Lehrerin arbeitet mit Schülergruppe
Lehramtsstudium
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Aktualisiert: 06.08.2019

Erfahrungen und Tipps aus den Praktika im Lehramtsstudium

Praktika im Lehramtsstudium geben Einblicke in den Schulalltag, helfen bei der Berufswahl und bereiten auf das Referendariat vor. Wer möglichst viel selbst unterrichtet, Hospitationen nutzt und Feedback einholt, sammelt wertvolle Erfahrungen, lernt Unterricht zu planen und die eigene Lehrerrolle zu festigen. Im Beitrag erhalten Sie Infos und Tipps für Ihr Praktikum.
Lukas Ebert
Lukas Ebert
Gastautor
© Christian Schwier / Fotolia.com

Das Praktikum in der Lehrerausbildung:

Die Regelungen zur Anzahl und Dauer der Praktika im Lehramtsstudium unterscheiden sich je nach Bundesland, in dem das Studium absolviert wird. Sie sind ein wichtiger Bestandteil der Ausbildung, da sie erste Einblicke in die Praxis bieten.

Häufig sind die Praktika in orientierende und vertiefende bzw. pädagogisch-didaktische Praktika unterteilt. In Bayern, Baden-Württemberg und Hessen ist zusätzlich ein Betriebspraktikum verpflichtend.

1. Orientierungspraktikum

Allgemeine Informationen:

In Baden-Württemberg ist das Orientierungspraktikum verpflichtend für alle Studierende, die den Studiengang für das Lehramt Grundschule, Sekundarstufe 1 oder 2 absolvieren.

Dieses Praktikum dient in erster Linie der Überprüfung und Fundierung der Studien- und Berufswahlentscheidung und soll den Studierenden erste Einblicke in die pädagogische und institutionelle Arbeit einer Schule geben. Die Tätigkeit an den Schulen soll ca. 20 Stunden pro Woche umfassen, wobei die tägliche Anwesenheit an der Schule 3 Unterrichtsstunden nicht unterschreiten darf. Dahingehend wäre es sehr sinnvoll, das Praktikum bereits vor dem Studium abzuleisten, um für sich zu erfahren, ob der Lehrerberuf eine geeignete Berufswahl darstellt.

Leider erfuhr ich von diesem Praktikum erst zu Beginn meines Studiums und so bewarb ich mich an 6 verschiedenen Schulen in meiner Umgebung. Hierbei war es für mich wichtig, die verschiedenen Schularten kennen zu lernen, insbesondere Grund- und Realschule. Diese kamen für mich schon vor Beginn meiner Studienwahl in Frage und daher war es für mich eine gute Möglichkeit, diese Schularten näher kennen zu lernen.

Ich erhoffte mir dadurch Erkenntnisse zu erlangen, ob ich mich für die richtige Schulart, also Realschule, entschieden habe. Ich erhielt von vier Schulen eine Zusage und entschied mich für ein 1-wöchiges Praktikum an einer Grundschule und einem 2-wöchigen Praktikum an einer Realschule.

Erstes Orientierungspraktikum an einer Grundschule

Das Praktikum an der Grundschule war ein „Heimspiel“ für mich, da die SuS mich bereits durch meine Tätigkeiten im Sportverein, Kirche usw. kannten. Von Beginn an wirkten die SuS sehr aufgedreht und behandelten mich wie einen „Kumpel“. Sie zeigten wenig Respekt vor mir und versuchten immer wieder auszuprobieren, wie weit sie bei mir gehen können.

Zugegeben, es fiel mir zu Beginn sehr schwer, einen Perspektivenwechsel vom Schüler zum Lehrer vorzunehmen. Dennoch war mir klar, dass ich mich nun anders gegenüber den Schülern verhalten muss, um den SuS klar zu machen, dass ein Lehrer mit Respekt behandelt werden muss.

Lehrer sitzt mit Schülern zusammen
Praktika während des Lehramtsstudiums sollen Orientierung und Sicherheit in Bezug auf die Berufswahl sowie für die Entscheidung für Schulform und Fächerkombi geben. © Christian Schwier / Fotolia.com

In der gesamten Woche habe ich in meinen Fächern Deutsch und Sport hospitiert und den Unterricht beobachtet. Leider wurde mir nicht die Möglichkeit gegeben, eine Stunde in einem Fach zu halten, was sicherlich sehr interessant und aufschlussreich für mich gewesen wäre.

Ich hatte auch ein wenig Angst davor, bereits nach wenigen Wochen Studium vor einer Klasse zu stehen und zu unterrichten, aber letztlich nützen diese Erfahrungen am meisten. Von daher gesehen war dieses Praktikum für mich sehr langweilig, da ich die ganze Woche nur hospitiert habe und auch keine genaueren Informationen über das Unterrichten seitens des Kollegiums erhalten habe.

Zweites Orientierungspraktikum an einer Realschule

Dieses Realschul-Praktikum habe ich zwei Wochen absolviert, da ich bereits Lehramt für Realschule studierte und dahingehend vor allem in dieser Schulart Erfahrungen sammeln wollte.

Jedoch war es mir hier auch nicht gestattet, Unterricht zu halten oder Informationen rund um das Unterrichten zu erhalten. Es war deswegen leider wiederum nicht sehr spannend. Letztlich zeigten mir jedoch die Hospitationsstunden, dass ich mich für die richtige Schulart entschieden habe, da die Themen rund um die SuS interessanter erschienen als in der Grundschule.

Fazit:

    • Orientierungspraktikum, wenn möglich, bereits vor dem Studium absolvieren
    • sich für verschiedene Schularten bewerben
    • wenn möglich, selbst unterrichten
    • Arbeitsmaterialien für den späteren Alltag sammeln
    • mit Lehrern über den Alltag /Unterricht etc. sprechen

2. Pädagogisch-didaktisches Praktikum

Allgemeine Informationen:

Nach dem Orientierungspraktikum folgt das pädagogisch-didaktische Praktikum, das an allen öffentlichen oder staatlich anerkannten privaten Realschulen in Bayern absolviert werden muss. Es umfasst einen Zeitraum von 150 bis 160 Unterrichtsstunden, die in der Regel im Laufe von zwei aufeinander folgenden Schulhalbjahren abgeleistet werden sollen. Die Teilnahme an einer von der Universität durchgeführten, auf das Praktikum bezogenen, Lehrveranstaltung ist verpflichtend.

Dabei werden gemäß einer Bekanntmachung des Bayerischen Staatsministeriums für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst folgende Ziele und Aufgaben verfolgt:

    • Einbindung in den Unterricht
    • Beobachtung des Lern- und Sozialverhaltens der Schülerinnen und Schüler in der Klasse
    • Beobachtung des Lehrerinnen- und Lehrerhandelns im Unterricht
    • Kennenlernen verschiedener Lehrerinnen- bzw. Lehrerpersönlichkeiten und Unterrichtsmethoden
    • Sammeln von ersten Erfahrungen bei der individuellen Förderung einzelner Schülerinnen und Schüler
    • Vorbereitung, Durchführung und Analyse mehrerer eigener Unterrichtsversuche sowie Begleitung und Betreuung von Klassen oder Lerngruppen in angemessenem Umfang
    • Mitgestaltung von Übungseinheiten
    • Kennenlernen außerunterrichtlicher Aufgaben einer Lehrkraft
    • Übernahme von einfachen Organisationsaufgaben und Teilnahme am Prozess der Schulentwicklung als Mitglied der Schulfamilie

Die Anmeldung zum pädagogisch-didaktischen Schulpraktikum erfolgt nur online an das Praktikumsamt bei demjenigen Ministerialbeauftragten, in dessen Zuständigkeitsbereich die gewünschte Praktikumsschule liegt. Man kann jedoch im Voraus sich bei einer gewünschten Schule bewerben und dies dem Ministerialbeauftragten zukommen lassen. Daher gesehen habe ich mich wiederum für eine Schule in meiner Nähe beworben, der Maria-Stern Schule in Nördlingen und wurde dort auch aufgenommen.

Pädagogisch-didaktisches Praktikum an einer Realschule:

Bevor ich das Unterrichtspraktikum begann, war ich gespannt darauf, wie es wird, als Lehrer vor einer Klasse zu stehen und zu unterrichten. Ich habe erwartet, dass ich in den Unterrichtssituationen viele Fehler mache, aus denen ich im Nachhinein lernen werde. Es interessierte mich auch, wie ich auf Schüler wirke, wie man mit Schülern umgeht, sodass sie einen akzeptieren und inwieweit ich in der Lage bin, den Stoff so aufzubereiten, dass die Schüler ihn verstehen.

Von Beginn an stand mir eine sehr nette Betreuungslehrerin gegenüber, die meinen Stundenplan erstellte und mich bei all den Lehrern bekannt machte. Dadurch wurde ich in sehr viele Gespräche verwickelt und konnte einige Informationen über das Referendariat und andere Erfahrungen aus der Anfangszeit anderer Lehrerkarrieren erfahren.

Dabei haben die Lehrer besonders betont, ich solle so oft es nur geht die Möglichkeit nutzen, bereits in den ersten Praktika eigene Unterrichtsstunden zu halten, da man durch diese mit Abstand am meisten lernt. Diesen Ratschlag habe ich in diesem Praktikum vor allem im Fach Deutsch zu Herzen genommen und kann diesen nur so weitergeben.

Beim Vorbereiten, Unterrichten und der Reflexion mit den Lehrern habe ich sehr viel gelernt. Es war für mich sehr überraschend zu sehen, wie viel Arbeit letztlich ein Lehrer durch das genaue Vorbereiten und Planen einer Stunde bis hin zur Reflexion hat. Ein Lehrer muss Vieles bedenken und auch sehr oft spontan reagieren. Jedoch hat das Unterrichten überhaupt sehr viel Spaß gemacht. Sicherlich sind mir ein paar Fehler während des Unterrichtens unterlaufen, aber ein altes bekanntes Sprichwort sagt nicht umsonst: ,,Aus Fehlern lernt man!“.

Lehrerin arbeitet mit Schülern
In jeder selbst gehaltenen Unterrichtsstunde können Sie wichtige Erfahrungen sammeln. Mindestens ebenso hilfreich sind die Tipps Ihrer Kolleginnen und Kollegen :) © highwaystarz / Fotolia.com

Die SuS gaben mir durchgehend ein positives Feedback und auch meine Betreuungslehrerin war von meinen gehaltenen Stunden angetan, da auch sie etwas lernen konnte. Diese lobenden Worte sind natürlich die größte Motivationshilfe, die ein Lehrer bekommen kann, und die mühsamen Vorbereitungen haben sich letztlich sehr gelohnt.

So bin ich nach meiner eher schlechten Erfahrung im Orientierungspraktikum positiv überrascht worden und war seitens der Betreuung in den gesamten Wochen sehr dankbar. Es ist schön, bereits in dem pädagogisch_didaktischen Praktikum als ,,richtiger“ Lehrer angesehen zu werden, der sehr viele Facetten sowohl über die Schule an sich als auch über die Schüler erfährt.

Diese verschiedenen Schlüsselmomente haben mich bestärkt, die richtige Berufswahl getroffen zu haben.

Fazit:

    • selbstständig für Schulen bewerben
    • viele Stunden halten
    • mühevolle Arbeit (Planen etc.) wird belohnt
    • sich viel mit dem Betreuungslehrer austauschen
    • viel über die Schule/Projekte/AGs etc. erfahren

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3. Studienbegleitendes fachdidaktisches Praktikum

Allgemeine Informationen:

Das studienbegleitende fachdidaktische Praktikum soll möglichst nicht vor dem dritten und nicht nach dem fünften Semester stattfinden. Es ist innerhalb eines Semesters abzuleisten und bezieht sich nach § 34 der in Bayern gültigen Lehramtsprüfungsordnung I (LPO I) auf eines der beiden gewählten Fächer. Dieses Praktikum findet einmal pro Woche statt und umfasst mindestens vier Stunden Unterricht einschließlich Besprechung.

Es steht ebenfalls im Zusammenhang mit einer von Ihnen im selben Semester besuchten fachdidaktischen Begleitveranstaltung der Universität.

Folgende Ziele und Aufgaben werden verfolgt:

    • Kenntnis fachspezifischer Arbeitsweisen anhand einzelner Unterrichtsmodelle, Unterrichtsbeispiele und Unterrichtsprojekte in verschiedenen Jahrgangsstufen
    • Vorbereitung und Analyse unterrichtlicher Vorhaben und mindestens einen Unterrichtsversuch

Beachte: Die Anmeldung für dieses Praktikum erfolgt online bei dem zuständigen Praktikumsamt und man wird einer Schule zugeteilt (Anmeldefrist beachten!).

Studienbegleitendes fachdidaktisches Praktikum im Unterrichtsfach Sport:

Das studienbegleitende fachdidaktische Praktikum im Unterrichtsfach Sport an einer Realschule hat sehr viel Spaß gemacht und war auch sehr gewinnbringend. Die Schüler waren sehr freundlich und umgänglich und zum großen Teil auch sehr motiviert dabei, was das Unterrichten sehr angenehm gemacht hat.

Es war schön zu erleben, einen erfolgreichen Unterricht gehalten zu haben und zu wissen, dass die Schüler heute wirklich etwas gelernt und davon mitgenommen haben. Das Planen fiel mir in diesem Praktikum schon viel leichter wie in dem Praktikum zuvor und im Laufe der Zeit wurde es mir immer deutlicher aufgezeigt, wie eine perfekte Sport_Stunde aussehen kann.

Im Gegensatz zu den Zielen und Aufgaben seitens des Ministeriums, habe ich wöchentlich Stunden gehalten. Nach jedem Praktikums_Tag nutzten wir die Zeit, um die gehaltenen Unterrichtsstunden zu besprechen. Dabei konnte immer zuerst Stellung zur eigenen gehaltenen Stunde genommen werden, wonach dann das Feedback von meinem Betreuungslehrer und einem Dozenten der Universität folgte.

Diese Reflexionsphase war sehr sinnvoll, da Außenstehende die Situation nochmal anders wahrnehmen als man selbst. Deshalb bekam man bei dieser Besprechung immer sehr gewinnbringende Anregungen und Verbesserungsvorschläge, die ich in der darauffolgenden Stunde auch immer versucht habe anzuwenden.

Letztlich ist dieses Praktikum sehr hilfreich und bereitet einen perfekt auf das Referendariat vor. Es wäre sicherlich auch sinnvoll, dieses Praktikum freiwillig in seinem anderen Unterrichtsfach abzuleisten.

Fazit:

    • Anmeldung nicht verpassen
    • mehr als nur eine Stunde halten
    • Feedback umsetzen
    • versuchen, jede Stunde bestmöglich zu halten
    • Arbeitsmaterialien sammeln
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Wer schreibt hier?

Lukas Ebert
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Lukas Ebert studiert Sport und Deutsch mit dem Ziel, Realschullehrer zu werden.