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Aktualisiert: 09.12.2025

Lernvideos gezielt im Unterricht einsetzen: Beispiele, Tipps und empfehlenswerte YouTube-Kanäle

Lernvideos gehören längst zum Alltag Ihrer Schülerinnen und Schüler. Warum also nicht im Unterricht nutzen? Richtig eingesetzt sorgen sie für Motivation, Abwechslung und besseres Verständnis. Doch worauf sollten Sie achten? Dieser Beitrag zeigt Vorteile, Grenzen und gibt konkrete Tipps sowie empfehlenswerte Kanäle für den Unterricht.
Bettina Kroker
Bettina Kroker
Online-Redakteurin
ViDi Studio – stock.adobe.com

Wenn Kinder und Jugendliche sich über etwas informieren möchten, ist das Videoportal YouTube nicht selten ihre erste Anlaufstelle:

Sie holen sich von Let's Playern Tipps für Computerspiele, lernen in Tutorials, wie Dinge am besten gemacht werden und wiederholen mithilfe von Lernvideos den Inhalt der letzten Mathestunden für die Klassenarbeit.

Da liegt der Gedanke nahe, dieses Element der Alltagswelt der Schüler und Schülerinnen zu nutzen und es in den eigenen Unterricht zu integrieren.

Richtig eingesetzt, können YouTube-Lernvideos Motivation und Verständnis fördern, neue methodische Möglichkeiten eröffnen und den Unterricht abwechslungsreicher gestalten. Dabei gilt es jedoch, auch Datenschutz, Ablenkungspotenzial und inhaltliche Qualität im Blick zu behalten.

Hier erfahren Sie mehr über die Vor- und Nachteile, erhalten Tipps und Beispiele für gute YouTube-Kanäle.

Welche Vorteile bringen Lernvideos für den Unterricht mit sich?

1. Motivation und Alltagsbezug:

Der Einsatz von Lernvideos, die Schülerinnen und Schüler bisher eher zuhause zum Lernen genutzt haben, weckt das Interesse und steigert die Motivation, sich zu beteiligen. Dieser Effekt des Neuen und Ungewohnten wird vielleicht mit der Zeit schwächer, aber die häufige private Nutzung zeigt, dass die Schülerinnen und Schüler die Arbeit mit den Videos positiv bewerten.

2. Neue methodische Möglichkeiten:

Lernvideos eröffnen auch für Sie als Lehrerinnen und Lehrer neue, interessante methodische Herangehensweisen in der Stoffvermittlung. Sie bieten eine Ergänzung der bisherigen Möglichkeiten. Eine dieser neuen Methoden ist das „Flipped Classroom“: Die Schülerinnen und Schüler sehen das Video zu Hause und wenden das Gelernte im Unterricht an.

3. Flexibles Lernen im eigenen Tempo

Ein großer Vorteil von Lernvideos ist die Möglichkeit, den Lernprozess individuell zu steuern: Videos lassen sich anhalten, wiederholen oder in Teilen noch einmal ansehen. So kann jeder in seinem eigenen Tempo lernen – ein Gewinn vor allem für heterogene Lerngruppen.

4. Kurz, aber prägnant:

Gut gemachte Lernvideos bringen Inhalte auf den Punkt. In wenigen Minuten werden die wichtigsten Informationen anschaulich erklärt. Damit eignen sie sich ideal, um Themen einzuführen, Zusammenhänge zu verdeutlichen oder Lernstoff zu wiederholen.

Frau schaut Lernvideo
Lernvideos können den Unterricht bereichern. Africa Studio – stock.adobe.com

Dieser Punkt leitet gleich zu den Nachteilen des Lernmediums über:

Welche Schwächen haben YouTube-Lernvideos?

So hilfreich Lernvideos sein können – sie haben auch Grenzen, die Sie beim Einsatz im Unterricht berücksichtigen sollten.

1. Lernvideos können keinen differenzierten Unterricht ersetzen 

Lernvideos können keinen differenzierten, auf den individuellen Leistungsstand der Schüler und Schülerinnen ausgerichteten, Unterricht leisten. Wie Philippe Wampfler in seinem Blog „Schule Social Media“ schreibt, ist es meist „solider Frontalunterricht ohne Passung“.

Die besten Lernvideos sind deshalb selbst produziert und genau auf die jeweilige Situation abgestimmt.

