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Lehrerkleidung
Hat die Kleiderwahl Einfluss auf den Unterricht?

Textilkompetenz: Die „Gos“ und „No-Gos“ der Lehrerkleidung

Machen Kleider Lehrer?

Morgens vor dem Kleiderschank hat wohl schon manche Lehrerin und mancher Lehrer Piloten, Ärzte oder Maler um ihre Berufskleidung beneidet.

Besonders am Beginn der Lehramtskarriere, im Referendariat und in der ersten Zeit an einer neuen Schule packt nicht nur die weiblichen Kolleginnen der „Dresscode-Stress“!

In den Reihen der Schülerschaft, aber auch im Kollegium, verbirgt sich ja schon mal der ein oder andere strenge Stilkritiker. Aber es ist nicht nur die Sorge, Opfer dieser einzelnen (mal mehr, mal weniger offenen) Sticheleien zu werden:

Immer wieder liest man, dass wir über unsere Kleidung nonverbale Botschaften senden. Durch die Wahl unserer Garderobe kommunizieren wir (gewollt oder nicht) ein bestimmtes Bild von uns.
Das hat schon der Schweizer Dichter Gottfried Keller Ende des 19. Jahrhunderts in seiner Novelle „Kleider machen Leute“ zu Papier gebracht.

Aber machen Kleider auch (gute) Lehrer?

Des Lehrers neue Kleider

Frisch an der neuen Arbeitsstelle machen sich viele Gedanken darüber, ob sie gerade wirklich das Passende aus dem Schrank ziehen. Die meisten orientieren sich dann am Stil der Kolleginnen und Kollegen.
Das klappt für Anfänger im Lehrberuf aber leider nicht! Denn so etwas wie einen einheitlichen Kleidungsstil gibt es in den wenigsten Lehrerzimmern.

Überwiegend ist diese Freiheit sicherlich ein Glück – in Ausnahmefällen kann man sich darüber vielleicht auch streiten …

Hier treffen Krawatten und Kostüme auf Sportanzüge (wenn es nach der Sportstunde nicht fürs Umziehen gereicht hat). Dazwischen ist ebenfalls alles vertreten. Und nun?

Lehrerkleidung

Machen Kleider (gute) Lehrer? Quelle: Betzold

Die beliebten Ratschläge: „Bleib deinem Stil treu“ und „Zieh nur das an, worin du dich wohlfühlst“ helfen auch nicht wirklich über die Unsicherheiten hinweg. Dass man sich vielleicht in seiner in Form gesessenen Jogginghose sehr wohlfühlt, aber sie nicht im Unterricht trägt, versteht sich von selbst.

Die Schwierigkeit für Sie als Lehrerperson ist eher, durch die Kleidung das richtige Maß an Nähe und Distanz zu den Schülern auszudrücken.

Es gilt also etwas zu finden, das sich von der gerade angesagten Kleidung Ihrer Schüler unterscheidet (wer will von den neuen Kollegen schon für einen Schüler gehalten werden – bei den Jugendlichen selbst wirkt das auch eher anbiedernd als cool), aber dennoch keine unüberwindbare textile Kluft schafft (Lehrer Lämpels fracksteife Zeiten sind glücklicherweise vorbei ;-) ).

In Anlehnung an die oben genannten Ratschläge sollte aber gelten: „Verbiegen Sie sich nicht und tragen Sie nichts, worin Sie sich unwohl fühlen!“. Denn wer ständig über die Wirkung seiner Kleidung nachdenkt, weil es hier und da zwickt oder man sich irgendwie kostümiert fühlt, hinterlässt bei den Schülern kaum einen souveränen Eindruck. Dann doch lieber das etwas in die Jahre gekommene T-Shirt mit großer Selbstverständlichkeit tragen.

Textilkompetenz: Die „Gos“ und „No-Gos“ der Lehrerkleidung

Es gibt allerdings schon ein paar Dinge, die man als modisches „No-Go“ bezeichnen kann.

Dazu zählen:

  • bauchfreie Oberteile,
  • transparente Textilien,
  • Hosen, die einen Blick auf die Unterwäsche erlauben (was auch manche Schüler beachten sollten …),
  • löchrige und ungewaschene Kleidung.

Die Krawattennote

Ein Sonderfall ist das Referendariat. Hier stehen Sie unter Beobachtung von Leuten, die Sie benoten müssen. Während dieser Zeit (sollte zwar nicht, aber) kann auch Ihre Kleidungswahl Einfluss auf die Notengebung nehmen.

In die Bewertung des Zweiten Staatsexamens fließen auf Grundlage der Einschätzungen Ihrer Fachseminarleiter und eines Schulgutachtens Noten für Ihre Unterrichtskompetenz, erzieherische Kompetenz und Handlungs- und Sachkompetenz ein. Diese Noten sind selten transparent und stehen bei Referendarinnen und Referendaren immer wieder in Verdacht, nicht objektiv zu sein.

Manch einer vermutet z.B., dass es der Fachseminarleiter lieber gesehen hätte, wenn eine Krawatte den Hals geschmückt hätte und die Chucks stattdessen zuhause geblieben wären. Viele gehen die Kleiderwahl in dieser Zeit deshalb etwas konservativer an. Aber: Sie müssen nicht schicker sein als Ihr Chef ;)

Trotz der umgangssprachlichen Bezeichnung dieser Notenkombination ist die Krawatte unserer Meinung doch recht „old school“!

Liegt die Zeit der Prüfungen hinter Ihnen, sollten Ihnen diese Konsequenzen bei der Wahl des Gewands doch bewusst sein: Vollkommen aus der Mode gekommene, extravagante oder zu legere Kleidung bietet den Schülern eine meist gern genutzte Angriffsfläche. Wenn Sie auf einen textilbezogenen Spitznamen und „lustige“ Kleidungsanekdoten in der Abschlusszeitung verzichten können, sollten Sie die Finger davon lassen.

Im Bankerlook mit Anzug und Kostüm sind Sie im Schulalltag andererseits aber an den meisten Schulen etwas overdressed. Sakko und Blazer zur Jeans sind okay. Bluse/Hemd, Pullover oder Top zur Jeans, Stoffhose oder Rock bilden die goldene Mitte. Hauptsache gepflegt, nicht zu freizügig oder gammlig.

Und Achtung: Wenn Sie dazu neigen, Kreidestaub an der Kleidung abzuwischen, besser wenig Schwarz tragen!

In der Schweiz sieht man die Sache noch strenger. Dort suchen manche Schulen bereits Rat bei Stilberatern und folgen einem Kleidercodex, der von der Frisur bis zum Schuhwerk alles regelt. Fusselige Strickjacken und Kapuzenjacken stehen dort auf dem Index – auf Strafen bei modischen Verstößen wird jedoch (noch) verzichtet …

Hat Kleidung einen Einfluss auf den Unterricht?

Wie auch immer Sie sich für die Schule anziehen, Kleidung macht keine bessere oder schlechtere Lehrkraft aus Ihnen – möglicherweise machen Sie es sich durch einen nachlässigen oder zu auffälligen Stil aber unnötig schwer.

Die Kleidung bestimmt nun mal das erste Bild, das andere von uns haben. Überlegen Sie sich, ob Sie damit so souverän und authentisch umgehen können, dass die Schüler Ihre Autorität nicht in Frage stellen.

Dagegen kann auch die perfekte Kleidung fehlende Motivation und pädagogische Defizite nicht vor Schülern und dem Kollegium verbergen.

Welche Erfahrungen haben Sie gemacht und was würden Sie den „Neuen“ im Schuldienst raten? Hat der Kleidungsstil Einfluss auf das allgemeine Lernklima und den Respekt, den die Schüler ihren Lehrerinnen und Lehrern entgegenbringen, oder ist der Effekt zu vernachlässigen? Vielleicht rückt dieses Thema irgendwann in den Fokus der Wissenschaft und macht uns alle klüger.

 

 

Über Bettina Kroker

Seit 2014 arbeite ich bei Betzold in Ellwangen als Online-Redakteurin. Im Betzold-Blog möchte ich Lehrerinnen und Lehrern den ein oder anderen Tipp weitergeben, der den Schulalltag erleichtert und Zeit spart. Da ich stets auf der Suche nach neuen, interessanten Blog-Themen bin, freue ich mich immer über Ihre Vorschläge: blog@betzold.de.

Ein Kommentar

  1. Mir fällt es schon schwer die passende Kleidung fûr die Schule zu finden, denn ich glaube mein persönlicher Freizeitlook ist nicht so geeignet.
    Ich trage zu 70% schwarze Klamotten und an 8 von 10 Tagen Kapuzenpullis.
    Ich bin noch in der akademischen Ausbildung und mache aktuell ein sprachheilpädagigisches Praktikum an einer Grundschule.
    Vorab habe ich mir einige Gedanken zu meiner Kleidung gemacht und werde mich weiterhin damit beschäftigen und mir schultaugliche Kleidung zulegen (müssen).

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