Wer die Frage nach dem Wollen, auch in Anbetracht dieser Anforderungen, nicht bejahen kann, sollte sich fragen, woher die Ablehnung kommt. Die bekannten Unterrichtsmethoden haben sich lange bewährt, aber die Neuen können diese ergänzen und mehr Vielfalt in die Vermittlungsmöglichkeiten bringen. Man muss sich aber auf sie einlassen wollen, damit sie ihre Vorteile ausspielen können.
Digitale Medien allein können den Unterricht nicht verbessern
Andererseits gibt es aber auch Irrtümer über den Einsatz digitaler Medien im Unterricht, die zu überzogenen Erwartungen führen und letztlich enttäuschen müssen:
Digitale Medien verbessern das Lehren und Lernen.
Wer ein Klassenzimmer mit einer interaktiven Tafel, einer Dokumentenkamera und einem Klassensatz Tablets ausstattet und davon ausgeht, dass dies allein einen positiven Effekt auf den Unterricht hat, wird sicher enttäuscht werden.
Eine unreflektierte Techniknutzung bringt keine Vorteile.
Wie John Hattie aus seiner vielzitierten Studie schlussfolgert: Auf den Lehrer kommt es an!
Erst in Kombination mit weiteren Faktoren können die Geräte ihr Potential ausspielen:
- Schulen müssen die technischen und organisatorischen Anforderungen für einen gelungenen Medieneinsatz erfüllen
- in Bedienung und Einsatzmöglichkeiten geschulte Lehrkräfte
- Bereitschaft der Lehrkräfte, die neuen Möglichkeiten einzusetzen
- ein pädagogisches Konzept zur Mediennutzung
- Wissen, wann der Einsatz sinnvoll ist, d. h. in welchen Bereichen haben digitale Medien einen Vorteil gegenüber den analogen (z. B. wenn sich die Schülerinnen und Schüler mit anderen kommunizieren und vernetzen möchten oder interaktive Vorgänge sinnvoll sind)? Wo wäre ein Einsatz eher eine nette Spielerei?
Digitale Medien und KI sind also genauso wenig ein Allheilmittel wie eine Bedrohung. Ihre Möglichkeiten ersetzen weder Lehrerinnen und Lehrer noch die analogen Lehrmittel, sondern ergänzen diese. Das Ergebnis: Sie haben eine größere Auswahl, welche Methode für den gegebenen Zweck am besten geeignet ist.
Um ihr Potential gut ausschöpfen zu können, sind aber auf sie abgestimmte pädagogische und didaktische Konzepte nötig, die bisher gewohnte Strukturen durchaus verändern können.
Ein Beispiel ist der Ansatz des Flipped Classrooms: Das Konzept, in der Schule in neue Themen eingeführt zu werden und diese zuhause durch Übungen zu festigen, wird umgedreht. Lehrkräfte bereiten Lehrvideos zu neuen Themen vor, die sich die Schüler zuhause ansehen, um sich einzuarbeiten. In der Schule wird die Zeit mit den Lehrerinnen und Lehrern genutzt, um das Neue einzuüben, zu festigen und Fragen zu stellen.
Mehr zum Konzept des Flipped Classrooms finden Sie im Beitrag „Schon mal umgedrehten Unterricht gehalten?“: