Auch Teamgeist und Zugehörigkeitsgefühl sind immer Punkte, die von Pädagoginnen und Pädagogen für die persönlichere Anrede angeführt werden. Im Buch „Deutschland, deine Lehrer“ von Christine Eichel führt Wolfgang Vogelsaenger, Leiter der IGS Göttingen-Geismar, diese Punkte als das an, was seine Schule – immerhin Trägerin des Deutschen Schulpreises 2011 – ausmacht. Dabei nennt er auch das Duzen unter Lehrkräften, Schülerinnen und Schülern, aber auch allen anderen Angestellten, wie Putzkräften und Hausmeister, als wichtige Komponente für das Wir-Gefühl. Wobei das Duzen natürlich nur einen Teil des großen Ganzen und nicht das ganze Erfolgsgeheimnis ausmacht.
Für andere ist das „Du“ wiederum eine Hilfe auf dem Weg zu einem vertrauensvollen und harmonischen Verhältnis zwischen sich und den Schülerinnen und Schülern. Sie bauen darauf, dass es Schülerinnen und Schülern leichter fällt, offener zu sein und sich bei Problemen jemandem anzuvertrauen, mit dem sie per Du sind.
Pro Siezen: respektvoller Umgang und Sachlichkeit
Das „Sie“ muss jedoch kein Hindernisgrund für eine gute und vertrauensvolle Lehrer-Schüler-Beziehung sein: Können wir doch Menschen mögen, die wir siezen – und andere duzen, die uns unsympathisch sind. Genauso wenig verhindert das „Du“ einen Streit und gerade Beschimpfungen funktionieren weit besser in Kombination mit einem „Du“.
Das „Sie“ kann deshalb Ausdruck eines respektvollen Umgangs miteinander sein, der dann mit Erreichen der Oberstufe auch oftmals gegenseitig erfolgt.
Der Wechsel der Anrede ist für viele auch Teil des Reifungsprozesses der Kinder. Dabei ist das „Sie“ zum einen Ausdruck des Respekts gegenüber Erwachsenen, aber auch Anerkennung der Autorität von Lehrerinnen und Lehrer. Ein freundschaftliches Verhältnis ist immer wünschenswert, das „Sie“ hilft den Schülerinnen und Schülern aber zu erkennen, dass letztendlich Sie entscheiden, wie und was getan werden soll.
Vielen Kindern erleichtert das Siezen auch sachlicher zu bleiben und die Bereiche Schule und Privates, die sich besonders in der Grundschule natürlich noch häufig vermischen, besser zu trennen. Germanist Wolfgang Steinig ist zudem der Ansicht, die durch das „Sie“ geschaffene Sachlichkeit bzw. Distanz in der Sprache helfe den Kindern, sich überlegter und deshalb schriftsprachlicher auszudrücken.
Und nicht zuletzt muss das „Sie“ auch geübt werden. Das bedeutet einerseits die Auseinandersetzung mit der zusammenhängenden Grammatik, aber auch die Sensibilisierung gegenüber der richtigen Wahl der Anrede. Ein zu zeitiges „Du“ oder ein Siezen, nachdem man sich bereits geduzt hat, kann den Gegenüber ziemlich vor den Kopf stoßen und nicht selten verärgern.