Schülerin trinkt aus Flasche
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Aktualisiert: 11.08.2022

Trinken im Unterricht

Erlauben Sie Ihren Schülerinnen und Schülern, im Unterricht zu trinken? Einigkeit herrscht bei diesem Thema nicht. Selbst wenn beide Parteien die Argumente der anderen Seite nachvollziehen können: Für die einen ist das Trinken im Unterricht in erster Linie ein potenzieller Störfaktor, für die anderen überwiegt die positive Wirkung auf Konzentrationsfähigkeit und Gesundheit.
Bettina Kroker
Bettina Kroker
Online-Redakteurin
© Africa Studio / Fotolia.com   

Argumente für und gegen das Trinken im Unterricht

Trinken im Unterricht ist ein Störfaktor, wenn

    • das Suchen der Getränke in den Taschen und das Öffnen v. a. kohlesäurehaltiger Getränke Lärm zur Folge hat.
    • Getränke in Taschen auslaufen oder offene Getränke umgestoßen werden, was Unruhe und die Beschädigung von Unterrichtsmaterial verursacht.
    • die Schülerinnen und Schüler häufiger zur Toilette müssen, was den Unterricht erneut stört. Diesem brisanten Thema haben wir einen eigenen Beitrag gewidmet: „Toilettengang während des Unterrichts“.

Trinken, auch im Unterricht, ist wichtig, da

Ein weiterer Vorteil der Trinkgenehmigung: Was für die Schülerinnen und Schüler gilt, gilt auch für Sie!

Die Belastung der Stimme ist im Lehrberuf besonders hoch und nichts hält die Stimmbänder so geschmeidig, wie regelmäßiges Trinken (mehr zu diesem Thema erfahren Sie in unserem Blogbeitrag „Wie Sie Stimmprobleme vermeiden“)! Da die Pausen mit den verschiedensten Aufgaben gefüllt sind, kommt das Trinken aber gern zu kurz.

Vorteile von Trinken im Unterricht

Auch für die Kinder sind die Pausen oft kurz: Räume werden gewechselt, die Toilette muss aufgesucht werden, der Tafeldienst reinigt die Tafel und natürlich muss auch gerannt, gespielt und sich ausgetauscht werden. Trinken wird da leicht vergessen und der Durst kommt erst während der nächsten Stunde.

Fordern Sie Ihre Schülerinnen und Schüler immer wieder zum Trinken auf und führen das Thema „Trinken“ im Unterricht ein, gewöhnen sich die Kinder und Jugendlichen ein regelmäßiges Trinkverhalten an, von dem sie dauerhaft profitieren – denn auch Erwachsene trinken eher zu wenig.
Die meisten Kinder und viele Eltern befürworten eine Erlaubnis, während des Unterrichts zu trinken.

Aber auch die Gegenargumente sind nicht von der Hand zu weisen. Die Ursachen von Unterrichtsstörungen sind vielfältig und nur wenige können so effektiv verhindert werden, wie die, die durch Trinken verursacht werden. Und mögen die Pausen auch noch so stark durch nötige und weniger nötige Tätigkeiten gefüllt sein – sie wiederholen sich doch in der Regel alle 45 Minuten. 

Wer sich welcher Seite anschließt, hängt von Erfahrungswerten und den eigenen Prioritäten ab.

Vielleicht kann man es auf die Aussage herunterbrechen: Solange das Trinken den Unterricht nicht stört, gibt es keinen Grund, es zu verbieten. 

Damit es möglichst wenig stört, hier ein paar Tipps:

Weniger Störungen durch Trinkregeln

Möchten Sie das Trinken in Ihrem Unterricht nicht komplett verbieten, die potentiellen Unterrichtsstörungen jedoch minimieren, können Sie z. B. Trinkregeln aufstellen.

    • Trinkphasen definieren: Trinkgeräusche sind besonders in Frontalunterrichtsphasen störend, wenn die Schülerinnen und Schüler Ihren Ausführungen gerade lauschen (sollten ;-)). Zischt dann eine Flasche, ist es mit der Aufmerksamkeit vorbei. Selbst wenn die Ablenkung nur kurz ist, ist der Unterrichtsfluss erstmal unterbrochen.
      Um diese Situation zu vermeiden, können Sie mit Ihrer Klasse vereinbaren, das z. B. nur in Partner- und Gruppenarbeitsphasen, in denen es ja ohnehin eher etwas lauter ist, während Stillarbeitsphasen und bei Klausuren getrunken werden darf.
      Vielleicht sagen Ihnen auch eher spezielle Trinkpausen während des Unterrichts zu, deren Zeitpunkt Sie selbst vorgeben können.
    • Getränkeauswahl: Was in der Pause getrunken wird ist Sache der Schülerinnen und Schüler. In Ihrem Unterricht dürfen Sie bestimmen ;-)
      Wasser ist hier die beste Wahl: es löscht den Durst effektiv, enthält keine Kalorien, zischt nicht und hinterlässt keine Flecken, sollte mal etwas verschüttet werden. Andere ungesüßte Getränke, wie Mineralwasser, Früchte- oder Kräutertees, sind ebenso geeignet.
    • Nuckelverbot: Gerade Plastikflaschen mit dem praktischen Sportverschluss, der das Auslaufen des Flascheninhalts verhindert, laden Kinder zum Rückfall in kleinkindliche Verhaltensmuster ein …
      Das Gleiche gilt für zuckerhaltige Getränke, die aus dem Trinken eher ein „Naschen“ machen.
      Hier hilft eine Abmachung, dass flaschennuckeln und anderer Unfug, der mit den Getränken bzw. den Flaschen betrieben wird (z. B. Flaschen knacken lassen, damit trommeln, als Fußballersatz nutzen oder werfen, den Inhalt anderen Orten als dem eigenen Mund zuführen), für den Unruhestifter Konsequenzen zur Folge hat.
    • „Trinklärm“ minimieren: Die trinkbedingte Unterrichtsstörung beginnt ja meist schon mit dem Suchen der Flasche in der Schultasche. Hier können Sie bereits ansetzen: Die Kinder sollen die Getränke vor dem Unterricht neben ihren Taschen abstellen (so entfällt die raschelnde Suchphase – dürfen die Flaschen auf dem Tisch abgestellt werden, gleicht das Klassenzimmer leicht einer Mensa). Sie sollen die Flaschen leise öffnen und möglichst genauso geräuscharm trinken, die Flaschen wieder gut verschließen und zur Seite stellen. Getränke ohne Kohlensäure provozieren natürlich am wenigsten Lärm.
Getränkespender
Wer ausreichend trinkt, kann sich gut konzentrieren, Quelle: Betzold

An immer mehr Schulen werden inzwischen Trinkbrunnen bzw. Wasserspender installiert. Dort können sich Schüler kostenlos stilles oder aufgesprudeltes Leitungswasser zapfen. Diese Möglichkeit führt auch dazu, dass Schülerinnen und Schüler sogar in den Pausen mehr Wasser und weniger Limonaden und andere süße Getränke zu sich nehmen. Außerdem schonen sie ihren Rücken, da keine Getränke mitgebracht werden müssen.

Die meisten Schulen überlassen die Entscheidung für oder gegen das Trinken im Unterricht den Lehrerinnen und Lehrern. Es gibt allerdings auch Schulen, die das Trinken von Wasser generell erlauben. So wissen die Schülerinnen und Schüler immer, was Sache ist – gibt es allerdings Probleme damit, kann das Privileg schwieriger wieder entzogen werden. Allgemein gültige Trinkregeln sind dann umso wichtiger.

Sondersituationen stellen natürlich sehr hohe Temperaturen und sportliche Betätigungen dar. Hier erhöht sich der Wasserbedarf deutlich, weswegen Sie das Trinken bei starker Hitze, während und nach dem Sport auf jeden Fall erlauben sollten!

Quellen

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Seit 2014 arbeite ich bei Betzold in Ellwangen als Online-Redakteurin. Im Betzold-Blog möchte ich Lehrerinnen und Lehrern den ein oder anderen Tipp weitergeben, der den Schulalltag erleichtert und Zeit spart. Da ich stets auf der Suche nach neuen, interessanten Blog-Themen bin, freue ich mich immer über Ihre Anregungen: