Sammeln und Tauschen sind an Schulen schon lange beliebte Pausenbeschäftigungen. Dabei sind Grundschüler besonders eifrige Sammler: Früher waren es Sticker (am liebsten die mit „Glitzer“), davor Murmeln und dazwischen oder danach Figuren oder was eben gerade begehrt war. Heute stehen vor allem Sammelkarten im Mittelpunkt, insbesondere Pokémon-Karten, aber auch Fußball-Sammelbilder oder andere Trading Cards (Magic, One Piece).
Während Fußball-EMs und -WMs stehen Panini-Sticker im Mittelpunkt, im Alltag dominieren jedoch häufig Pokémon- oder andere Sammelkartenspiele.
In den Pausen werden regelrechte Tauschbörsen für die Karten abgehalten. Spaß, spielerisches Handeln, reger Austausch unter den Schülerinnen und Schülern und die Entdeckung einer Sammelleidenschaft – klingt doch eigentlich prima!
Wer allerdings schon des Öfteren Raufereien trennen musste und erfahren hat, dass der Anlass ein Abziehbildchen war, sieht die Sache vermutlich etwas kritischer. Vielen Eltern geht es da ähnlich.
Unfrieden durch Sammelbilder
Sammelkarten – ob Pokémon, Fußball oder andere Trading Cards – bieten zahlreiche Ansatzpunkte für Konflikte im Schulalltag. Besonders häufig entstehen Spannungen, wenn Tauschgeschäfte als unfair empfunden werden oder sich Erwartungen im Nachhinein ändern.
Schon kleine Situationen reichen aus: Ein Kind tauscht eine Karte, merkt später aber, dass es sie doch lieber behalten hätte. Der Rücktausch wird verweigert – und aus einer eigentlich harmlosen Pause entsteht ein Streit.
Dann gibt es ältere Schülerinnen und Schüler, die Jüngere übers Ohr hauen. Das Eingreifen von Eltern, die Bilder zurückfordern, macht die Situation nicht einfacher.
Bei Pokémon-Karten kommt hinzu, dass einzelne Karten einen hohen ideellen „Wert“ haben (unter Sammlern haben manche Karten auch einen hohen realen Wert). Seltene Holo-Karten oder begehrte Sammelstücke werden schnell zum Statussymbol, was den sozialen Druck innerhalb der Klasse erhöhen kann.
Besonders schlimm wird es aber, wenn Karten oder Alben verschwinden. Nun beginnen Verdächtigungen und Beschuldigungen, die das gesamte Klassenklima belasten können. Sogar von Erpressungen berichten einige Schülerinnen und Schüler.
Die Folgen reichen von belasteten Freundschaften bis hin zu offenen Konflikten in der Klasse.
Beeinträchtigung des Unterrichts
Hängt der „Klassensegen“ schief, hat das natürlich auch Auswirkungen auf den Unterricht. Um die Lernatmosphäre wieder in den grünen Bereich zu bringen, müssen Lehrerinnen und Lehrer Unterrichtszeit zur Streitschlichtung und Vermittlung aufwenden.
Die wird zudem verkürzt, wenn die Schülerinnen und Schüler es nicht rechtzeitig in die Klassenräume schaffen, weil noch ein Handel abgeschlossen werden muss. Alternativ werden die Tauschgeschäfte auch während des Unterrichts unter dem Tisch fortgesetzt. Kurz gesagt: Sammelbilder haben Potential, vom Unterricht abzulenken.
Die Sache mit dem Geld
Ein weiterer kritischer Punkt ist die finanzielle Dimension. Viele Lehrerinnen und Lehrer befürchten auch, dass Kinder, deren Eltern kein Geld für die Abziehbilder erübrigen können oder wollen, ausgegrenzt werden könnten. Wer dazugehören will, braucht eine gute Auswahl mit Bildern zum Tauschen.
Denn Sammelkarten – insbesondere Pokémon-Boosterpacks – sind nicht günstig. Dadurch entsteht ein Ungleichgewicht: Kinder, deren Familien häufiger Packs kaufen können, verfügen über deutlich mehr Tauschmaterial als andere. Das kann zu sozialem Druck oder Ausgrenzung führen.