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Die Mindmap als Lernhilfe

Lernen mit der Gedankenkarte

Ein Wort in der Mitte des Blatts macht den Anfang. Von dort verästeln und verzweigen sich mehrere Linien, die weitere mit Bildern, Symbolen und Farben kombinierte Begriffe verbinden, zu baumartigen Gebilden.

Schließlich entsteht ein Bild, das einer Landkarte gleicht – eine Karte der eben noch kreuz und quer im Kopf umherschwirrenden Gedanken. Oder wie es ihr Erfinder Tony Buzan Ende der 1960er nannte: eine Mindmap.

Mindmaps ergänzen an Schulen schon längst das Spektrum der Unterrichtstechniken. Ähnlich wie beim Brainstorming werden Begriffe gesucht, die mit einem Hauptthema verknüpft sind bzw. damit assoziiert werden. Während diese Begriffe beim Brainstorming aber nur gesammelt werden, geht es beim Erstellen einer Mindmap auch um das Strukturieren der gefundenen Wörter.

Mindmap als Lernmethode

Mindmapping kommt in Schulen z.B. beim Erarbeiten neuer Themen bereits häufig zum Einsatz © Fotolia.com / Christian Schwier

So entsteht aus unsortierten Gedanken eine Mindmap:

Egal, zu welchem Zweck die Mindmap erstellt wird, die Spielregeln sind so ziemlich die gleichen.

Ganz allgemein gilt: Eine Mindmap muss nicht unbedingt schön sein. Sie folgt auch keinem festgeschriebenen, einheitlichen Schema. Jeder darf seinen eigenen Mindmap-Stil entwickeln. Die folgenden Punkte sind deshalb auch eher als Empfehlungen zu betrachten.

  1. Schreibunterlage: Am besten ist ein unliniertes, weißes oder farbiges Blatt Papier (bunte Unterlagen sollen die Kreativität anregen) in DIN A4 oder größer geeignet, das die „Mindmapper“ im Querformat vor sich legen.
    Möchten Sie, dass die Schüler das Ergebnis später der Klasse präsentieren, stellen Sie ihnen am besten große Plakate oder Folien für den Tageslichtprojektor zur Verfügung. Wird die Mindmap von der gesamten Klasse gemeinsam erarbeitet, ist natürlich auch die Tafel ein passendes Medium.
    Inzwischen gibt es auch Programme zum Anfertigen von Mindmaps auf dem Computer. Ob Papier oder Computer ist Geschmackssache. Papier hat den Vorteil, dass es keinerlei technische Einschränkungen der Kreativität gibt und wir uns von Hand Geschriebenes und Gezeichnetes etwas besser merken können.
  2. Beschriftung: Beim Notieren der Gedanken wird die Schreibunterlage nicht gedreht – das erleichtert später die Lesbarkeit. Viele beschriften die Mindmap im Uhrzeigersinn, beginnend bei 12 Uhr.
    Mindmap erstellen

    „Mindmap“-Mindmap ;-), Quelle: Betzold

  3. Gestaltung: Bei der Gestaltung darf jedes zur Verfügung stehende Mittel eingesetzt werden.Farben sind ausdrücklich erwünscht: Mit Ihnen können z. B. zusammenhängende oder entgegengesetzte Begriffe oder Zweige gekennzeichnet oder Wichtiges betont werden. Die Farben sollen auch unser Gehirn ansprechen und das Erinnern erleichtern.
    Hervorhebungen: Durch die Stärke der Zweige, Unterstreichungen oder Rahmen kann die Bedeutung der Begriffe aufgezeigt werden. Für eine bessere Übersichtlichkeit macht eine Schreibung der Kategorien in Großbuchstaben Sinn.
    Bilder und Symbole: Werden Begriffe mit Bildern verknüpft, fällt es uns leichter, uns an den Inhalt der Mindmap zu erinnern. Sie machen gerade gut gefüllte Mindmaps übersichtlicher, da ein Bild oder Symbol den Blick zu sich lenkt und sofort deutlich macht, was gemeint ist.
    Einfügungen: Hinweispfeile können auch noch nachträglich Verbindungen oder Folgerungen sichtbar machen. Genauso ermöglicht eine Nummerierung der Zweige, deren Reihenfolge aufzuzeigen, falls diese bei der Anfertigung der Mindmap noch nicht abgeschätzt werden konnte.
  4. Zentrales Thema: Etwa in der Mitte des Blatts wird das Thema notiert, um das sich die Gedanken nun drehen sollen. Es sollte auf jeden Fall gleich ins Auge fallen.
    Rahmen, dicke Schrift oder eine gezeichnete Darstellung des Begriffs sorgen für Auffälligkeit.
  5. Zweige: Vom Hauptthema gehen nun Zweige mit Begriffen ab, die die Schüler mit dem Hauptthema assoziieren und ihm zuordnen. Direkt an das Hauptthema grenzen die Zweige mit den  wichtigsten Schlüsselbegriffen an, sozusagen den Oberkategorien, die in Schrift oder Bild notiert werden.
    Die Zweige sind immer so lange wie das darauf geschriebene Wort. Dabei sind die Hauptlinien dicker, Nebenzweige dünner. Von dort verästelt sich die Mindmap weiter und es werden den Kategorien weitere Begriffe zugeordnet usw. Gelesen werden die Linien in der Regel vom Mittelpunkt aus (manchmal macht auch der umgekehrte Weg Sinn), Verbindungspfeile zeigen darüber hinaus Zusammenhänge auf.

Mindmapping als Lernhilfe

Besonders beliebt sind Mindmaps z. B. beim Erarbeiten neuer Themen, der Vorbereitung von Präsentationen und Referaten, der Projektarbeit oder dem Strukturieren komplexer Texte. Schon Grundschüler können mit ein bisschen Übung Mindmaps anfertigen.

Mindmap als Lernmethode

Auch jüngere Schüler können Mindmaps anfertigen, Quelle: Betzold

Ganz im Sinne des Erfinders Tony Buzan können Mindmaps aber auch wunderbar als Lernhilfe eingesetzt werden! Buch- und Hefteinträge müssen natürlich weiterhin gelernt werden, die Übertragung des Wissens in eine Mindmap bringt aber überzeugende Vorteile mit sich:

  • Überblick gewinnen: Bei der Anfertigung einer Mindmap sind die Schüler gezwungen, sich darüber klar zu werden, wie sie Struktur in den Lernstoff bringen. Dazu müssen sie sich immer erst einen Überblick über das gesamte Lernthema verschaffen. Der hilft wiederum , das Thema besser zu verstehen.
  • Individuelles Lernen: In seiner Mindmap kann jeder Schüler das Lernthema so darstellen, wie es für ihn am meisten Sinn macht.
    Er lernt dabei nicht nur auswendig, sondern muss sich auch Gedanken machen, wie Aspekte des Themas auf ein Wort heruntergebrochen werden können, wie er es in den Gesamtzusammenhang seiner Gedankenkarte einordnet und gestaltet. Das bedeutet, dass die Schüler erkennen müssen, was wichtig ist und wie man es richtig benennt.
  • Lücken bemerken und Zusammenhänge erkennen: Ein weiterer Vorteil der Strukturierung ist, dass die Schüler Wissenslücken und auch Zusammenhänge zwischen verschiedenen Aspekten des Themas leichter bemerken. Denn vieles wird erst offensichtlich, wenn man das gesamte Thema im Blick hat.
  • Visualisierung komplexer und vernetzter Themen: Mindmapping kann seine Stärken besonders bei komplexen, unübersichtlichen Themen und Texten ausspielen. Auf der Karte muss alles Überflüssige wegfallen, Komplexes wird auf das Wesentliche reduziert. Durch die Hierarchisierung, Gruppierung und dem Aufzeigen von Zusammenhängen wird der Inhalt griffiger.
  • Leichter zu merken: Und schlussendlich kann man sich auf einer Mindmap notierte Begriffe und Zusammenhänge einfach gut merken.
    Ob das nun daran liegt, dass das Lernen mit der Mindmap „gehirngerechter“ ist, da durch Schrift, Farben und Bild beide Gehirnhälften angesprochen werden, wie eine Hypothese von Tony Buzan besagt, oder ob die intensivere Beschäftigung und dem Spaß beim kreativen, bunten, assoziativen Gestalten der Karte schuld ist (oder beides), bleibt dahingestellt und ist im Grunde auch gar nicht so wichtig – Hauptsache es funktioniert :)

Es erfordert sicher etwas Übung, bis Schüler Mindmaps, die den Lernstoff gut abbilden, schnell erstellen können. Eine wichtige Voraussetzung ist dafür auch ein gutes Textverständnis und Lesestrategien. Ist das aber gegeben, haben Ihre Schüler mit der Mindmap ein Werkzeug zur Hand, das es ihnen ermöglicht, sich auch über komplexe  Themen und Texte schnell einen Überblick zu verschaffen, die Inhalte zu strukturieren und übersichtlich  aufzuarbeiten.

Über Bettina Kroker

Seit 2014 arbeite ich bei Betzold in Ellwangen als Online-Redakteurin. Im Betzold-Blog möchte ich Lehrerinnen und Lehrern den ein oder anderen Tipp weitergeben, der den Schulalltag erleichtert und Zeit spart. Da ich stets auf der Suche nach neuen, interessanten Blog-Themen bin, freue ich mich immer über Ihre Vorschläge: blog@betzold.de.

Ein Kommentar

  1. Toller Artikel, Mindmap als Lehrmethode eine sehr gute Idee. Wir nutzen die Mindmap in fast jedem Meeting. Bei Kindern kann ich mir auch vorstellen, das dadurch sehr gut gezeigt wird, wie zusammenhänge entstehen.

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