Dialogisches Lesen, das heißt , Kindern beim Betrachten von Büchern Fragen stellen und ins Gespräch kommen.
Literacy
Alltag
Veröffentlichung: 05.11.2023

Dialogische Bilderbuchbetrachtung in Kindergarten und Kita

Die Freude am Lesen und am Betrachten von Büchern kann mit der dialogischen Bilderbuchbetrachtung schon in Kindergarten und Kita geweckt werden. Die Vorlesende Person stellt gezielte Fragen zu den Inhalten des Buches und kommt mit den Kindern ins Gespräch. Neben Kompetenzen aus dem Bereich Literacy werden auch die Konzentration und das Sprachvermögen gefördert.
Janine Landwermann
Janine Landwermann
Online-Redakteurin

Häufig gestellte Fragen zur dialogischen Bilderbuchbetrachtung

Was ist dialogisches Lesen/dialogische Bilderbuchbetrachtung?

Dialogisches Lesen ist eine interaktive Vorlesemethode, bei der ein Dialog zwischen der vorlesenden Person und den Kindern entsteht. Es fördert die aktive Beteiligung der Kinder am Leseprozess.

Ab welchem Alter eignet sich die dialogische Bilderbuchbetrachtung?

Dialogische Bilderbuchbetrachtung ist für Kinder ab etwa 6 Monaten geeignet, kann aber bis ins Vorschulalter fortgeführt werden.

Mit wie vielen Kindern kann dialogisches Lesen durchgeführt werden?

Dialogisches Lesen kann sowohl mit einem einzelnen Kind als auch in einer Gruppenumgebung mit mehreren Kindern durchgeführt werden. In der Praxis hat sich eine Gruppe von bis zu 4 Kindern als ideal erwiesen.

Welche Bücher eignen sich für die dialogische Bilderbuchbetrachtung?

Besonders eignen sich Bilderbücher mit klaren Abbildungen, wiederkehrenden Elementen und spannenden Geschichten. Die Wahl sollte altersgerecht und an den Interessen der Kinder ausgerichtet sein.

Welche Kompetenzen fördert dialogisches Lesen?

Dialogisches Lesen fördert die sprachliche Entwicklung, die kognitive Fähigkeiten, das Textverständnis und die sozialen Fertigkeiten der Kinder. Es unterstützt auch die Freude am Lesen und an der Geschichtenerzählung.

Gemeinsam mit Kindern die Welt der Bücher entdecken, das funktiniert mit dialogischem Lesen.

Phasen der dialogischen Bilderbuchbetrachtung

  1. Vorbereitung: In dieser Phase wird das Interesse des Kindes am Buch geweckt. Der oder die Vorlesende kann Fragen stellen, die das Kind zum Nachdenken anregen, und den Titel, die Illustrationen oder andere Schlüsselelemente des Buches vorstellen.
  2. Durchführung: Hier findet der eigentliche Dialog zwischen der vorlesenden Person und dem Kind statt. An dieser Stelle werden Fragen gestellt, die das Kind dazu ermutigen, aktiv am Gespräch teilzunehmen. Geschlossene Fragen, die lediglich „Ja“ oder „Nein“ als Antwort zulassen, sind zu vermeiden. W-Fragen (Wer, Wo, Wann, Was, Wie, Warum) zu den Bildern, den Charakteren oder der Handlung des Buches eignen sich hervorragend. Die vorlesende Person reagiert auf die Antworten des Kindes und erweitert das Gespräch, um das Textverständnis und die Sprachentwicklung zu fördern.
  3. Schlussphase: Die Schlussphase dient dazu, die Geschichte zusammenzufassen und das Gelesene zu reflektieren. Hier können Fragen gestellt werden, die das Kind dazu anregen, die Handlung zu rekapitulieren oder Schlüsse über die Charaktere oder die Lehren der Geschichte zu ziehen. Dies rundet die dialogische Bilderbuchbetrachtung ab und ermöglicht es dem Kind, das Gesehene und das Gehörte zu verinnerlichen.

Optimale Fragen für dialogisches Lesen

  • Beschreibende Fragen:
    • "Was siehst du auf diesem Bild?"
    • "Kannst du mir sagen, welche Farben die Blumen haben?"
  • Vorhersagefragen:
    • "Was denkst du, wird als Nächstes passieren?"
    • "Wie glaubst du, wird die Geschichte enden?"
  • Warum-Fragen:
    • "Warum hat der Bär so traurig ausgesehen?"
    • "Warum denkst du, hat die Maus das getan?"
  • Fragen, die zum Vergleichen anregen:
    • "Wie unterscheiden sich die Charaktere in dieser Geschichte?"
    • "Gibt es Ähnlichkeiten zwischen dieser Geschichte und einer anderen, die wir gelesen haben?"
  • Reflektierende Fragen:
    • "Was hast du aus dieser Geschichte gelernt?"
    • "Was denkst du, möchte uns der Autor mit dieser Geschichte sagen?"

Diese Fragen fördern das kritische Denken, die Sprachentwicklung und das Textverständnis bei Kindern. Sie ermöglichen es, die Interaktion während des Lesens zu vertiefen und die Geschichten inhaltlich zu erfassen.

Passend zu den bereits aufgelisteten Fragen ist im englischsprachigen Bereich außerdem die „PEER Strategy“ bekannt: PEER (prompt, evaluate, expand, and repeat). Die Antwort auf die initiale Frage (prompt) wird durch die vorlesende Person gehört und innerlich ausgewertet (evaluate). Die Antwort wird dann durch eine Folgefrage erweitert (expand) und die darauffolgende Antwort wird durch die vorlesende Person wertgeschätzt und wiederholt (repeat).

Dialogische Bilderbuchbetrachtung im Beispiel

„Der Maulwurf, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hat“

Eine dialogische Bilderbuchbetrachtung kann in mehreren Phasen ablaufen. Hier ist ein beispielhafter Ablauf für das Buch "Der Maulwurf, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hat" von Werner Holzwarth und Wolf Erlbruch:

  • Einleitung:
    • Zeigen Sie das Buchcover und fragen Sie die Kinder, ob sie den Maulwurf auf dem Cover sehen können.
    • Fragen Sie, ob sie schon einmal eine Geschichte über einen Maulwurf gehört haben oder wissen, was ein Maulwurf ist.
  • Hauptteil:
    • Lesen Sie die Geschichte vor und zeigen Sie dabei die Bilder den Kindern.
    • Stellen Sie während des Lesens immer wieder offene Fragen, die zum Nachdenken anregen, wie: "Was denkst du, wird als Nächstes passieren?" oder "Warum ist der Maulwurf so besorgt?"
    • Ermutigen Sie die Kinder, ihre Gedanken, Gefühle und Beobachtungen zu teilen, wenn Schlüsselszenen auftreten. Zum Beispiel, wenn der Maulwurf fragt, wer ihm auf den Kopf gemacht hat, könnten Sie fragen: "Warum denkt der Maulwurf, dass jemand auf seinen Kopf gemacht hat?"
  • Nachbesprechung:
    • Nachdem Sie die Geschichte gelesen haben, fragen Sie die Kinder nach ihren Eindrücken und Gedanken. Was denken sie über das Ende der Geschichte?
    • Ermutigen Sie die Kinder, Fragen zu stellen oder Dinge zu klären, die sie vielleicht nicht verstanden haben.
  • Aktivität und Vertiefung:
    • Führen Sie eine kreative Aktivität durch, wie das Malen von Maulwurf-Bildern, das Basteln von "Spuren" wie im Buch oder das Erzählen einer eigenen Fortsetzung der Geschichte.
    • Sie könnten auch ein Rollenspiel starten, bei dem die Kinder die verschiedenen Tiere spielen, die der Maulwurf besucht.
  • Abschluss:
    • Fassen Sie die wichtigsten Erkenntnisse und Erfahrungen aus der Geschichte und den Aktivitäten zusammen.
    • Ermutigen Sie die Kinder, das Buch später noch einmal zu betrachten oder mit ihren Eltern darüber zu sprechen.

    Dieser Ablauf fördert die aktive Beteiligung der Kinder, das Textverständnis und die kritische Auseinandersetzung mit der Geschichte, und schafft gleichzeitig eine unterhaltsame und lehrreiche Erfahrung.

    Info

    Beratung: Kamishibai

    Umfassende Informationen und Tipps rund um das vielseitige Bildtheater gibt es in unserer Beratung "Produktvorstellung Kamishibai"

    Handpuppen und dialogisches Lesen

    Am Beispiel von „Die Eule mit der Beule“ von Tanja Jacobs und Susanne Weber 

    Der Einsatz von Handpuppen bei der dialogischen Bilderbuchbetrachtung in Kindergärten und Kitas bietet zahlreiche Vorteile zum Beispiel ein leichteres Einbeziehen der Kinder in die Geschichte.

    Handpuppen helfen in der dialogischen Bilderbuchbetrachtung bei:

    • Anregung zur Interaktion: Handpuppen ziehen die Aufmerksamkeit der Kinder auf sich und fördern die Interaktion. Im Falle von "Die Eule mit der Beule" könnten Sie eine Eule als Handpuppe verwenden, um die Geschichte noch lebendiger zu gestalten.
    • Charakteridentifikation: Die Verwendung von Handpuppen ermöglicht es den Kindern, sich besser mit den Charakteren der Geschichte zu identifizieren. Die Eule könnte die Hauptfigur repräsentieren und den Kindern helfen, sich in sie hineinzuversetzen.
    • Visualisierung: Handpuppen bieten eine visuelle Unterstützung für die Geschichte. Die Eule mit der Beule könnte die Verletzung auf spielerische Weise darstellen und den Kindern helfen, das Problem besser zu verstehen.
    • Verdeutlichung von Emotionen: Handpuppen können Emotionen und Gefühle der Charaktere veranschaulichen. Wenn die Eule mit der Beule traurig oder ängstlich ist, kann die Handpuppe dies durch Mimik und Gestik zeigen, was die Empathie der Kinder fördert.
    • Kreatives Erzählen: Handpuppen ermutigen die Kinder, selbst kreativ zu werden. Sie können die Handpuppe zum Sprechen bringen und eigene Ideen und Lösungen für die Probleme in der Geschichte entwickeln.
    • Spaß und Engagement: Handpuppen machen die Vorlesezeit unterhaltsamer und ansprechender, da sie eine spielerische Komponente hinzufügen. Die Kinder werden motivierter, aktiv am Gespräch teilzunehmen.

    Die Kombination von einer Handpuppe und den Bilderbuchkarten "Die Eule mit der Beule" ermöglicht es, die Geschichte auf eine erlebnisreiche und interaktive Weise zu präsentieren. Sie fördert das Verständnis, die emotionale Intelligenz und die Freude am Lesen bei den Kindern.

    Top 5 Tipps für die dialogische Bilderbuchbetrachtung

    1. Aktive Teilnahme des Kindes fördern: Ermutigen Sie das Kind, sich aktiv am Gespräch zu beteiligen. Stellen Sie offene Fragen, die das Kind zum Nachdenken anregen, und geben Sie ihm die Möglichkeit, seine Gedanken und Ideen zu äußern. Dies fördert die Sprachentwicklung und das kritische Denken.
    2. Mit Begeisterung vorlesen: Gestalten Sie das Vorlesen lebendig und spannend. Nutzen Sie verschiedene Stimmlagen, Betonungen und Mimik, um die Geschichte zum Leben zu erwecken. Begeisterung steckt an und steigert das Interesse des Kindes.
    3. Anpassung an das Alter und die Interessen des Kindes: Berücksichtigen Sie das Alter und die individuellen Interessen des Kindes bei der Buchauswahl und der Gestaltung der Fragen. Jüngere Kinder benötigen einfachere Bücher und Fragen, während ältere Kinder komplexere Texte und Diskussionen schätzen.
    4. Geduld und Zeit geben: Nehmen Sie sich ausreichend Zeit für die dialogische Bilderbuchbetrachtung. Geben Sie dem Kind die Möglichkeit, nachzudenken und zu antworten, ohne es zu überstürzen. Geduld ermöglicht eine tiefere Reflexion und einen besseren Dialog.
    5. Vielfältige Bücher verwenden: Nutzen Sie eine breite Palette von Büchern mit verschiedenen Themen, Genres und Schwierigkeitsgraden. Abwechslung fördert die Neugier des Kindes und erweitert sein Wissen. Es ist auch hilfreich, Geschichten aus verschiedenen Kulturen einzubeziehen, um die Vielfalt zu schätzen.

    Eine erfolgreiche dialogische Bilderbuchbetrachtung fördert die Sprachkompetenz, das Textverständnis und die Freude am Lesen bei Kindern. Indem Sie diese Tipps berücksichtigen, schaffen Sie eine bereichernde Leseerfahrung, die die kindliche Entwicklung unterstützt.

    Buchempfehlungen für dialogische Bilderbuchbetrachtung

    Diese Bilderbücher bieten vielfältige Themen und Ansatzpunkte für lebendige und interaktive dialogische Bilderbuchbetrachtungen im Kindergarten.
    *Angebote gültig bis 21.06.2026. Nur solange der Vorrat reicht.

    Aktivitäten und Tipps zum Vertiefen der Lernerfahrungen

    Nach einer dialogischen Bilderbuchbetrachtung im Kindergarten können verschiedene Aktivitäten genutzt werden, um die Eindrücke und Lernerfahrungen der Kinder zu vertiefen. Hier ist eine Liste von Aktivitäten, gefolgt von einem Praxisbeispiel basierend auf dem Buch "Vom kleinen Maulwurf, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hat" von Werner Holzwarth und Wolf Erlbruch:

    1. Kreatives Malen: Lassen Sie die Kinder Szenen oder Charaktere aus der Geschichte malen oder eigene Bilder zu der Geschichte erstellen.
    2. Rollenspiele: Die Kinder können in die Rolle der Buchcharaktere schlüpfen und Szenen aus dem Buch nachspielen.
    3. Gemeinsames Basteln: Basteln Sie passende Gegenstände oder Charaktere aus der Geschichte, z. B. Tiermasken oder Puppen.
    4. Lieder und Gedichte: Verwandeln Sie Schlüsselszenen oder -charaktere in Lieder oder Gedichte, die die Kinder gemeinsam singen oder vortragen können.
    5. Diskussionen und Reflexionen: Sprechen Sie mit den Kindern über die Geschichte und lassen Sie sie ihre Gedanken und Gefühle darüber teilen.
    6. Kreative Erzählübungen: Die Kinder können eigene Geschichten, Fortsetzungen oder alternative Enden zur Geschichte erzählen.

    Praxisbeispiele:
    (basierend auf "Vom kleinen Maulwurf, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hat" und auf „Die Eule mit der Beule“)

    Nach dem Hören der Geschichten könnten die Kinder verschiedene Aktivitäten durchführen:

    • Kreatives Malen: Die Kinder malen Bilder von verschiedenen Tieren und hinterlassen dabei "Spuren" wie der Maulwurf im Buch. Sie können auch erraten, welches Tier welche Spur hinterlassen hat. Hierzu gibt es eine passende Vorlage zum Ausmalen als Download
    • Gemeinsames Basteln: Die Kinder könnten kleine Maulwurf-Puppen basteln und diese in verschiedenen "Verschmutzungsarten" gestalten, um die Geschichte nachzuspielen.
    • Rollenspiele: Die Kinder könnten eine improvisierte Version der Geschichte „Die Eule mit der Beule“ aufführen, wobei jedes Kind die Rolle eines Tieres übernimmt und die Ereignisse nachspielt. Um die einzelnen Rollen zu verbildlichen und Bild und Geschichte noch einmal zu verknüpfen, bietet sich ein Bewegungswürfel an. 

    Diese Aktivitäten fördern die Kreativität, das Textverständnis und das Einbinden der Kinder in die Welt des Buches, und sie bieten Gelegenheiten zur Vertiefung und Erweiterung der Lernerfahrungen.

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    Wer schreibt hier?

    Janine Landwermann
    Online-Redakteurin
    Erinnern Sie sich noch an den Namen „Ihrer“ Erzieherin aus dem Kindergarten? Ich erinnere mich noch sehr gut an Frau Müller und die endlose Geduld, mit der sie uns Kinder damals im turbulenten Erzieher-Alltag gebändigt, motiviert, begleitet und unterstützt hat. Seit 2013 recherchiere ich bei Betzold in Ellwangen für Sie und Frau Müller Wissenswertes und Hilfreiches aus den Bereichen Pädagogik, Bildung und Organisation. 
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