Kindergartenalltag: Regeln und Konsequenzen
Auch wenn Kindergärten und Kitas Räume der Entwicklung und des Ausprobierens für Kinder sind, so benötigen auch diese offenen und durch das Prinzip der Partizipation geprägten Einrichtungen Regeln. Regeln – auch gerne gemeinsam erarbeitet – sorgen für das Funktionieren des sozialen Miteinanders und sorgen für Sicherheit, sei diese nun emotional oder physisch.
Die Regeln sollten entsprechend dem Alter und dem Entwicklungsstand der Kinder verständlich und umsetzbar sein. Regeln, die die Sicherheit unterstützen, könnten beispielsweise wie folgt lauten: „Im Flur nicht rennen.“, „Keine Spielsachen werfen.“, „Nicht schlagen, kneifen, beißen.“ Innerhalb der so entstandenen Grenzen entsteht ein sicherer Raum, in dem sich Kinder ausprobieren können, um daraufhin in ihrem eigenen Tempo Reaktionen, Verhaltensmuster und persönliche Eigenschaften zu entwickeln. Der pädagogischen Fachkraft kommt eine unterstützende, vermittelnde und impulsgebende Rolle zu.
Muss jeder Regelverstoß Konsequenzen haben?
Gerade im oft turbulenten pädagogischen Alltag stoßen Erzieherinnen und Erzieher zuweilen an ihre Grenzen. Die eigenen Erfahrungen und Erlebnisse im Zusammenhang mit Strafen und Konsequenzen beeinflussen – oft auch unbeabsichtigt – die Reaktion auf Regelverstöße oder unerwünschtes Verhalten. Ziel sollte es für pädagogische Fachkräfte sein, diese eigenen Erfahrungen reflexiv zu behandeln und sie auch im Team offen anzusprechen. Gemeinsam können alternative Wege entwickelt werden, um diese Impulse in produktivere Bahnen zu lenken.
Oft genügt hier schon ein wenig Abstand, ein Durchatmen oder ein festes Ritual, das den Pädagoginnen und Pädagogen in stressgeladenen Situationen hilft, die eigenen Erfahrungen zu neutralisieren.
Wichtig bei Regelverstößen ist ein empathisches Herangehen:
- Die Bedürfnisse der Kinder hinterfragen.
- Unterstützung und Interesse an der Situation zeigen.
- Zeit für Erklärungen einplanen.
- Persönliche Grenzen aufzeigen.
- Das Übernehmen von Verantwortung fördern.
- Individuelle Lösungsstrategien erarbeiten statt Kollektivstrafen.
Ganz allgemein gesprochen, fällt negatives oder regelverletzendes Verhalten Erwachsenen schneller und offensichtlicher ins Auge. Daher ist es äußerst wichtig, dass positives Verhalten der Kinder - also das Einhalten der aufgestellten Regeln - direkt gelobt und durch eine wertschätzende Rückmeldung anerkannt wird.
„Wenn-dann-Keule“ und aktives Zuhören
„Wenn du nicht …, dann …“ findet bis heute in vielen Familien Anwendung. Diese verbale Keule ruft eine Drohkulisse hervor, in der Empathie und bedürfnisorientierte Förderung zu kurz kommen. Ein Fachvortrag für interessierte Eltern im Rahmen eines Elternabends kann hier für Aufklärungsarbeit leisten. Die Erfahrungen, die Kinder bereits in frühen Jahren in ihrem Zuhause machen, sind die emotionalen Größen, auf denen die Arbeit in Kindergarten und Kita aufbaut. Stressoren in Alltagssituationen und in der Kommunikation werden ermittelt und dann gemeinsam mit den Kindern bearbeitet.
Aktives Zuhören hilft Erzieherinnen und Erziehern, Konfliktsituationen zu ergründen und durch eine neutrale Beschreibung der Ausgangssituation (des Regelverstoßes) eine Basis für die konsequente Durchsetzung der Regeln zu schaffen.
- Ausgangslage neutral beschreiben.
- Einzelne Auswirkungen auf das Kind und auf andere beschreiben.
- Sichtweise und emotionale Situation des Kindes erfragen.
- Bedürfnisse ermitteln.
- Gemeinsam eine direkt umsetzbare Konsequenz festhalten.