Erkärender Lehrer
Tipps fürs Ref
Veröffentlichung: 26.02.2026

Den eigenen Unterricht reflektieren: Reflexionsmethoden für den Unterrichtsbesuch

Der Unterrichtsbesuch ist vorbei, aber nun wartet noch die Nachbesprechung auf Sie. Und schon startet das Gedankenkarussell: War der Einstieg klar? Habe ich zu viel erklärt? Warum hat Aufgabe 3 nicht funktioniert? In diesem Beitrag finden Sie 5 Reflexionsmethoden für den Unterrichtsbesuch, die sich realistisch in Ihren Referendariatsalltag integrieren lassen.
Bettina Kroker
Bettina Kroker
Online-Redakteurin
© Antonio Diaz / Fotolia.com 

3 Tipps vorweg

  1. Überlegen Sie schon im Vorfeld, welche Reflexionsmethode Sie einsetzen möchten. So können Sie die Vorbereitungszeit vor der Nachbesprechung effektiv nutzen. 
  2. Reden Sie sich und Ihre Stunde nicht schlecht! Natürlich müssen Punkte, die nicht so gut gelaufen sind, benannt werden, aber vergessen Sie dabei nicht die positiven Aspekte
  3. Bevor Sie mit der Reflexion starten, sollten Sie kurz erläutern, welche Methode Sie dabei verwenden und wie diese aufgebaut ist. 

3-Fragen-Reflexion

Um direkt nach Ende der Stunde schnell die eigenen Eindrücke zu sortieren und erste Verbesserungsansätze zu erkennen, hilft die 3-Fragen-Reflexion.

Dazu beantworten Sie sich direkt nach der Stunde diese drei Fragen:

  • Was lief gut?
  • Was lief nicht wie geplant?
  • Was würde ich beim nächsten Mal anders machen?
Tipp

Notieren Sie pro Punkt maximal drei Stichworte. So bleibt der Fokus klar und das Feedback leicht auswertbar.

Persönliche Blitzlicht-Reflexion

Die Blitzlicht-Methode ist im Unterricht bereits eine bewährte Form, um schnell ein kurzes Feedback von den Schülerinnen und Schülern einzuholen. Doch im Referendariat kann es auch für Sie selbst nützlich sein: Lassen Sie direkt nach dem Unterrichtsbesuch kurz Ihren eindrücklichsten Gedanken zum Unterricht aufblitzen und formulieren ihn als Satz. Zum Beispiel:

„Mit dem Einstieg war ich zufrieden, beim Zeitmanagement muss ich noch an mir arbeiten.“

Dieses persönliche Blitzlicht ist ideal, um den Unterrichtsbesuch kurz auf den Punkt zu bringen und direkt ins Gespräch einzusteigen.

Info

Diese zwei Methoden sind ideal, um eine erste Orientierung für die Nachbesprechung zu erhalten. Die folgenden drei Methoden unterstützen bei einer ausführlicheren Analyse des Unterrichts.

ZIMT-Methode

Mit der ZIMT-Methode gehen Sie die wichtigsten Punkte des Unterrichtsbesuchs Schritt für Schritt durch. Sie ist wie ein Leitfaden, der Ihnen hilft, bei Nervosität nicht den Überblick zu verlieren.

ZIMT steht dabei für: 

  • Z – Ziel:
    Welche Ziele hatte die Stunde? Worauf lag Ihr inhaltlicher oder didaktischer Schwerpunkt? Wurden die Ziele erreicht? Wenn nicht: warum nicht?
  • I – Inhalt:
    Welche Inhalte wurden bearbeitet? Mussten Sie Inhalte kürzen? Wie kamen die Schülerinnen und Schüler mit den Inhalten zurecht? 
  • M – Methode:
    Welche Methoden und Medien haben Sie eingesetzt? Waren sie geeignet, um das Ziel zu erreichen und die Lerngruppe zu aktivieren? Gab es alternative Methoden?
  • T – Time (Zeitmanagement):
    Wie bewerten Sie Ihr Zeitmanagement? Wo war die Zeit zu knapp, wo zu viel? War eine didaktische Reduktion nötig? Was würden Sie beibehalten oder verändern?

Leitfragen-Methode

Auch feste Leitfragen können Ihnen helfen, den Unterricht strukturiert durchzugehen und zu reflektieren. Eine solche Liste verhindert auch, dass Sie sich nur auf einzelne Punkte fixieren.

