Erzieherin sitzt mit Kindern an einer Sitzgruppe aus dem Betzold-Onlineshop
Alltag
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Veröffentlichung: 21.03.2021

Der Situationsorientierte Ansatz (S.o.A.) in Kindergarten und Kita

Der Situationsorientierte Ansatz (S.o.A.) in Kindergarten und Kita richtet die pädagogische Arbeit am Kind an den individuellen Erlebnissen und Erfahrungen der Kinder aus. Der Blick zurück und die Auseinandersetzung mit emotionalen Eindrücken ermöglichen eine stabile Entwicklung zu Selbstständigkeit und die Ausbildung einer intrinsischen Motivation des Lernens.
Janine Landwermann
Janine Landwermann
Online-Redakteurin

Fragen und Antworten

Was ist der Situationsorientierte Ansatz?

Entwickelt wurde der Situationsorientierte Ansatz (S.o.A.) von Armin Krenz in den 1980er Jahren in Kiel. Entstanden und basierend auf interdisziplinären Erkenntnissen aus Entwicklungspsychologie, Neurobiologie, Bindungsforschung und Bildungsforschung. Die bisherigen Erfahrungen und Erlebnisse der Kinder, die über die 6 verschiedenen kindlichen Ausdrucksformen, die beobachtet werden, bilden hier die Grundlage für die pädagogische Arbeit.

Welche Schwerpunkte werden im Situationsorientierten Ansatz gelegt?

Der S.o.A. legt den Schwerpunkt auf die intensive Beobachtung der 6 kindlichen Ausdrucksformen und daraus abzuleitende Erkenntnisse, die als Grundlage für alltagsnahe Projekte dienen. Künstlich geschaffene „Lerneinheiten“ sind nicht teil des S.o.A.. Angestrebt wird ein ganzheitlicher Bildungsprozess, der die emotionale Basis und bereits gemachte Erfahrungen als Grundlage sieht.

Welche Kritik gibt es am Situationsorientierten Ansatz?

Als Herausforderung in der Praxis wird die notwendige Selbstreflexion und Selbstbildung der pädagogischen Fachkräfte gesehen. Da der Fokus dieses Ansatzes darin liegt, Erzieherinnen und Erzieher in noch höherem Maße als Bindungspersonen zu sehen und durch diese eine Aufarbeitung der kindlichen Erfahrungen und Erlebnisse vollzogen wird, ist eine solide emotionale Basis vonnöten.

Wo ist der Unterschied zwischen Situationsorientiertem Ansatz und Situationsansatz?

Der Situationsorientierte Ansatz baut auf individuellen Erfahrungen und Erlebnissen auf, die die Kinder durch Spiel, Sprache, Bewegung usw. ausdrücken. Diese Erfahrungen werden verarbeitet und emotional eingeordnet – dies geschieht durch Projekte, die durch die Kinder angestoßen werden. Auch im Situationsansatz liegt die Basis der durchgeführten Projekte in den Ideen und Interessen der Kinder. Allerdings stehen hier oft didaktische Elemente im Mittelpunkt. Ausgangspunkt für die Projekte sind bei der Arbeit mit dem Situationsansatz die sogenannten „Schlüsselmomente“.

Junge sitzt lachend auf dem Boden und hält einen Ball aus dem Betzold Online-Shop in der Hand.
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Der Situationsorientierte Ansatz: kurz und knapp erklärt

Der Situationsorientierte Ansatz basiert auf den Erfahrungen und emotionalen Eindrücken, die Kinder bisher gesammelt haben. Die Aufarbeitung und Einordnung des Erlebten steht im Mittelpunkt dieses pädagogischen Ansatzes. Erzieherinnen und Erzieher beobachten und analysieren gezielt die 6 Ausdrucksformen der Kinder (Motorik, Spiel, Sprache, Träume, besondere Verhaltensweisen, Malen) und richten ihre pädagogische Arbeit nach den Beobachtungen aus. Entwickelt wurde der situationsorientierte Ansatz von Armin Krenz in den 1980er Jahren in Kiel unter Berücksichtigung der folgenden interdisziplinären Fachrichtungen: 

    • Entwicklungspsychologie
    • Bildungsforschung
    • Neurobiologie
    • Bindungsforschung

Kinder werden nach diesem Grundsatz in ihrer individuellen Lebenswelt abgeholt und durch die pädagogischen Fachkräfte in ihrer emotionalen Entwicklung begleitet. Nah an der Lebenswelt/Realität aufgesetzte Projekte werden hier vornehmlich eingesetzt und künstlich geschaffene Lernsituationen oder verschulte Aufgabenstellungen werden abgelehnt. Der Selbstbildungsprozess der Kinder soll angeregt und gefördert werden, emotionale Stabilität und soziale Kompetenzen stehen im Vordergrund. Negative Erfahrungen werden im S.o.A. als entwicklungshinderlich gesehen und bedürfen einer Aufarbeitung und begleiteten erneuten Einordnung. Bereits in frühen Jahren erlernte Grundmuster des Handelns werden durch Krenz als Lebensplan bezeichnet. Dieser Lebensplan kann – je nach gemachter Erfahrung – förderlich für die selbstständige Entwicklung des Kindes sein, oder eher hinderlich. Die pädagogischen Bedürfnisse der Kinder bilden die Basis für die durchzuführenden Projekte im Situationsorientierten Ansatz. Die Entwicklung dieser Projekte folgt in der Herangehensweise einem festgelegten Plan, der in seinem Aufbau immer gleich ist. Der Ablauf der Projekte wird allerdings – je nach Resonanz der Kinder und nach aufkommenden neuen Themen – flexibel gehandhabt.  

Die 6 Ausdrucksformen des Kindes

Die 6 Ausdrucksformen des Kindes beschreibt Armin Krenz ausführlich in seinem Buch „Kinderseelen verstehen“. Basierend auf der Arbeit des Psychoanalytikers C.G. Jung sieht Krenz in den kindlichen Ausdrucksformen, das Schaffen von Symbolen, welche Einblick in das Seelenleben des Kindes ermöglichen. Es wird also die Gegenwart beobachtet, um Vergangenes zu verstehen. 

    1. Motorik: Wie bewegt sich das Kind? Was drückt es damit aus? Gibt es Entwicklungshindernisse, die damit ausgedrückt werden? Welche Wege zur Entwicklungsförderung können angewendet werden?
    2. Spiel: Wie spielt das Kind? Womit spielt es gerne/ungerne? Was drückt es damit aus? Gibt es Entwicklungshindernisse, die damit ausgedrückt werden? Welche Wege zur Entwicklungsförderung können angewendet werden?
    3. Sprache: Was erzählt das Kind? Wie spricht das Kind? Was drückt es damit aus? Gibt es Entwicklungshindernisse, die damit ausgedrückt werden? Welche Wege zur Entwicklungsförderung können angewendet werden?
    4. Träume: Welche Träume hat das Kind (Tagträume oder Nachtträume)? Was drückt es damit aus? Gibt es Entwicklungshindernisse, die damit ausgedrückt werden? Welche Wege zur Entwicklungsförderung können angewendet werden?
    5. Besondere Verhaltensweisen: Was tut das Kind? Wie unterscheidet sich die Verhaltensweise von bisher gezeigtem Verhalten? Was drückt es damit aus? Gibt es Entwicklungshindernisse, die damit ausgedrückt werden? Welche Wege zur Entwicklungsförderung können angewendet werden?
    6. Malen: Was erzeugt das Kind auf welche Weise kreativ? Was drückt es damit aus? Gibt es Entwicklungshindernisse, die damit ausgedrückt werden? Welche Wege zur Entwicklungsförderung können angewendet werden?

Projektarbeit im Situationsorientierten Ansatz

Projekte werden im Situationsorientierten Ansatz mit der Hilfe von 7 Schritten konzipiert: 

    1. Biografiearbeit – Hierbei setzen sich die pädagogischen Fachkräfte mit der Lebenswelt und den bisherigen Erlebnissen der Kinder auseinander (Familiengröße, besondere Ereignisse, Wohnumfeld, Umzüge, Haustiere etc.).
    2. Für jedes Kind wird eine Liste angelegt, die mit den 6 Ausdrucksformen versehen ist. Dort können in regelmäßigen Abständen Beobachtungen und Erkenntnisse eingetragen werden.
    3. Analyse und Vernetzung von Beobachtungen und biografischen Daten. Ziel ist hier der Erkenntnisgewinn und das identifizieren möglicher entwicklungsförderlicher Schritte.
    4. Dokumentation der erlangten Erkenntnisse und Analysen.
    5. Eingrenzung des Projektthemas. Um möglichst viele Kinder mit dem Thema abzuholen, sollte hier ein Bereich gewählt werden, der – aufgrund der gemachten Beobachtungen – den Großteil der Kinder anspricht. Testen lassen sich Projektthemen und Ideen im Morgenkreis oder anderen Gesprächssituationen in der Gruppe. Lassen sich die Kinder voller Begeisterung auf das Thema ein, oder zeigen Neugierde, kann die erweiterte Planung stattfinden. Handelt es sich um ein kurzes oder langes Projekt? Werden die Aktivitäten in der Einrichtung oder auch außerhalb durchgeführt? In welcher Form werden die Eltern mit an Bord geholt? Diese Fragen gilt es nun zu klären.
    6. Durchführung des Projektes – hierbei nehmen die Kinder die Zügel in die Hand. Nah an der Lebenswelt der Kinder ausgewählte Teilprojekte und Aktivitäten orientieren sich nah an den gemachten Beobachtungen und ermöglichen dabei spielerisch und auffordernd entwicklungsfördernde Momente. Eine Projektdokumentation bietet sich an, um besondere Ereignisse festzuhalten. Kinder können hier ebenfalls kreativ ihre Eindrücke verarbeiten und mit einbringen.
    7. Sichtung des Projektmaterials und Auswertung

Die Rolle der ErzieherInnen im Situationsorientierten Ansatz

Neben schon lange bekannten Vorbildfunktion kommt Erzieherinnen und Erziehern seit Mitte der 1980er Jahre noch eine weitere Rolle zu. Armin Krenz gründete seinen Situationsorientierten Ansatz ebenfalls auf der Bindungsforschung und der Entwicklungspsychologie. Ausgehend von diesen Forschungsbereichen verstärkt sich die Rolle der Erzieherinnen und Erzieher als Bindungsperson für die Kinder. Dieses Vertrauen ermöglicht es den pädagogischen Fachkräften, sich mit dem bisherigen Lebensweg der Kinder auseinanderzusetzen und die – in der frühen Kindheit gemachten – Erfahrungen derart umzuwandeln, dass daraus pädagogischer und entwicklungspsychologischer Mehrwert für die Kinder entsteht. Individuelle Biografiearbeit kann zeitaufwendig sein und auch die Fachkräfte belasten. Daher ist es wichtig für Erzieherinnen und Erzieher, auch auf sich zu achten und in hohem Maße selbstreflexiv auf die tägliche Arbeit mit den Kindern einzugehen. 

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Wer schreibt hier?

Janine Landwermann
Online-Redakteurin
Erinnern Sie sich noch an den Namen „Ihrer“ Erzieherin aus dem Kindergarten? Ich erinnere mich noch sehr gut an Frau Müller und die endlose Geduld, mit der sie uns Kinder damals im turbulenten Erzieher-Alltag gebändigt, motiviert, begleitet und unterstützt hat. Seit 2013 recherchiere ich bei Betzold in Ellwangen für Sie und Frau Müller Wissenswertes und Hilfreiches aus den Bereichen Pädagogik, Bildung und Organisation. 
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