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Mobbing in der Schule
Mobbingattacken erfolgen nicht nur direkt, sondern auch über das Internet, © Depositphotos.com / HighwayStarz

Mobbing und Cybermobbing in der Schule

Wenn alle gegen einen stehen

 

„Ich wurde in der Schule in der 5ten und 6ten Klasse mit Gewalt und Beleidigungen gemobbt. Ich habe mit vielen Erwachsenen gesprochen, aber sie haben mich nicht ernst genommen. (…) In der 8ten Klasse wurde ich ignoriert, immer, auch bei Gruppenarbeiten oder beim Austeilen von Blättern.
Ich habe mit meiner Klassenlehrerin gesprochen, aber sie wusste auch nicht wirklich was sie machen konnte, da ich keine Ansprechperson mehr in der Klasse hatte. (…) Jetzt komme ich in die 10te Klasse. (…) Ich kenne fast niemanden aus der Klasse, aber ich weiß von denen, die noch mit mir sprechen, dass alle irgendwelche Gerüchte über mich kennen und mich jetzt schon hassen.“

Wenn Unstimmigkeiten zwischen Kindern und Jugendlichen die Grenzen von normalen kleineren Streitigkeiten weit hinter sich lassen, sind viele Betroffene, aber auch Eltern sowie Lehrerinnen und Lehrer hilflos. Das zeigt auch der zitierte Auszug aus einem Foreneintrag einer  15-jährigen Nutzerin auf der Anti-Mobbing-Homepage Mobbing – Schluss damit vom 16.8.2014 eindrücklich!

Mobbing – ein altes Phänomen mit neuem Namen

Von Mobbing spricht man, wenn Angriffe auf einzelne Schüler über einen längeren Zeitraum andauern.
Der Begriff wurde Ende der 1970er Jahre erstmals durch den Psychologen Heinz Leymann für Schikanen in der Arbeitswelt angewendet. Im Laufe der 1990er Jahre kam es zu einer verstärkten öffentlichen Rezeption und zur Übertragung auf entsprechende Vorgänge in der Schule.

Mobbing ist ein neues Wort für ein altes Phänomen. Doch die neue Bezeichnung brachte positive Auswirkungen mit sich: Durch die öffentliche Wahrnehmung kam es zur Entwicklung eines Problembewusstseins und damit einhergehend entstanden mehr Hilfsangebote für Betroffene.

Opfer von Mobbing können, wie es auch der Forenbeitrag beschreibt, sowohl physisch wie auch psychisch schikaniert werden. Der Schaden dieser Art des Psychoterrors durch Lügen, Gerüchte, Drohungen, Beschimpfungen und Ausgrenzung mag dabei mindestens ebenso groß sein, wie der, der durch körperliche Gewalt angerichtet wird.

Die Handlungen von Mobbern haben kein anderes Ziel, als den Mitschüler sozial zu isolieren und dadurch „fertigzumachen“. Betroffenen fällt es meist schwer, sich aus der Opferrolle zu befreien, denn sie stehen allein gegen eine große Mehrheit von Tätern und „den anderen“, die schweigend zusehen.

Und Mobbingfälle an Schulen sind nicht selten: Die 2017 veröffentlichte PISA-Sonderauswertung zum Wohlbefinden von Jugendlichen zeigte, dass etwa jeder sechste 15-Jährige (15,7%) regelmäßig körperliche und psychische Attacken durch Mitschüler erdulden muss.

Das zeigt, wie wichtig es ist, dass Mobbing seit einigen Jahren verstärkt öffentlich diskutiert wird und Initiativen gegen Mobbing gestartet wurden. An zahlreichen Schulen hat das Thema als Teil der Einheit zur Gewaltprävention inzwischen auch Eingang in den Schulunterricht gefunden.

Cybermobbing unter Schülern

Eine spezielle Form des Mobbings ist das Cybermobbing.

Im Zeitalter von Facebook oder Twitter werden vor allem Schüler durch Bloßstellung im Internet, permanente Belästigung, durch Verbreitung falscher Behauptungen, Androhung von Gewalt oder Ausgrenzungen durch die Bildung von Hassgruppen in sozialen Netzwerken gemobbt.

Die Hemmschwelle, Mitschüler mittels Handy und Internet zu mobben, ist durch die Anonymität, die diese Medien ermöglichen, geringer.

Gleichzeitig sind die Auswirkungen für die Opfer dieser Angriffe umso größer: Das Internet vergisst nicht, ist heutzutage beinahe allgegenwärtig und Nachrichten können sehr schnell eine große Anzahl von Menschen erreichen. Besonders schwer treffen entwürdigende Videoclips und Fotos (ob real oder gefälscht), die binnen Stunden der gesamten Schule bekannt sein können.

Dabei zeigt sich, dass Cybermobbing und Schulhof-Mobbing keine getrennt voneinander auftretenden Erscheinungen sind. Das on- und offline-Verhalten der Schüler ist eng miteinander verbunden und wirkt sich aufeinander aus.
Die Universität Münster hat dazu im Jahr 2011 mit der Techniker Krankenkasse (TK) eine repräsentative Studie zur Verbreitung von Cybermobbing in Schulen erstellt. Demnach sind bereits 32% der Schüler von Cybermobbing betroffen. Andere Umfragen ergaben zwar niedrigere Werte, zeigen jedoch ebenfalls, dass Cybermobbing unter Schülern durchaus ein relevantes Thema ist. Die Studie der TK belegt außerdem, dass ein Großteil der Schüler zunächst v.a. wütend auf die Attacken reagiert, aber auch verletzt und verunsichert.

Nach einer Studie der Technischen Universität Berlin (TUB, Bystander von Cyber-Mobbing, 2011) stellen Freunde für Opfer von Cybermobbing die erste Anlaufstelle dar. Durch offene Unterstützung in der Schule, aber auch durch Kommentare im Internet können sie dem Betroffenen zur Seite stehen und Trost spenden. Doch auch Mitschüler stehen den Attacken auf Freunde oft hilflos gegenüber und haben Angst selbst ins Visier der Täter zu geraten.

Mobbing in der Schule

Freunde sind für Mobbing-Opfer oft die erste Anlaufstelle. Ihre Unterstützung ist wichtig, doch manchmal ist die Hilfe von Erwachsenen nötig, um Mobbing zu stoppen, Quelle: Betzold

Wie erkennen Sie Mobbing: Wer ist betroffen, wer sind die Täter?

Während in der Regel allen Schülern einer Klasse bewusst ist, dass jemand aus ihrer Mitte drangsaliert und ausgegrenzt wird, sind solche Prozesse für Sie nur schwer ersichtlich.

Die Täter agieren dann, wenn sie keine Strafen für ihr Tun erwarten müssen – also außerhalb des Blickfelds einer Aufsichtsperson in den Pausen oder auf dem Schulweg. Nicht sichtbare Kommunikationsstrukturen auf den verschiedensten Ebenen machen es schwer, Mobbing eindeutig zu identifizieren. Passiv Beteiligte sind ratlos, schweigen aus Angst vor den Tätern oder aus einer voyeuristischen Lust des Betrachtens.

Die Motivationen für Mobbing reichen von Langeweile über Wut bis hin zu eigenen Ängsten, die überspielt werden. Auch gruppendynamische Faktoren und damit verbunden Eifersucht, Konkurrenzdenken oder die Ankunft von neuen Mitschülern sind mögliche Ursachen.

Von den Attacken kann jeder getroffen werden, auch beliebte Schüler. Ganz allgemein kann gesagt werden, dass der Gemobbte aus irgendeinem Grund eine Ausstrahlung von Angreifbarkeit vermittelt, die von anderen unbewusst wahrgenommen und ausgenutzt wird. Mangelndes Selbstbewusstsein, Aussehen, Unsportlichkeit, Strebsamkeit, Kleidung, Musikgeschmack oder Hobbys sind nur einige der Ansatzpunkte für Mobber.

Wie Entwicklungspsychologin Mechthild Schäfer von der LMU München auf Spektrum.de beschreibt, nutzen die Täter ihre Opfer um das eigene Ansehen in der Gruppe zu verbessern und Status zu gewinnen.

Wenn Sie bei Schülern häufige Fehlzeiten, den Wunsch nach Begleitung auf dem Schulweg, den Verlust von Geld oder anderen persönlichen Gegenständen (Entwendung durch die Mobber), Konzentrationsschwäche, plötzliches Stottern, Albträume, soziale Isolation oder ein Leistungsabfall feststellen, können dies Hinweise auf Mobbing sein.

Auswirkungen von Mobbing

Diese Anzeichen müssen Sie ernst nehmen! Greifen Sie und die Eltern nicht ein, weil Sie der Situation hilflos gegenüberstehen oder sie als übertrieben beurteilen bzw. das Mobbingopfer als zu sensibel, kann dem Schüler eine so lange Leidenszeit bevorstehen, wie in dem zu anfangs geschilderten Fall.

Je länger Mobbing anhält, umso schwieriger ist es, den Betroffenen wieder in die Klassengemeinschaft zu integrieren. Die Folge können gesundheitliche Beeinträchtigungen sein: Die Angst vor Übergriffen führt bei Mobbingopfern zu anhaltendem Stress und als dessen Folge auch zu körperlichen Symptomen (Kopf-, Bauch- und Rückenschmerzen, Appetitlosigkeit, Schlafstörungen), schwindendem Selbstbewusstsein und Depressionen, bis hin zu Suizidgedanken.

Eine 2013 in der Fachzeitschrift „Jama Psychiatry“ veröffentlichte Studie belegt außerdem eine erhöhte Wahrscheinlichkeit von Langzeitfolgen wie Angststörungen und Depressionen.

Da Betroffene die Schuld oft bei sich selbst suchen und sich schämen, wenden sich nur wenige Schüler direkt an eine Lehrkraft oder andere Erwachsene. Das und die Angst vor der Klasse als Petze dazustehen, erschwert offene Gespräche. Um Schüler aus einer Mobbingsituation zu befreien, ist es deshalb umso wichtiger, deutlich zu machen, dass die Schuld nie bei den Opfern liegt!

Deshalb ist es so wichtig, dass Schule, Lehrkräfte und Eltern Präventionsmaßnahmen gegen Mobbing und Cybermobbing ergreifen!

Maßnahmen gegen Mobbing

Wenn Sie den Verdacht haben, dass ein Schüler gemobbt wird oder Sie von gemobbten Schülern bzw. Mitschülern von Schikanen in Kenntnis gesetzt werden, sollten Sie rasch handeln!

Ein schnelles Eingreifen kann verhindern, dass die Situation die Klassengemeinschaft beeinträchtigt und die Persönlichkeit des Mobbing-Opfers nachhaltig Schaden nimmt.

Die Beteiligten selbst finden kaum einen Ausweg aus der Situation und benötigen in der Regel Hilfe von außen. Da ein schwaches Selbstwertgefühl oftmals kennzeichnend für die Opfer ist, besteht in der Persönlichkeitsstärkung und der Stärkung in der sozialen Kompetenz ein erster Lösungsansatz. Die folgende Auflistung zeigt weitere Schritte gegen Mobbing:

Präventive Maßnahmen

  • Anti-Mobbing-Unterricht:

    Viele Schulen führen inzwischen präventive Maßnahmen im Unterricht gegen Gewalt und Mobbing durch.
    In Projekten lernen die Schüler, eigene Wünsche und die der Freunde zu erkennen, mit unterschiedlichen Erwartungen umzugehen und Freundschaften ihren Bedürfnissen entsprechend zu gestalten und zu pflegen.
    Solche Maßnahmen schaffen ein offenes Schulklima, in der eine konstruktive Gesprächs- und Streitkultur gepflegt werden kann.
    Diese Aufklärungsarbeit erleichtert es Kindern, Mobbingsituationen nicht hilflos gegenüber zu stehen, sondern Rat und Hilfe von Erwachsenen einzufordern und anzunehmen. Zudem müssen den potentiellen Tätern, die Konsequenzen ihres Handelns für sie selbst und die Opfer aufgezeigt werden.

    Mobbing in der Schule

    Im Unterricht können präventive Maßnahmen gegen Mobbing durchgeführt werden, Quelle: Betzold

  • Medienkompetenz:

    Besonders wichtig ist die Einbindung von Schulungen der Medienkompetenz in den Unterricht.
    Ziel ist die Sensibilisierung und Aufklärung über die Risiken der Nutzung des Internets und besonders der Sozialen Netzwerke, aber auch über die Möglichkeiten, die sie bieten. Schülern wird dadurch geholfen, sich vor Cybermobbing zu schützen und nicht (unwissentlich) zu viel der eigenen Persönlichkeit der Öffentlichkeit preiszugeben. Informationen und Arbeitsmaterialien bietet beispielsweise der Internetauftritt von klicksafe.de, eine Initiative der EU für mehr Sicherheit im Netz.

  • Kummerkasten:

    Diese Behältnisse dienen als Aufbewahrungsort für seelisch belastende Gedanken und Gefühle. Betroffene können hier anonym auf ihre Probleme aufmerksam machen, ohne gleich ein Gespräch von Angesicht zu Angesicht führen zu müssen.

  • Umfragen zum Klassenklima:

    Regelmäßige anonyme Umfragen zum Klassenklima können Hinweise auf Mobbing geben und ein rechtzeitiges Einschreiten ermöglichen.

  • Klassenregeln:

    Regeln für ein soziales Miteinander in der Klasse erleichtern es besonders jüngeren Kindern, Strukturen zu wahren und bewusst miteinander umzugehen. Die Regeln können Sie gemeinsam mit der Klasse erarbeiten.

  • Aufmerksamkeit:

    Die oben genannten Anzeichen für Mobbing sollten nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Eine erhöhte Aufmerksamkeit für Veränderungen bei Schülern erleichtert auch den Zugang zur Seele des Kindes. Es fühlt sich ernst genommen und umsorgt.

  • Präventionsprogramm „DU DOOF?!“

    Mit „DU DOOF?!“ hat die Stiftung „Mobbing stoppen! Kinder stärken!“ ein bundesweites Präventionsprogramm gegen Mobbing und Cybermobbing ins Leben gerufen. Die Stiftung wurde von dem Schauspieler und Moderator Tom Lehel, der als Kind selbst Opfer von Mobbing wurde, gegründet.

    Da Mobbing immer häufiger bereits an Grundschulen festzustellen ist, setzt das Programm bereits hier an und unterstützt Lehrerinnen und Lehrer durch Fortbildungen und kostenloses Material.

    Ziel von „DU DOOF?!“ ist es, Schul- und Klassengemeinschaften für das Thema Mobbing zu sensibilisieren und den Schülern aufzuzeigen, wie sie Mobbing selbstbewusst entgegentreten können.

    Weitere Informationen zu dem Programm „DU DOOF?!“ erhalten Sie hier.

Maßnahmen gegen akutes Mobbing

  • Klare Stellungnahme:

    Bei Verdacht auf Mobbing innerhalb der Klasse müssen Sie sofort intervenieren. Auch wenn Opfer und Täter noch unbekannt sind, müssen durch Aufklärungsarbeit und vertrauensbildende Maßnahmen erste Schritte eingeleitet werden.
    So machen Sie Ihren Schülern deutlich, dass Mobbing ein ernstes Vergehen ist, dem gegenüber keine Toleranz gezeigt werden darf! Eine Verankerung von klaren Aussagen im Schulkonzept zu Verhaltensweisen, die nicht hingenommen werden sowie zu Konsequenzen bei Verstößen kann Sie als Lehrkraft unterstützen.
    Kann das Problem nicht sofort gelöst werden, sollte  für die Planung des weiteren Vorgehens die Schulleitung hinzugezogen werden.

  • Konfrontation der Täter:

    Eltern sollten die Kontaktaufnahme mit dem oder den Tätern vermeiden. Hier sind Schulleitung, Lehrkräfte, Elternbeirat oder spezielle Beratungsstellen die besseren Ansprechpartner.
    Durch das Aufzeigen der weitreichenden Folgen für die Betroffenen soll versucht werden, einen Perspektivenwechsel der nicht aktiv beteiligten Schüler und bestenfalls auch der Täter zu bewirken. Täter müssen zur Rede gestellt werden und an der Lösungsfindung beteiligt werden – Opfer, Täter und nicht aktiv Beteiligte müssen einen Weg finden, wieder zu einer Klassengemeinschaft zusammenzuwachsen.

  • Informationen über zentrale Hilfestellen:

    Unterstützung für Sie und Schüler bieten die schulpsychologischen Beratungsstellen der Länder.
    Manchen Schülern fällt es schwer, Personen im nahen Umfeld um Hilfe zu bitten. Hilfe kann dann von zentralen Notfall-Stellen kommen, über die Sie Ihre Schüler informieren können. Eine Auflistung von Telefon-Notrufen und Internet-Beratungsstellen in Deutschland, Österreich und der Schweiz stellt die Seite „Mobbing – Schluss damit“ zur Verfügung.

    Hilfreiche Informationen speziell zum Thema Cybermobbing bietet auch das Bündnis gegen Cybermobbing.

    Anti-Mobbing-Foren im Internet bieten die Möglichkeit, Kontakt mit anderen Betroffenen oder ehemaligen Mobbing-Opfern herzustellen. Das Bewusstsein, dass man nicht alleine von dem Problem betroffen ist, kann helfen, wieder Selbstbewusstsein zu gewinnen und sich aus der Opferrolle zu befreien.

  • Perspektive der Jugendlichen verstehen:

    Wie die im Auftrag der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien erstellte Teilstudie „Wo der Spaß aufhört … Jugendliche und ihre Perspektive auf Konflikte in Sozialen Netzwerkdiensten“ von 2012 zeigt, trauen Jugendliche v.a. beim Thema Cybermobbing Erwachsenen oft nicht zu, die Situation zu verstehen, sondern die Lage stattdessen noch zu verschlimmern.
    Die Studie plädiert dafür, an „der Wahrnehmung der Jugendlichen und ihren Perspektiven anzusetzen, (was) zudem die Möglichkeit (eröffnet), innerhalb der Peergroup Diskussionen über angemessene und problematische Handlungsoptionen anzustoßen. Durch die gemeinsame Thematisierung kann die Handlungssicherheit der Einzelnen für entsprechende Situationen gestärkt und es können auch divergente Einschätzungen diskutiert werden.“

    Mobbing in der Schule

    Manchen Schülern fällt es schwer, Eltern oder Lehrkräfte um Unterstützung zu bitten. Hier können spezielle Beratungsstellen Hilfe bieten, Quelle: Betzold

  • Mobbingtagebuch:

    Besonders im Fall von anonymen Cybermobbing ist es wichtig, die Vorfälle zu dokumentieren und archivieren (z.B. Screenshots erstellen und ausdrucken). Bestehen die Schikanen über einen längeren Zeitraum, kann ein regelmäßig chronologisch geführtes Tagebuch der Polizei bei der Aufklärung unterstützen. Beim „Offline-Mobbing“ hilft es Schülern, die Ernsthaftigkeit der Vorfälle darzustellen und kann bei der Aufarbeitung mit einem Psychologen als Erinnerungshilfe dienen. Wenn Sie von Mobbingvorfällen erfahren, ist auch eine Dokumentation für Sie als Lehrkraft sinnvoll.

  • Schulwechsel:

    Ein Wechsel der Schule ist für gemobbte Kinder meist keine wirkliche Lösung. Eine versäumte Klärung der Situation kann ein Gefühl von Mitschuld zurücklassen, wie auch Misstrauen gegenüber den neuen Klassenkammeraden.

  • Mobbing ist kein Kavaliersdelikt:

    Obwohl kein spezielles „Anti-Mobbing-Gesetz“ existiert, schützen bestehende Gesetze wie das Recht auf Schutz vor Verletzungen des höchstpersönlichen Lebensbereichs (§201 StGB) oder das Recht am eigenen Bild (KunstUrhG §22, 33) Mobbing-Opfer. Auch Nötigung (StGB 240) und Nachstellungen (StGB 238) sind strafbar. Der Gang zur Polizei sollte aber der letzte Ausweg bleiben, wenn pädagogische Maßnahmen nicht greifen. Sie stellen für eine Reintegration in die Klasse die bessere Möglichkeit dar.

Mit kooperationsfördernden Maßnahmen (Gruppen-, Projektarbeit) und gemeinsamen Aktionen stärken Sie Ihre Klasse. Achten Sie darauf, Ihre Schüler gerecht zu behandeln, keine Vorurteile zu hegen oder unbedachte Witze auf Kosten von Schülern zu machen. Denn auch Lehrerinnen und Lehrer können durch ihr Verhalten Mobbingsituation verstärken oder sogar initiieren!

Ein starkes Gemeinschaftsgefühl, ein gutes Klassenklima und ein vertrauensvolleres Verhältnis zu Ihnen als Lehrkraft bietet jedoch keinen Nährboden für Mobbing!

Über Bettina Kroker

Seit 2014 arbeite ich bei Betzold in Ellwangen als Online-Redakteurin. Im Betzold-Blog möchte ich Lehrerinnen und Lehrern den ein oder anderen Tipp weitergeben, der den Schulalltag erleichtert und Zeit spart. Da ich stets auf der Suche nach neuen, interessanten Blog-Themen bin, freue ich mich immer über Ihre Vorschläge: blog@betzold.de.

Ein Kommentar

  1. Carsten Keller

    Wir arbeiten seit vielen Jahren für verschiedene Organisationen (Zartbitter Köln, Innocence in Danger, Sotano Theaterproduktionen Essen…) aktiv gegen Mobbing im Internet /Cybermobbing.
    Eine gute Prävention an Schulen ist im Kampf gegen Angstmache und Drohungen durch Mitschüler essentiell.
    Wir haben die Erfahrung gemacht, dass Theaterstücke ein gutes Medium sind, um Schüler zu erreichen.
    Die bekannten Beratungsstellen bieten entsprechende Theaterstücke an.
    Das Theaterstück „Younet – Theater gegen Mobbing im Internet“ ist gut geeignet, um Schüler stark zu machen, um sich gegen Bedrohungen über Internet und Handy wehren zu können.

    http://www.sotano-theaterproduktionen.de/younet

    Folgende Seiten sind gut geeignet, um sich über die Themen:
    Schüler / Handy / Internet / Mobbing zu informieren:
    http://www.klicksafe.de
    http://www.nummergegenkummer.de
    http://www.zartbitter.de

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