Der Unterricht im Klassenzimmer wird gefilmt
Die besten Lernvideos sind selbst produziert. © Woodapple / Fotolia.com

2. Eingeschränkte Interaktion

Ein Nachteil, der allerdings nur zum Tragen kommt, wenn die Videos außerhalb des Unterrichts angesehen werden sollen, ist die fehlende Möglichkeit, Fragen zu stellen. Wichtig ist daher, das Gesehene anschließend gemeinsam zu besprechen, um Verständnisfragen zu klären und Inhalte zu vertiefen.

3. Ablenkung und Werbung auf YouTube

Problematisch bei den Lernvideos auf YouTube ist auch das Ziel des Unternehmens, die Konsumenten möglichst lange auf der Seite zu halten und Werbung zu schalten. Schon zu Beginn vieler Videos wird zunächst ein Werbespot gezeigt, bevor das eigentliche Video startet.

Neben dem abgespielten Video werden den Schülerinnen und Schüler darüber hinaus zahlreiche weitere Videos vorgeschlagen, die sie interessieren könnten, aber nichts mit dem Lernstoff zu tun haben müssen. Das kann leicht vom eigentlichen Thema ablenken. Wenn Sie Videos im Unterricht zeigen, lohnt sich daher der Einsatz werbefreier oder ablenkungsarmer Varianten.

  • Das Video herunterladen und offline abspielen.
  • Einen Bindestrich zwischen das "t" und das "u" von "yout-ube" in der Video-URL setzen. Dadurch wird das Video im Vollbildmodus abgespielt, ohne Werbung vorab und Videoempfehlungen im Bild.

4. Qualitätsunterschiede

Nicht alle Lernvideos sind fachlich korrekt oder pädagogisch sinnvoll aufbereitet. Prüfen Sie daher immer die Qualität, Verständlichkeit und Seriosität der Inhalte. Besonders im Fachunterricht bietet es sich an, gemeinsam mit den Lernenden Kriterien für gute Lernvideos zu entwickeln. Das stärkt zugleich die Medienkompetenz.

5. Altersbegrenzungen

YouTube darf laut Nutzungsbedingungen erst ab 13 Jahren selbstständig genutzt werden. Jüngere Kinder dürfen die Plattform nur unter Aufsicht der Eltern oder über YouTube Kids verwenden. Dann ist eine Einverständniserklärung der Eltern erforderlich. YouTube Kids bietet eine kindgerechte, werbearme Umgebung, ist aber inhaltlich deutlich eingeschränkt.

Tipp

Es muss nicht unbedingt YouTube sein:

Alternativen wie Mundo.schule, Planet Schule, Bildungsbox (hr) oder ZDF goes Schule wurden speziell für den Unterricht entwickelt.

Wie können Lernvideos für den Unterricht genutzt werden?

Trotz ihrer Schwächen können Lernvideos sinnvoll im Unterricht eingesetzt werden – vorausgesetzt, sie werden gezielt und didaktisch durchdacht eingesetzt.

Wenn Sie Lern- und Lehrvideos im Unterricht zeigen oder empfehlen, sollten Sie deren Inhalt vorher immer prüfen, denn die Qualität der Videos kann stark variieren. Je nach Ziel des Einsatzes kann es manchmal aber sinnvoll sein, auch schlecht gemachte oder fehlerhafte Videos zu zeigen, um mit den Schülerinnen und Schülern zum Training der Medienkompetenz die Schwächen der Videos zu thematisieren.

  • Als Unterrichtseinstieg:

    Sie können beispielsweise als Einstieg in ein neues Thema verwendet werden. Ein kurzes Video weckt Interesse und gibt einen ersten Überblick. Anschließend kann das Gesehene im Plenum besprochen oder mit dem Vorwissen der Schülerinnen und Schüler verknüpft werden.
    Gibt es mehrere Lernvideos zu Ihrem Thema, können sich Ihre Schüler und Schülerinnen die verschiedenen Videos ansehen und die darin genannten Punkte z. B. in Form einer Mindmap strukturieren und vergleichen.
  • In der Erarbeitungsphase:

    Im Flipped Classroom- oder Blended-Learning-Kontext können Lernvideos den klassischen Unterricht ergänzen. Schülerinnen und Schüler sehen das Video zu Hause oder im Rahmen einer Partnerarbeit im Unterricht, um sich mit einem Thema auseinanderzusetzen. Die gewonnene Zeit im Klassenzimmer kann dann für praktische Übungen, Diskussionen oder Vertiefung genutzt werden.
  • Zur Anwendung des erarbeiteten Wissens:

    Am Ende einer Unterrichtseinheit lassen sich Videos einsetzen, um Inhalte zu reflektieren oder kritisch zu hinterfragen. Schauen sich die Schülerinnen und Schüler das Video am Ende der Einheit nochmals an, können sie aus ihrer Sicht fehlende Punkte, Verbesserungsvorschläge, Ergänzungen und Ungenauigkeiten sammeln.
  • Als Wiederholung:

    In dieser Form werden Lernvideos auch bisher schon häufig genutzt: als komprimierte Wiederholung der Lerninhalte, v. a. als Klassenarbeitsvorbereitung. Mit gezielten Empfehlungen können Sie Ihre Schüler und Schülerinnen auf geeignete Videos hinweisen.
    Der große Vorteil der Videos: Wurde etwas nicht verstanden, lassen sie sich anhalten und „zurückspulen“. So kann jeder in seinem Tempo lernen.
  • Lernvideos selbst erstellen lassen

    Besonders motivierend ist es, wenn Schülerinnen und Schüler eigene Lernvideos produzieren, z. B. zur Zusammenfassung eines Themas. Dabei werden Inhalte eigenständig aufbereitet, visualisiert und präsentiert.'
    Solche Projekte fördern nicht nur Fachwissen, sondern auch Kreativität, Teamarbeit und Medienkompetenz. Achten Sie hierbei auf Datenschutz (keine Klarnamen oder Gesichter ohne Einverständnis).

Beispiele für Lernvideo-Kanäle

Hier haben wir eine kleine Liste mit einigen YouTube-Kanälen zusammengestellt, die uns gut gefallen haben:

Mehrere Fächer

  • Die Merkhilfe
    Hier gibt es Nachhilfe-Videos für die Fächer Biologie, Chemie, Deutsch, Englisch, Geografie, Geschichte, Gesellschaft, Informatik, Mathematik, Philosophie, Physik, Politik, Psychologie, Recht, Religion, Spanisch, Sport und Wirtschaft.
  • alpha Lernen
    alpha Lernen ist ein Kanal der ARD und bietet Lernvideos für verschiedene Schulfächer an, darunter Mathematik, Deutsch, Englisch und mehr. Die Videos sind klar strukturiert und eignen sich sowohl für das Lernen zu Hause als auch für den Einsatz im Unterricht.

Deutsch

  • Bob Blume – Netzlehrer
    Bob Blumes Videos zum Fachunterricht Deutsch sind humorvoll und informativ: Faust in 3 Minuten oder Tipps für bessere Deutschnoten.
  • musstewissen Deutsch
    Der Kanal bietet u. a. Grammatik, Literaturepochen und Literaturanalysen. Neue Videos kommen derzeit leider nicht mehr hinzu.
  • Sommers Weltliteratur to go
    Hier finden sich kompakte Zusammenfassungen der Klassiker der Weltliteratur – dargestellt von Playmobil-Figuren. 2018 wurde der Kanal mit dem „Grimme Online Award“ ausgezeichnet.

Geschichte

  • MrWissen2go Geschichte
    Ob Absolutismus, Weimarer Republik oder abirelevante Themen – hier finden sich Lernvideos quer durch die verschiedenen Epochen.

Mathematik

  • Mathe by Daniel Jung
    Der Kanal enthält sowohl nach SEK I und II sortierte Playlists als auch Playlists mit Inhalten zu großen Themengebieten (z. B. Analysis, Analytische Geometrie, Stochastik etc.).
  • Lehrerschmidt
    Lehrer Schmidt bietet Hilfe zu Themen aus den Bereichen Physik und Mathematik – beginnend bei Grundschulmathematik.

Naturwissenschaften

  • Terra X Lesch & Co
    Hier finden sich Videos zu verschiedenen Themen der Wissenschaft.
  • musstewissen Chemie
    Ionen, Atombindung, Trennverfahren oder Aggregatszustände – hier erfahren Schülerinnen und Schüler mehr über die Welt der Chemie.
  • musstewissen Physik
    Das oben genannte Format gibt es auch für Physik.
  • Doktor Whatson
    Spannende Videos aus den Bereichen Wissenschaft, Technik, Philosophie und Zukunft.
  • Quarks
    Hier finden sich Videos zu aktuellen wissenschaftlichen Themen.
  • 100SekundenPhysik
    Physikalische Themen kurz, auf den Punkt gebracht und anhand toller Zeichnungen erklärt.

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Seit 2014 arbeite ich bei Betzold in Ellwangen als Online-Redakteurin. Im Betzold-Blog möchte ich Lehrerinnen und Lehrern den ein oder anderen Tipp weitergeben, der den Schulalltag erleichtert und Zeit spart. Da ich stets auf der Suche nach neuen, interessanten Blog-Themen bin, freue ich mich immer über Ihre Anregungen: