Das Konzept der digitalen Selbstbestimmung
Die Grundlage stellt unser Recht auf informationelle Selbstbestimmung dar: Jede Person darf entscheiden, wer welche Daten über sie hat und was damit passiert.
Dieses Grundrecht gilt auch im Kontext Schule. Sowohl Schülerinnen und Schüler als auch Lehrkräfte dürfen also selbst entscheiden, welche Informationen über sie wie erhoben und verarbeitet werden. Denn Daten sind nichts anderes als digitalisierte Informationen über uns, aus denen sich eine Menge ableiten lässt.
Regelungen dazu sind in der DSGVO verankert, deren Ziel es gewiss nicht ist, Ihnen das Leben schwerer zu machen. Die DSGVO dient dem Schutz unserer Daten vor kommerzieller und behördlicher Ausbeutung. Zudem beinhaltet sie Auflagen zur Datensicherheit, damit unsere Daten nicht von Cyberkriminellen oder – im Kontext Kinder – von Pädophilen missbraucht werden können.
Digitale Selbstbestimmung ist also gelebter Datenschutz und ein wichtiges Element, um Kinder und Jugendliche vor Manipulation und Gefahren zu schützen.
Sind wir nicht schon digital selbstbestimmt?
Mittlerweile gibt es iPad-Klassen, WhatsApp-Klassengruppen, Unterricht per Zoom und auch die Microsoft Office Suite hält sich hartnäckig auf Schulrechnern. Lehrkräfte und Kinder nutzen diese technischen Errungenschaften ganz selbstverständlich … aber auch selbstbestimmt? Solch eine Nutzung beinhaltet sowohl das Wissen um die eigenen Datenspuren als auch deren Konsequenzen.
Sie denken, was digital passiert, bleibt digital? Leider nein. Denn schlaue Algorithmen wissen aus den vermeintlich nichtigsten Daten sensible Informationen abzuleiten: Anhand weniger Likes in sozialen Netzwerken lassen sich Sexualität und Substanzkonsum ableiten, aus den Metadaten von WhatsApp oder Gmail lassen sich Charaktereigenschaften entnehmen und unser Tippverhalten gibt Auskunft über unsere aktuelle Stimmung (was insbesondere für Live-Werbung in Apps und auf Webseiten genutzt wird). Diese Informationen gelten als Grundlage für ein personalisiertes Internet. Weitere Informationen finden Sie hier: Cracked Labs. Institut für kritische digitale Kultur: Durchleuchtet, analysiert und einsortiert.
Sowohl Suchergebnisse als auch Beiträge in den sozialen Medien, Produkte und Preise in Onlineshops, aber auch Stellenausschreibungen und Zugänge zu anderen Ressourcen werden uns nicht neutral präsentiert, sondern auf Basis unserer Daten angepasst und auch vorenthalten. Das kann praktisch sein, aber auch gefährlich.
Gefahr der Filterblasen: Wie Personalisierung im Internet Radikalisierung und Ungleichheit fördert
Indem wir nur sehen, was unserer Meinung entspricht, verlieren wir unsere Kompromissbereitschaft, die sich gerade im Kindes- und Jugendalter entwickelt. Diese Filterblaseneffekte bergen Radikalisierungspotenzial und machen manipulierbar. Gerade demokratiefeindliche Parteien nutzen diese Mechanismen, um Nachwuchs zu rekrutieren.
Die Personalisierung des Internets führt allerdings auch dazu, dass Ungleichheiten verstärkt werden: Webseiten- und App-Tracker erkennen anhand der IP-Adresse, an welcher Schule sich welches Kind befindet. Das geht auch ganz ohne Login bei Microsoft und Co., obwohl dieser die Zusammenführung der Daten enorm erleichtert. Kinder an vermeintlichen „Brennpunktschulen“ bekommen so andere Inhalte gezeigt als Schülerinnen und Schüler anderer Schulen. Das können Stellenanzeigen sein, Stipendienausschreibungen oder Kulturangebote. Der Algorithmus regelt Zugänge zu Ressourcen und nutzt dabei alle Daten, die im schulischen und privaten Kontext anfallen.