Auch diese Kinder waren durch die Lehrmittel wie verwandelt. Ein Schlüsselerlebnis war für sie die Beobachtung eines dreijährigen Mädchens, das sich auch durch massive Ablenkungsmanöver nicht vom Spielen mit Einsatzzylinderblöcken abhalten ließ. Diese konzentrierte und aufmerksame Phase beschrieb sie später als „
Polarisation der Aufmerksamkeit“.
Leitsatz der Montessori-Pädagogik
Grundlage bildet das Prinzip, dass das Kind als „
Baumeister seines Selbst“ angesehen wird.
Erziehung und Bildung erfolgt also weniger durch Nachahmung, als vielmehr durch das Sammeln eigener Erfahrungen. Bei diesem Prozess stehen dem Kind Lehrer und Erzieher beobachtend zur Seite und fördern den Lernprozess durch gezieltes Hinlenken auf das Lernbedürfnis des Kindes.
Dieses Vorgehen begünstigt nachhaltig die Ausbildung eines selbstständigen Denkens und Handelns. Als oberster Leitsatz der Montessori-Pädagogik gilt die aus der Sicht des Kindes ausgesprochene Aufforderung: „
Hilf mir, es selbst zu tun“.
Dies gilt auch und vor allem für Schwierigkeiten, die im Lernprozess auftreten. Die Kinder sollen lernen, die Hürden des Alltags zu bewältigen, ohne sie zu umgehen.
Unterrichtsmethoden der Montessori-Pädagogik
Als erste setzten Montessori-Schulen auf
Freiarbeit, um den Schülern möglichst viel Freiraum für eigene Entdeckungen und Schlussfolgerungen zu eröffnen.
Die Schüler können selbst entscheiden, womit sie sich beschäftigen möchten. Die Schule stellt dafür ein umfassendes Angebot an Arbeitsmitteln und Aufgaben aus den unterschiedlichsten Themengebieten zur Verfügung. So soll jedes Kind in seinem
eigenen Tempo und selbstbestimmt lernen können.
Freiarbeit als Form des offenen Unterrichts hat inzwischen auch an Regelschulen Eingang gefunden. Ein Mix mit anderen Unterrichtsformen und -methoden hat sich bewährt, wobei auch Frontalunterricht weiterhin seine Berechtigung hat.
Es gibt aber auch Unterschiede in der Art der Durchführung der Freiarbeitsphasen:
- In der Regel werden an Montessori-Schulen dafür die ersten zwei bis drei Unterrichtsstunden des Schultages genutzt.
- Der Freiunterricht ist nicht altersgebunden. In einer Grundschule lernen deshalb Schüler der ersten bis vierten Klasse zusammen. In weiterführenden Schulen gilt das Gleiche für Schüler der höheren Klassenstufen.
Alternativ zum Freiunterricht wird an vielen Montessori-Schulen auch Projektarbeit angeboten. Diese kann aber ebenso während des gebundenen Unterrichts stattfinden, der sich in der Regel nach der großen Pause an die Freiarbeit anschließt. In dieser Zeit werden Themen aus den Fächern Mathematik, Englisch, Sachkunde, Religion, Deutsch, Sport, Musik und Kunst behandelt.
Während die Freiarbeit
frei von Leistungsdruck sein soll, wird das Wissen der Schüler während des gebundenen Unterrichts auch mit Leistungskontrollen und Hausaufgaben überprüft. Allerdings verzichten Montessori-Schulen zumindest in den ersten vier Schuljahren – teilweise auch danach – auf die Vergabe von Noten und Zeugnissen. Stattdessen erhalten Schüler und Eltern in der Regel zweimal pro Jahr informative Beurteilungen, die als „Informationen zum Entwicklungs- und Lernprozess“ (IzEL) bezeichnet werden.