Typische Bereiche für Leitfragen sind:

  • Unterrichtsphasen und Übergänge: 
    • War der Einstieg verständlich und motivierend?
    • Wurden die Übergänge zwischen den Phasen flüssig gestaltet?
    • Gab es Unruhe beim Wechsel der Phasen?
    • Wurde das Erarbeitete klar zusammengefasst und gesichert?
    • Gab es Möglichkeiten, das Verständnis der Lernenden zu kontrollieren? 
    • Wurde deutlich, wie das Gelernte in anderen Kontexten angewendet werden kann (Transfer)?
  • Lerngruppe und Aktivierung: 
    • Waren die Schülerinnen und Schüler ausreichend beteiligt?
    • Wurden unterschiedliche Leistungsniveaus und Lerntempi berücksichtigt?
    • Gab es eine angemessene Differenzierung?
    • Wie beurteile ich die Lernatmosphäre und die Stimmung der Lerngruppe?
    • Habe ich auf Signale der Lernenden (z. B. Unklarheiten, Langeweile, Engagement) angemessen reagiert?
  • Zeitmanagement: 
    • Habe ich die geplanten Phasen realistisch eingeschätzt? 
    • Gab es Phasen, die mehr Zeit als geplant in Anspruch nahmen?
    • Wo und warum gab es Abweichungen?
    • Wie bin ich damit umgegangen und hätte es Alternativen gegeben?
  • Methoden und Medien:
    • Welche Methoden und Medien wurden eingesetzt?
    • Waren die eingesetzten Methoden und Medien passend zum Lernziel und zur Lerngruppe?
    • Gab es alternative Methoden?
    • Gab es Möglichkeiten zur Selbstkontrolle?
  • Lehrerverhalten und Lehrerpersönlichkeit:
    • Habe ich Arbeitsaufträge und Erklärungen klar und verständlich vermittelt?
    • War meine Kommunikation klar, motivierend und angemessen für die Alters- und Leistungsstufe?
    • Habe ich individuell auf Lernende reagiert und Hilfestellungen angeboten?
    • Wie habe ich auf Störungen, Unruhe oder Fragen reagiert? 
    • Welche Verhaltensweisen möchte ich beibehalten, welche anpassen?
  • Ziele und Inhalt: 
    • Was waren meine Ziele, waren diese transparent und wurden sie erreicht?
    • Falls nicht, warum nicht?
    • Waren die Inhalte auf die Lernziele abgestimmt?
    • Baute der Unterricht inhaltlich sinnvoll aufeinander auf und gab es einen roten Faden?
    • Wurde das neue Wissen sinnvoll mit vorhandenem Wissen oder Alltagserfahrungen verknüpft?
    • Konnten die Schülerinnen und Schüler am Ende der Stunde die Kerninhalte verstehen und anwenden?

Zielscheiben-Methode

Mithilfe der Zielscheiben-Reflexion erhalten Sie auf einen Blick ein Profil, das zeigt, in welchen Bereichen Sie sich selbst als stark einschätzen und in welchen Bereichen Entwicklungsbedarf besteht.

Die Zielscheibe mit den relevanten Themenfeldern können Sie bereits zu Hause vorbereiten. So kann sie nach dem Unterrichtsbesuch schnell ausgefüllt werden. Wenn Ihre Ausbilderinnen und Ausbilder möchten, können sie ihre Eindrücke mit anderen Farben markieren. So erhalten Sie eine Visualisierung Ihrer eigenen Bewertung und der Ihrer Ausbilderinnen und Ausbilder.

So funktioniert die Methode:

Sie zeichnen eine Zielscheibe mit 4 - 5 konzentrischen Kreisen.

  • Mitte: sehr gut gelungen
  • 2. Ring: gut gelungen
  • 3. Ring: in Ordnung
  • 4. Ring: Verbesserungsbedarf
  • 5. Ring: deutlicher Verbesserungsbedarf

Schritt 1: Teilen Sie die Zielscheibe in Bereiche Ihrer Wahl ein. 4 - 6 sind ausreichend, sonst wird es zu unübersichtlich.

Mögliche Themenfelder: Ziele erreicht, Schülerinnen- bzw. Schüleraktivierung, Arbeitsaufträge, Medien/Methoden, Differenzierung, Klassenführung, Zeitmanagement

Schritt 2: Tragen Sie jedes Kriterium durch einen Punkt dort ein, wo Sie es selbst verorten würden. Je näher an der Mitte, desto zufriedener sind Sie mit diesem Aspekt der Stunde.

Schritt 3: Notieren Sie zu ein oder zwei Punkten stichwortartig:

  • Warum liegt dieser Aspekt dort?
  • Was hat konkret gut funktioniert oder gefehlt?

Schritt 4: Entwicklungsziel ableiten

Wählen Sie einen Punkt außerhalb der Mitte und formulieren Sie daraus ein konkretes Ziel, z. B.: „Beim nächsten Unterrichtsbesuch möchte ich die Übergänge klarer strukturieren und mehr Zeit für die Sicherung einplanen.“

Hier haben wir eine Zielscheibe für Sie zum Ausdrucken vorbereitet. 

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Bettina Kroker
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Seit 2014 arbeite ich bei Betzold in Ellwangen als Online-Redakteurin. Im Betzold-Blog möchte ich Lehrerinnen und Lehrern den ein oder anderen Tipp weitergeben, der den Schulalltag erleichtert und Zeit spart. Da ich stets auf der Suche nach neuen, interessanten Blog-Themen bin, freue ich mich immer über Ihre Anregungen: