2. Kommunikation:
Dafür waren die Geräte irgendwann ja einmal gedacht. Heute läuft die Kommunikation in erster Linie über Messenger-Dienste und soziale Netzwerke. Viele Schüler sind längst über kleinere Chat-Gruppen oder einen Klassenchat miteinander verbunden. Ein unmoderierter Chat kann aber zu Problemen und Missstimmungen in der Klasse führen. Umso sinnvoller ist es, Klassenchats zu thematisieren und vielleicht einen Versuch zu starten, diese Kommunikationsmöglichkeit als Lernnetzwerk zu nutzen.
Der Lehrer und Social-Media-Experte Philippe Wampfler schildert Schwierigkeiten und gibt wertvolle Hinweise.
Ein Chat bietet die Möglichkeit, Experten, die oft nicht in der Nähe wohnen und ohnehin wenig Zeit haben, virtuell zu einem Gespräch über Unterrichtsthemen mit den Schülern einzuladen.
3. Kreativität:
Die integrierten Kameras in Smartphones besitzen auch positives Potential: Sie bieten die Chance, den Unterricht durch kreative Elemente, wie das Erstellen von Fotoreportagen, kurzen Filmen und Audioaufnahmen, zu bereichern.
Warum nicht als Einstieg in ein neues Thema mit den Schülern einen Podcast erstellen oder ein Video drehen.
4. Motivation:
Das Smartphone ist für die Schüler sehr positiv behaftet. Die neue Erfahrung, das Gerät im Unterricht einsetzen zu dürfen und vielleicht einmal genauso viel über etwas zu wissen wie die Lehrerin oder der Lehrer (und manchmal ein bisschen mehr) wirkt motivierend.
Inzwischen gibt es eine ganze Reihe von Apps, die Schüler durch eine interessante und unterhaltsame Aufmachung zum Üben des Unterrichtsstoffs zu Hause motivieren.
5. „Lernen lernen“:
Durch das Internet und seine Zugangsmedien verliert Faktenwissen zunehmend an Bedeutung, denn die gesuchten Antworten sind immer nur ein paar Mausklicks (oder Touchs) entfernt. Das bedeutet nicht, dass dieses Wissen irrelevant wird! Wir brauchen ein gutes Basiswissen, um nicht zu eindimensionalen Google-Abhängigen ohne historische Verankerung zu werden. Aber: In Zukunft wird es für Schüler wichtiger, über gute Lern- und Informationsbeschaffungsstrategien zu verfügen.
6. Und noch viel mehr:
Smartphone-Funktionen und Apps ermöglichen zahllose Einsatzmöglichkeiten im Unterricht. Hier noch drei Beispiele: Den Schülern hilft es als Vokabeltrainer, Sie können Diktate zum Üben als Audiodateien weitergeben und ist am Ende einer Stunde das Tafelbild oder der Hausaufgabenaufschrieb nicht fertig ins Heft übertragen, kann alles noch schnell abfotografiert werden.
Bevor es losgehen kann, sollten Sie aber zwei Voraussetzungen beachten:
- Ist an Ihrer Schule W-LAN verfügbar, in das sich die Schüler einloggen können, um keine hohen Rechnungen zu verursachen?
- Da die wenigsten Schulen über Tablet-Klassensätze verfügen, ist es am einfachsten, wenn jeder sein eigenes Gerät nach dem Prinzip „Bring your own device“ (BYOD) dabei hat. Allerdings sollten Sie sicherstellen, dass alle Schüler Zugriff auf ein Gerät haben, damit niemand ausgegrenzt wird. Das klappt entweder mit Partnerarbeit oder schuleigenen Leihgeräten.
Für die Schüler ist der größte Gewinn die nun schon mehrfach beschworene Medienkompetenz.
Sie stellt sich zum einen ganz nebenbei mit dem Unterrichtseinsatz der Smartphones ein, die einmal nicht mehr nur zum Kommunizieren und Spielen eingesetzt werden. Zum anderen muss aber eine Schulung insbesondere bei den heiklen Themen Datenschutz, Urheberrecht, Cybermobbing und Gewaltvideos direkt erfolgen.
Das Smartphone stellt Sie als Lehrende vor die Aufgabe: Wie nutze ich das Potential für den Unterricht und gehe zugleich mit evtl. damit einhergehenden Problemen um?
Gemeinsam mit der Schulleitung, dem Kollegium und am besten auch Vertretern aus Reihen der Eltern und Schüler sollte überlegt werden, für was und wann eine Nutzung der Geräte erwünscht und sinnvoll ist. So kann das Smartphone tatsächlich zu einer wertvollen und motivierenden Unterrichtsbereicherung werden – auch wenn die Geräte außerhalb der erlaubten Nutzung zugleich kleine Unterrichtsstörer bleiben können.
Wir sind gespannt, ob die Vorbehalte gegenüber der digitalen Technik tatsächlich auf einer Art Generationenkonflikt zwischen „Digital Immigrants“ und „Digital Natives“ beruhen, oder ob sie noch bestehen, wenn auch die Lehrenden zu den „digitalen Ureinwohnern“ zählen ;-)