Liebe Frau Landgraf, treten viele Pädagoginnen und Pädagogen an Sie heran oder ist Supervision im Bildungsbereich tatsächlich noch vergleichsweise selten? Mit welchen Fragen wenden sich Lehrkräfte an Sie?
Vor allem in der aktuellen Situation, die in vielen Arbeitsbereichen von Veränderung und Unbeständigkeit geprägt sind, wird Supervision im Bildungsbereich vermehrt angefragt.
Hier handelt es sich zum einen um strukturelle Themen, im Hinblick auf veränderte bzw. neue Abläufe in den Einrichtungen, und zum anderen um persönliche Belastungsthemen der Fach- und Führungskräfte. Auch Inhalte, bezugzunehmend auf die Kommunikation mit Kolleginnen und Kollegen oder Vorgesetzen, sind Themen.
Konkrete Fragen sind zum Beispiel: Wie kann ich vorhandene Arbeitsschritte effizienter gestalten? Oder: Wie können Strukturen in der Einrichtung verbessert werden?
Auch Fragestellungen, die das Team betreffen, kommen öfters in der Supervision vor. So zum Beispiel die Frage: Wie können wir als Team unsere Kommunikationsstrukturen verbessern?
Die Coaches sind ja sozusagen „Außenstehende“, keine ausgebildeten Pädagoginnen und Pädagogen. Welche Vor- oder Nachteile hat das für die Supervision?
Gerade die Position als „Außenstehende“ ist von großem Vorteil in der Supervision und beim Coaching. Man gehört nicht zum Team oder zur Einrichtung und kennt die Abläufe und Situationen aus Erzählungen der Supervisanden. Dies erlaubt der Supervisorin/dem Supervisor einen Blick von „außen“ auf die Situation, ohne eine Trübung der Gegebenheiten durch eigene Interpretationen oder Erfahrungen zu haben.
Wie läuft eine Supervision ab?
Zunächst beschreibt der Supervisand ihre/seine mitgebrachte Fragestellung oder die derzeitige Situation die sie/ihn beschäftigt. Danach gehen wir der Frage auf den Grund, was sich konkret ändern oder verbessern sollte und wo das Ziel hierbei liegt. Durch Einsatz von verschiedenen Methoden und durch eine selbstreflektierende Haltung können die mitgebrachten Fragestellungen angegangen bzw. beantwortet werden.
Wie lange dauert eine Supervision üblicherweise?
Hier gibt es verschiedene Zeitmodelle. Diese sind abhängig vom Anliegen und vom Setting. In der Regel dauert eine Supervision im Einzelsetting 60 - 90 Minuten. Während eine Teamsupervision im Zeitraum zwischen zwei und vier Stunden liegen kann, je nach Teamgröße.
Was können Lehrerinnen und Lehrer von einer Supervision erwarten? Welche Ziele werden bei einer Supervision verfolgt?
Lehrerinnen und Lehrer können in der Supervision ihre berufliche Haltung und Rolle reflektieren und kennenlernen. Ebenso kann das Format zur Verbesserung der eigenen Arbeitsweise sowie der Arbeitsstrukturen in der Einrichtung oder Schule dienen. Ziel einer Supervision ist, sich selbst in der beruflichen Situation genauer zu beleuchten und so positive Verbesserungen für sich und sein Arbeitsfeld zu erzielen.
Mir als Supervisorin ist wichtig, dass die Supervision ein Ort ist, an dem die Lehrkräfte persönliche Belastungen einbringen können und diese während des Settings Raum haben dürfen. Das können zum Beispiel herausfordernde Themen mit Schülern oder Eltern sein, die einem im schulischen Alltag begegnen.
Liebe Frau Kroker, vielen Dank für den spannenden gemeinsamen Austausch zum Thema Supervision.
Auch von meiner Seite herzlichen Dank für den Einblick in die Möglichkeiten von Supervision und Coaching!