wie vielen Kindern vorlesen?
Hierbei ist zwischen dem klassischen Vorlesen und dem dialogischen Lesen zu unterscheiden.
Das klassische Vorlesen lässt sich ohne weiteres mit der gesamten Gruppe umsetzen und kann – entsprechend dem partizipatorischen Gedanken – durch Mitbestimmung der Kinder an der Auswahl der Literatur zu einem gemeinschaftlichen Projekt werden. Ein erfolgreiches Leseerlebnis lebt auch von der interessenorientierten Auswahl der vorgelesenen Literatur. Neben dem klassischen Vorlesen ist das dialogische Vorlesen eine ebenfalls weit verbreitete Form der Leseförderung in Kindergarten und Kita.
Bei dialogischem Vorlesen wird mit einer kleinen Gruppe von maximal 4 Kindern gemeinsam eine Geschichte gelesen. Wichtig ist, dass – anders als beim klassischen Vorlesen – die Geschichte nicht nur vorgelesen wird, sondern zielgerichtet ein Dialog entstehen soll. Erzieherin oder Erzieher sollten sich also im Vorfeld mit dem ausgewählten Buch beschäftigen und Wendepunkte in der Geschichte, oder besonders auffällige Abbildungen mit einigen Fragen vorbereiten. Hierzu können, je nach sprachlichem Entwicklungsstand der Kinder entweder einfache W-Fragen (wer, wie, wo, warum) angewendet werden, oder es können offene Fragen gestellt werden, die einen Anreiz für Fantasie und sprachliche Ausdrucksfähigkeit liefern. Dialogisches Vorlesen ist durch die kleinen Gruppen auch für eher zurückhaltende Kinder geeignet und stellt die Zuhörer und ihr Verständnis der Geschichte in den Fokus. Der Austausch zwischen VorleserIn und Kindern erzeugt eine positive Assoziation mit dem Leseerlebnis und trägt somit nicht nur zur sprachlichen Entwicklung, sondern auch zu einer erfolgreichen Leseförderung im frühkindlichen Bereich bei.
Was vorlesen? Die Auswahl altersgerechter und interessenorientierter Literatur kann sich am Jahreskreis, an thematisch geplanten Angeboten, an aktuellen Themen oder ganz einfach an dem vorhandenen Lesestoff orientieren. Wichtig ist, dass die Kinder an der Auswahl teilhaben können und somit ihr ganz persönliches Interesse an einer Geschichte entwickeln können. Ob es sich bei der Darstellung der ausgewählten Lektüre um ein klassisches Buch, ein Kniebuch oder um ein Tablet handelt, tut dem Lesevergnügen in den meisten Fällen keinen Abbruch. Die Stiftung Lesen bietet mit der Seite einfachvorlesen.de kostenlos kleine Geschichten, die sich für unterschiedliche Altersstufen eignen und die gleichzeitig den Beweis antreten, dass Tablet & Co. mehr können als Videos abzuspielen.
Die Stiftung Lesen
Die Lesefähigkeit, die Freude am Lesen und die Leseförderung sind elementare Bestandteile der Förderprogramme, die durch die Stiftung Lesen durchgeführt werden. Themen wie „Kinder, MINT und Literacy“, „Die Vorlesebibliotheken“ oder das Programm „Lesestart 1-2-3“ unterstützen nicht nur Eltern bei der Leseförderung. einfachvorlesen.de verbindet Vorlesen und digitale Medien zu einem sinnbringenden Erlebnis für angehende Leser. Die Arbeit der Stiftung Lesen und die Vergabe des Lesepreises für Kindergärten sorgen – mit der Hilfe von zahlreichen Unterstützern, wie zum Beispiel auch der Arnulf Betzold GmbH im Bereich Leseförderung an Schulen – dafür, dass die Zahl der Jugendlichen, die mit einer Leseschwäche kämpfen, in den kommenden Jahren zurückgeht.