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Start ins Referendariat

Referendariat Lehramt: Den Sprung ins kalte Wasser meistern

10 Tipps für eine gelingende Zeit im Referendariat

Gastbeitrag von Daniel Brenner

Ein wiederkehrendes Auf und Ab, oftmals kleiner und größer zu bewältigende Hügel, je nach Schulart in der Regel 7 – 10 Semester lang. Die fachdidaktische Ausbildung und so manche damit einhergehende Berg- und Talfahrt hinter sich gebracht und das Staatsexamen abgelegt, wartet es nun – das Referendariat.

Für manche ist es jedoch längst kein Hügel mehr, sondern ein unübersichtliches Bergmassiv mit einer Vielzahl an zu beachtenden Rechten und Pflichten. Oftmals nicht zu Unrecht  im Ruf, leicht zur unangenehmsten Zeit des gesamten Berufslebens eines Pädagogen zu avisieren.

Viele erleben die Zeit als Referendar nach abgeschlossenem Studium nicht nur als einen weiteren Schritt ins Berufsleben, sondern zeichnen ein Bild der permanenten Überforderung, auf die sie die universitäre Ausbildung keineswegs vorbereitet hat.

Um diesen scheinbar nur schwer zu erklimmenden Berg „Referendariat“ zu meistern, möchte ich hier hilfreiche Anregungen geben, die einem nicht nur erste Gehversuche im Unterricht, sondern auch das Leben insgesamt in dieser besonderen Zeit etwas erleichtern mögen.

1. „Kleider machen Lehrer“ – Der passende Kleidungsstil

Der Kleidungsstil eines jeden Referendars ist von unbedingter Relevanz für die Akzeptanz innerhalb der Schule. Schüler schätzen Lehrer, die sie noch nicht kennen, gerne über das Äußere ein – und schließen nicht selten auf andere (z. B. didaktische) Eigenschaften. Studien belegen häufig, dass Menschen völlig unbewusst einer angemessen gekleideten Person auf Anhieb mehr Sachkompetenz zusprechen, als einer Person, die sich ungepflegt und nachlässig kleidet.

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Zu lässig oder zu schick? Die Wahl der passenden Kleidung ist im Referendariat gar nicht so einfach, © Fotolia.com / janvier

Was aber bedeutet nun angemessene Kleidung?

  • Ein Referendar im Anzug oder die Referendarin im Business-Look mit Rock und Bluse? Dies ist sicher nicht das passende Outfit für Lehramtsanwärter und wirkt zudem overdressed und unnötig überzogen.
  • Sakko und Blazer? Gehört meistens zur Garderobe der Rektoren und Chefs, deshalb nur zu bestimmten Anlässen zu empfehlen.
  • Jeans und ein unifarbenes Hemd bzw. Bluse? Wirkt stilvoll angemessen und für den Schulalltag als die genau richtige Mitte. Wichtig ist hierbei jedoch keine Geschmacklosigkeit, sondern ein korrekter und gepflegter Stil, der modern sein kann, sich jedoch klar von den Schülern abgrenzen muss.
  • Freizeitlook, gammelige Pullover oder zerrissene Jeans? Setzt sich mit einem schlimmen Eigentor gleich. Schüler entwickeln nur Respekt und Anerkennung für eine Person, über deren Stil sie sich nicht immer auslassen werden.

Man merkt schnell, dass es nicht die leichteste Aufgabe ist, sich passend und angemessen zu kleiden. Damit kein Bad im Fettnäpfchen resultiert, empfiehlt sich ein Kleidungsstil der goldenen Mitte zu wählen.

Kleidung ist ein Wohlfühlfaktor und andere merken schnell, wenn sich jemand in eine Garderobe zwingt, die aufgesetzt ist und künstlich erscheint.

Noch ein weiterer Tipp, der gerne und schnell in Vergessenheit gerät: Kombinieren und wechseln Sie Kleidung und Schuhe. Jeder kennt das vernichtende Urteil eines Schülers über einen Lehrer, „der seit vierundzwanzig Jahren den gleichen grau-grün karierten Pullover trägt“.

Noch mehr Infos zum Thema gibt’s in unserem Beitrag „Lehrerkleidung – Machen Kleider Lehrer?“.

2. Die Kunst der Natürlichkeit – Authentizität & Sympathie

Nicht nur die pädagogische Garderobe sollte keine Verkleidung, auch das Auftreten sollte authentisch und  nicht gespielt sein.

Alles Künstliche wirkt aufgesetzt und schadet der eigenen Reputation. Das reicht vom Kleidungstil bis hin zum Sprachstil. Etwas Dialekt ist kein Beinbruch und kann durchaus sympathisch sein, er sollte jedoch in Maßen praktiziert werden, da sonst unnötig Verwirrung entsteht. Im Gegenzug ist auch ein aufgesetztes Hochdeutsch keine gute Alternative, da dies schnell künstlich und unprofessionell wirken kann.

Für den Umgang mit Vorgesetzten, wie beispielsweise der Schulleitung, gibt es kein pauschalisiertes Rezept, hier zählt Empathie und Menschenkenntnis. Er sollte jedoch stets höflich und respektvoll sein. Gewinnbringende zusätzliche Eigenschaften für einen guten Vorbereitungsdienst für das Lehramt sind Freundlichkeit, Offenheit, Engagement, Kreativität und Teamfähigkeit.

3. „Ordnung ist das halbe Leben …“ – Organisation & Zeitmanagement

Um zwischen Stundenvorbereitungen, Seminaren, Lehrproben und Korrekturen den Überblick zu behalten, ist es für den angehenden Lehrer überlebenswichtig, sich um seine Organisation und sein Zeitmanagement nicht nur zu kümmern, sondern es auch zu optimieren.

„Ordnung ist das halbe Leben, ich lebe in der anderen Hälfte“, ein gerne modifizierter Satz der bekannten Weisheit, ist hier der falsche Leitspruch. Denn Ordnung ist für den Lehrerschreibtisch und gegebenenfalls den Lehrercomputer (mit Taskmanagern und  Tools wie Evernote oder Wunderlist) von großer Bedeutung.

Das Arbeitszimmer aufzuräumen hilft, Dinge schneller zu finden und für Vorbereitungen schneller griffbereit zu haben, was wiederum Zeit spart. Eine klare Strukturierung der digitalen Ablage des Arbeitscomputers soll der Ablage Ihres Arbeitszimmers ähneln. Kryptische Abkürzungen sowie unnötige Verzweigungen vermeiden Sie besser.

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Gerade für Lehrerinnen und Lehrer ist es als begeisterte Jäger und Sammler gar nicht so einfach, Ordnung zu schaffen, © Depositphotos.com .com / londondeposit

Wer nun gleich mit dem Ordnung schaffen beginnen möchte, findet viele hilfreiche Tipps im Blog-Beitrag „Wie Sie dem Chaos auf dem Schreibtisch den Kampf ansagen“.

4. „Ich wollte nur ganz kurz …“ – Zeitfresser ausschalten

Egal, ob sich der redselige Kollege nur ganz kurz über die Klasse austauschen, der Schulleiter nur rasch ein wichtiges Thema besprechen oder ein besorgter Schülerelternteil nur „eine Minute“ über den neusten Stand der Lernbereitschaft Ihres Sohnes informiert werden möchte.

Vermeiden Sie Zeitfresser, denn schnell sind wertvolle Stunden, die Sie für andere und wichtigere Dinge eingeplant hatten, im Sand verlaufen. Schaffen Sie sich für andere Anliegen separate Zeiten, in welchen sich dann unwichtigere und aufgeschobene Themen besprechen lassen.

5. Abschalten … – Feierabend & Entspannung

Im Referendariat ist man oft zu perfektionistisch. Es ist aber für den eigenen Lernprozess überhaupt nicht unwichtig, Fehler zu begehen, aus denen man nachhaltig lernen kann – was natürlich nicht für die Lehrprobe gilt 😉

Damit ein richtiges Abschalten und ein entspannter Feierabend tatsächlich möglich sind, kann man gerne auch einmal auf Arbeitsblätter oder Unterrichtsentwürfe von Kollegen zurückgreifen oder in einer Unterrichtsstunde, gerade auch im Referendariat, Spielraum für Spontanität und kleinere (Zeit-)Experimente einräumen – wobei trotzt allem Feierabends auch für eine normale Unterrichtsstunde eine geordnete Struktur und eine sehr gute Unterrichtsvorbereitung gewährleistet sein muss.

Nehmen Sie sich auch einmal Zeit für sich und vermerken Sie diese Phasen fest in ihrem Terminkalender, um ihre Einhaltung zu gewährleisten. Kreieren Sie beim Laufen, bei anderen Sportarten, beim Lesen eines Buches oder beim Freunde treffen nebenbei neue Ideen und bekommen Sie den Kopf frei – Sie brauchen ihn noch einige Jahre.

Lehrer|Schüler – Die Bildungsdienstleister bietet Lehramtsstudenten, Referendaren für ein Lehramt und Quereinsteigern in den Lehrerberuf Orientierung für den zweiten Teil der Lehrerbildung sowie Unterstützung während der prägenden Zeit des Referendariats.
Das Beratungsangebot „Hilfe im Referendariat für Lehrer“ wird individuell auf die persönlichen Bedürfnisse der angehenden Lehrkräfte ausgerichtet und kann entweder als dauerhafte Assistenz während der Ausbildung zum Lehrer gebucht werden oder auch nur für einzelne Phasen besonders hoher Belastung, beispielsweise als Unterstützung während der Vorbereitung auf Lehrproben und Unterrichtsbesuchen, zur Betreuung während der Zulassungsarbeit oder als Coaching für die mündlichen Prüfungen im Rahmen des Zweiten Staatsexamens. Alle Berater sind professionelle Lehrkräfte mit langjähriger praktischer Erfahrung.

6. Kommunikation dient …

Interne und externe Kommunikation ist sehr wichtig. Sprechen Sie mit ihren Referendar- und Lehrerkollegen, um Tipps und Anregungen auszutauschen, Unsicherheiten abzuschalten oder nützliches Unterrichtsmaterial zu erhalten. Vergessen Sie aber nicht, auch mit Personen zu kommunizieren, die nichts mit dem Referendariat zu tun haben,  denn auch diese können wertvolle Alltagstipps zur Verfügung stellen oder einfach nur mal Ihre Gedanken zerstreuen.

Checkliste: Neu an der Schule

Ihre Kolleginnen und Kollegen stehen Ihnen sicher gern mit Rat und Tat zur Seite © Fotolia.com / contrastwerkstatt

7. Gewinnbringend beobachten … – Die Hospitation

Unterrichtshospitationen sind ein Hauptpfeiler des Referendariats, welche einen guten Perspektivenwechsel ermöglichen. Dies bedeutet, dass Sie die Schule als Lebensraum und als Bildungsinstitution nicht mehr aus den Augen eines Schülers, sondern mit den Augen einer zukünftigen Lehrkraft einnehmen.

Es gilt, weiterhin offene Fragen zur Lehrerpersönlichkeit und -tätigkeit zu klären, welche die Vielschichtigkeit des Lehrerberufs, die persönliche Eignung, die zu erwartenden Belastungen und die gruppendynamischen Prozesse eines Klassenverbunds betreffen. Bei der Vorbereitung auf erste Hospitationsstunden kann es nützlich sein, dass Sie sich Merkmale notieren, die für Sie persönlich maßgebend sind, wie aus einem alltäglichen Unterricht ein guter Unterricht wird. Nach einigen Besuchen wird es wichtig, dass Sie Mitreferendare oder erfahrene Kollegen bei sich selbst hospitieren lassen, von welchen Sie nützliche Kritik oder Anregungen und Verbesserungsvorschläge erhalten, die wiederum in nachfolgenden Unterrichtsstunden eingebaut werden können.

Wie Sie Ihre Hospitationsstunden effektiv nutzen, erfahren Sie in unserem Beitrag „Hospitieren bei Kolleginnen und Kollegen“.

8. Erfolgreich Umsetzen … – Der eigene Unterrichtsbesuch

Bestenfalls tritt der Fall ein, dass Sie sich in der Lehrprobe die Klasse aussuchen können, bei der Sie bereits hospitiert oder selbst auch schon einige Unterrichtsversuche durchgeführt haben. Sie und die Klasse kennen sich bereits, sie arbeiten gut zusammen und mögen sich.

Idealerweise erklären Sie den Schülern die Bedeutung dieser Stunde, so werden diese auch gewillt sein, den Unterrichtsbesuch aktiv mitzugestalten. Eine kleine „Bestechung“ in Form eines Kuchens oder von Süßigkeiten werden Ihnen die Schüler jedoch in keiner Weise übel nehmen. Da Sie Ihre Unterrichtsstunde anschließend auch reflektieren und darstellen müssen, bietet es sich an, diese ca. zehnminütige Stellungnahme anhand von Argumenten und gut durchdachten Antworten vorzubereiten.

9.    Bevor es zu spät ist … – Wechselgedanken

Falls Sie der unglückliche Umstand trifft und es dauerhaft Probleme mit Ihren Mentoren, Tutoren  oder Klassen gibt, sprechen Sie diese Themen unbedingt rechtzeitig an. Vermittler können hierbei Ihre Seminarleiter, Vertrauenslehrer oder die Schulleitung sein. Machen Sie sich bewusst – Sie sind für Ihr Referendariat und Ihre damit verbundenen Chancen auf eine Einstellung selbst verantwortlich, also lieber frühzeitig Handeln!

10.    Wenn’s um Geld geht … – Rechte, Steuern, Finanzen und Versicherungen

Zu Beginn des Referendariats ist der Kopf voll von organisatorischen Dingen aller Art. Trotzdem vergisst man leicht Themen, die innerhalb und außerhalb der Schule von essentieller Bedeutung sind. Hier finden Sie Antworten und Links auf die wichtigsten Fragen rund um Rechte, Steuern, Finanzen und Versicherungen im Referendariat.

 

Der Gastautor Daniel Brenner

Daniel, 26, Student im 9. Semester des Studiengangs Lehramt Gymnasium in der Fächerkombination Deutsch, Geschichte/Gemeinschaftskunde an der Universität Augsburg. Erste Gehversuche als Autor und Redaktionsmitglied der internen Hauszeitung während einer Berufsausbildung zum Bankkaufmann und einigen Einträgen in privaten Blogs zum Thema Lehramt, Studium und Vorbereitungsdienst.

 

2 Kommentar

  1. Euer Betzold Blog-Team

    Das freut uns sehr!
    Zum Glück sind ja auch viele interaktive Whiteboards magnetisch, so dass Magnete bestimmt nicht so schnell aus der Mode kommen 🙂

  2. Hallo Frau Kroker und Herr Brenner,

    ich bin über diesen Artikel gestoßen und schon beim Überfliegen merkte ich schon, dass dieser Artikel wirklich Substanz hat. Ich habe schon oft angeblich wertvolle Tipps durchgelesen, die sich am Ende als nutzlos erwiesen haben. Hier jedoch nicht! Nach dem ich den Artikel komplett gelesen habe, wurde meine Meinung nur bekräftigt. Sehr gelungene Arbeit!

    Denn in der Anfangsphase des Referendariat ist man schon sehr nervös und versucht von Beginn alles richtig zu machen. Seien wir mal ehrlich! Ich glaube, dass wir alle am Anfang so gefühlt haben. Zu oft steht uns unser Perfektionismus im Weg, zu oft verlieren wir Zeit für die wirklich wichtigen Dinge. Man muss sich diese Tipps auch wirklich zu Herzen nehmen. Denn ein Tipp kann noch so gut sein, wenn man ihn nicht anwendet, bringt das nichts, oder?

    Ich weiß noch, dass ich zu meiner Zeit sehr viel Zeit in Organisation und Vorbereitung gesteckt habe, da ich wie schon erwähnt habe viele Fehler vermeiden wollte. Am Ende hat es mir auch sehr geholfen, da ich beruhigter in den Unterricht starten konnte. Ich erinnere mich auch noch daran, dass ich viel mit der Tafel gearbeitet habe. Heutzutage sind Smart Boards sehr beliebt. Auf jeden Fall habe ich Plakate an die Tafel geklebt oder mittels Magnetfolien Sachen angebracht. Aber auch im Laufe der Zeit ändern sich solche Geschichten.

    Also: vielen Dank für den Artikel und liebste Grüße!

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