Die Beeinträchtigungen führen zu schlechteren schulischen Leistungen. Ohne Hilfe durch geeignete Maßnahmen führt dies zu schlechteren oder fehlenden Schulabschlüssen.
Was tun, wenn Sie eine visuelle Wahrnehmungsstörung vermuten?
Um festzustellen, ob tatsächlich eine visuelle Wahrnehmungsstörung vorliegt, muss untersucht werden, ob sie als Ursache für die Probleme in Frage kommt. Durch teilweise ähnliche Anzeichen ist sonst eine Verwechslung beispielsweise mit LRS, Rechenschwäche oder AD(H)S möglich.
Wenn die Ursache der Lernprobleme geklärt ist, können eine passende Therapie und weitere unterstützende Maßnahmen helfen, diese zu überwinden. Zwar können sich die Schwierigkeiten mit der visuellen Wahrnehmung im Laufe der kindlichen Entwicklung von selbst verbessern, wenn es sich um eine vorübergehende Wahrnehmungsschwäche handelt, doch dann könnte bereits ein schulisches Lerndefizit entstanden sein, das schwer wieder aufgeholt werden kann.
1. Gespräch mit den Eltern
Als Lehrkraft sollten Sie bei einem Verdacht auf eine Wahrnehmungsstörung zunächst das Gespräch mit den Eltern suchen:
- Schildern Sie Ihre Beobachtungen sachlich und wertfrei.
- Fragen Sie nach Auffälligkeiten im Alltag oder in der Freizeit.
- Ermutigen Sie die Eltern, eine fachliche Abklärung einzuleiten.
So entsteht ein gemeinsames Verständnis und ein erster Schritt zu möglicher Unterstützung wird gemacht.
2. Diagnose stellen lassen
Um sicherzugehen, ob eine visuelle Wahrnehmungsstörung wirklich die Ursache für die schulischen Probleme ist, sollte ein Experte/eine Expertin aufgesucht werden. Die Diagnose erfolgt oft in Zusammenarbeit mehrerer Fachpersonen. Kinderärztinnen und -ärzte sind meist die erste Anlaufstelle.
Dort können Fachleute (z. B. Augenärztinnen/Augenärzte oder Orthopistinnen/Orthoptisten) für eine weitergehende Diagnose empfohlen werden. Auch Psychologinnen und Psychologen, Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten sowie Hailpädagoginnen und Heilpädagogen können bei einer Diagnosestellung einbezogen werden.
Bei der Diagnostik werden in der Regel überprüft:
- Sehschärfe, Augenbewegungen und beidäugiges Sehen
- Lernverhalten und individuelle Stärken
- Wahrnehmungsverarbeitung durch standardisierte Tests
So kann überprüft werden, ob eine behandlungsbedürftige visuelle Wahrnehmungsstörung vorliegt und wie geeignete Maßnahmen aussehen können.
Aber auch wenn es sich „nur“ um eine vorübergehende Wahrnehmungsschwäche handelt, können die unten aufgeführten Punkte den betroffenen Kindern das Lernen erleichtern.
3. Therapie und unterstützende Maßnahmen
Wenn körperliche Ursachen vorliegen, die behandelt werden können, wird dies der erste Schritt sein. Oft können aber keine körperlichen Gründe ausgemacht werden. Spezielle Übungen sollen helfen, die Fähigkeiten zu trainieren, bei denen Defizite bestehen. Helfen kann beispielsweise eine Ergotherapie oder eine heilpädagogische Begleitung. Was genau sinnvoll ist, hängt von den individuellen Ursachen und Beeinträchtigungen ab.
Wichtig ist, dass Eltern, Therapeutinnen und Therapeuten und Lehrkräfte sich regelmäßig austauschen, um das Kind bestmöglich zu fördern.
Wie Sie als Lehrerinnen und Lehrer Kindern mit visuellen Wahrnehmungsstörungen helfen können
Je nachdem, wo die Schwierigkeiten der Schülerinnen und Schüler liegen, gibt es unterschiedliche Ansätze, ihnen das Lernen in der Schule zu erleichtern. Wichtig ist: Machen Sie sich bewusst, dass diese Kinder nicht „unaufmerksam“ oder „nachlässig“ sind, sondern mit einer zusätzlichen Herausforderung kämpfen.
Hier sind einige Punkte, die betroffene Kinder neben einer therapeutischen Begleitung unterstützen können:
Arbeitsplatz und Materialien:
- Geeigneten Sitzplatz bereitstellen (Licht, Nähe zu Tafel und Projektionsflächen).
- Klare, kontrastreiche Arbeitsblätter mit großer, gut lesbarer Schrift
- Wenig überladene/verspielte Materialien – einfache, strukturierte Layouts erleichtern die Orientierung
- Hilfsmittel wie Lesefenster, Lineale oder Fingerführung erlauben
- Weitere Hilfsmittel wie Lupen, Lesegeräte, Tablets oder Computer (Vergrößerungsfunktion, Vorlese-Apps oder Texterkennungs-Software) erlauben
- Markierungshilfen (z. B. Textmarkerband, Farbmarkierungen) zur besseren Orientierung
- Alternative Lineaturen bei Schreibheften anbieten (zu viele Linien können Kinder mit visuellen Wahrnehmungsstörungen eher durcheinanderbringen als helfen)
Zeit und Tempo:
- Mehr Zeit zum Abschreiben von Texten und Tafelbildern, Hausaufgaben oder Tests gewähren
- Aufgabenumfang reduzieren, ohne Lernziele zu verändern
- Korrekturfreundlich bleiben – nicht jedes formale „Fehlermuster“ bewerten, wenn es auf die Wahrnehmung zurückzuführen ist
Vermittlung und Kommunikation
- Aufgabenstellungen vorlesen oder erklären, auch bei schriftlichen Arbeiten
- Regelmäßige kurze Wiederholungen oder Visualisierungen zur Festigung von Inhalten
- Rückmeldung einfühlsam und ermutigend formulieren – positive Verstärkung stärkt das Selbstvertrauen