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Schülerwünsche

Schülerwünsche

Was Lehrer besser machen könnten – Die Sicht eines Schülers

Gastbeitrag von Nourian Wasella

Mein Name ist Nourian Wasella und ich habe dieses Jahr die 11. Klasse am Gymnasium abgeschlossen. Bei meinem Ferienjob bei Betzold hatte ich die Aufgabe, mir mal ein paar Gedanken darüber zu machen, was ich mir als Schüler von Lehrern wünschen würde!

Interessant ist, dass dies eine Frage ist, die am häufigsten von Lehrern selbst kommt! Diese teilen daraufhin meist einen kleinen Fragebogen aus, auf welchem man dann ganz „anonym“ seine Wünsche und Kritik äußern kann. Doch sowohl Schülern als auch Lehrern ist bewusst, dass sie anhand der Schrift den Schüler identifizieren können. Und das macht das ehrliche Ausfüllen eines solchen Bogens doch recht schwer. Also habe ich beschlossen, dies hier zu tun!

„Vielleicht werde ich mal Lehrer und dann mach ich das alles viel besser“

Ich erinnere mich noch wage an die Zeit im Kindergarten, als man sich die Schule noch als einen regelrecht magischen Ort für die großen Kinder vorgestellt hat. Man wollte nichts mehr, als zu lernen und zu schreiben wie die Großen. Und Lehrer hat man sich als weise Gelehrte vorgestellt, die mehr wissen als jedes Lexikon, und einen Bart haben, länger noch als der von Gandalf.
Nachdem ich eingeschult wurde, ist diese Vorstellung innerhalb von Wochen nach und nach geschwunden: die ersten falsch gelösten Matheaufgaben, die ersten nicht nachvollziehbaren Grammatikregeln und vor allem die ersten Standpauken der Lehrer.

Noch heute glaube ich, dass meine Klassenlehrerin in der 1. Klasse mich auf dem Kieker hatte. Schon damals hatte ich mir gewünscht, anstatt eines Seufzers lieber eine gut gemeinte Erklärung der Materie zu bekommen. Und diese Wünsche formten sich im Laufe meiner elf Jahre Schulerfahrung mehr und mehr zu einer Liste, fast schon zu einem Buch, und das reicht von grundsätzlichen Prinzipien bis hin zu Kleinigkeiten in der Sprache eines Lehrers.

Jeder Schüler hat in seiner Schullaufbahn den ein oder anderen Moment, in dem er sich denkt: „Vielleicht werde ich mal Lehrer und dann mach ich das alles viel besser“. Ich bin der Meinung, dass mit diesem prinzipiellen Gedanken im Hinterkopf  die meisten Lehrerkarrieren entstanden sind. Lehren ist also generationsbezogen, das bedeutet, jeder Lehrer macht ungefähr so seinen Unterricht, wie sich seine Generation, insbesondere er selbst, das gewünscht hätte!

Während sich heute Schüler denken: „Wenn ich Lehrer bin, werde ich viel lockerer sein und weniger langweilige Aufgaben dranbringen, die eh keiner lösen kann!“, dachte sich die letzte Generation eher: „Ich werde meine Schüler nicht mehr nur so öde auswendig lernen lassen, sondern bringe viel mehr interaktive Aufgaben dran!“. Und deshalb kann ein Lehrer in seiner Art zu Unterrichten den Schüler nie komplett zufriedenstellen. Denn zwei Tatsachen muss man sich bewusst machen: Es gibt keinen perfekten Unterricht, und lernen kann nicht immer Spaß machen! Diese Tatsachen sind eine der Grundlagen für eine gelungene Schüler-Lehrer-Beziehung.

Der Nummer-1-Faktor für einen guten Lehrer: interessanter Unterricht

In meiner Schulkarriere hatte ich sowohl Lehrer, die ich sehr mochte als auch andere, die ich am liebsten auf den Mond geschossen hätte. Doch was macht für mich einen guten bzw. einen schlechten Lehrer aus? Für mich ist der Nummer-1-Faktor für einen guten Lehrer ein interessanter Unterricht. Denn dieser hat mehr Wirkung auf Schüler als alles andere, wie z. B. Sympathie oder Gelassenheit. Das sind eher Bonuspunkte!

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Interessanter Unterricht ist das Wichtigste © CandyBoxImages / Depositphotos.com

Macht ein Lehrer einen interessanten Unterricht, so hat man auf einmal Interesse daran, das Gesagte für sich zu behalten! So ist eine Geschichte über den 2. Weltkrieg mit Offenheit zur Abschweifung und Teilnahmemöglichkeit für die Schüler doch eine viel bessere Unterrichtsidee, als ein langweiliger Fließtext oder ein durchgängiger Lehrervortrag!
Doch am wichtigsten ist Abwechslung für einen interessanten Unterricht: Wenn man eine noch so interessante Unterrichtsgestaltung hat, aber immer nur die gleichen Methoden anwendet, verliert der Schüler mit der Zeit sein Interesse daran. Was einen interessanten Unterricht hervorhebt, ist die gute Beziehung zwischen Lehrer und Schüler. Sie wird gute Noten verstärkt, die allein durch die Art des Unterrichts möglich gemacht werden. Man behält dabei so viel mehr, als z. B. bei einem super sympathischen Lehrer, der nur Filme zeigt, aber am Ende schlechte Noten reindrücken muss und sich dadurch die Missachtung der Schüler zuzieht.

Mehr Kommunikation auf Augenhöhe

Ich würde mir außerdem wünschen, dass Lehrer versuchen würden, mehr mit den Schülern zu kommunizieren. Doch nicht so wie sie das meist schon versuchen, sondern auf gleicher Höhe mit dem Schüler: nicht als Autorität, sondern auf Augenhöhe.

Dies ist natürlich etwas, das Lehrern wie Schülern nicht leichtfällt. Es ist etwas, das man aufbauen muss und diese Art Interaktion geschieht meist erst in Richtung Oberstufe – falls es sie überhaupt gibt. Das sollte sich ändern. Denn ein Lehrer, mit dem man humorvoll sein Wochenende besprechen kann, ist in Augen der meisten Schüler auch ein Lehrer, bei dem man sich lieber in den Unterricht reinsetzen würde. Ein Lehrer, welcher auch über einen unangebrachten Witz lachen kann, ist ein Lehrer, bei dem man sich eher traut, seine Hand im Unterricht zu heben. Ein Lehrer, mit dem man nach dem Unterricht noch eine Konversation über den neusten Hit von Beyoncé führen kann, ist ein Lehrer, den man auf der Klassenfahrt am liebsten dabei hat.

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Ein weiterer Wunsch: Mehr Kommunikation auf Augenhöhe!

Motivationskiller: Zu hohe Erwartungen

Kommen wir nun zu einer Sache, bei der ich mir wünschte, dass sie bei Lehrern nicht so sei: die Erwartungshaltung.
Nichts ist demotivierender, als wenn man sich in einem Fach, das einem vielleicht nicht so liegt, meldet, sein bestes gibt, entweder falsch und nicht ganz korrekt geantwortet hat, und der Lehrer dann so etwas wie „Das haben wir doch schon letztes Jahr behandelt“ oder „Das sollte man in der 11. Klasse aber wissen“ antwortet. Die Motivation von Schülern ist wie die Gesundheit einer Pflanze: leidet sie, ist es schwer, sie wieder aufzubauen. Anstatt eines genervten Kommentares wäre es also viel sinnvoller, es schnell noch einmal zu erklären oder wenigstens die richtigen Punkte der Aussage hervorzuheben und dem Schüler dann in der Pause oder nach dem Unterricht vielleicht noch ein paar Tipps zu geben.

Lehrer orientieren sich mit ihrem Tempo und Stoff meist an den leistungstechnisch stärkeren Schülern. Macht in erster Linie natürlich auch Sinn, denn diese melden sich ja auch am häufigsten und geben am meisten Feedback. Schade daran ist, dass sehr viel Potenzial dadurch verloren gehen kann. Denn viele der Schüler, die dann nicht mehr mitkommen, sind auch Schüler, die sehr gut in dem Fach sein könnten, aber aufgegeben haben, weil sie nicht mehr mitkommen. Mich selbst finde ich auf beiden Seiten des Spektrums. In manchen Fächern gebe ich das Tempo vor, doch in anderen merke ich, wie ich Probleme habe mitzuhalten und meine Motivation darunter leidet. Also wünsche ich mir von Lehrern, ihre Erwartungshaltung angepasst herunterzuschrauben und sich mal ein bisschen Zeit für die Schüler freizuhalten, die eventuell Probleme haben oder irgendwo im Lehrplan hängengeblieben sind.

Fazit

Zusammengefasst kann man sagen, dass ich mir hauptsächlich ein besseres Verhältnis zwischen Schüler und Lehrer wünsche, das ich vereinzelt mit ein paar Lehrern schon pflege, und dass Lehrer versuchen, ihren Unterricht auf die Schüler angepasst und interessant zu gestalten.

Es gibt natürlich noch unzählige kleine Dinge bei denen ich mir wünschte, dass diese so wären bzw. anders oder nicht so wären, aber diese sind eher nebensächlich. Ich muss sagen, dass ich im Allgemeinen eigentlich ganz zufrieden mit meinen jetzigen Lehrern bin und ein positives und lehrreiches folgendes Schuljahr auf mich zukommen sehe.

Gastautor Nourian Wasella

Als Schüler habe ich eine gute Sicht darauf, wie alles von der anderen Seite aussieht. Ich würde mich selbst weder als Streber, noch als Faulenzer beschreiben, sondern ordne mich ganz gerne in die engagierte Mitte ein und denke, dass ich deshalb sehr gut die Ansichten eines durchschnittlichen Schülers vertrete. Ich trete in diesem Jahr mein Abitur an einem allgemeinbildenden Gymnasium an und habe in den vorangehenden Sommerferien einen Ferienjob bei der Firma Betzold absolviert, welcher mir einen Einblick in das Leben als Lehrer/-in, Erzieher/-in und Allgemeinpädagoge/-pädagogin gegeben hat. Die Einblicke, die ich dort bekommen habe, helfen mir, zukünftig sicher mehr mit Lehrern zu sympathisieren und ein noch besseres Verhältnis zu pflegen!

 

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