Mädchen wird von Mitschülerinnen gemobbt
Gewaltprävention
Pause & Schulhof
Aktualisiert: 22.02.2022

Mobbing in der Schule - Wenn alle gegen einen stehen

Hier erhalten Sie Infos zum Thema "Mobbing" sowie Tipps für präventive und akute Maßnahmen gegen Mobbing.
Bettina Kroker
Bettina Kroker
Online-Redakteurin

pololia – stock.adobe.com 

„Ich wurde in der Schule in der 5ten und 6ten Klasse mit Gewalt und Beleidigungen gemobbt. Ich habe mit vielen Erwachsenen gesprochen, aber sie haben mich nicht ernst genommen. (…) In der 8ten Klasse wurde ich ignoriert, immer, auch bei Gruppenarbeiten oder beim Austeilen von Blättern.
Ich habe mit meiner Klassenlehrerin gesprochen, aber sie wusste auch nicht wirklich was sie machen konnte, da ich keine Ansprechperson mehr in der Klasse hatte. (…) Jetzt komme ich in die 10te Klasse. (…) Ich kenne fast niemanden aus der Klasse, aber ich weiß von denen, die noch mit mir sprechen, dass alle irgendwelche Gerüchte über mich kennen und mich jetzt schon hassen.“

Wenn Unstimmigkeiten zwischen Kindern und Jugendlichen die Grenzen von normalen kleineren Streitigkeiten weit hinter sich lassen, sind viele Betroffene, aber auch Eltern sowie Lehrerinnen und Lehrer hilflos.

Das zeigt auch der zitierte Auszug aus einem Foreneintrag einer 15-jährigen Nutzerin auf der Anti-Mobbing-Homepage Mobbing – Schluss damit vom 16.8.2014 eindrücklich!

Mobbing – ein altes Phänomen mit neuem Namen

Von Mobbing spricht man, wenn Angriffe (verbal, nonverbal, physisch, sexuell oder online) mit schädigender Absicht auf einzelne Schülerinnen oder Schüler über einen längeren Zeitraum andauern und ein Kräfteungleichgewicht zwischen den Parteien besteht.

Der Begriff wurde Ende der 1970er Jahre erstmals durch den Psychologen Heinz Leymann für Schikanen in der Arbeitswelt angewendet. Im Laufe der 1990er Jahre kam es zu einer verstärkten öffentlichen Rezeption und zur Übertragung auf entsprechende Vorgänge in der Schule.

Mobbing ist ein neues Wort für ein altes Phänomen. Doch die neue Bezeichnung brachte positive Auswirkungen mit sich: Durch die öffentliche Wahrnehmung kam es zur Entwicklung eines Problembewusstseins und damit einhergehend entstanden mehr Hilfsangebote für Betroffene.

Opfer von Mobbing können, wie es auch der Forenbeitrag beschreibt, sowohl physisch wie auch psychisch schikaniert werden. Der Schaden dieser Art des Psychoterrors durch Lügen, Gerüchte, Drohungen, Beschimpfungen und Ausgrenzung mag dabei mindestens ebenso groß sein, wie der, der durch körperliche Gewalt angerichtet wird.

Die Handlungen von Mobbern haben kein anderes Ziel, als die Mitschülerinnen und Mitschüler sozial zu isolieren und dadurch „fertigzumachen“. Betroffenen fällt es meist schwer, sich aus der Opferrolle zu befreien, denn sie stehen allein gegen eine große Mehrheit von Tätern und „den anderen“, die schweigend zusehen.

Und Mobbingfälle an Schulen sind nicht selten: Die 2017 veröffentlichte PISA-Sonderauswertung zum Wohlbefinden von Jugendlichen zeigte, dass etwa jeder sechste 15-Jährige (15,7%) regelmäßig körperliche und psychische Attacken durch Mitschülerinnen und Mitschüler erdulden muss. 

Das zeigt, wie wichtig es ist, dass Mobbing seit einigen Jahren verstärkt öffentlich diskutiert wird und Initiativen gegen Mobbing gestartet wurden. An zahlreichen Schulen hat das Thema als Teil der Einheit zur Gewaltprävention inzwischen auch Eingang in den Schulunterricht gefunden.

Wie erkennen Sie Mobbing? Wer ist betroffen, wer sind die Täter?

  • Mobbing ist für Lehrerinnen und Lehrer oft nicht leicht zu erkennen

    Während in der Regel allen Schülerinnen und Schülern einer Klasse bewusst ist, dass jemand aus ihrer Mitte drangsaliert und ausgegrenzt wird, sind solche Prozesse für Sie nur schwer ersichtlich.

    Die Täterinnen und Täter agieren dann, wenn sie keine Strafen für ihr Tun erwarten müssen – also außerhalb des Blickfelds einer Aufsichtsperson in den Pausen oder auf dem Schulweg. Nicht sichtbare Kommunikationsstrukturen auf den verschiedensten Ebenen machen es schwer, Mobbing eindeutig zu identifizieren. Passiv Beteiligte sind ratlos, schweigen aus Angst vor den Tätern oder aus einer voyeuristischen Lust des Betrachtens.

    Mobbing kommt in allen Altersstufen vor.
  • Motivationen für Mobbing

    Die Motivationen für Mobbing reichen von Langeweile über Wut bis hin zu eigenen Ängsten, die überspielt werden. Auch gruppendynamische Faktoren und damit verbunden Eifersucht, Konkurrenzdenken, den Wunsch, das eigene Ansehen in der Gruppe zu verbessern oder die Ankunft von neuen Mitschülerinnen und Mitschülern sind mögliche Ursachen. 
  • Wer ist betroffen?

    Von den Attacken kann jeder getroffen werden, auch beliebte Schülerinnen und Schüler. Ganz allgemein kann gesagt werden, dass der/die Gemobbte aus irgendeinem Grund eine Ausstrahlung von Angreifbarkeit vermittelt, die von anderen unbewusst wahrgenommen und ausgenutzt wird. Mangelndes Selbstbewusstsein, Aussehen, Herkunft, Glauben, Unsportlichkeit, Strebsamkeit, Kleidung, Musikgeschmack oder Hobbys sind nur einige der Ansatzpunkte für Mobber.
  • Welche Anzeichen für Mobbing gibt es?

    Wenn Sie bei Schülerinnen und Schülern häufige Fehlzeiten, den Wunsch nach Begleitung auf dem Schulweg, den Verlust von Geld oder anderen persönlichen Gegenständen (Entwendung durch die Mobber), Konzentrationsschwäche, plötzliches Stottern, Albträume, soziale Isolation oder ein Leistungsabfall feststellen, können dies Hinweise auf Mobbing sein.

Auswirkungen von Mobbing

Diese Anzeichen müssen Sie ernst nehmen! Greifen Sie und die Eltern nicht ein, weil Sie der Situation hilflos gegenüberstehen oder sie als übertrieben beurteilen bzw. das Mobbingopfer als zu sensibel, kann dem Schüler/der Schülerin eine so lange Leidenszeit bevorstehen, wie in dem zu anfangs geschilderten Fall. Je länger Mobbing anhält, umso schwieriger ist es, den Betroffenen/die Betroffene wieder in die Klassengemeinschaft zu integrieren. 

Die Folge können neben einer Isolation und Leistungsrückgang gesundheitliche Beeinträchtigungen sein: Die Angst vor Übergriffen führt bei Mobbingopfern zu anhaltendem Stress und als dessen Folge auch zu körperlichen Symptomen (Kopf-, Bauch- und Rückenschmerzen, Appetitlosigkeit, Schlafstörungen), schwindendem Selbstbewusstsein und Depressionen, bis hin zu Suizidgedanken und Suizid.

Eine 2013 in der Fachzeitschrift „Jama Psychiatry“ veröffentlichte Studie belegt außerdem eine erhöhte Wahrscheinlichkeit von Langzeitfolgen wie Angststörungen und Depressionen.

Da Betroffene die Schuld oft bei sich selbst suchen und sich schämen, wenden sich nur wenige Schülerinnen und Schüler direkt an eine Lehrkraft oder andere Erwachsene. Das und die Angst vor der Klasse als Petze dazustehen, erschwert offene Gespräche. Um Schülerinnen und Schüler aus einer Mobbingsituation zu befreien, ist es deshalb umso wichtiger, deutlich zu machen, dass die Schuld nie bei den Opfern liegt!

Deshalb ist es so wichtig, dass Schule, Lehrkräfte und Eltern Präventionsmaßnahmen gegen Mobbing ergreifen!

Maßnahmen gegen Mobbing

Wenn Sie den Verdacht haben, dass ein Schüler oder eine Schülerin gemobbt wird oder Sie von gemobbten Schülerinnen und Schülern bzw. Mitschülerinnen und Mitschülern von Schikanen in Kenntnis gesetzt werden, sollten Sie rasch handeln!

Ein schnelles Eingreifen kann verhindern, dass die Situation die Klassengemeinschaft beeinträchtigt und die Persönlichkeit des Mobbing-Opfers nachhaltig Schaden nimmt.

Die Beteiligten selbst finden kaum einen Ausweg aus der Situation und benötigen in der Regel Hilfe von außen. Die folgende Auflistung zeigt weitere Schritte gegen Mobbing:

Präventive Maßnahmen

3 Mädchen lernen an einem Tisch
Im Unterricht können präventive Maßnahmen gegen Mobbing durchgeführt werden, Quelle: Betzold
    • Anti-Mobbing-Unterricht

      Viele Schulen führen inzwischen präventive Maßnahmen im Unterricht gegen Gewalt und Mobbing durch.
      In Projekten lernen die Schüler, eigene Wünsche und die der Freunde zu erkennen, mit unterschiedlichen Erwartungen umzugehen und Freundschaften ihren Bedürfnissen entsprechend zu gestalten und zu pflegen.
      Solche Maßnahmen schaffen ein offenes Schulklima, in der eine konstruktive Gesprächs- und Streitkultur gepflegt werden kann.
      Diese Aufklärungsarbeit erleichtert es Kindern, Mobbingsituationen nicht hilflos gegenüber zu stehen, sondern Rat und Hilfe von Erwachsenen einzufordern und anzunehmen. Zudem müssen den potentiellen Tätern, die Konsequenzen ihres Handelns für sie selbst und die Opfer aufgezeigt werden.

    • Kummerkasten

      Diese Behältnisse dienen als Aufbewahrungsort für seelisch belastende Gedanken und Gefühle. Betroffene können hier anonym auf ihre Probleme aufmerksam machen, ohne gleich ein Gespräch von Angesicht zu Angesicht führen zu müssen.

    • Umfragen zum Klassenklima

      Regelmäßige anonyme Umfragen zum Klassenklima können Hinweise auf Mobbing geben und ein rechtzeitiges Einschreiten ermöglichen.

    • Klassenregeln

      Regeln für ein soziales Miteinander in der Klasse erleichtern es besonders jüngeren Kindern, Strukturen zu wahren und bewusst miteinander umzugehen. Die Regeln können Sie gemeinsam mit der Klasse erarbeiten.
    • Aufmerksamkeit

      Die oben genannten Anzeichen für Mobbing sollten nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Eine erhöhte Aufmerksamkeit für Veränderungen bei Schülern erleichtert auch den Zugang zur Seele des Kindes. Es fühlt sich ernst genommen und umsorgt.

    • Streitschlichtungsprogramme

      Ziel von Streitschlichtungsprogrammen ist es, Schülerinnen und Schüler zu befähigen, Konfikte selbstständig und frühzeitig zu lösen und so zu verhindern, dass sich die Fronten verhärten.

      An Grundschulen hat sich hier die Friedenstreppe bewährt: Die Friedenstreppe gibt Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit, Streit und Konflikte selbstständig und fair beizulegen. Das Konzept sieht 4 Stufen der Konfliktlösung vor, die die in Streit geratenen Kinder durchlaufen. Hier erhalten Sie weitere Informationen zu dem Projekt.

      An weiterführenden Schulen werden häufig Schülerinnen und Schüler zu Streitschliter/innen ausgebildet, Ihre Aufgabe ist es, Hilfe bei der Lösung von Konflikten anzubieten. Sind alle Parteien einverstanden, suchen sie gemeinsam nach Lösungen für die Auseinandersetzung. Weitere Infos und Tipps erhalten Sie hier.

    • Präventionsprogramm "Faustlos"

      Das Programm kommt vorwiegend in Kindergärten und Grundschulen zum Einsatz. Empathieförderung, Impulskontrolle und ein guter Umgang mitWut und Ärger sind wesentliche Bestandteile von "Faustlos". Dadurch sollen soziale und emotionale Kompetenzen gefördert und aggressivem Verhalten vorgebeugt werden. Das Programm wurde ursprünglich in Seattle entwickelt und in den 1990er Jahren am Heidelberger Uniklinikum übersetzt. Das Heidelberger Präventionszentrum bietet Fortbildungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz an.

      Weitere Informationen zum Programm erhalten Sie hier.

    • Präventionsprogramm "Fairplayer"

      Fairplayer e.V. wurde 2003 in Bremen gegründetund hat es sich zum Ziel gemacht, Zivilcourage und soziales Handelnzu fördern und dadurchBullying vorzubeugen. Nach einer Weiterbildung können Lehrkräfte oder Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen das Programm in den Klassen 7 bis 9 (inzwischen gibt es auch ein Programm für 5. und 6. Klassen) einführen. In 11 aufeinander aufbauenden Schritten setzen sich die Kinder mit Themen wie Bewusstwerden und Einschätzen verschiedener Formen von Gewalt, Emotionen anderer zu erkennen, wichtige soziale Kompetenzen entwickeln auseinander.

      Weitere Informationen zum Programm erhalten Sie hier.

    • Olweus-Programm

      Das Olweus-Programm wurde durch Dan Olweus entwickelt, der sich als Schuldirektor und Professor für Persönlickeitspsychologie intensiv mit dem Thema Mobbing an Schulen befasst hat. Das Interventionsprogramm, das auch unter dem Namen „Was können wir gegen Gewalt an Schulen tun“ bekannt ist, umfasst verschiedene präventive Maßnahmen.

      Sein Ansatz ist es, das Schulklima als Ganzes zu sehen. Das Programm betrachtet nicht nur Täter/innen und Opfer, sondern bezieht alle am Schulleben beteiligen Personen ein. Das kostet erstmal Zeit, spart langfristig aber Zeit und Energie, die zur Konfliktlösung aufgewendet werden müsste.

      Die Anti-Mobbing-Maßnahmen finden auf Schulebene, Klassenebene und persönlicher Ebene statt:

      Schulebene: Fragebogen zum Thema Gewalt, Pädagogischer Tag für alle am Schulleben beteiligten Personen, Schulkonferenz auf der die Durchführung des Programms beschlossen wird,  Pausenaufsicht, die Verstöße konsequent und einheitlich ahndet, Kontakttelefon, intensivierte Kooperation zwischen Eltern und Lehrkräften, Lehrer/innen-Arbeitsgruppen zur dauerhaften Verankerung und Supervision des Programms, Arbeitsgruppe der Elternbeiräte

      Klassenebene: eine gute Klassenleitung, Klassengespräche über Mobbing, Klassenregeln, Lob und konsequentes Ahnden von Verstößen, kooperatives Lernen, Rollenspiele, Lehrfilme

      Persönliche Ebene: Gespräche mit Täter/innen und Opfern sowie den Eltern der betroffenen Schüler/innen, Diskussionsgruppen für Eltern, Einsatz pädagogischer Kreativität und als letzte Option der Schulwechsel.

      Das Programm hat 4 zentrale Regeln:

      1. Erwachsene fungieren als Vorbilder und greifen bei Mobbing immer ein.

      2. Es gibt klare Regeln, welches Verhalten nicht akzeptiert wird.

      3. Bei Verstößen erfolgen verlässlich und konsequent Konsequenzen.

      4. Alle achten aufeinander.

      Ziel des Programms ist es, dass alle beteiligt sind und Verantwortung übernehmen. Dadurch sollen die Beziehungen untereinander verbessert werden. Mobbing verschwindet zwar nicht, aber durch die Haltung hin und nicht wegzuschauen, bleibt es nicht unbemerkt und Opfern fällt es leichter Unterstützung zu finden. 

      Mehrere Meta-Studien konnten die Effektivität des Olweus-Programms nachweisen. Der Erfolg liegt v.a. in der langfristigen Verankerung im Schulleben sowie der Mehrstufigkeit der Maßnahmen begründet. 

      Literatur: Dan Olweus, Gewalt in der Schule. Was Lehrer und Eltern wissen sollten - und tun können, 4. Aufl. Bern 2006.
    • Präventionsprogramm „DU DOOF?!“

      Mit „DU DOOF?!“ hat die Stiftung „Mobbing stoppen! Kinder stärken!“ ein bundesweites Präventionsprogramm gegen Mobbing und Cybermobbing ins Leben gerufen. Die Stiftung wurde von dem Schauspieler und Moderator Tom Lehel, der als Kind selbst Opfer von Mobbing wurde, gegründet.

      Da Mobbing immer häufiger bereits an Grundschulen festzustellen ist, setzt das Programm bereits hier an und unterstützt Lehrerinnen und Lehrer durch Fortbildungen und kostenloses Material.

      Ziel von „DU DOOF?!“ ist es, Schul- und Klassengemeinschaften für das Thema Mobbing zu sensibilisieren und den Schülern aufzuzeigen, wie sie Mobbing selbstbewusst entgegentreten können.

      Weitere Informationen zu dem Programm „DU DOOF?!“ erhalten Sie hier.

    • Haltestelle für Freunde

      Haltestellen für Freunde bzw. "Buddy Stops" gibt es an immer mehr Kindergärten und Grundschulen. Es handelt sich dabei um einen Treffpunkt für Kinder, die sich einsam fühlen, Redebedarf haben oder einfach Gesellschaft möchten. Andere Schüler, die als Schulhof-Buddys geschult wurden, gehen auf Kinder zu, die an der Haltestelle warten. Dadurch soll auch einer Ausgrenzung einzelner Kinder vorgebeugt werden.

      Mehr über die Maßnahme erfahren Sie im Beitrag "Buddy Stop: Eine Haltestelle für Freunde".

Maßnahmen gegen akutes Mobbing

    • Klare Stellungnahme

      Bei Verdacht auf Mobbing innerhalb der Klasse müssen Sie sofort intervenieren. Auch wenn Opfer und Täter noch unbekannt sind, müssen durch Aufklärungsarbeit und vertrauensbildende Maßnahmen erste Schritte eingeleitet werden.
      So machen Sie Ihren Schülerinnen und Schülern deutlich, dass Mobbing ein ernstes Vergehen ist, dem gegenüber keine Toleranz gezeigt werden darf! Eine Verankerung von klaren Aussagen im Schulkonzept zu Verhaltensweisen, die nicht hingenommen werden sowie zu Konsequenzen bei Verstößen kann Sie als Lehrkraft unterstützen.
      Kann das Problem nicht sofort gelöst werden, sollte für die Planung des weiteren Vorgehens die Schulleitung hinzugezogen werden.
    • Konfrontation der Täter

      Eltern sollten die Kontaktaufnahme mit Täter/innen vermeiden. Hier sind Schulleitung, Lehrkräfte, Elternbeirat oder spezielle Beratungsstellen die besseren Ansprechpartner.
      Durch das Aufzeigen der weitreichenden Folgen für die Betroffenen soll versucht werden, einen Perspektivenwechsel der nicht aktiv beteiligten Schüler und bestenfalls auch der Täter zu bewirken. Täter müssen zur Rede gestellt werden und an der Lösungsfindung beteiligt werden – Opfer, Täter/innen und nicht aktiv Beteiligte müssen einen Weg finden, wieder zu einer Klassengemeinschaft zusammenzuwachsen.
    • Informationen über zentrale Hilfestellen

      Unterstützung für Sie und Schülerinnen und Schüler bieten die schulpsychologischen Beratungsstellen der Länder.
      Manchen Schülerinnen und Schülern fällt es schwer, Personen im nahen Umfeld um Hilfe zu bitten. Hilfe kann dann von zentralen Notfall-Stellen kommen, über die Sie Ihre Schüler informieren können. In Deutschland steht Betroffenen die "Nummer gegen Kummer" zur Verfügung: 116 111 (Festnetz) oder 0800/111 0 550 (mobil). Für Österreich finden Sie die Notrufnummern hier.

      Hilfreiche Informationen speziell zum Thema Cybermobbing bietet auch das Bündnis gegen Cybermobbing.

      Anti-Mobbing-Foren im Internet bieten die Möglichkeit, Kontakt mit anderen Betroffenen oder ehemaligen Mobbing-Opfern herzustellen. Das Bewusstsein, dass man nicht alleine von dem Problem betroffen ist, kann helfen, wieder Selbstbewusstsein zu gewinnen und sich aus der Opferrolle zu befreien.

Lehrerin und Schülerin
Manchen Schülern fällt es schwer, Eltern oder Lehrkräfte um Unterstützung zu bitten. Hier können spezielle Beratungsstellen Hilfe bieten, Quelle: Betzold
    • Schulwechsel

      Ein Wechsel der Schule ist für gemobbte Kinder meist keine wirkliche Lösung. Eine versäumte Klärung der Situation kann ein Gefühl von Mitschuld zurücklassen, wie auch Misstrauen gegenüber den neuen Klassenkammeraden.
    • Mobbing ist kein Kavaliersdelikt

      Obwohl kein spezielles „Anti-Mobbing-Gesetz“ existiert, schützen bestehende Gesetze wie das Recht auf Schutz vor Verletzungen des höchstpersönlichen Lebensbereichs (§201 StGB) oder das Recht am eigenen Bild (KunstUrhG §22, 33) Mobbing-Opfer. Auch Nötigung (StGB 240) und Nachstellungen (StGB 238) sind strafbar. Der Gang zur Polizei sollte aber der letzte Ausweg bleiben, wenn pädagogische Maßnahmen nicht greifen. Sie stellen für eine Reintegration in die Klasse die bessere Möglichkeit dar.

Mit kooperationsfördernden Maßnahmen (Gruppen-, Projektarbeit) und gemeinsamen Aktionen stärken Sie Ihre Klasse. Achten Sie darauf, Ihre Schülerinnen und Schüler gerecht zu behandeln, keine Vorurteile zu hegen oder unbedachte Witze auf Kosten von Schülerinnen und Schülern zu machen. Denn auch Lehrerinnen und Lehrer können durch ihr Verhalten Mobbingsituation verstärken oder sogar initiieren!

Ein starkes Gemeinschaftsgefühl, ein gutes Klassenklima und ein vertrauensvolleres Verhältnis zu Ihnen als Lehrkraft bietet jedoch keinen Nährboden für Mobbing!

Häufig gestellte Fragen

Was ist Mobbing?

Von Mobbing spricht man, wenn negative Handlungen mit schädigender Absicht wiederholt und über längere Zeit hinweg gegen Schülerinnen und Schüler ausgeübt werden. Zwischen Tätern und Opfern besteht ein Kräfteungleichgewicht.

Was tun bei Mobbing in der Schule?

Bei akuten Mobbingfällen ist es wichtig, möglichst schnell zu handeln, um zu zeigen, dass Mobbing nicht toleriert wird und Konsequenzen für den oder die Täter/innen zur Folge hat. Mobbing gibt es an jeder Schule. Es ist deshalb sinnvoll, bereits präventiv Maßnahmen zu ergreifen. Auch diese können Mobbing nicht komplett verhindern, aber reduzieren und alle Beteiligten zum Erkennen und Eingreifen befähigen.

Welche Arten von Mobbing gibt es?

  • verbales Mobbing (Drohungen und Beleidigungen z.B. aufgrund von Aussehen, Herkunft, Verhalten, Status)
  • nonverbales/soziales Mobbing (Ausgrenzen, Gerüchte verbreiten, negative Gesten)
  • körperliches Mobbing (Schubsen, Schlagen, Treten, auch Erpressung und Diebstahl)
  • Cybermobbing
  • sexuelles Mobbing (belästigende, sexistische Kommentare und Berührungen)

Ist Mobbing in der Schule strafbar?

Mit Vollendung des 14. Lebensjahrs sind Jugendliche in Deutschland strafmündig. In der Schweiz beginnt die Strafmündigkeit bereits mit dem 10. Geburtstag.
Mobbing ist strafbar, wenn der Tatbestand der Beleidigung, Übler Nachrede, Verleumdung, Bedrohung oder Nötigung besteht. Der Gang zur Polizei sollte allerdings erst der letzte Schritt sein, wenn pädagogische Maßnahmen nicht greifen.

Quellen und Literatur

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Bettina Kroker
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Seit 2014 arbeite ich bei Betzold in Ellwangen als Online-Redakteurin. Im Betzold-Blog möchte ich Lehrerinnen und Lehrern den ein oder anderen Tipp weitergeben, der den Schulalltag erleichtert und Zeit spart. Da ich stets auf der Suche nach neuen, interessanten Blog-Themen bin, freue ich mich immer über Ihre Anregungen: