Lehrmittel Emotionen erkennen
Schülerförderung
Aktualisiert: 07.10.2025

Sozialkompetenz und soziales Lernen in der Grundschule fördern

Soziale Kompetenzen sind die Grundlage für ein gutes Miteinander und erfolgreiches Lernen. Der Beitrag zeigt, wie Sie Empathie, Kommunikationsfähigkeit und Konfliktlösung gezielt fördern. Inklusive Download zur Förderung von Gefühlen im Unterricht.
Bettina Kroker
Bettina Kroker
Online-Redakteurin

Schülerinnen und Schüler leben und lernen in der Klasse mit einer größeren Gruppe zusammen. Das ist nicht immer einfach, denn jeder hat seinen eigenen Charakter, eigene Vorstellungen und Wünsche.

Besonders in der Grundschule hat aber noch nicht jeder der Schülerinnen und Schüler gelernt, wie er seine Gefühle und Emotionen und die der anderen Kinder wahrnehmen und deuten kann. Fehlen diese Fähigkeiten, kommt es leicht zu Streit und Konflikten der Kinder untereinander, die sich auch auf die Stimmung in der Klassengemeinschaft auswirken können. Deshalb ist es wichtig, die sozialen Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler zu fördern.

Was ist mit sozialer Kompetenz bzw. Sozialkompetenz in der Schule gemeint?

Soziale Kompetenzen umfassen ein ganzes Bündel von Werten, Verhaltensweisen und Einstellungen wie Empathie und Kritikfähigkeit. Sie bieten damit einen Rahmen von ethischen Maßgaben und Regeln, der ein harmonisches Zusammensein in Gruppen ermöglicht.

Sozial kompetente Kinder

    • wissen, wie sie sich in Gruppen angemessen verhalten.
    • verstehen soziale Verhaltensweisen in Gruppen.
    • können ihr Verhalten und das anderer reflektieren.
    • integrieren sich dadurch leicht und agieren erfolgreich innerhalb von Gruppen.

Soziale Kompetenzen sind deshalb für Schülerinnen und Schüler eine Voraussetzung für das Funktionieren der Klassengemeinschaft. Ein gutes Miteinander ist wiederum grundlegend für ein positives Lernklima und ermöglicht damit, gute Leistungen der Schülerinnen und Schüler (und auch der Lehrerinnen und Lehrer!).

Soziales Lernen und die Förderung der Sozialkompetenz werden an Grundschulen immer wichtiger

Wenn wir uns bei Lehrerinnen und Lehrern umhören, gewinnen wir den Eindruck, dass es immer mehr Kinder gibt, denen es noch an Einfühlungsvermögen und Lösungsstrategien fehlt, wie sie mit Gefühlen wie Wut, Angst oder Traurigkeit umgehen können.

Aus verschiedenen Gründen scheinen manche Kinder solche und weitere soziale Fähigkeiten nicht mehr in ausreichendem Maß bereits durch die Eltern in der Familie vermittelt zu bekommen. Das gemeinsame Lernen und Leben in der Klasse kann dadurch beeinträchtigt werden.

Schüler auf Exkursion
Ist die Stimmung in der Klasse gut, macht auch das gemeinsame Lernen mehr Spaß :) © ehrenberg-bilder / Fotolia.com

Das Lehren von Sozialkompetenz in Schulen

Soziales Lernen, also die Förderung der sozialen und emotionalen Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler, ist deswegen ein Thema, das an Schulen immer mehr an Bedeutung gewinnt. In den Lehr-, Rahmen- bzw. Bildungsplänen für Grundschulen ist die Förderung sozialer Kompetenzen inzwischen fest verankert.

Info

Welche Sozialkompetenzengibt es?

14 wichtige Beispiele für ein harmonisches Miteinander in der Schule sind:

    1. Empathie
    2. Kritikfähigkeit
    3. Kommunikationsfähigkeit
    4. Teamfähigkeit
    5. Toleranz
    6. Flexibilität
    7. gute Selbstwahrnehmung
    8. Selbstbewusstsein
    9. Zuverlässigkeit
    10. Verantwortungsbewusstsein
    11. Kooperationsbereitschaft
    12. Fairplay
    13. Frustrationstoleranz
    14. Wertschätzung/Respekt

Ein wichtiger Teil des sozialen Lernens ist dabei der Umgang mit Emotionen und Gefühlen:

Sozialkompetenz fördern: Methoden und Ideen für den Unterricht

Um sozial kompetent zu interagieren und kommunizieren, ist es für die Kinder wichtig, die eigenen Gefühle und Emotionen sowie die der anderen zu erkennen, benennen und deuten zu können sowie auch angemessen auf sie zu reagieren – mit anderen Worten: sich sozial zu verhalten.

1. Gesprächssituationen schaffen: Morgenkreis und Klassenrat

Morgenkreis und Klassenrat schaffen Gesprächssituationen, in denen sich die Klasse mit Ihrer Unterstützung über Gefühle und Emotionen, Streit und alles, was sie sehr beschäftigt, austauschen können. Durch das Sprechen über die eigenen Gefühle und die der Mitschülerinnen und Mitschüler lernen sich die Kinder besser kennen. Nur wer versteht, warum der andere so reagiert wie er reagiert, kann auch Verständnis dafür aufbringen und Einfühlungsvermögen entwickeln.

Die Schülerinnen und Schüler lernen,

    • zuzuhören
    • ihre Gefühle mitzuteilen
    • Meinungen anderer zu akzeptieren und respektieren
    • Kompromisse zu schließen
    • Gesprächsregeln zu beachten und fair zu diskutieren
    • konstruktiv Kritik zu üben und mit Kritik umzugehen
    • Konflikte zu lösen
    • das eigene Verhalten zu reflektieren
Tipp

Wenn Sie weitere Infos benötigen, wie ein Klassenrat etabliert werden kann, schauen Sie doch in unseren Blog-Beitrag „Der Klassenrat – Selbstorganisation und Demokratie im Unterricht“.

Und hier finden Sie Ideen für den Morgenkreis in der Grundschule.

2. Lehrmittel helfen bei der Vermittlung:

Die Bedeutung der Förderung der Sozialkompetenz spiegelt sich auch in den zahlreichen Lehrmitteln wider, die inzwischen zum Thema Gefühle und Emotionen existieren und Lehrerinnen und Lehrer bei der Vermittlung des Themas unterstützen.
Es gibt dabei viele Materialien, die auf bildlichen Darstellungen basieren und sich dadurch auch gut für Schüler eignen, die Deutsch als Zweit- bzw. Fremdsprache lernen.

Bildkarten, die Gestik und Mimik in den verschiedensten Gemütslagen zeigen, ermöglichen es den Kindern beispielsweise die dargestellten Emotionen zu deuten und zu benennen. Im Gespräch erläutern sie, woran sie ihre Interpretation festmachen. Sie eröffnen darüber hinaus Sprech- und Schreibanlässe, in denen die sie z. B. ausführen können, wann und aus welchem Grund sie sich das letzte Mal so gefühlt haben, wie die dargestellte Person auf der Karte. So lernen die Schülerinnen und Schüler zu reflektieren, was bestimmte Gefühle auslösen können. Diese Selbstreflexion fördert die Empathiefähigkeit und das Einfühlungsvermögen.

Tipp

Materialien zur Förderung von Sozialkompetenzen

In der Betzold Beratung stellen wir Ihnen geeignete Materialien zur Förderung verschiedener sozialer Kompetenzen vor: zur Betzold Beratung "Soziale Kompetenzen bei Kindern stärken".

Unterrichtsmaterial: Unsere Gefühlswelt

The social Toolbox

The Social Toolbox - Skills that matter

Ich bin Schulsozialarbeiterin an einer deutschen Auslandsschule in Ägypten und begleite täglich Kinder, Jugendliche, Lehrkräfte und Eltern in einem vielfältigen und interkulturellen Umfeld. Dabei ist mir immer wieder aufgefallen: Für die Förderung sozial-emotionaler Kompetenzen braucht es passgenaue, sofort einsetzbare Werkzeuge.

