Lehrer schreibt in Schulplaner
Zeitmanagement
Referendariat
Tipps fürs Ref
Veröffentlichung: 14.03.2024

Gut geplant ist halb gewonnen: Tipps für eine effektive Unterrichtsvorbereitung

In diesem Beitrag möchten wir Ihnen Tipps und Strategien an die Hand geben, wie Sie Ihre Unterrichtsvorbereitung optimieren können und einen erfolgreichen Start ins Lehrerleben schaffen.
Bettina Kroker
Bettina Kroker
Online-Redakteurin

Eine gut strukturierte Unterrichtsplanung ist die Grundlage für gelungene Unterrichtsstunden. Aber sind wir mal ehrlich: Wer jede Stunde so detailliert planen würde wie im Referendariat gelernt, bräuchte 48-Stunden-Tage.

Vor allem zu Beginn fühlen sich viele von dieser Aufgabe überfordert: Welche Schritte sind wichtig und wo kann man Zeit sparen?

Langfristige Unterrichtsplanung: Welche Themen behandle ich dieses Schuljahr?

Keine Sorge, Sie müssen das Rad nicht jedes Jahr neu erfinden! In der Regel gibt es für jedes Fach pro Klassenstufe einen von der Fachschaft erstellten Stoffverteilungsplan bzw. ein Schulcurriculum, an dem Sie sich orientieren können. Er enthält die Vorgaben des Lehr- bzw. Bildungsplans Ihres Bundeslands und orientiert sich häufig an dem verwendeten Lehrwerk. Sollte es an Ihrer Schule keinen Stoffverteilungsplan geben, bieten inzwischen auch Schulbuchverlage Vorlagen für die Jahresplanung an.

Der Stoffverteilungsplan ist ein Planungstool zu Ihrer Orientierung, keine strikte Vorgabe. Wie Sie die Themen anordnen und didaktisch-methodisch aufbereiten, liegt ganz bei Ihnen. 

Abhängig von den Themen und den Fachkolleginnen und -kollegen, kann es aber von Vorteil sein, Unterrichtsthemen parallel zu halten:

  • Abstimmung von Klassenarbeiten (für einen vergleichbaren Leistungsnachweis)
  • Einspringen bei Vertretungsstunden 
  • gemeinsame Bestellungen (z. B. Präparate für Biologie)
  • geteilte Themenvorbereitung (z. B. bei den häufig wechselnden Themen in der gymnasialen Kursstufe)
Tipp

Ein Kalender, in den Sie wichtige Ereignisse (z. B. Ferien, Zeugniskonferenzen, Schulfeste, Exkursionen, Elternabende und Elternsprechtage) eintragen, kann Ihnen die Grobplanung erleichtern.

Themenbezogene Unterrichtsvorbereitung: Wie plane ich die Unterrichtsstunden zu einem Themengebiet?

Das Wichtigste vorweg: Ja, Unterrichtsvorbereitung ist v. a. zu Beginn der Lehrerlaufbahn zeitintensiv.

Aber: Je besser die Basis ist, die Sie jetzt legen, desto weniger Zeit brauchen Sie später!

Referendariat vs. Realität

Im Referendariat haben Sie wahrscheinlich einen Aufbau der Unterrichtsplanung mit verschiedenen Analyse-Phasen (Bedingungsanalyse, Sachanalyse, didaktische Analyse, Mmethodische Analyse) gelernt, die dann in eine detaillierte, schriftliche Verlaufsplanung mündet. In dieser ist dann genau aufgeführt, wie viel Zeit Sie für den Einstieg, die Erarbeitung und die Ergebnissicherung des Themas haben. 

Es ist wichtig, diese Punkte zu kennen und ausführen zu können. Für Ihren eigenverantwortlichen Unterricht nach dem Referendariat, können und müssen Sie diese aber etwas straffen und die Aspekte herausgreifen, die für Ihre persönliche Stundenvorbereitung für Sie und Ihre Lerngruppe individuell wichtig sind und passen. 

Wenn Sie bereits ein gutes Gespür für Ihre Lerngruppe haben, benötigen Sie wahrscheinlich so schnell keinen ausformulierten Verlaufsplan mehr. 

Tipp

Sollten Sie ein schlechtes Gewissen haben, weil Sie Ihre Ansprüche an Ihre Unterrichtsvorbereitung etwas herunterschrauben müssen, hier noch ein wichtiger Hinweis: So ausführlich wie für Sie persönlich nötig, so knapp wie möglich! Es ist komplett unmöglich, Stunden so umfassend zu planen wie im Referendariat. 

3 Insider-Tipps für eine zeitsparende Unterrichtsvorbereitung

Tipp 1:

Achten Sie von Beginn an auf eine gute Ordnerstruktur! Für die Zeit, die Sie später nicht mit Suchen verbringen werden, hat Ihr Zukunfts-Ich sicher eine bessere Verwendung. Und da die Digitalisierung früher oder später alle Schulen erreichen wird, besser gleich digital. Das hat auch den Vorteil, dass Sie leichter Themen ergänzen oder abändern können.

Tipp 2:

Egal, ob Sie der PowerPoint-, Arbeitsblatt- oder Tafelanschriebtyp sind: Wenn Sie ein neues Thema gut durchdenken und erarbeiten (und alles strukturiert ablegen), müssen Sie beim nächsten Mal nur Ihre Vorlagen und Materialien dazu aktualisieren, evtl. einen aktuellen Stundeneinstieg ergänzen, und sind fertig.

Aber was, wenn dazu die Zeit fehlt? Hier kommen Sie zu den Notfall-Tipps.

Tipp 3:

Verlieren Sie sich nicht in Details! Das passiert leicht beim Gestalten von Arbeitsblättern und anderen Materialien. Auch, wenn das Gestalten mit Canva oder dem Worksheetcrafter oft mehr Spaß macht als andere Planungsschritte, müssen Sie lernen, die Zeit effizient zu nutzen. Zu vielen Themen gibt es bereits Vorlagen in Tauschbörsen oder bei Anbietern für Unterrichtsmaterialien, die sie nur etwas überarbeiten müssen. 

Vorbereitung auf eine neue Unterrichtseinheit

Hier stellen wir Ihnen 4 sinnvolle Elemente und Schritte einer Unterrichtsplanung vor. 

1. Machen Sie sich mit dem Thema vertraut

Steht eine neue Unterrichtseinheit an, sollten Sie sich zunächst einlesen und sich einen fachlichen Überblick über das Thema verschaffen (Sachanalyse).

Tipp

Nach dem Referendariat haben viele den Anspruch, sich sehr umfassend mit dem neuen Thema zu befassen. Das ist zeitlich aber kaum zu leisten. Mit Ihrem Fachwissen aus dem Studium und der Einarbeitung mit dem Lehrbuch sind Sie erst mal gut gerüstet. Für die Schülerinnen und Schüler ist ohnehin das „Wie“ viel wichtiger als das „Was“!

2. Anpassung auf das Leistungsniveau der Klasse

Für eine erfolgreiche Unterrichtsstunde müssen Sie Ihre Vorbereitung sowie die Materialien und Methoden an das Leistungsniveau Ihrer Schülerinnen und Schüler anpassen und ggf. differenzieren. Je besser Ihre Kenntnis der Lerngruppe sowie ihren Lernvoraussetzungen, Interessen und individuellen Bedürfnissen ist, und je mehr Erfahrung Sie gewinnen, desto leichter wird Ihnen dieser Schritt fallen. 

Kennen Sie die Klasse noch nicht, kann Ihnen sicher eine Kollegin oder ein Kollege weiterhelfen, der die Schülerinnen und Schüler bereits unterrichtet hat. 

3. Stundenplanung

Mit diesem Wissen können Sie die Unterthemen der Unterrichtseinheit auf die einzelnen Stunden aufteilen. 

Für die Stundenplanung können folgende Fragen helfen: 

  • Wo will ich hin: Was sollen die Schülerinnen und Schüler nach der Stunde wissen/können (Lernziele)?
    • Was sind die wichtigsten Punkte/Lerninhalte?
    • Welche Anforderungen und Kompetenzen muss ich abdecken?
  • Welches Material und welche Medien sind für die Vermittlung sinnvoll?
    • Material/Medien als Impuls
    • Material/Medien zur Erarbeitung des Themas
  • Welche Sozialformen bzw. Unterrichtsmethoden eignen sich?
    Im Betzold Blog stellen wir Ihnen hier verschiedene Unterrichtsmethoden vor.
  • Welcher Einstieg passt zu der Stunde? 
    Infos dazu gibt es im Beitrag „Unterrichtseinstiege – Tipps für einen guten Start“.
  • Wie kann ich das Wissen sichern?
Tipp

Wenn Sie den Stundenablauf nicht in Form einer Präsentation oder Arbeitsblättern gesichert haben, sind Notizen zur Stundenplanung hilfreich. Hier notieren Sie sich grob den geplanten Ablauf der Stunde (z. B. Überlegungen für den Einstieg, Sozialformen, Methoden, Medien).

Falls Sie einmal den Faden verlieren sollten, haben Sie einen Plan, auf den Sie zurückgreifen können.

4. Zeitliche Planung

Unterrichtsstunden verlaufen praktisch nie genau so wie geplant. Hier sind einige Punkte, die Sie für die zeitliche Planung beachten sollten:

  • Es geht fast immer Zeit für Organisatorisches und das Thema Hausaufgaben verloren.
  • Ist die Klasse mit den von Ihnen eingeplanten Methoden vertraut?
  • Wie steht es um das Vorwissen und die Arbeitsbereitschaft der Klasse?
  • Gibt es Schülerinnen und Schüler in der Klasse, die den Unterricht häufig durch Störungen unterbrechen?
Tipp

Wenn Sie noch nicht so erfahren sind, ist der Zeitbedarf nicht leicht einzuschätzen. Planen Sie Pufferzeiten ein, um auf solche Zeitfresser reagieren zu können. Genauso bietet es sich an, etwas mehr vorzubereiten, damit Sie weitermachen können, sollten die Schülerinnen und Schüler schneller vorankommen als gedacht. 

Notfall-Tipps

Lehrerinnen und Lehrer arbeiten gerade am Limit und oft auch darüber hinaus. Wer jetzt neu einsteigt oder fachfremd unterrichten muss, hat oft keine Zeit, sich jedes Thema mit allen Aspekten komplett selbst zu erarbeiten. Und nun?

    • Orientierung am Lehrbuch:

      Natürlich ist das Arbeiten mit dem Buch nicht so innovativ, aber oft durchaus effektiv.

    • Notfallplan für Vertretungsstunden:

      Für den Fall, dass Ihnen Ihre Kolleginnen und Kollegen keine Materialien und Hinweise für die Vertretungsstunde hinterlegen, können Sie sich einen „Notfallkoffer“ mit Ideen anlegen. Im Beitrag „Vertretungsstunden meistern“ finden Sie eine Checkliste mit hilfreichen Infos und Ideen für spontane Vertretungsstunden.

    • Materialien aus dem Internet nutzen:

      Plattformen wie eduki, Lehrerbüro, Zaubereinmaleins, Lehrmittelperlen oder meinUnterricht bieten Materialien an, die Sie für Ihren Unterricht erwerben können. 

      Darüber hinaus gibt es Material bei Tauschbörsen und auf den Bildungsservern der Länder

      Auch die Schulbuchverlage bieten inzwischen digitale Materialien passend zum Lehrbuch an, auf die Sie zugreifen können.

    • Künstliche Intelligenz (KI):

      Mit ChatGPT, Gemini und Co. können Sie bei der Unterrichtsplanung Zeit sparen, indem Sie sich eine Gliederung für Ihr Thema erstellen lassen! Nennen Sie dem Chatbot dazu die Dauer der Stunde, das Alter der Schülerinnen und Schüler, Fach und Thema. Wahrscheinlich ist die Gliederung nicht perfekt, aber als Inspirationsquelle durchaus geeignet. Gliederungspunkte, die Ihnen zusagen, können Sie weiter verfeinern, um das Ergebnis zu verbessern. 

      Das Tool eignet sich auch gut zur Differenzierung von Aufgaben. Mehr dazu erfahren Sie im Beitrag „Wie Sie ChatGPT im Unterricht und als Helfer im Schulalltag einsetzen können“.
    • Schwellenpädagogik:

      Eigentlich der Worst Case: Sie schaffen es erst beim Übertreten der Türschwelle zum Klassenzimmer, an die Stundenplanung zu denken. 



Quellen

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Seit 2014 arbeite ich bei Betzold in Ellwangen als Online-Redakteurin. Im Betzold-Blog möchte ich Lehrerinnen und Lehrern den ein oder anderen Tipp weitergeben, der den Schulalltag erleichtert und Zeit spart. Da ich stets auf der Suche nach neuen, interessanten Blog-Themen bin, freue ich mich immer über Ihre Anregungen: