Der Situationsorientierte Ansatz: kurz und knapp erklärt
Der Situationsorientierte Ansatz basiert auf den Erfahrungen und emotionalen Eindrücken, die Kinder bisher gesammelt haben. Die Aufarbeitung und Einordnung des Erlebten steht im Mittelpunkt dieses pädagogischen Ansatzes. Erzieherinnen und Erzieher beobachten und analysieren gezielt die 6 Ausdrucksformen der Kinder (Motorik, Spiel, Sprache, Träume, besondere Verhaltensweisen, Malen) und richten ihre pädagogische Arbeit nach den Beobachtungen aus. Entwickelt wurde der situationsorientierte Ansatz von Armin Krenz in den 1980er Jahren in Kiel unter Berücksichtigung der folgenden interdisziplinären Fachrichtungen:
- Entwicklungspsychologie
- Bildungsforschung
- Neurobiologie
- Bindungsforschung
Kinder werden nach diesem Grundsatz in ihrer individuellen Lebenswelt abgeholt und durch die pädagogischen Fachkräfte in ihrer emotionalen Entwicklung begleitet. Nah an der Lebenswelt/Realität aufgesetzte Projekte werden hier vornehmlich eingesetzt und künstlich geschaffene Lernsituationen oder verschulte Aufgabenstellungen werden abgelehnt. Der Selbstbildungsprozess der Kinder soll angeregt und gefördert werden, emotionale Stabilität und soziale Kompetenzen stehen im Vordergrund. Negative Erfahrungen werden im S.o.A. als entwicklungshinderlich gesehen und bedürfen einer Aufarbeitung und begleiteten erneuten Einordnung. Bereits in frühen Jahren erlernte Grundmuster des Handelns werden durch Krenz als Lebensplan bezeichnet. Dieser Lebensplan kann – je nach gemachter Erfahrung – förderlich für die selbstständige Entwicklung des Kindes sein, oder eher hinderlich. Die pädagogischen Bedürfnisse der Kinder bilden die Basis für die durchzuführenden Projekte im Situationsorientierten Ansatz. Die Entwicklung dieser Projekte folgt in der Herangehensweise einem festgelegten Plan, der in seinem Aufbau immer gleich ist. Der Ablauf der Projekte wird allerdings – je nach Resonanz der Kinder und nach aufkommenden neuen Themen – flexibel gehandhabt.
Die 6 Ausdrucksformen des Kindes
Die 6 Ausdrucksformen des Kindes beschreibt Armin Krenz ausführlich in seinem Buch „Kinderseelen verstehen“. Basierend auf der Arbeit des Psychoanalytikers C.G. Jung sieht Krenz in den kindlichen Ausdrucksformen, das Schaffen von Symbolen, welche Einblick in das Seelenleben des Kindes ermöglichen. Es wird also die Gegenwart beobachtet, um Vergangenes zu verstehen.
- Motorik: Wie bewegt sich das Kind? Was drückt es damit aus? Gibt es Entwicklungshindernisse, die damit ausgedrückt werden? Welche Wege zur Entwicklungsförderung können angewendet werden?
- Spiel: Wie spielt das Kind? Womit spielt es gerne/ungerne? Was drückt es damit aus? Gibt es Entwicklungshindernisse, die damit ausgedrückt werden? Welche Wege zur Entwicklungsförderung können angewendet werden?
- Sprache: Was erzählt das Kind? Wie spricht das Kind? Was drückt es damit aus? Gibt es Entwicklungshindernisse, die damit ausgedrückt werden? Welche Wege zur Entwicklungsförderung können angewendet werden?
- Träume: Welche Träume hat das Kind (Tagträume oder Nachtträume)? Was drückt es damit aus? Gibt es Entwicklungshindernisse, die damit ausgedrückt werden? Welche Wege zur Entwicklungsförderung können angewendet werden?
- Besondere Verhaltensweisen: Was tut das Kind? Wie unterscheidet sich die Verhaltensweise von bisher gezeigtem Verhalten? Was drückt es damit aus? Gibt es Entwicklungshindernisse, die damit ausgedrückt werden? Welche Wege zur Entwicklungsförderung können angewendet werden?
- Malen: Was erzeugt das Kind auf welche Weise kreativ? Was drückt es damit aus? Gibt es Entwicklungshindernisse, die damit ausgedrückt werden? Welche Wege zur Entwicklungsförderung können angewendet werden?