So entstand die Idee zu The Social Toolbox – eine Sammlung praxiserprobter Materialien aus meiner Arbeit in der Schulsozialarbeit. Die Einheiten sind:

  • handlungsorientiert – Lernen durch aktives Tun
  • kindgerecht – mit einfachen Erklärungen und anschaulichen Aufgaben
  • pädagogisch fundiert – nachhaltig und wirksam
Weitere Materialien gibt es auf Eduki: The Social Toolbox – Skills that matter
Inspirationen & Einblicke auf Instagram: @the_social_toolbox
Download

Unsere Gefühlswelt

Gefühle erkennen, benennen und ausdrücken – das ist für Kinder nicht immer leicht, aber entscheidend für ihr soziales Lernen. Das Materialpaket „Unsere Gefühlswelt“ unterstützt Schülerinnen und Schüler dabei, ihre Gefühle besser zu erkennen und auszudrücken. Es fördert das Verständnis für emotionale Zustände und stärkt die Kommunikationsfähigkeiten. Die Kinder lernen, verschiedene Gefühle zu identifizieren und zu differenzieren.

Mit abwechslungsreichen Arbeitsblättern wie Gefühlsbarometer, Mood Tracker, Rollenspielen und kreativen Malaufgaben lernen Kinder, ihre Gefühle zu differenzieren, Empathie für andere zu entwickeln und Lösungsstrategien in Konfliktsituationen zu finden.

Lernziele:

  • Erkennen und Benennen von Gefühlen
  • Darstellung von Gefühlen durch Zeichnungen
  • Unterscheidung zwischen positiven und negativen Gefühlen
  • Reflexion über eigene Emotionen und deren Ausdruck
  • Förderung der Empathie durch das Verständnis anderer

Dieses Material ist ideal für den Einsatz im Unterricht, um Schülerinnen und Schüler in ihrer emotionalen Entwicklung zu unterstützen. Es bietet vielfältige Möglichkeiten zur Interaktion und Reflexion. 

Bastelidee: Emotionen-Flipbook

Hier haben wir eine Idee für ein selbstgestaltetes Lehrmittel mit dem Ihre Schülerinnen und Schüler verschiedenen Emotionen kennen- und bennenenlernen können:

3. Perspektivwechsel: Rollenspiele

Rollenspiele ermöglichen es den Schülerinnen und Schülern, mal in die Haut eines anderen zu schlüpfen. Auch hier geht es um die Entwicklung von Empathiefähigkeit und Einfühlungsvermögen. Durch die Beispiele fällt es den Kindern auch in Alltagssituationen leichter, sich selbst und andere besser einzuschätzen. Im praktischen Durchleben verschiedener Situationen können die Kinder Lösungsstrategien entwickeln, für den Fall, dass sie tatsächlich einmal in eine ähnliche Lage kommen.

Ganz einfach umzusetzen und auch für Grundschulkinder machbar, ist ein Rollenspiel, bei dem Sie allen Kindern denselben Ausgangspunkt vorgeben:

Beispielsweise einen kurzen Satz wie: „Es beginnt zu schneien“. Dann darf jedes Kind ein Gefühl (Ärger, Begeisterung, Angst, Enttäuschung, Wut …) aus einer Kiste mit entsprechend vorbereiteten Losen ziehen – das macht es spannender (wer sich die Arbeit sparen möchte, kann die Gefühlslagen auch ohne Tombola zuteilen). Nun tragen die Kinder mithilfe von Sprache, Mimik, Gestik und Lautstärke eine kleine Situation vor, die zu dem Satz und ihrem Gefühl passt und trägt diese vor. Die anderen dürfen danach überlegen, welches Gefühl dargestellt wurde :)

Fazit

Diese drei Beispiele sind nur erste Ansatzpunkte an das Thema „soziale Kompetenzen fördern“, um die Schülerinnen und Schüler im Umgang mit eigenen und fremden Gefühlen und Emotionen zu schulen. Ebenso wichtig ist ein starkes Wir-Gefühl in der Klasse, das beispielsweise durch gemeinsame Aktivitäten, Klassenregeln und -rituale, eine positive Lernumgebung und Unterrichtsformen, wie dem kooperativen Lernen, unterstützt werden kann. Wenn Schülerinnen und Schüler lernen, Gefühle zu erkennen und Konflikte konstruktiv zu lösen, profitieren nicht nur sie selbst, sondern die gesamte Klassengemeinschaft.

Quellen

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Seit 2014 arbeite ich bei Betzold in Ellwangen als Online-Redakteurin. Im Betzold-Blog möchte ich Lehrerinnen und Lehrern den ein oder anderen Tipp weitergeben, der den Schulalltag erleichtert und Zeit spart. Da ich stets auf der Suche nach neuen, interessanten Blog-Themen bin, freue ich mich immer über Ihre Anregungen: