Sobald die Entscheidung gefallen und der Mut aufgebracht ist, einzugestehen, dass der eingeschlagene Berufsweg nicht zum Ziel führt, beginnt die Suche nach einer Alternative.
In unserem Beitrag "Unzufriedenheit mit dem Lehrerberuf: Ist Lehrerin/Lehrer zu sein noch das Richtige für mich?" finden Sie Tipps und Hilfen, die Sie bei dieser schwierigen Entscheidung unterstützen können.
Bevor Sie mit dem Verfassen von Bewerbungen beginnen können, ist aber eine Standortbestimmung nötig:
- Warum hat Sie der Lehrerberuf nicht glücklich gemacht?
- Wo liegen Ihre Stärken, Kompetenzen und Interessen?
- Was könnte aufgrund Ihrer Eigenschaften (sind Sie introvertiert oder extrovertiert, arbeiten Sie lieber zurückgezogen oder präsentieren Sie gern, arbeiten Sie gut in Drucksituationen …) gut zu Ihnen passen?
Um eine zweite Fehlentscheidung zu vermeiden, bieten noch immer Praktika die beste (wenn auch nicht die bestbezahlte) Möglichkeit, einen Eindruck von der Berufspraxis zu gewinnen.
Während Ihres Studiums und Referendariats konnten Sie sich gute Kenntnisse in den studierten Fächern, wissenschaftliches Arbeiten, methodisch-didaktische Kompetenzen und weitere Fähigkeiten und Fertigkeiten aneignen, die Sie als Bewerber konkurrenzfähig machen. Und Sie haben als Lehramtsstudent gelernt, sich schnell auf neue Themen einzustellen, die relevanten Informationen dazu zu beschaffen und diese zu verarbeiten.
Gute Chancen bieten schulnahe Berufe
Die Option in schulnahe Berufe zu wechseln ist interessant, wenn Sie an der Vermittlung von Wissen durchaus Freude hatten, nur die Klientel noch nicht die richtige war (zu große Klassen, Disziplinprobleme, Desinteresse am Unterrichtsstoff, kein Zugang zu Kindern/Jugendlichen …).
Beispiele hierfür sind:
- Stellen an Nachhilfeinstituten
- Kinder- und Hausaufgabenbetreuung
- Sprachschulen bzw. Kurse für Deutsch als Zweit- oder Fremdsprache
- Lehrtätigkeiten an Kliniken/Reha-Zentren
- Lehrtätigkeiten an deutschen Schulen im Ausland
- Weiterbildungen im Bereich der Natur- und Umweltpädagogik
- Weiterbildungen im Bereich der Museumspädagogik
- Sprachlehrerin/-lehrer
- Erziehungs- oder Familienberatungsstellen
- Lerntherapeut/in
In den meisten der genannten Einrichtungen unterrichten Sie kleinere Gruppen, wodurch auch die Zahl von Unterrichtsstörungen und anderen Disziplinschwierigkeiten sinkt.
Schulische Einrichtungen mit alternativen Lehr- und Lernansätzen:
Vielleicht bieten auch die alternativen Lehr- und Lernansätze an Einrichtungen wie Montessori- oder Waldorfschulen den pädagogischen Spielraum, der Ihnen an der öffentlichen Schule gefehlt hat. In der Regel sind hierfür Zusatzqualifikationen erforderlich.
Erwachsenenbildung
Ihre Vermittlungskompetenzen sind auch in der Erwachsenenbildung gefragt. Da sich Erwachsene in der Regel freiwillig für den Unterricht entscheiden, können Sie mit motivierten Schülern rechnen. Wirkungsmöglichkeiten bieten sich z.B. hier:
- Volkshochschulen
- Abendschulen
- den Bildungszentren der Kammern (wie der Handwerkskammer oder der Industrie- und Handelskammer)
Neben Bildungs- und Weiterbildungsangeboten für die Sie durch Ihre Fächerkombination qualifiziert sind, eignen sich Themen wie
- Gesundheit,
- Persönlichkeitsentwicklung,
- Fitness,
- Arbeitstechniken,
- Rhetorik und
- Kommunikation.
Hier können Sie Ihre Fähigkeiten in der Vermittlung mit evtl. nachträglich erworbenen Qualifikationen kombinieren.